Zitate von Friedrich Rückert

Ach, wie ist der Mensch zerbrechlich, Ach, wie flüchtig unaussprechlich Eilt die Zeit, und nimmt ihn mit.
… ist das Herz geleert, Wird’s nie mehr voll.
Allein ist besser als mit Schlechten im Verein, mit Guten im Verein ist besser als allein.
Alles ist im Keim enthalten, alles Wachstum ein Entfalten.
Allwie der Mensch, So ist sein Gott, so ist sein Glaube, Aus geist’gem Äther bald, Und bald aus Erdenstaube.
Am Abend wird man klug für den vergang’nen Tag, doch niemals klug genug für den, der kommen mag.
Am besten machst gleich dein Ding im Anfang recht; Nachbesserung macht oft Halbgutes völlig schlecht.
Am Ende einer Bahn ist gut Zufriedenheit; doch wer am Anfang ist zufrieden, kommt nicht weit.
Am Walde hätte nicht die Axt so leichtes Spiel, hätt‘ ihr der Wald nicht selbst geliefert den Stiel.
An Sittensprüchen hat der Arge sein Vergnügen, nicht um danach zu tun, doch um damit zu trügen.
Auch Reichtum ist eine Kraft, so gut wie Weisheit und Stärke, kann werden nicht minder ehrenhaft, verwendet zum Menschenwerke.
Auf das, was dir nicht werden kann, sollst du den Blick nicht kehren, oder ja, sieh recht es an, so siehst du gewiß, du kannst’s entbehren.
Auf Künft’ges zähle nicht und zähl‘ nicht auf Versprochenes; klag um Verlornes nicht und denk nicht an Zerbrochnes.
Aufmerksamkeit, mein Sohn, ist, was ich dir empfehle; bei dem, wobei du bist, zu sein mit ganzer Seele.
Aus bittren Meeren zieht die Sonne süßes Wasser, so zieh auch Liebe du aus Herzen deiner Hasser.
Aus der Jugendzeit, aus der Jugendzeit klingt ein Lied mir immerdar; oh wie liegt so weit, oh wie liegt so weit, was mein einst war!
Aus Eigennutz entspringt die Dankbarkeit der meisten für einen Dienst, den ihr geleistet oder leistet.
Aus jedem Punkt im Kreis zur Mitte geht ein Steg, Vom fernsten Irrtum selbst zu Gott zurück ein Weg.
Auswendig ist gelernt, was dir vom Munde fließt, Inwendig, was im Sinn lebendig sich erschließt.
Becherrand und Lippen, zwei Korallenklippen, wo auch die gescheitern Schiffer gerne scheitern.
Bei nichts mehr als bei der Erziehung muß es heißen: „Und hätte ich alle Weisheit und hätte der Liebe nicht, so wäre ich zu nichts nütze.“
Bei Unverträglichkeit gedeiht kein Feuer im Haus: Der eine bläst es an, der andere bläst es aus.
Beim Hauch des Morgens und der Mitternächte Schauer Fühl ich die Trauer, daß die Welt hat keine Dauer;
Bescheiden wollt‘ ich sein, säh‘ ich mich voll geehrt; Stolz muß ich sein, solang ihr leugnet meinen Wert.
Bescheidenheit, ein Schmuck des Mannes, steht jedem fein, Doch doppelt jenem, der Grund hätte, stolz zu sein.
Besser laut ein kurzer Zank als lang heimlich zankhaft.
Bewundern, lieben, anerkennen – wer das nicht kann, ist arm zu nennen.
Bild‘ auf den eignen Werth dir nur nicht zuviel ein So wird ein mäß’ges Lob schon groß genug dir sein.
Bildung – Die Welt glaubt man zu bilden leicht, Und hat am Ende genug erreicht, Wenn man vom Kampfe in der Welt Gebildet sich selbst zurückerhält.
Da zu gefallen den Leuten mir niemals wollte gelingen, Faßt ich am Ende den Mut, mir zu gefallen allein.
Das Alte wird nie alt, es wird nur alt das Neue.
Das Alter nimmt dir nichts, was es dir nicht erstattet.
Das Feuer schürt der Wind, und löscht das Feuer wieder; so kämpfet Leidenschaft die Leidenschaft darnieder.
Das Fleckchen an der Wang ist eine Zier, das schwarze; doch wenn es zu groß wird, so ist es eine Warze.
Das Gold, sobald es hat erkannt den Edelstein, Ehrt dessen höhern Glanz und faßt ihn dankbar ein.
Das Gute tust du nicht, um zu empfinden Lust; Die Lust empfindest du, weil du das Gute tust.
Das Hündlein wedelt, dir sein Futter abzuschmeicheln. Den edlen Hengst, damit er’s annimmt, mußt du streicheln.
Das kleine Pfefferkorn sieh für gering nicht an. Versuch es nur und sieh, wie scharf es beißen kann!
Das Leben ist nur dem an steten Wonnen reich, der froh bewußt es sich und andern lebt zugleich.
Das menschlichste Geschäft ist, Menschen zu erziehen.
Das Mittelmaß ist gut dem Alter wie der Jugend, nur Mittelmäßigkeit ist keine Tugend.
Das sind die Weisen, Die durch Irrtum zur Wahrheit reisen, die bei dem Irrtum verharren, Das sind die Narren.
Das Unsichtbare siehst du klar im Sichtbarn nur, Und nichts im Sichtbarn als des Unsichtbarn Spur.
Das Wissen all weiß nichts und nur der Glaube weiß.
Daß du die Rose hast, das merkst du erst am Dorn.
Daß du mich liebst, macht mich mir wert.
Daß du nicht über Schaden klagest, Sieh‘, was du sagst und wo du’s sagest!
Daß sie die Perle trägt, das macht die Muschel krank, Dem Himmel sag‘ für Schmerz, der dich veredelt, Dank.
Daß wir am Anfang schon dem End entgegen gehnUnd doch am Ende noch beim Anfang immer stehn.Bald haben wirs verwacht, bald haben wirs verträumt, Nie säumend Tag und Nacht, das Glück ist stets versäumt.
Dein Auge kann die Welt trüb oder hell dir machen. Wie du sie ansiehst, wird sie weinen oder lachen.
Dein Leben ist ein Strom; o laß dich nicht verdrießen, durch manchen Berg gehemmt, dem Meere zuzufließen.
Dein Vergangenes ist ein Traum und dein Künftiges ist ein Wind. Hasche den Augenblick, der ist zwischen den beiden, die nicht sind.
Deines Herzens Güte Magst du daran erproben, Ob du von ganzem Gemüte Das Gute kannst an deinem Todfeinde loben.
Dem Manne borge du kein Geld, der sein Gebet nicht pünktlich hält. Wer Gottes Schuldigkeit vergißt, zahlt auch nicht, was er schuldig ist.
Dem Manne steht es an, zu thun so viel er kann: Was zuthun mag das Glück, das liegt nicht an dem Mann.
Dem Müßiggänger fehlt es stets an Zeit zum Thun, Und nie am Grund, warum er’s lasse ruh’n.
Den Weisen kannst du an der Wahl der Zweck‘ entdecken, Den Klugen an der Wahl der Mittel zu den Zwecken.
Der Adler fliegt allein, der Rabe scharenweise, Gesellschaft braucht der Tor und Einsamkeit der Weise.
Der Armen Anblick ist ein stummer Vorwurf dir, O Reicher, frage dich: wer gab den Vorzug mir?
Der Blick des Neides sieht zu seiner eignen Pein nur alles Fremde groß und alles eigne klein.
Der Ehre kannst du wohl von andern leicht entbehren, Wenn du dich selber nur zu halten weißt in Ehren.
Der Erfolg ist offenbar, Die Absicht aber niemals klar. Drum wird man alle Menschengeschichten Ewig nach dem Erfolge richten.
Der Himmel ist nur da, die Erde zu ergänzen.
Der Mann ist töricht, der die Menge der Freunde zählt. Ein Bündel Röhricht hilft dir nicht, wo ein Stab fehlt.
Der Ruhm des Mannes ist des Weibes höchster Reiz, Die Ehre seines Weibes des Mannes höchster Geiz.
Der schrankenlose Geist ist darum nur gefangen in Schranken, um darin zur Freiheit zu gelangen.
Der Teufel hat die Welt verlassen, die weil er weiß, die Menschen sich auch ohn‘ ihn hassen und machen sich die Hölle heiß.
Der Unschuld schönster Lohn ist, daß sie unbefangen Nichts Arges denkt, und braucht vor Argem nicht zu bangen.
Der Untreu‘ ärgste Straf‘ ist, daß sie nicht kann glauben An fremde Treu‘, das wird die Ruh‘ ihr ewig rauben.
Der Verstand ist im Menschen zu Haus wie der Funken im Stein; er schlägt nicht von sich selbst heraus, er will herausgeschlagen sein.
Der Weihrauch duftet nur, wo ihn die Glut verzehrt; leid in Geduld, o Herz, so bist du Gottes wert.
Der wird stets das Beste missen, Wer nicht borgt, was andre wissen.
Des Herbstes mag sich freun, was eine Frucht getragen, Das, was nur Blätter trug, vor seinem Hauch muß zagen.
Des Menschen ganzes Glück besteht in zweierlei: Daß ihm gewiß und ungewiß die Zukunft sei.
Des Menschen Schuldbuch ist sein eigenes Gewissen, darin durchstrichen wird kein Blatt, noch ausgerissen.
Des Schrifterklärers Fluch ist Alles zu erklären, Als ob am Himmel nicht Auch Nebelsterne wären
Dich hüten mußt du selbst, und Gott muß dich bewahren.
Die Augen halte zu, und deinen Beutel offen, Ein solcher Kunde ist es, auf den die Krämer hoffen.
Die Demut ehre du, und zu der Demut Ehren sei gegen Stolz, um Demut sie zu lehren.
Die Ehre muß dich suchen, nicht du die Ehre!
Die Fähigkeit ist tot, wo sie nicht wird zum Triebe; zum Lernen treiben muß dich eigen Lust und Liebe.
Die Freuden kennst du nicht, wenn du nur Freuden kennest. Dir fehlt das ganze Licht, Wenn du’s in Strahlen trennest.
Die Freunde bitte fein, dich nicht zu sehr zu ehren, Sonst werden Feinde dir dafür den Krieg erklären.
Die geben einen Halt, im Leben einen Stab Der Worte vier: Halt ein! Halt aus! Halt an! Halt ab!
Die Klugheit dieser Welt ist: schlecht von Menschen denken; Wer aber Gott vertraut, kann allen Zutraun schenken.
Die Liebe Gottes kann so werden übertrieben, Daß sie für Sünd‘ es hält, den Menschen auch zu lieben.
Die Liebe stört als wie der Haß das Gleichgewicht Der Seele, das der Welt stören beide nicht.
Die Menschen wären weniger selbstbewußt, wenn sie mehr ihres Selbst bewußt wären.
Die Rose stand im Tau, es waren Perlen grau, als Sonne sie beschienen, wurden sie zu Rubinen.
Die sich durch Irrtümer durchkämpfend zur Wahrheit gelangen: die sind die Weisen!
Die Sittlichkeit allein ersetzt den Glauben nicht; doch weh‘ dem Glauben, dem die Sittlichkeit gebricht.
Die Vorsicht geht zu sacht, die Zuversicht zu keck; Vorsicht, mit Zuversicht vereint, gelangt zum Zweck.
Die wahre Tugend ist, daß jeder seine Frist das tüchtig tut, wozu er taugt und tüchtig ist.
Die Wahrheit ist im Wein. Das heißt: In unsern Tagen muß einer betrunken sein, um Lust zu haben, die Wahrheit zu sagen.
Die Welt ist da mit ihren Plagen, Die nicht von ihr zu trennen sind.
Die Welt ist ewig schön, die Welt ist ewig jung, Nicht im Genusse, nur in der Erinnerung.
Die Welt nimmt teil mit Lust an unserem Schaden nur.
Die Zwei ist Zweifel, Zwist, ist Zwietracht, Zwiespalt, Zwitter; die Zwei ist Zwillingsfrucht am Zweige süß und bitter.
Dies Richtmaß halte fest! Der Glaube wird zum Toren, Zum Narr’n die Wissenschaft, wo sie das Maß verloren.
Dir geht die Wissenschaft Vorbei auf dunklen Bahnen, Und um dein Urlicht schwebt Der Andacht sel’ges Ahnen.
Drei Menschen auf einmal verdirbt Verleumdungsgift! Den, der sie spricht, den, der sie hört, den, so sie trifft.
Drei Menschen auf einmal verdirbt Verleumdungsgift: Den, der sie spricht, den, der sie hört, den, so sie trifft.
Du bringst nichts mit hinein, du nimmst nichts mit hinaus, laß eine goldene Spur im alten Erdenhaus.
Du fragst, wie auf den Baum der Apfel sei gekommen? Ein andrer hat indes ihn schweigend abgenommen.
Du hast zwei Hände und einen Mund; Lern‘ es ermessen! Zwei sind da zur Arbeit, und Einer zum Essen.
Du hattest kein Glück und ich hatte keins; wir nahmen einander, nun haben wir eins. Wo haben wir es denn hergenommen? Es ist vom Himmel auf uns gekommen.
Du mußt allerlei hören, es darf dein Herz nicht stören, du wirst auch mancherlei reden, es wird nicht rühren jeden.
Du mußt in fremdem Land die Augen offen haben, Sonst stolperst du und fällst in jeden Straßengraben.
Du sollst Gesinnung haben; aber sage nicht, Daß du sie habest, sondern schweig und zeige sie.
Du sprichst: Mich reizet Obst nicht mehr. O, laß doch schauen! Du hast gewiß den Zahn nicht mehr zum Apfelkauen.
Durch Schaden wird man klug! sagen alle klugen Leute. Schaden litt ich genug, doch bin ich ein Tor noch heute.
Durch Wechselbeistand kann auch Not die Not vertreiben, so wie einander warm zwei kalte Hände reiben.
Eh‘ du scharfe Schwerter schleifst, Sieh‘ ob nicht die Milde frommt.
Ehre dich, ehre dich selber, wenn dich ein Schwächling necket, laß ihn laufen.
Ein Ärgernis ist nur, wo man es nimmt gegeben; Dir vorgeworfnes brauchst du ja nicht aufzuheben!
Ein gut Wort, gut gesagt und auch gut aufgenommen, dazu gut angewandt, mag uns zugute kommen.
Ein heiteres Gemüt ist gleich in jeder Lage, Doch lieblich wechselnd, wie der See am schönen Tage.
Ein Irrtum weggeräumt, gibt einen wahren Satz; So durch Irrtümer selbst wächst stets der Wahrheit Schatz.
Ein Knabe lernt nur von geliebten Lehrern gerne. Du aber sei ein Mann, auch von verhaßten lerne!
Ein leicht erwärmter Freund wird leicht erkältet sein.
Ein Menschenherz ist viel zu klein, Um liebend sich der Welt zu weih’n.
Ein niedrer Sinn ist stolz im Glück, im Leid bescheiden; Bescheiden ist im Glück ein Edler, stolz im Leiden.
Ein Reicher in der Fremd‘ ist überall zu Haus, Und fremd ein armer Mann in seinem eignen Haus.
Ein Säugling ist der Geist, Natur ist seine Amme; Sie nährt ihn, bis er fühlt, Daß er nicht von ihr stamme.
Ein Tor ist zugetan, doch tausend sind noch offen – laßt uns hoffen.
Ein unbeschrieb’nes Blatt ist jugendlicher Sinn; Viel Schönes, Gutes darauf zu schreiben ist Gewinn.
Ein Vater soll zu Gott an jedem Tag beten: Herr, lehre mich, dein Amt beim Kinde zu vertreten.
Ein Weiser ist, wer Scherz und Ernst zu sondern weiß, Und sich am heiteren Spiel neu stärkt zu strengem Fleiß.
Ein Wetzstein schneidet nicht, doch macht er scharf das Messer; Durch einen schlechten Mann wird oft ein guter besser.
Ein Wunder ist die Welt, das nie wird ausgewundert, das niederschlägt den Geist und wieder ihn ermuntert.
Erfahren muß man stets, Erfahrung wird nie enden, und endlich fehlt die Zeit, Erfahrenes anzuwenden.
Erhabnes, findet es erhabne Stimmung nicht, Erscheint lächerlich im Leben, im Gedicht.
Erliegen kann ein Mann, nicht sich unmännlich halten; erlöschen kann ein Feu’r, doch nie kann es erkalten.
Es gibt gewisse Dinge, die sind unfaßbar und kaum zu glauben, daß Menschen sie vollbringen können. Sie können lügen, ohne mit der Wimper zu zucken.
Es ist ein alter Spruch: das beste Leichentuch ist Redlichkeit, sie würzt den Tod mit Wohlgeruch.
Es kann mit Kraftanwendung Der Mensch auf jeder Stuf‘ erreichen die Vollendung.
Es sollen ein Gebet die Worte nicht allein, es sollen auch ein Gebet die Gedanken sein.
Etwas wünschen und verlangen. Etwas hoffen muß das Herz, Etwas zu verlieren bangen, Und um etwas fühlen Schmerz.
Ew’gen Segen bringt dir, was du mild verstreust, nicht, was karg du magst zusammenklittern.
Ewigkeiten, Herz, durchmessen Willst du, kannst doch nicht vergessen, Daß dein Blut ist Stundensand.
Falschheit kränkt mehr denn Tod!
Frage nicht, was das Geschick morgen will beschließen, unser ist der Augenblick, laß uns den genießen!
Freigebig bist du nicht, wenn du, was du nicht brauchst, Gleichgültig gibst, und nicht zuvor in Liebe tauchst.
Freigiebig ist nicht, wer nur gibt, wo ihm kein Mangel droht; freigiebig ist, wer Hunger hat und teilt mit dir sein Brot.
Füge dich der Zeit, erfülle deinen Platz und räum ihn auch getrost: Es fehlt nicht an Ersatz!
Gefragt ein Weiser: Denkst du nie ans Vaterland? Doch, sprach er, stets! Und wies zum Himmel mit der Hand.
Gemüt ist mehr als Geist, denn das Gemüt besteht als Wurzel, wenn der Geist wie Blütenduft vergeht.
Gesell‘ dich einem Bessern zu, daß mit ihm deine besser’n Kräfte ringen. Wer selbst nicht weiter ist als du, der kann dich auch nicht weiterbringen.
Gesellschaft braucht der Tor, und Einsamkeit der Weise.
Gewohntes wünsch‘ ich mir, doch mach ich zum Bedinge, Daß aus Gewohnheit nie Gleichgültigkeit entspringe.
Gib nicht zu schnell dein Wort, so brauchst du’s nicht zu brechen; Viel besser ist es, mehr zu halten als versprechen.
Gib Worte deinem Schmerz, so ist er dir benommen; Gib Worte deiner Lust, so ist sie dir entkommen.
Gibst du dem Feinde nach, so gibt er dir den Frieden; Und gibst du dir nicht nach, so ist dir Sieg beschieden
Gleich von unbegrenztem Sehnen, Wie entfernt von träger Ruh‘, Müsse sich mein Leben dehnen, Wie ein Strom dem Meere zu.
Glück hilft nur manchmal, Arbeit immer.
Gott danke jeder, dem die Macht zu schaden fehlt, Denn selten hat sie einer und mißbraucht sie nicht.
Gutes und Böses prophezei’n Durcheinander muß ein Prophet: Eins von beiden trifft immer ein, Daß er nie in Schanden besteht.
Hart wird zuletzt die Haut, die viele Streich‘ empfangen, Und hart der Sinn, wem hart es in der Welt gegangen. Unruhig ist die Welt, unruhig ist das Herz, Und eins das andre setzt in Unruh‘ allerwärts.
Helft, Ritter, wenn ihr Ritter seid, seid Retter!
Herzhaftigkeit ist bloß Temperamentseigenschaft. Der Mut dagegen beruht auf Grundsätzen und ist eine Tugend.
Ich bin gekommen, ich weiß nicht woher; Ich werde gehen, und weiß nicht wohin; Doch, wo ich sein mag, das ist Er, Er ist bei mir, wo ich bei Ihm bin.
Ich glaubte mich gelobt, dir danken wollt‘ ich schon; nun lobst du jeden Wicht, beschämt schleich‘ ich davon.
Ich kann, das ist das Maß der mir verliehenen Kraft, Der Tat, der Fertigkeit, der Kunst und der Wissenschaft.
Ich muß, das ist die Schrank‘, in welcher mich die Welt von einer, die Natur von andrer Seite hält.
Ich suchte das Haus der Zufriedenheit; Es kannt‘ es niemand weit und breit.
Ich will! Die schönste Kron‘ ist dieses, die mich schmückt! Der Freiheit Siegel, das mein Geist sich aufgedrückt.
Ihr Ärzte seid einmal verordnet uns zu Mördern; Heil denen, die geschickt und freundlich uns befördern.
Im Herzen stehest Du und bist der Liebe Geist. Und Dich erkennt das Herz, das Dich mit Liebe preist.
Im Kleinen wirke recht und bilde treu das Schöne, damit an Höheres sich sanft der Trieb gewöhne.
Im selben Maß du willst empfangen, mußt du geben; Willst du ein ganzes Herz, so gib ein ganzes Leben.
In allem Leben ist ein Trieb Nach unten und nach oben; Wer in der rechten Mitte blieb Von beiden, ist zu loben.
In dem großen Verband, Welcher Staat sich nennet, Zu achten ist jeglicher Stand, Der seine Pflicht erkennet.
In einer guten Eh‘ ist wohl das Haupt der Mann, jedoch das Herz das Weib, das er nicht missen kann.
In Gottes Acker ist von Nutzen auch der Mist; Pfui aber über dich, wenn du nichts Bessres bist!
In himmlisch schönen Tagen Laßt aus dem Sinn die Welt uns schlagen, Vergessen, daß wir auf ihr sind.
In tausend Blumen steht die Liebesschrift geprägt: Wie ist die Erde schön, wenn sie den Himmel trägt!
Ist es nicht Sünde, zu wünschen ohne zu handeln?
Jage nicht das flücht’ge Reh des Weltgenusses, Denn es wird ein Leu und wird den Jäger jagen.
Je mehr es abwärts geht, je reicher wird das Leben.
Jede Tat schlägt ihren Täter, Und jeder Verrat trägt seinen Verräter.
Jeder nach seinem Sinn wählt seiner Freuden Ort,Der Rosenkäfer hier und der Mistkäfer dort.
Kann das Leben selbst nicht währen, Kann es doch sich neu gebären, Dass unendlich es erscheint.
Kehr‘ in dich still zurück, ruh‘ in dir selber aus, so fühlst du höchstes Glück.
Kein ehrliches Handwerk – Ist ein Schandwerk.
Klage dein Leid nicht den Ungetreuen, Die sagen: o Gott! und sich heimlich freuen.
Klage nicht, daß dir im Leben Ward vereitelt manches Hoffen; Hat, was du gefürchtet eben, Doch auch meist dich nicht getroffen.
Laß deine Zunge gleich der Zunge sein der Waage; Kind, wo sie stille steht, ist ihre beste Lage.
Laß jedes Glück verblühn, wenn dir nur eines bleibt: Die Hoffnung, die am Zweig stets neue Knospen treibt.
Laß keinen, was er nicht halten kann, dir versprechen! Was nützt es dir, wenn du ihn zwingst, den Eid zu brechen.
Lass nicht diesen Halt dir rauben! Du musst an dich selber glauben, Wenn du etwas leisten willst.
Lebe von der Welt geschieden, und du lebst mit ihr in Frieden.
Lebt in der Gegenwart! Zu leer ist und zu weit Der Zukunft Haus, zu groß das der Vergangenheit.
Lerne groß erst sein im Kleinen aber dann im Großen klein, und im Großen wie im Kleinen wird dein Maß das rechte sein.
Lerne von der Erde, die du bauest, die Geduld; Der Pflug zerreißt ihr Herz, und sie vergilt’s mit Huld.
Lieb‘ ist nicht wenig und nicht viel, denn Lieb‘ ist ohne Maß und Ziel.
Liebe ist die ältest‘ neu’ste einz’ge Weltbegebenheit.
Lüg‘ einfach, und ich glaub’s; doch, wenn hinzu du fügst so viel Beteu’rungen, so merk‘ ich, daß du lügst.
Man glaubt die Wahrheit nicht, wenn sie ein Armer spricht, doch selbst die Lüge glaubt man einem reichen Wicht.
Man lebt nicht zweimal und wie groß ist deren Zahl, die leben auf der Welt auch einmal nicht einmal.
Mancher wähnt sich frei, und siehet nicht die Bande, die ihn schnüren.
Mein Baum war schattendicht, o Herbstwind, komm und zeige, indem du ihn entlaubst, den Himmel durch die Zweige.
Mein einz’ger Wunsch ist meiner Wünsche Ruh‘.
Menschensinn und Geschick ist wandelbar.
Mit allem wird von selbst Vergnügen sich verbinden, Vergnügen aber, das man sucht, ist nicht zu finden.
Mit einem Teil des Lobes sollst du den Freund nur schmücken Ins Antlitz, einen Teil sag hinter seinem Rücken.
Mit heiterm Angesicht der Erde Leiden tragen, Das ist des Himmels Lust, das läßt uns nicht verzagen.
Mit jeder Sprache mehr, die du erlernst, befreist du einen bis dahin in dir gebundenen Geist.
Mit Kleineren scherze nicht! er wird sich überheben; Und mit dem Größeren! er wird dir’s nicht vergeben.
Mit unverdientem Lob kannst du vielleicht beschämen, Wen du nicht konntest mit verdientem Tadel zähmen.
Möge jeder still beglückt seiner Freuden warten! Wenn die Rose selbst sich schmückt, schmückt sie auch den Garten.
Nicht Achtung kannst du dem, der dich nicht achtet, schenken, Oder du mußt sogleich von dir geringer denken.
Nicht das Schönste auf der Welt soll dir am meisten gefallen; sondern, was dir wohlgefällt, sei dir das Schönste von allen.
Nicht der ist auf der Welt verwaist, Dessen Vater und Mutter gestorben, Sondern der für Herz und Geist Kein‘ Lieb‘ und kein Wissen erworben.
Nicht die Sorge, noch die Plage Schiebe du zum andern Tage, Sondern tu die beiden ab Frisch im Nu, wie Gott sie gab!
Nicht nur von Starken fühlt der Schwache sich gestärkt, Er selber fühlt sich stark, wo er noch Schwächre merkt.
Nicht viel sind tausend Freund‘, ein einz’ger Feind ist viel; Denn diesem ist es ernst, und jenen nur ein Spiel.
Nicht was du bist, ist, was dich ehrt. Wie du es bist, bestimmt deinen Wert.
Nicht wer sich nicht erkennt, wer sich nicht fühlt, ist dumpf.
Nichts wie die Schmeichelei ist so gefährlich dir; du weißt es, daß sie lügt, und dennoch glaubst du ihr.
Nie stille steht die Zeit, der Augenblick entschwebt, und den du nicht benutzt, den hast du nicht gelebt.
Niemals, ob die Uhr du stellen magst zurück, kehrt die versäumte Zeit und ein verträumtes Glück.
Nimm ein leichtes Wort nicht so schwer, gönne ihm nicht den Triumph. Was ein Steinwurf trübt, ist kein Meer, sondern es ist ein Sumpf.
Nur aufs Ziel zu sehen, verdirbt die Lust am Reisen.
Nur das erfreut, was sich als ew’ges Heut erneut.
Nur dem ist Reichtum gut, der ihn mit gutem Fleiß erworben hat und ihn gut anzuwenden weiß.
Nur die Beschränktheit wird an dem, den sie will ehren, Die Fehler leugnen und für Tugenden erklären.
Nur durch weltliche Güter kannst du erobern weltliche Gemüter.
Nur nichtig ist der Schein, doch wichtig die Erscheinung; vollkommen ist allein des Seins und Scheins Vereinung.
Nur weise Mäßigung ist’s, was Erfolg verspricht.
Nur wer Ansprüche macht, fühlt sich zurückgesetzt.
O Baum des Lebens, sieh, der Herbstwind wühlt; er sucht Ob unterm Blätterschmuck du bergest eine Frucht.
O blicke, wenn den Sinn dir will die Welt verwirren, zum ew’gen Himmel auf, wo nie die Sterne irren.
O brich den Faden nicht der Freundschaft rasch entzwei! Wird er auch neu geknüpft, ein Knoten bleibt dabei.
O Herz, versuch es nur! so leicht ist, gut zu sein; und es zu scheinen, ist so eine schwere Pein.
O Wanderer am Bach geh‘ nur dem Wasser nach. Es führet sicher dich zu Menschen Dach und Fach.
O wünsche nichts vorbei und wünsche nichts zurück! Nur ruhiges Gefühl der Gegenwart ist Glück.
Ob ichs erflieg, ob erreite, Ob ichs erkriech, ob erschreite, Ob erstreit, ob erspiel, Ist eins am Ziel.
Oft nach einem Tag, oft schon nach einer Stunde belächelst du den Schmerz und fühlst nicht mehr die Wunde.
Pflicht ist das höchste Band, das hier die Guten bindet; Pflicht ist der Weg, auf dem man Glück und Ruhe findet.
Prahl nicht heute: Morgen will dieses oder das ich tun! Schweige doch bis morgen still, sage dann: Das tat ich nun!
Sage: Ich bin Ich! Und wie du sagest, fühl es auch in deinem kleinen Ich des großen Iches Hauch.
Schlägt dir die Hoffnung fehl, nie fehle dir das Hoffen! Ein Tor ist zugetan, doch tausend sind noch offen.
Schlimm sind die Schlüssel, die nur schließen auf, nicht zu. Mit solchem Schlüsselbund im Haus verarmest du.
Schön ist der Tropfen Tau am Halm und nicht zu klein, der großen Sonne selbst ein Spiegelglas zu sein.
Sechs Wörtchen nehmen mich in Anspruch jeden Tag: ich soll, ich muß, ich kann, ich will, ich darf, ich mag.
Sei freundlich beflissen In deinem Hause den Pilger zu laben, Weil ohn‘ es zu wissen, Schon manche so Engel bewirtet haben.
Sei gut und laß dir von den Menschen Böses sagen; Wer eigne Schuld nicht trägt, kann leichter fremde tragen.
Sei rechtschaffen und arm dazu, so geschieht dir nirgend ein Harm. Der Satan läßt den, der gut, in Ruh und der Sultan den, der arm.
Sei selbst ein Mann; wo nicht, such‘ eines Mannes Schutz! Den Stamm des Baumes macht die Ranke sich zu nutz‘.
Selbst die fünf Finger sind nicht gleich an einer Hand, Verschieden ist ihr Dienst, ihr Ansehn, Größ‘ und Stand.
Sich im Spiegel zu beschaun, Kann den Affen nur erbaun Wirke! nur in seinen Werken Kann der Mensch sich selbst bemerken.
Sieh, auf dem Pfuhl wie schwimmt das zarte Lotosblatt! So bleibt der Reine rein auch an unreiner Statt.
So soll ich leben, daß ich hätte, wenn ich scheide, gelebet mir zur Lust, und anderen nicht zu Leide.
So wie es vorkommen kann, daß ein gutes Pferd einmal stolpert, kann es vorkommen, daß der Mensch einmal irrt.
Sofern in Gott es ruht, ist alles gut.
Sohn! die äußre Reinigkeit Ist der innern Unterpfand.
Sohn, fürchte Gott, damit dein Inneres furchtlos sei, Denn Gotttesfurcht nur macht von Menschenfurcht dich frei.
Solange man schweigt, kann man für weise gelten. Aber wenn man spricht, ist lauter Weisheit selten.
Stell‘ eine Blume vor das Fenster dein, So läßt sie dir keinen bösen Gedanken herein.
Träufeln und Träufeln wird zu Traufen, Häufeln und Häufeln macht einen Haufen.
Trifft dich des Schicksals Schlag, so mach es wie der Ball: Je stärker man ihn schlägt, je höher fliegt er all.
Tu, was du kannst, und laß das andre dem, der’s kann; zu jedem ganzen Werke gehört ein ganzer Mann.
Tu’s, willst du Gutes tun, und frage kein Orakel; Des edlen Mannes Herz ist Gottes Tabernakel.
Unbefriedigung – Wer sich behaglich fühlt zu Haus, Der rennt nicht in die Welt hinaus; Weltunzufriedenheit beweisen Die vielen Weltentdeckungsreisen.
Und wer den Tadel an den Mann nicht bringen kann, in keinerlei Umschreibung, der bringt ihn, wenn er sich besann, zuletzt als Übertreibung des Lobes an.
Unglücklich ist nur der, wer sein Glück mit keinem teilt, und vor dem Unglück bangt, noch eh‘ es ihn ereilt.
Unköniglicher doch ist keine Eigenschaft als Mißgunst; durch sie wird ein König bettelhaft.
Unsinn ist der Erbauung am wenigsten hinderlich; wo sie nicht ergründet den Sinn, legt sie den tiefsten hinein.
Unwürdig deiner Gab ist keiner, der’s bedarf, Wer ist, der – außer Gott – ihn schuldig sprechen darf.
Verdiente Kronen schmücken – unverdiente drücken.
Verschieb nicht, was du heut besorgen sollst, auf morgen; denn morgen findest du was Neues zu besorgen.
Verzage nicht, mein Herz, das Ei kann Federn kriegen, Und aus der engen Schal‘ empor zum Himmel fliegen.
Verzage nicht, wenn ab die welke Hoffnung fiel: Die neue schon erhebt sich jung auf frischem Stiel.
Viel kann aus wenig Worten lernen, wem es ist verliehn, Alswie du kannst aus kleinen Kernen große Bäume ziehn.
Viele wissen vieles, aber noch keiner hat ausgelernt.
Vom Übermaß der Lust wird Leid hervorgebracht; das Auge selber weint, sobald man heftig lacht.
Von keinem Trost wird ein Betrübter mehr erquickt, als wenn er einen noch Betrübteren erblickt.
Von Ruhm und Ehre wird das Herz durchaus nicht satt.
Vor allem lerne nur, dich selber zu belehren; So werden andre dich als ihren Lehrer ehren.
Vor Gott ist keine Flucht als nur zu ihm.
Wahres und Gutes werden sich versöhnen, wenn sich beide vermählen im Schönen.
Was der Rose die Farbe, was süßem Obste der Duft ist, Das ist Bescheidenheit dir; ohne sie reizt kein Genuß.
Was Du sprichst, das halt. Gebrochenes Versprechen ist gesprochenes Verbrechen.
Was Heil uns bringet, ist ein Unheil nicht zu nennen, Und jedes Unheil bringt uns Heil, wenn wir’s erkennen.
Was irgend gelten will und walten, muß in der Welt zusammenhalten.
Was ist ein Sinngedicht? Wie Mann und Weib verbunden, Ein Zeilenpaar, das sich vereint im Reim gefunden.
Was ist interessant? Was der Augenblick gebiert, was seine Geltung mit dem Augenblick verliert.
Was man nicht kann hassen und noch weniger lassen, o Herz! Da ist kein Mittel geblieben, als es von ganzer Seele zu lieben.
Was unterscheidet dich, o Mensch, von der Natur? Du bist ein Werdender, sie ist geworden nur.
Was zu beweisen ist, ist auch zu widerlegen, Drum sollst du jegliches Beweisen niederlegen.
Weißt, wo es keinen Herrn und keinen Diener gibt? Wo eins dem andern dient, weil eins das andre liebt.
Welch Herz noch etwas liebt, das ist noch nicht verlassen.
Wem hoch und niedrig gleich, gleichviel ist hart und weich, gleichgültig reich und arm, der ist in Armut reich.
Wenn dein Roß ist gescheiter, als du selber, der Reiter, so lasse dem Rosse die Zügel und halte dich nur am Bügel.
Wenn der Tag nicht hell ist, sei du heiter! Sonne und froher Sinn, sind Gottes Streiter.
Wenn die Gewährung du nicht siehst im Angesicht des, den du bitten willst, so tu die Bitte nicht.
Wenn dir in Zornesglut dein sterblich Herz will wallen, Sag ihm: Weißt du, wie bald du wirst in Staub zerfallen?
Wenn du der Stunde dienst, beherrschest du die Zeit; wirk auf den Augenblick! er wirkt in Ewigkeit.
Wenn du die Richter auch mit Kunst für dich gewannst, Was hilft es, wenn du selbst nicht los dich sprechen kannst?
Wenn du mich fragst: auf wen darf ich in Treue baun? Ich sage dir: auf die, die selber andern traun.
Wenn du zum Wort nicht ohne Not, nicht ohne Hunger greifst zum Brot, bringt dir dein Reden nicht Verdruß, nie Unbehagen dein Genuß.
Wenn Freiheit du begehrst, des Menschen höchste Zierde, Herrsch‘ über Leidenschaft und Neigung und Begierde.
Wenn Freund zu Freund kommt, stirbt des Verleumders Macht.
Wenn Gott du wolltest Dank für jede Lust erst sagen, Du fändest gar nicht Zeit, noch über Weh zu klagen.
Wenn man Böses thut, sieht man für klein es an, Man sieht, wie groß es ist, erst wenn es ist getan.
Wenn sich der Glanz erneuern der ganzen Treppe soll, fang oben an zu scheuern.
Wenn sich der Jüngere zum Bösen Wege neigt, Trifft Schuld den Ältern, der es sieht und dazu schweigt.
Wenn sie streben zu gefallen, Sind dem Fallen nah die Frauen.
Wer allzu eifrig bekräftigt sein Versprechen, Beweist dir damit den Willen, es zu brechen.
Wer einem Fremdling nicht sich freundlich mag erweisen, der war wohl selber nie im fremden Land auf Reisen.
Wer einmal lügt, muß oft zu lügen sich gewöhnen, Denn sieben Lügen braucht’s, um eine zu beschönen.
Wer etwas ist, bemüht sich nie zu scheinen. Wer scheinen will, wird niemals etwas sein.
Wer fällt, steht wieder auf; deswegen nimmt im Wallen Sich doch kein Kluger vor, um aufzustehn, zu fallen.
Wer fröhlich sein will sein Leben lang, lasse der Welt ihren tollen Gang.
Wer Gott finden will, der muß ihn mit sich bringen, nur wenn er in dir ist, siehst du ihn in den Dingen.
Wer immer Anspruch macht auf das, was nicht beschieden ihm ward, ist mit der Welt beständig unzufrieden.
Wer immer reicher nur will werden, ist nie reich, Wer besser werden will, ist und wird es zugleich.
Wer in der Jugend sich durch Mühsal mußte schlagen, Den rührt’s im Alter nicht, wenn sich die Jungen plagen.
Wer ist dein ärgster Feind? Des Herzens böse Lust, Die widerspenst’ger wird, je mehr du Lieb’s ihr tust.
Wer mit Eigenliebe beginnt, den Schatz des Herzens zu verschwenden, wird mit Eigenliebe enden.
Wer nicht gewacht hat, kann nicht schlafen. Wer nicht gelebt hat, kann nicht sterben.
Wer nicht sein eigner Freund, dein Freund kann der nicht sein; Auch der nicht, wer nur ist sein eigner Freund allein.
Wer niemals träumt, verschläft sein schönstes Leben.
Wer sagt: Ich bin Gott nah!, der ist ihm fern geblieben; Wer sagt: Ich bin Gott fern!, der ist ihm nah durch Lieben.
Wer seine Stellung kennt, und dazu seine Kraft, und beiden wirkt gemäß, der wirkt untadelhaft.
Wer sich den Besten glaubt, der hat sich selbst zum besten.
Wer stolz auf Vorzüg‘ ist, fühlt irgendein Gebrechen, und wer sich brüsten mag, ist sich bewußt der Schwächen.
Wer unberedet wünscht zu bleiben, der muß schweigen, Und wer schief angesehn nicht sein will, sich nicht zeigen.
Wer zu befehlen weiß, dem wird gehorcht mit Lust.
Wer zwingen will die Zeit, den wird sie selber zwingen; Wer sie gewähren lässt, dem wird sie Rosen bringen.
Wie du gerichtet, wird man dich richten.
Wie groß für dich du seist, vorm Ganzen bist du nichtig; Doch als des Ganzen Glied bist du als kleinstes wichtig.
Wie ihr möget die Karten mischen, Ordnen und wägen, gebet Acht! Leise tritt ein Ereignis dazwischen, Das eure Weisheit zu Schanden macht.
Wie könnte denn ein Mensch aus Gottes Liebe fallen?
Wie Wind im Käfige, wie Wasser in dem Siebe ist guter Rat im Ohr der Torheit und der Liebe
Wieviel du wünschen magst, der Wunsch wird weitergehn, und Glück ist da nur, wo die Wünsche stille stehn.
Willst du, daß wir mit hinein in das Haus dich bauen, laß‘ es dir gefallen, Stein, daß wir dich behauen.
Wissen, das den Geist beschwert, ist nichts nutz.
Wo du nicht der Gefahr kannst aus dem Wege gehn, da bleibt dir nichts, als ihr mit Mut entgegensehn.
Wo du streiten siehst zwei Drachen, tritt als Mittler nicht dazwischen; denn sie möchten Friede machen und dich selbst beim Kopf erwischen.
Wo es drei Heller tun, da wende nicht vier an, und nicht zwei Worte, wo’s mit einem ist getan.
Wo unter einem Dach beisammen zwei entgegengesetzte Winde sind, wird nie der Sturm sich legen.
Wolle nur was du sollst, so kannst du was du willst.
Wuchern wird der Aberglaube, Wo man fort den Glauben warf.
Zu deinem Hochmut sprich: Staub wird, was ist von Erden; Komm, laß uns werden Staub, eh‘ wir zum Staube werden!
Zu fassen den Entschluß, muß Gottes Geist dich rühren; Du überlegest nur, wie er sei auszuführen.
Zu immer höhern Höhn gibt dir der Zweifel Schwung, Doch in den Abgrund stürzt dich die Verzweifelung.
Zum Feinde sag: Ist der Tod uns beiden nicht gemein? Mein Todesbruder, komm und laß uns Freunde sein.
Zur Arbeit ist der Mensch so von Natur bestimmt, Daß er selbst Arbeit zum Vergnügen übernimmt.
Zur Liebe kommst du nicht, solang du hängst am Leben; Du findest mich nicht eh’r, bis du dich aufgegeben.
Zur Weggenossenschaft gehören beide Gaben, nicht bloß ein gleiches Ziel, auch gleichen Schritt zu haben.
Zwo Hälften machen zwar ein Ganzes, aber merk‘: Aus halb und halb getan entsteht kein ganzes Werk.