Zitate von Friedrich von Schlegel

Die Romane endigen gern, wie das Vaterunser anfängt: mit dem Reich Gottes auf Erden.
Witz ist die abbreviierte Weisheit
Man soll Witz haben, aber nicht haben wollen; sonst entsteht Witzelei, Alexandrinischer Stil in Witz.
Langsam wird man durch schöne Lehren belehrt, schnell und wirksam durch drastische Beispiele.
Wieviel Autoren gibt es wohl unter den Schriftstellern? Autor heißt Urheber!
Lexika sollen witzig sein!
Nur wer einig ist mit der Welt, kann einig sein mit sich selbst.
Poetischer Schein ist Spiel der Vorstellungen, und Spiel ist Schein von Handlungen.
Die Freude und die Schönheit ist kein Privilegium der Gelehrten, der Adeligen und der Reichen; sie ist ein heiliges Eigentum der Menschheit.
Nur das schlechthin Allgemeine ist die Quelle der Ideen, und Ideen sind das Lebendige der Wissenschaft.
Der Roman ist in der Regel wie ein lockrer Gesell, der unglaublich geschwind lebt, alt wird und stirbt.
Kunst ist das Vermögen der Form.
Jeder Satz, jedes Buch, so sich nicht selbst widerspricht, ist unvollständig.
Jeder hat noch in den Alten gefunden, was er brauchte, oder wünschte; vorzüglich sich selbst.
Niedliche Gemeinheit und gebildetet Unart heißt in der Sprache des feinen Umgangs Delikatesse.
Nur das Klassische oder Progressive verdient kritisiert zu werden.
Nicht den Schwächeren wähle zum Freund dir, um weichlich zu ruhen, sondern, wer gleich dir an Geist, kräftig dich regt und ergänzt.
Literatur ist Unsterblichkeit der Sprache.
Der Mensch ist ein schaffender Rückblick der Natur auf sich selbst.
Niemand kennt sich, insofern er nur er selbst und nicht auch zugleich ein andrer ist.
Viel kann verlieren wer gewinnt.
Die Gesellschaft ist ein Chaos, das nur durch Witz zu bilden und in Harmonie zu bringen ist.
Konzentration aller Kräfte! Die Zerstreuung ist der Tod aller Größe.
Dafür, daß die Frauen meistens weniger sagen, als sie meinen, tun sie bisweilen mehr, als sie wollen.
Nur in seinem Suchen findet der Geist des Menschen das Geheimnis, welches er sucht.
Die romantische Poesie ist eine progressive Universalpoesie.
Das Erste in der Liebe ist der Sinn füreinander und das Höchste der Glaube aneinander.
Tugend ist zur Energie gewordene Vernunft.
Nur in der Sehnsucht finden wir Ruhe…
Keine Tätigkeit ist so menschlich wie die bloß ergänzende, verbindende, befördernde.
Wo Politik ist oder Ökonomie, da ist keine Moral
Alle Tätigkeit, die nicht von den Göttern ausgeht, ist des Menschen unwürdig. Es ist also gut, sich in Vorrat zu setzen.
Liebst du wohl, wenn du nicht die Welt in dem Geliebten findest?
Alles beurteilen zu wollen, ist eine große Verirrung oder eine kleine Sünde.
Stickluft und Langeweile entwickeln sich gern, wo eine Menge Menschen in einem geschlossenen Raum beisammen sind.
Wer die Natur nicht durch die Liebe kennen lernt, der wird sie nie kennen lernen.
Die Kunst ist nur eine Episode, die Liebe ist mehr.
Philosophie – die eigentliche Heimat der Ironie.
Nur durch die Liebe und durch das Bewußtsein der Liebe wird der Mensch zum Menschen.
Liebe ist Freundschaft vom Kopf bis zu den Füßen.
Die Poesie der Dichter bedürfen Frauen weniger, weil ihr eigenstes Wesen die Poesie ist.
Das Geliebte zu vergöttern, ist die Natur des Liebenden.
Witz ist eine Explosion von gebundenem Geist.
Wer Religion hat, wird Poesie reden. Aber um sie zu suchen und zu entdecken, ist Philosophie das Werkzeug.
Es gibt eine schöne Offenheit, die sich öffnet wie eine Blume: Nur um zu duften.
Gott erblicken wir nicht, aber überall erblicken wir Göttliches.
Jeder gute Mensch wird immer mehr und mehr Gott. Gott werden, Mensch sein, sich bilden, sind Ausdrücke, die einerlei bedeuten.
Mysterien sind weiblich; sie verhüllen sich gern, aber sie wollen doch gesehen und erraten sein.
Nicht die Bestimmung der Frauen, sondern ihre Natur und Lage ist häuslich.
Nur selbständige Weiblichkeit, nur sanfte Männlichkeit ist gut und schön.
Poesie kann nur durch Poesie kritisiert werden.
Schön ist, was an die Natur erinnert, also das Gefühl der unendlichen Lebensfülle in uns erweckt.
Verstand ist mechanischer, Witz ist chemischer, Genie ist organischer Geist.
Die Kritik ist die Kunst, die Scheinlebendigen in der Literatur zu töten.
Leben und unbeschränkte Freude bedeuten Liebe.
Das Ich kann nie sich selbst abstrahieren. Das Ich kann durch keine Reflexion erschöpft werden, alles im Ich ist nur Entwicklung im Ich. Revolution von oben.
Ein Kritiker ist ein Leser, der wiederkäut. Er sollte also mehr als einen Magen haben.
Es liegt tief in der Natur des Menschen, daß er alles essen will, was er liebt.
Müßiggang, du heiliges Kleinod, einziges Fragment der Gottähnlichkeit, das uns noch aus dem Paradiese blieb!
Nur diejenige Verworrenheit ist ein Chaos, aus der eine Welt entspringen kann.
In der wahren Prosa muß alles unterstrichen sein.
Es ist ratsam, jedem von Zeit zu Zeit fühlbar zu machen, daß man seiner sehr wohl entraten [entbehren] könne: das befestigt die Freundschaft.
Strenge, die sich selbst bezwingt, Schafft im Leben, was gelingt.
Manieren sind charakteristische Ecken.
Was man überall sehen will, muß man endlich selbst werden.
Da die Philosophie alles, was ihr vorkommt, kritisiert, wäre ein Kritiker der Philosophie nichts als eine gerechte Repressalie.
Man soll nicht mit allen symphilosophieren wollen, sondern nur mit jenen, die à la hauteur sind.
Der wahre Kritiker muß alle Arten von Witz haben.
Die Kritik ist gleichsam die Logik der Poesie.
Strenggenommen ist der Begriff eines wissenschaftlichen Gedichts wohl so widersinnig wie der einer dichterischen Wissenschaft.
Ein blühendes Mädchen ist das reizendste Symbol von reinem guten Willen.
Eine gute Vorrede muß zugleich die Wurzel und das Quadrat ihres Buchs sein.
Humor ist gleichsam der Witz der Empfindung.
Eine Definition, die nicht witzig ist, taugt nichts.
Geistige Freude ist rein und ruhig.
Denke dir ein Endliches ins Unendliche gebildet, so denkst du einen Menschen.
Manche witzigen Einfälle sind wie das überraschende Wiedersehen zweier befreundeter Gedanken nach einer langen Trennung.
Wenn Verstand und Unverstand sich berühren, so gibt es einen elektrischen Schlag. Das nennt man Polemik.
Alle Selbstüberwindung verschafft eine neue, leichtere Existenz.
Das Bewußtsein der notwendigen Grenzen ist das Unentbehrlichste und das Seltenste in der Freundschaft.
Es ist sonderbar, daß der Mensch sich nicht vor sich selbst fürchtet.
Der erste und der letzte Wille ist immer der beste.
Sieh dich vor, daß der Sinn für das Große dir nicht abhanden kommt, ehe du es gewahr wirst.
Witz, als Werkzeug der Rache, ist so schändlich, wie die Kunst als Mittel des Sinnenkitzels.
Verbindet die Extreme, so habt ihr die wahre Mitte.
Was gute Gesellschaft genannt wird, ist meistens nur ein Mosaik von geschliffenen Karikaturen.
Ideen sind unendliche, selbständige, immer in sich bewegliche, göttliche Gedanken.
Ich bin gewiß, daß man wahr gegen sie sein darf. Und Größeres läßt sich von keinem Menschen sagen.
Es ist unmöglich, jemandem ein Ärgernis zu geben, wenn er’s nicht nehmen will.
Die Frauen werden in der Poesie ebenso ungerecht behandelt wie im Leben.
Ehre ist die Mystik der Rechtlichkeit.
Wo Politik ist oder Ökonomie, da ist keine Moral.
Witzige Einfälle sind die Sprüchwörter der gebildeten Menschen.
Nur um eine liebende Frau herum kann sich eine Familie bilden.
Man hat nur so viel Moral, als man Philosophie und Poesie hat.
Dichter sind doch immer Narzisse.
Das Druckenlassen verhält sich zum Denken, wie eine Wochenstube zum ersten Kuß.
Der wahre Geistliche fühlt immer etwas höheres als Mitgefühl.
Nichts ist seltener, als eine schöne Komödie.
Das höchste Gut und allein nützliche ist die Bildung.
Nichts ist verächtlicher als ein trauriger Witz.
Nur durch Bildung wird der Mensch, der es ganz ist, überall menschlich und von Menschheit durchdrungen.
Wert ist vielleicht kein Volk der Freiheit, aber das gehört vor das Forum Dei.
Es ist der Menschheit eigen, daß sie sich über die Menschheit erheben muß.
Die Quelle des Ideals ist der heiße Durst nach Ewigkeit, die Sehnsucht nach Gott, also das Edelste unsrer Natur.
Karikatur ist eine passive Verbindung des Naiven und Grotesken.
Der Historiker ist ein rückwärts gekehrter Prophet.
Wisch dir die Augen und betrachte das Bildnis des Herzens.
Der weibliche Charakter wird so oft nicht verstanden, eben weil es die schöne Natur des Weibes ist, seine Seele zu verhüllen wie seine Reize.
Jeder ungebildete Mensch ist die Karikatur von sich selbst.
Jeder vollständige Mensch hat einen Genius. Die wahre Tugend ist Genialität.
Jeder Begriff von Gott ist leeres Geschwätz. Aber die Idee der Gottheit ist die Idee aller Ideen.
Was die Menschen unter den anderen Bildungen der Erde, das sind die Künstler unter den Menschen.
Künstler ist ein jeder, dem es Ziel und Mitte des Daseyns ist, seinen Sinn zu bilden.
Nur durch Beziehung aufs Unendliche entsteht Gehalt und Nutzen; was sich nicht darauf bezieht, ist schlechthin leer und unnütz.
Moralität ohne Sinn für Paradoxie ist gemein.
Laßt die Religion frey, und es wird eine neue Menschheit beginnen.
Ironie ist klares Bewußtsein der ewigen Agilität, des unendlich vollen Chaos.
Witz ist die Erscheinung, der äußere Blitz der Phantasie. Daher seine Göttlichkeit, und das Witzähnliche der Mystik.
Es gibt nur Einen Sinn, und in dem Einen liegen alle; der geistigste ist der ursprüngliche, die andern sind abgeleitet.
Alle Ehen sind provisorische Versuche und entfernte Annäherungen zu einer wirklichen Ehe
Religion und Moral sind sich symmetrisch entgegengesetzt, wie Poesie und Philosophie.
Viele Werke der Alten sind Fragmente geworden. Viele Werke der Neuern sind es gleich bey der Entstehung.
Alle Menschen sind etwas lächerlich und grotesk, bloß weil sie Menschen sind.
Witz ist Zweck an sich, wie die Tugend, die Liebe und die Kunst.
Grundsätze sind fürs Leben, was im Kabinett geschriebene Instruktionen für den Feldherrn.
Man kann sagen, dass es ein charakteristisches Kennzeichen des dichtenden Genies ist, viel mehr zu wissen, als es weiß, dass es weiß.
Es ist weit schwerer, andre zu veranlassen, daß sie gut reden, als selbst gut zu reden.
Ironie ist die Form des Paradoxen. Paradox ist alles, was zugleich gut und groß ist.
Man kann niemand zwingen, die Alten für klassisch zu halten, oder für alt; das hängt zuletzt von Maximen ab.
Der Künstler, der nicht sein ganzes Selbst preisgibt, ist ein unnützer Knecht.
Manches Gedicht wird so geliebt, wie der Heiland von den Nonnen.
In jedem guten Gedicht muß alles Absicht, und alles Instinkt sein. Dadurch wird es idealisch.
Um einseitig sein zu können, muß man wenigstens eine Seite haben.
Jeder Laut eines lebenden Wesens hat seinen eigentümlichen Sinn, und auch die Gleichartigkeit mehrerer Laute ist nicht bedeutungslos.
So wiederholen viele Tierarten stets dasselbe Geräusch, gleichsam um der Welt ihre Identität bekannt zu machen – sie reimen.
Mancher betrachtet Gemälde am liebsten mit verschloßnen Augen, damit die Fantasie nicht gestört werde.
Im Styl des echten Dichters ist nichts Schmuck, alles notwendige Hieroglyphe.
Auch die lebendigste Hervorbringung der Kunst, die dramatische Poesie, hat ihre contemplative Seite.
Das lyrische Gedicht ist der musikalische Ausdruck von Gemütsbewegungen durch die Sprache.
Der Geist der gesamten antiken Kunst ist plastisch, so wie der modernen pittoresk.
Gesellige Ausbildung schärft den Sinn für das Lächerliche, und wird, bis zur Überfeinerung getrieben, für den Enthusiasmus tödlich.
Das Sterbliche dröhnt in seinen Grundvesten, aber das Unsterbliche fängt heller zu leuchten an und erkennt sich selbst.
Wo gehn wir denn hin? Immer nach Hause.
Es gibt nur Eine Tugend – den reinen, ernsten Willen, der im Augenblick der Entscheidung unmittelbar sich entschließt und wählt.