Zitate von Friedrich von Bodenstedt

…schlägt die Zeit auch schlimme Wunden, Das Herz trotzt ihrer Allgewalt.
Als Gebilde bloßen Fleißes wuchs nie eine Rose im Garten.
Andere Zeiten, anderer Geschmack.
Auch der Schmerz will seinen Ausdruck haben, und der Mann, vom Schmerze überwältigt, braucht sich seiner Tränen nicht zu schämen.
Aus derselben Ackerkrume wächst das Unkraut wie die Blume.
Das erreichte Ziel bringt uns selten volle Befriedigung, unser bester Lohn liegt im Streben.
Das Glück der Ehe kann nur offenbaren, Wer es gesegnet an sich selbst erfahren.
Das ist der Fluch der Armut, daß alle ihre Handlungen, mögen sie noch so uneigennützig sein, niedrigem Interesse zugeschrieben werden.
Das Paradies der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde, in der Gesundheit des Leibes und am Busen des Weibes.
Das Unglück kann die Weisheit nicht – Doch Weisheit kann das Unglück tragen.
Den Wert echter Freundschaft, die so selten vorkommt, lernt man erst im Alter schätzen. Die Jugend hat keinen Begriff davon.
Der Geist ist’s, der die Welt besiegt, Das All durchleuchtend wie die Sonnen.
Der Gram um Tote ist so schmerzlich nicht, Als wenn uns Lieb im Leben Treue bricht.
Der ist nicht wert des Weines, der ihn wie Wasser trinkt.
Der Kern des Christentums ist treue Pflichterfüllung in unserem Berufe und selbstlose Aufopferung für andere.
Der kluge Mann greift nicht nach dem Fernen, Um Nahes zu finden; Und seine Hand greift nicht nach den Sternen, Um Licht anzuzünden.
Der Spötter Witz kann nichts verächtlich machen, was wirklich nicht verächtlich ist.
Der Weise kann des Mächtigen Gunst entbehren,doch nicht der Mächtige des Weisen Lehren.
Der weise Mann ist selten klug, und der kluge selten weise.
Der Weise muß zu den Toren gehn, Sonst würde die Weisheit verloren gehn, Da Toren nie zum Weisen kommen.
Die eigentliche Prüfungszeit beginnt erst mit der Ehe. Es ist leichter zusammenzukommen als glücklich beisammenzubleiben.
Die Gunst der Zeit ist nicht zu bannen, Am schnellsten flieht das höchste Glück.
Die lieblich tun mit allen will, Die macht es keinem recht: Die Tausenden gefallen will, Gefällt nicht einem recht.
Die Mühe muß vor dem Besitze kommen: was leicht gegeben wird, wird auch leicht genommen.
Die Nullen, folgen sie der Eins, wird eine große Zahl daraus!
Die schlimmsten Schmerzen sind auf Erden, Die ausgeweint und ausgeschwiegen werden.
Die Sehnsucht selbst ist in den meisten Fällen beseligender als ihre Erfüllung.
Die Weisheit gibt der Anmut Stärke, die Anmut gibt der Weisheit Glanz.
Die Welt ist urteilslos.
Droht der Weltschmerz mit steter Erweiterung, Bleibt kein Mittel als Wein zur Erheiterung.
Du bist deine eigene Grenze, erhebe dich darüber.
Durch bloße Lehren sind nie die Menschen zu bekehren: Das gute Beispiel prägt allein der Lehre Sinn dem Herzen ein.
Eigene Schmerzen ertragen wir leichter als die Leiden unserer liebsten Angehörigen.
Ein großes Unglück trägt der Mann mit Stolz, Doch unerträglich ist das kleine Elend.
Ein liebeleeres Menschenleben ist wie ein Quell, versiegt im Sand, weil er den Weg zum Meer nicht fand.
Ein Mann, der nach dem Wahren strebt und Rechten, Ist ein lebendiger Vorwurf für die Schlechten.
Erfasse das Glück des Lebens im Fluge: Es kommt nicht zurück.
Genießen wir, was uns der Tag beschert! Wer weiß, ob solch ein Tag uns wiederkehrt.
Gewiß ist, daß eine einzige Stunde vertraulicher Mitteilung zwei fremde Menschen einander näher bringt als ganze Jahre gewöhnlichen Beisammenlebens.
Gewöhne dich, da stets der Tod die dreut, dankbar zu nehmen, was das Leben beut.
Gibt’s kein Paradies, gibt’s doch Paradiese.
Greif nach der Süße des Seins, nicht nach langem Bestehen.
Gute Witze wollen erdacht sein, gute Verse wollen gemacht sein.
Handle so, wie du kannst wollen, Daß auch andre handeln sollen.
Hin zum Lichte drängt das Licht, Doch der Blinde sieht es nicht.
Ich bin nicht mehr in den Jahren, wo man das Leben von vorn anfängt.
Ich habe die Menschen, die schnell mit einem Verdammungsurteil bei der Hand sind, immer in Verdacht, daß sie selbst nicht viel taugen.
Ich habe die Natur eines Menschen immer am leichtesten an der Art seines Lachens erkannt.
Ich suche jetzt vor mir selber die angenehmen Empfindungen zu vergrößern und die traurigen zu unterdrücken. In meiner Jugend verfuhr ich umgekehrt.
Ist nicht im Innern Sonnenschein, von außen kommt er nicht hinein.
Kein Liebespaar kann immer kosen.
Kein Mensch ergründet sein Verhängnis.
Kein Tropfen geht verloren von dem, was Weise trinken!
Kein Weg ist so weit im ganzen Land als der von Herz und Kopf zur Hand.
Klug zu reden ist oft schwer, Klug zu schweigen meist noch mehr.
Leb so, daß, wenn du strauchelst, Engelshand dich führen mag zum Ziel, das dir entschwand.
Lieb‘ ohne Lust – o welche Pein! Lust ohne Liebe – wie gemein! Die beiden aber im Verein Gewähren uns das höchste Sein.
Mir scheint die Zeit ein Schatz, der täglich abnimmt. Wir haben wenig und verlieren viel, wenn wir nicht jeden Tag als Baustein nutzen.
Nach Neuem verlangt jeder kommende Tag.
Nichts auf Erden darf uns die Hoffnung rauben, und es gibt keinen Fluch, den der Himmel nicht in Segen verwandeln könnte.
Nie ist Feindes-Freundschaft ohne Tücke, Nie das Wort des Feindes eine Brücke.
Nie versäume des Augenblicks Gunst und Gelegenheit: Was er heute geboten, beut er dir morgen nicht mehr.
Niemand hört dir gläubig zu, wenn du bei deiner Belehrung beginnst: Ich bin klüger als du.
Noch keiner starb in der Jugend, Wer bis zum Alter gezecht.
Not ist das Grab der Poesie.
Nur der kopflose Tropf verliert nie den Kopf.
Nur durch Kampf gewinnt man Siege.
Nur eine Weisheit führt zum Ziele, Doch ihrer Sprüche gibt es viele.
Ob du dich in einer weichen Sänfte tragen läßt, oder ob du dich tanzend fortbewegst – du kommst auf jeden Fall zu Gott.
Sanftmut wirkt größere Dinge als schneidende Gewalt.
Schwer ist’s feurige Geister zu zügeln; Schwerer noch träge zu beflügeln.
Schwer ist’s, einen guten Ruf zu gewinnen, noch schwerer ihn zu verdienen, und am schwersten, ihn zu bewahren.
Stets zu spät kommt gute Kunde, Schlechte Kunde stets zu frühe.
Ungöttlich ist der Haß, Und göttlich nur die Liebe.
Veredelung ist der Welt Erlösungswort.
Viele Menschen wollen lieber beneidet als bemitleidet sein.
Was du gesündigt an einem Menschen, mach es am andern wieder gut.
Was können Schild und Panzerhemd frommen Gegen Geschütze, die vom Schicksal kommen?
Was man einmal ist, das muß man ganz sein.
Welchen Wert, sprich, hat dein Leib, wenn ihn des Geliebten Arme nicht umfangen.
Welken muß die Blüte In der Zeiten Flucht. Aber im Gemüte Bleibt die reife Frucht.
Wem der Himmel keinen Freund beschert, Weh ihm! der Mann ist keines Grußes wert!
Wen Liebe nie zu weit getrieben, den trieb sie auch nie weit genug.
Wer alles aufs Spiel gesetzt, Hat sicher zu viel gesetzt.
Wer ernstlich wirkt und schafft, ist stets bereit, auch andern gern mit Rat und Tat zu dienen.
Wer nicht durch ein erfreulich Leben weiß guten Lehren Reiz zu geben, dem wäre besser, daß er schwiege.
Wer nie verließ der Vorsicht Kreise, der war nie töricht, aber auch nie weise.
Wer seine Freunde im Tode nicht ehrt, ist ihrer im Leben nicht wert gewesen.
Wer Weisheit übt, legt anderen keinen Zwang auf.
Werfen Steine nach dir Feindeshände: Wie ein Obstbaum reiche Früchte spende.
Wie nutzlos, durch dieses Leben zu wandern, Wär’s nicht die Brücke zu einem andern!
Wie schnell alle Sterne verschwinden, sobald sich die Sonne erhebt.
Witz ist ein Schaumschlagen des Geistes, welches allerlei wunderliche Blasen zu Tage fördert, die im Glanze der Sonne wie wirkliche Edelsteine und Perlen blitzen.
Wohl gibt es Fürsten, Die nach Wahrheit dürsten; Doch wenigen ward ein so gesunder Magen, Sie zu vertragen.
Wohl oft fand ich, was Aug’ und Herz ergötzte, doch nie, was meine Heimat mir ersetzte.
Wunder wirkt oft im Gemüte ein geweihtes Dichterwort.
Zieh aus dem Schmerz des Lebens Auch deinen Glücksgewinn.
Zum Kampf gerüstet ward vom Schicksal jeder, das Schwert schwingt dieser, jener schwingt die Feder.
Zur Wahrheit führen rauhe, dunkle Bahnen, Erst später erfüllt sich, was wir früh schon ahnen.
Zwei Dinge sind schädlich für jeden, der die Stufen des Glücks will ersteigen: Schweigen, wenn Zeit ist zu reden, und zu reden, wenn Zeit ist zu schweigen