Weisheiten I

Ich besitze nicht, damit ich nicht besessen werde.
Ich bin ein Mensch. Nichts Menschliches ist mir fremd.
Ich bin ein Reisender und ein Seefahrer und jeden Tag entdecke ich eine neue Region in meiner Seele.
Ich bin eine Leiche. Leiche ist Mist, der Mist ist Erde. Wenn aber die Erde eine Gottheit ist, so bin ich nicht eine Leiche, sondern ein Gott.
Ich bin mir selbst der Nächste.
Ich glaube, weil es widersinnig ist.
Ich habe Gott durch Gott erkannt, und habe das, was neben Gott ist, durch den Gesandten Gottes erkannt.
Ich kam, sah und siegte.
Ich liebe den Verrat, aber ich hasse Verräter.
Ich sah sie essen und wusste, wer sie waren.
Ich starb als Stein und entstand als Pflanze. Ich starb als Pflanze und entstand als Tier. Ich starb als Tier und ward geboren als Mensch. Weshalb sollte ich mich fürchten? Was habe ich durch den Tod verloren?
Ich will dir einen Liebestrank verraten ohne Arznei, ohne Heilkräuter, ohne den Zauber irgendeiner Giftmischerin: Wenn du geliebt werden willst, so liebe.
Ich will lieber nach nichts riechen, als lieblich zu riechen.
Ihr seid gut, wenn ihr schreitet zu eurem Ziel, fest und mit tapferen Schritten, und seid doch nicht schlecht, wenn ihr hinhinket; denn selbst die Hinkenden gehen nicht rückwärts.
Ihr sollt nicht eure Flügel falten, damit ihr durch Türen kommt, noch eure Köpfe beugen, damit sie nicht gegen die Decke stoßen, noch Angst haben zu atmen, damit die Mauern nicht bersten und einstürzen.
Im Grunde des Herzens eines jeden Winters liegt ein Frühlingsahnen, und hinter dem Schleier jeder Nacht verbirgt sich ein lächelnder Morgen.
Im Herbst sammelte ich alle meine Sorgen und vergrub sie in meinem Garten. Als der Frühling wiederkehrte, im April, um die Erde zu heiraten, da wuchsen in meinem Garten schöne Blumen.
Im Krieg ist die Wahrheit das erste Opfer.
Im Wein liegt Wahrheit.
Immer arm ist, wer begehrt.
In bescheidenen Verhältnissen ist es leicht, Gleichheit walten zu lassen.
In deiner verdorbenen Brust bewahrst du einen schlauen Fuchs.
In den menschlichen Dingen ist ein Kreislauf, er geht um und lässt nicht immer dieselben glücklich sein.
In der Haltung des Körpers verrät sich der Zustand des Geistes. Durch die Körperbewegung spricht gleichsam des Geistes Stimme.
In der Heimat kannst du keine Prophezeiungen verkaufen.
In der höchsten Gefahr kennt die Furcht in der Regel kein Mitleid.
In der Verwirrung sogar Eile langsam.
In einem freien Staate müssen Zunge und Meinung frei sein.
In gemeinsamen Töpfen kocht sich schlecht.
In jedem Winter steckt ein zitternder Frühling, und hinter dem Schleier jeder Nacht verbirgt sich ein lächelnder Morgen.
In Zweifelsfällen ist immer die wohlwollendere Auslegung vorzuziehen.
Indem sie alles versucht, kommt gelehrige Sorgfalt ans Ziel.
Innerhalb der Seele gibt es Geheimnisse, die keine Meinung aufdecken und keine Vermutung enthüllen kann.