Zitate von Friedrich Nietzsche

– die Entartung der Mehlspeise zum Briefbeschwerer!
… dass alles Entscheidende „trotzdem“ entsteht …
„Alle Wahrheit ist einfach.“ — Ist das nicht zwiefach eine Lüge?
„Das habe ich getan“ sagt mein Gedächtnis. Das kann ich nicht getan haben — sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. Endlich — gibt das Gedächtnis nach.
„Der Held ist heiter“ — das entging bisher den Tragödiendichtern.
„Der Mensch ist böse“ so sprachen noch alle Weisesten — mir zum Troste.
„Die Erkenntnis um ihrer selbst willen“ — das ist der letzte Fallstrick, den die Moral legt: damit verwickelt man sich noch einmal völlig in sie.
„Die Regel ist mir immer interessanter, als die Ausnahme“ — wer so empfindet, der ist in der Erkenntnis weit voraus und gehört zu den Eingeweihten.
„Du sollst“ klingt den meisten angenehmer als „ich will“: in ihren Ohren sitzt immer noch der Herdeninstinkt.
„Er missfällt mir.“ — Warum? — „Ich bin ihm nicht gewachsen.“ — Hat je ein Mensch so geantwortet?
„Freude an der Sache“, so sagt man: aber in Wahrheit ist es Freude an sich vermittelst einer Sache.
„Freunde, es gibt keine Freunde!“ so rief der sterbende Weise; „Feinde, es gibt keinen Feind!“ — ruf’ ich, der lebende Tor.
„Glaube“ heißt Nicht-wissen-wollen, was wahr ist.
„Gut und Böse sind die Vorurteile Gottes“ – sprach die Schlange und floh in Eile.
„Irgendjemand muss schuld daran sein, dass ich mich schlecht befinde“ — diese Art zu schließen ist allen Krankhaften eigen.
„Jeder Mensch hat seinen Preis“, — das ist nicht wahr. Aber es findet sich wohl für jeden ein Köder, an den er anbeißen muss.
„Lieber irgendetwas tun, als nichts“ — auch dieser Grundsatz ist eine Schnur, um aller Bildung und allem höheren Geschmack den Garaus zu machen.
„Lieber schuldig bleiben, als mit einer Münze zahlen, die nicht unser Bild trägt!“ — so will es unsere Souveränität.
„Mechanistische Auffassung“ will nichts als Quantitäten, aber die Kraft steckt in der Qualität.
„Richtet nicht!“ sagen sie, aber sie schicken alles in die Hölle, was ihnen im Wege steht.
„Schöner Stil“ freilich ist nichts als ein neuer Käfig, ein vergoldetes Barbarentum.
„Sei wenigstens mein Feind!“ — so spricht die wahre Ehrfurcht, die nicht um Freundschaft zu bitten wagt.
„Was sich beweisen lässt, ist wahr“ Das ist eine willkürliche Festsetzung des Begriffs „wahr“, die sich nicht beweisen lässt! Es ist ein einfaches „das soll als wahr gelten, soll „wahr“ heißen!
„Wie viel hatte ehemals das Gewissen zu beißen! Welche guten Zähne hatte es? – Und heute? Woran fehlt es?“ Frage eines Zahnarztes.
… denn so steht es nun einmal mit den menschlichen Dingen: immer ist in ihnen die menschliche Gewalt und Schwäche mächtig gewesen.
… wir haben in jedem Stücke solche, die über uns sind …
Aber auch noch eure beste Liebe ist nur ein verzücktes Gleichnis und eine schmerzhafte Glut. Eine Fackel ist sie, die euch zu höheren Wegen leuchten soll.
Aber bei meiner Liebe und Hoffnung beschwöre ich dich: Wirf deine Liebe und Hoffnung nicht weg!
Aber damit wird Heraklit ewig recht behalten, daß das Sein eine leere Fiktion ist.
Aber daß ein Baum groß werde, dazu will er um harte Felsen harte Wurzeln schlagen!
Aber der schlimmste Feind, dem du begegnen kannst, wirst du immer dir selber sein; du selber lauerst dir auf in Höhlen und Wäldern.
Aber der Staat lügt in allen Zungen des Guten und Bösen; und was er auch redet, er lügt — und was er auch hat, gestohlen hat er’s.
Aber sagt mir, ihr Männer, wer von euch ist denn fähig der Freundschaft? Oh über eure Armut, ihr Männer, und euren Geiz der Seele!
Aber schlecht schläft es sich ohne einen guten Namen und einen kleinen Schatz.
Aber Weise wie ich lieben nur Gespenster – und wehe wenn ich einen M liebe – ich würde ba an dieser Liebe zu Grunde gehen. Der M ist eine zu unvollkommene Sache.
Aber wie wollte ich gerecht sein von Grund aus! Wie kann ich jedem das Seine geben! Dies sei mir genug: ich gebe jedem das Meine.
Aber, wo ich nur Lebendiges fand, da hörte ich auch die Rede vom Gehorsame. Alles Lebendige ist ein Gehorchendes.
Abseits vom Markte und Ruhme begibt sich alles Große: abseits vom Markte und Ruhme wohnten von je die Erfinder neuer Werte.
Ach, daß ihr alles halbe Wollen von euch abtätet und entschlossen würdet zur Trägheit wie zur Tat!
Ach, des Geistes wurde ich oft müde, als ich auch das Gesindel geistreich fand!
Ach, Eis ist um mich, meine Hand verbrennt sich an Eisigem!
Ähnliche Qualitäten sollten wir sagen, statt „gleich“.
All das schwärmende Geschmeiß der „Gebildeten“, das sich am Schweiße jedes Helden — gütlich tut!
Alle Dichter und Schriftsteller, welche in den Superlativ verliebt sind, wollen mehr als sie können.
Alle Erweiterung unsrer Erkenntnis entsteht aus dem Bewusstmachen des Unbewussten.
Alle große Liebe will nicht Liebe: — die will mehr.
Alle Großen waren große Arbeiter, unermüdlich nicht nur im Erfinden, sondern auch im Verwerfen, Sichten, Umgestalten, Ordnen.
Alle großen, alle schönen Dinge können nie Gemeingut sein: pulchrum est paucorum hominum.
Alle gut verfolgten Dinge hatten bisher Erfolg.
Alle guten Dinge haben etwas Lässiges und liegen wie Kühe auf der Wiese.
Alle guten Dinge sind starke Reizmittel zum Leben, selbst jedes gute Buch, das gegen das Leben geschrieben ist.
Alle Menschen aber, die irgendeinen heroischen Impuls in sich haben zu ihrem eigenen Ziele hin, werden sich eine große Kraft aus meinem Zarathustra herausnehmen.
Alle Menschen, die man lange im Vorzimmer seiner Gunst stehen läßt, geraten in Gärung oder werden sauer.
Alle öffentlichen Schulen sind auf die mittelmäßigen Naturen eingerichtet.
Alle sogenannten praktischen Menschen haben ein Geschick zum Dienen: das eben macht sie praktisch, sei es für andere oder für sich selber.
Alle verschwiegenen Wahrheiten werden giftig.
Alle Vorurteile kommen aus den Eingeweiden.
Allem Glauben zu Grunde liegt die Empfindung des Angenehmen oder Schmerzhaften in Bezug auf das empfindende Subjekt.
Allem Zukünftigen beißt das Vergangene in den Schwanz.
Alles „Glück“ nur als Kur oder Ausruhen erlaubt.
Alles am Weibe ist ein Rätsel, und alles am Weibe hat eine Lösung: sie heißt Schwangerschaft.
Alles bei ihnen redet, nichts gerät mehr und kommt zu Ende. Alles gackert, aber wer will noch still auf dem Neste sitzen und Eier brüten?
Alles Fertige, Vollkommene wird angestaunt, alles Werdende unterschätzt.
Alles Geschehen aus Absichten ist reduzierbar auf die Absicht der Mehrung von Macht.
Alles hilft nichts, was man nicht innerlich ist.
Alles Klagen ist Anklagen, alles Sich-freuen ist Loben: wir mögen das eine oder das andere tun, immer machen wir jemanden verantwortlich.
Alles Menschliche insgesamt ist des großen Ernstes nicht wert; trotzdem —
Alles Politisieren, auch bei den größten Staatsmännern, ist Improvisieren auf gut Glück.
Alles quält sich, um ein elendes Leben elend zu perpetuieren.
Alles, was Philosophen seit Jahrtausenden gehandhabt haben, waren
Allgemein ist die Hast, weil jeder auf der Flucht vor sich selber ist.
Als ich zu den Menschen kam, da fand ich sie sitzen auf einem alten Dünkel: alle dünkten sich lange schon zu wissen, was dem Menschen gut und böse sei.
Als ob nicht alle Worte Taschen wären, in welche bald dies, bald jenes, bald mehreres auf einmal gesteckt worden ist!
Also redet alle große Liebe: die überwindet auch noch Vergebung und Mitleiden.
Also will es die Art edler Seelen: sie wollen nichts umsonst haben, am wenigsten das Leben. Wer vom Pöbel ist, der will umsonst leben.
Alt werden und einsam werden scheint dasselbe, und ganz zuletzt ist man wieder nur mit sich zusammen und macht andre durch unsern Tod einsamer.
An dem Gleich-sein-wollen verkümmert die Fähigkeit der Freude.
An der Forderung, daß das Große ewig sein soll, entzündet sich der furchtbare Kampf der Kultur; denn alles andere, was noch lebt, ruft nein!
An Unheilbaren soll man nicht Arzt sein wollen.
Andern altert das Herz zuerst und andern der Geist. Und einige sind greis in der Jugend: aber spät jung erhält lang jung.
Anders liebt der Gesell, anders der Meister den Meister.
Anmaßung bei Verdiensten beleidigt noch mehr als Anmaßung von Menschen ohne Verdienst: denn schon das Verdienst beleidigt.
Anstößig aber ist alles wahrhaft Produktive.
Architektur ist eine Art Macht-Beredsamkeit in Formen, bald überredend, selbst schmeichelnd, bald bloß befehlend.
Arzt, hilf dir selber: so hilfst du auch deinem Kranken noch.
Auch beim Geringsten, was wir absichtlich tun, z. B. kauen, ist das Allermeiste unabsichtlich.
Auch der Mutigste von uns hat nur selten den Mut zu dem, was er eigentlich weiß.
Auch der vernünftigste Mensch bedarf von Zeit zu Zeit wieder der Natur, das heißt seiner unlogischen Grundstellung zu allen Dingen.
Auch die hohlste Nuß will noch geknackt sein.
Auch die Seele muss ihre bestimmten Kloaken haben, wohin sie ihren Unrat abfließen lässt.
Auch die Wissenschaft hat ihre Selbstsucht.
Auch Gott hat seine Hölle: das ist seine Liebe zu den Menschen.
Auch ihr liebt die Erde und das Irdische: ich erriet euch wohl! – aber Scham ist in eurer Liebe und schlechtes Gewissen, – dem Monde gleicht ihr!
Auch im Hasse gibt es Eifersucht: wir wollen unseren Feind für uns allein haben.
Auch meine Feinde gehören zu meiner Seligkeit.
Auch über dem größten Menschen erhebt sich sein eignes Ideal.
Auch was ihr unterlasst, webt am Gewebe aller Menschen-Zukunft.
Auf dem Markt glaubt niemand an höhere Menschen.
Auf den Höhen ist es wärmer als man in den Tälern meint, namentlich im Winter. Der Denker weiß, was alles dies Gleichnis besagt.
Auf die ewige Lebendigkeit aber kommt es an: Was ist am „ewigen Leben“ und überhaupt am Leben gelegen!
Auf die reine Gier zum Dasein gründet sich die Ethik.
Auf eine stolze Art sterben, wenn es nicht mehr möglich ist, auf eine stolze Art zu leben.
Aufwärts „Wie komm ich am besten den Berg hinan?“ Steig nur hinauf und denk nicht dran!
Aus den Leidenschaften wachsen die Meinungen; die Trägheit des Geistes lässt diese zu Überzeugungen erstarren.
Bedeutenden Menschen fällt das gesellschaftliche Schwatzen ebenso schwer wie faden Menschen die Unterhaltung über bedeutende Gegenstände.
Begehren — das heißt mir schon: mich verloren haben.
Begriffs-Mumien; es kam nichts Wirkliches lebendig aus ihren Händen.
Bei einem längeren Gespräche wird auch der Weiseste einmal zum Narren und dreimal zum Tropf.
Bei einem Todesfall braucht man zumeist Trostgründe, nicht sowohl um die Gewalt des Schmerzes zu lindern, als um zu entschuldigen, daß man sich so leicht getröstet fühlt.
Bei unseren größten Männern muß man immer noch sagen: möchten sie etwas mehr Genie haben und etwas weniger Schauspieler sein!
Bemalte Gerippe: das sind jene Autoren, welche das, was ihnen an Fleisch abgeht, durch künstliche Farben ersetzen möchten.
Bessere Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lerne: Erlöster müssten mir seine Jünger aussehen!
Bettler aber sollte man ganz abschaffen! Wahrlich, man ärgert sich ihnen zu geben und ärgert sich ihnen nicht zu geben.
Bildung ist das Leben im Sinne großer Geister mit dem Zwecke großer Ziele.
Bildung ist Unsterblichkeit der edelsten Geister.
Bildung: wesentlich das Mittel, den Geschmack gegen die Ausnahme zu richten zu Gunsten des Mittleren.
Bist du ein Sklave? So kannst du nicht Freund sein. Bist du ein Tyrann? So kannst du nicht Freunde haben.
Bist du einer, der zusieht? oder der Hand anlegt?
Bist du reine Luft und Einsamkeit und Brot und Arznei deinem Freunde?
Bleib stark, mein tapfres Herz! Frag nicht: Warum?
Christentum ist Platonismus für’s „Volk“.
Christlich ist ein gewisser Sinn der Grausamkeit, gegen sich und andere; der Hass gegen die Andersdenkenden; der Wille, zu verfolgen.
Damit begann ich: ich verlernte das Mitgefühl mit mir!
Damit der Mensch vor sich Achtung haben kann, muss er fähig sein, auch böse zu werden.
Damit ein Ereignis Größe habe, muß zweierlei zusammenkommen: der große Sinn derer, die es vollbringen, und der große Sinn derer, die es erleben.
Damit, daß man nach den Anfängen sucht, wird man Krebs. Der Historiker sieht rückwärts; endlich glaubt er auch rückwärts.
Darüber, dass wir in der Gesellschaft nicht gefallen, kann uns die Beschaffenheit Derer trösten, welche dort gefallen.
Das „Genie“ ist die sublimste Maschine, die es gibt, — folglich die zerbrechlichste.
Das Band, welches Verlobte sowohl wie Eheleute bindet, ist oft die Furcht vor Skandal.
Das Bedürfnis gilt als die Ursache der Entstehung: In Wahrheit ist es oft nur eine Wirkung des Entstandenen.
Das Bedürfnis nach Glauben ist der größte Hemmschuh der Wahrhaftigkeit.
Das Beste an einem großen Siege ist, daß er dem Sieger die Furcht vor einer Niederlage nimmt.
Das beste Mittel, jeden Tag gut zu beginnen, ist, beim Erwachen daran zu denken, ob man nicht wenigstens einem Menschen an diesem Tag eine Freude machen könne.
Das Bild und der Begriff entsteht, indem eine produktive Kraft einige gegebene Reize gestaltet : eine „Erscheinung“ macht.
Das Böse ist des Menschen beste Kraft.
Das Du ist älter als das Ich.
Das Duell ist der letzte übrig gebliebene, völlig ehrenvolle Weg zum Selbstmord, leider ein Umschweif, und nicht einmal ein ganz sicherer.
Das Durchlesen eines ganzen Buches bringt oft nicht so viel Gewinn wie das reifliche Nachdenken über einen einzigen Satz desselben.
Das einzige entscheidende Argument, welches zu allen Zeiten die Menschen abgehalten hat, ein Gift zu trinken, ist nicht, daß es tötete, sondern, daß es schlecht schmeckte.
Das Fundament des Menschen lügnerisch, weil optimistisch.
Das Geheimnis, um die größte Fruchtbarkeit und den größten Genuss vom Dasein einzuernten, heißt: Gefährlich leben!
Das Gift, an dem die schwächere Natur zu Grunde geht, ist für den Starken Stärkung – und er nennt es auch nicht Gift.
Das Glück des Mannes heißt: Ich will. Das Glück des Weibes heißt: Er will.
Das Glück des Menschen beruht darauf, dass es irgendwo für ihn eine undiskutierbare Wahrheit gibt.
Das goldene Vlies der Selbstgenügsamkeit schützt gegen Prügel, aber nicht gegen Nadelstiche.
Das Gute ist Freiheit der Entwicklung: Alles, was eine ausgelebte Form verewigen will, ist böse.
Das Gute ist leicht. Alles Göttliche läuft auf zarten Füßen.
Das Gute mißfällt uns, wenn wir ihm nicht gewachsen sind.
Das Halbwissen ist siegreicher, als das Ganzwissen: Es kennt die Dinge einfacher, als sie sind, und macht daher seine Meinung fasslicher und überzeugender.
Das Hauptelement des Ehrgeizes ist, zum Gefühl seiner Macht zu kommen.
Das Herz ist es, das begeistert: und der Geist ist es, der beherzt und kalt in der Gefahr macht.
Das ist meine erste Menschen-Klugheit, dass ich mich betrügen lasse, um nicht auf der Hut zu sein vor Betrügern.
Das Kunststück der Lebensweisheit ist, den Schlaf jeder Art zur rechten Zeit einzuschieben wissen.
Das Lachen sprach ich heilig; ihr höheren Menschen, lernt mir – lachen!
Das Leben ist ein Born der Lust; aber wo das Gesindel mittrinkt, da sind alle Brunnen vergiftet.
Das leidendste Tier auf Erden erfand sich – das Lachen.
Das logische Denken ist das Muster einer vollständigen Fiktion.
Das Mittel, um deine eherne Pflicht im Auge von jedermann in Gold zu verwandeln, heißt: Halte immer etwas mehr, als du versprichst.
Das mittelmäßige und schlechte Buch ist es eben dadurch, dass es vielen zu gefallen sucht und auch gefällt.
Das Mütterliche verehrt mir. Der Vater ist immer nur ein Zufall.
Das Nützlichste an der großen Entsagung ist, dass sie uns jenen Tugendstolz mitteilt, vermöge dessen wir von da an leicht viele kleine Entsagungen von uns erlangen.
Das Publikum verwechselt leicht den, welcher im Trüben fischt, mit dem, welcher aus der Tiefe schöpft.
Das Rad und der Hemmschuh haben verschiedene Pflichten, aber auch eine gleiche: einander wehe zu tun.
Das Schicksal der Menschen ist auf glückliche Augenblicke eingerichtet — jedes Leben hat solche —, aber nicht auf glückliche Zeiten.
Das Schlimmste aber sind die kleinen Gedanken.
Das Schlimmste, was Dem begegnen kann, der Vergnügen daran hat, über das Leben nachzudenken, ist, dass er Zeit dazu findet.
Das Schulwesen wird in großen Staaten immer höchstens mittelmäßig sein, aus demselben Grunde, aus dem in großen Küchen bestenfalls mittelmäßig gekocht wird.
Das Sitzfleisch – ich sagte es schon einmal – ist die eigentliche Sünde wider den heiligen Geist.
Das süßeste Weib ist noch bitter von Geschmack.
Das Talent manches Menschen erscheint geringer als es ist, weil er sich immer zu große Aufgaben gestellt hat.
Das tiefe Leiden macht vornehm; es trennt.
Das verwundbarste Ding und doch das unbesiegbarste ist die menschliche Eitelkeit: ja durch die Verwundung wächst seine Kraft und kann zuletzt riesengroß werden.
Das vollkommene Weib ist ein höherer Typus des Menschen, als der vollkommene Mann: auch etwas viel Selteneres.
Das Von-vorn-Anfangen ist immer eine Täuschung: Selbst das, was uns zu diesem angeblichen „Anfang“ trieb, ist Wirkung und Resultat des Vorhergehenden.
Das Weib lernt hassen, in dem Maße, in dem es zu bezaubern – verlernt.
Das Wenigste gerade, das Leiseste, Leichteste, einer Eidechse Rascheln, ein Hauch, ein Husch, ein Augen-Blick — Wenig macht die Art des besten Glücks.
Das Wesentliche an jeder Erfindung tut der Zufall, aber den meisten Menschen begegnet dieser Zufall nicht.
Das Wort ist nur Symbol des Begehrens.
Das Ziel der „Menschheit“ ist das Äußerste, was uns der Wille als Phantom bieten kann.
Das Ziel der Menschheit kann nicht am Ende liegen, sondern nur in ihren höchsten Exemplaren.
Das, was ich Pathos der Distanz nenne, ist jeder starken Zeit zu eigen.
Das, was im Menschen am besten entwickelt ist, das ist sein Wille zur Macht.
Das, was wir an einem Menschen erkennen, das entzünden wir an ihm auch.
Das, woran die zarteren Menschen zugrunde gehen würden, gehört zu den Stimulanz-Mitteln der großen Gesundheit.
Dass dem Übermenschen sein Drache nicht fehle, der Über-Drache, der seiner würdig ist.
Daß der Mensch erlöst werde von der Rache: das ist mir die Brücke zur höchsten Hoffnung und ein Regenbogen nach langen Unwettern.
Daß die männlichsten Männer herrschen, ist in der Ordnung.
Dass ein solcher Mensch [Michel de Montaigne] geschrieben hat, dadurch ist wahrlich die Lust auf dieser Erde zu leben vermehrt worden.
Dass ihr doch wenigstens als Tiere vollkommen wäret! Aber zum Tiere gehört die Unschuld.
Daß Kampf und Ungleiches auch noch in der Schönheit sei, und Krieg um Macht und Übermacht: das lehrt er [der Weise] uns hier im deutlichsten Gleichnis.
Daß man aber eigentlich nur unter Gleichgesinnten, Gleichgewillten gedeihen kann, ist mein Glaubenssatz.
Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! – Der Gewissensbiß ist unanständig.
Definition des Protestantismus: die halbseitige Lähmung des Christentums — und der Vernunft…
Dem guten Frager ist schon halb geantwortet.
Dem wird befohlen, der sich nicht selber gehorchen kann.
Demokratismus war jederzeit die Niedergangs-Form der organisierenden Kraft.
Den Freund, dessen Hoffnungen man nicht befriedigen kann, wünscht man sich lieber zum Feinde.
Den Stil verbessern — das heißt den Gedanken verbessern, und gar nichts weiter!
Denken ist ein Herausheben.
Denkendere Zeiten, zerdachtere Zeiten, als unser Heut und Gestern ist.
Denn diese [die Massen] sind im Grunde bereit zur Sklaverei jeder Art.
Denn du glaubst nicht, wie viel Tage und wie viel Stunden selbst an erträglichen Tagen – überstanden werden müssen…
Denn eben diese Instinkte sind bereits das Erzeugnis endlos lang fortgesetzter Prozesse.
Denn so redet mir die Gerechtigkeit: »Die Menschen sind nicht gleich.«
Denn viele Menschen … sind selber Intervalle und Pausen in der Symphonie des wirklichen Lebens.
Denn von Grund aus liebt man nur sein Kind und Werk; und wo große Liebe zu sich selber ist, da ist sie der Schwangerschaft Wahrzeichen: so fand ich’s.
Der „Glaube“ als Imperativ ist das Veto gegen die Wissenschaft – in praxi die Lüge um jeden Preis…
Der Asket macht aus der Tugend eine Not.
Der Autor hat den Mund zu halten, wenn sein Werk den Mund auftut.
Der Begriff der Sympathie lagerte wie ein Berg zwischen ihnen und der Wahrheit.
Der Besitz der Wahrheit ist nicht schrecklich, sondern langweilig wie jeder Besitz.
Der Besitz wird durch das Besitzen zumeist geringer.
Der beste Autor wird der sein, welcher sich schämt, Schriftsteller zu werden.
Der Bettler empfindet den Mangel lange nicht so, wie er ihn empfinden machen muss, wenn er vom Betteln leben will.
Der Blick der Menschheit war bisher zu stumpf, zu erkennen, daß die mächtigsten Menschen große Schauspieler waren.
Der Brave – Lieber aus ganzem Holz eine Feindschaft, Als eine geleimte Freundschaft!
Der christliche Entschluss, die Welt hässlich und schlecht zu finden, hat die Welt hässlich und schlecht gemacht.
Der deutsche Geist ist eine Indigestion, er wird mit nichts fertig.
Der Dichter‚ der lügen kann wissentlich‚ willentlich Der kann allein Wahrheit reden
Der echte Parteimann lernt nicht mehr, er erfährt und richtet nur noch.
Der Egoismus ist etwas Spätes und immer noch Seltenes: die Herden-Gefühle sind mächtiger und älter.
Der Eifersüchtige ereifert sich weniger über den Verlust seiner Geliebten als darüber, daß ein anderer ihm vorgezogen wird.
Der eine geht zum Nächsten, weil er sich sucht, der andre, weil er sich verlieren will.
Der eine Mensch ist für den andern sein Gewissen: und dies ist namentlich wichtig, wenn der andere sonst keines hat.
Der eine sucht einen Geburtshelfer für seine Gedanken, der andre einen, dem er helfen kann: so entsteht ein gutes Gespräch.
Der Einwand, der Seitensprung, das fröhliche Misstrauen, die Spottlust sind Anzeichen der Gesundheit: alles Unbedingte gehört in die Pathologie.
Der Enttäuschte spricht. — „Ich horchte auf Widerhall, und ich hörte nur Lob —“
Der Erfolg war immer der größte Lügner.
Der Fanatismus ist nämlich die einzige „Willensstärke“, zu der auch die Schwachen und Unsicheren gebracht werden können.
Der Freigeist kann sich frei machen von den unmerklich in ihn gedrungenen, unwillkürlich von ihm gehegten sittlichen Anschauungen.
Der Freund sei euch das Fest der Erde und ein Vorgefühl des Übermenschen.
Der gefährlichste Anhänger ist der, dessen Abfall die ganze Partei vernichten würde: also der beste Anhänger.
Der gefährlichste Parteimann. — In jeder Partei ist einer, der durch sein gar zu gläubiges Aussprechen der Parteigrundsätze die Übrigen zum Abfall reizt.
Der gefundene Stil ist eine Beleidigung für den Freund des gesuchten Stils.
Der Genius ist die sich selbst vernichtende Erscheinung.
Der getretene Wurm krümmt sich. So ist es klug. Er verringert damit die Wahrscheinlichkeit, von Neuem getreten zu werden. In der Sprache der Moral: Demut.
Der Gewissensbiss: Zeichen, dass der Charakter der Tat nicht gewachsen ist.
Der Glaube „so und so ist es“ zu verwandeln in den Willen „so und soll es werden“.
Der Grad der Furchtsamkeit ist ein Gradmesser der Intelligenz.
Der große Stil entsteht, wenn das Schönste den Sieg über das Ungeheure davon trägt.
Der große Vorzug adeliger Abkunft ist, dass sie die Armut besser ertragen lässt.
Der gute Jäger soll eine gute Jagd haben!
Der Hass gegen das Böse ist der Prunkmantel, mit dem der Pharisäer seine persönlichen Antipathien verkleidet.
Der hat keinen Geist, welcher den Geist sucht.
Der höchste Grad von Individualität wird erreicht, wenn jemand in der höchsten Anarchie sein Reich gründet als Einsiedler.
Der Irrsinn ist bei Einzelnen etwas Seltenes, — aber bei Gruppen, Parteien, Völkern, Zeiten die Regel.
Der Maler, der Plastiker, der Epiker sind Visionäre par excellence.
Der Mann fürchte sich vor dem Weibe, wenn es hasst: denn der Mann ist im Grunde der Seele nur böse, das Weib aber ist dort schlecht.
Der Mann hat das Weib geschaffen — woraus doch? Aus einer Rippe seines Gottes, — seines „Ideals“…
Der Mann macht sich das Bild des Weibes, und das Weib bildet sich nach diesem Bilde.
Der Mensch aber ist das mutigste Tier: Damit überwand er jedes Tier.
Der Mensch allein widerstrebt der Richtung der Gravitation: er möchte beständig nach oben – fallen.
Der Mensch beträgt sich unwillkürlich vornehm, wenn er sich gewöhnt hat, von den Menschen nichts zu wollen und ihnen immer zu geben.
Der Mensch der Erkenntnis muss nicht nur seine Feinde lieben, sondern auch seine Freunde hassen können.
Der Mensch ist das Tier mit roten Backen: der Mensch ist das Tier, welches sich oft hat schämen müssen.
Der Mensch ist ein mittelmäßiger Egoist: auch der Klügste nimmt seine Gewohnheit wichtiger als seinen Vorteil.
Der Mensch ist etwas, das überwunden werden soll.
Der Mensch ist schwer zu entdecken und sich selber noch am schwersten.
Der Mensch selbst aber hat einen unbesiegbaren Hang, sich täuschen zu lassen.
Der Mensch, der „sich mitteilt“, wird sich selber los; und wer „bekannt“ hat, vergisst.
Der Mut schlägt auch den Schwindel tot an Abgründen: Und wo stünde der Mensch nicht an Abgründen! Ist Sehen nicht selber – Abgründe sehen?
Der Phantast verleugnet die Wahrheit vor sich, der Lügner nur vor anderen.
Der Philosoph ist zu einem gemeinschädlichen Wesen geworden. Er vernichtet Glück, Tugend, Kultur, endlich sich selbst.
Der Philosoph soll am stärksten das allgemeine Leid nachempfinden.
Der Reiz der Erkenntnis wäre gering, wenn nicht auf dem Wege zu ihr so viel Scham zu überwinden wäre.
Der Satz vom Bestehen der Energie fordert die ewige Wiederkehr.
Der Schenkende, der Schaffende, der Lehrende – das sind Vorspiele des Herrschenden.
Der Schmerz ist etwas anderes als die Lust – ich will sagen, er ist nicht deren Gegenteil.
Der Schmerz macht Hühner und Dichter gackern.
Der schönste Leib — ein Schleier nur‚ In den sich schamhaft — Schönres hüllt —
Der Schritt verrät, ob einer schon auf seiner Bahn schreitet: so seht mich gehn! Wer aber seinem Ziel nahe kommt, der tanzt.
Der schweigende Neid wächst im Schweigen.
Der Sinn deines Lebens sei, das Dasein zu rechtfertigen.
Der Sinn der Strafe ist nicht abzuschrecken, sondern in der gesellschaftlichen Ordnung jemanden niedriger zu setzen: er gehört nicht mehr zu den uns Gleichen.
Der Sinn in den Gebräuchen der Gastfreundschaft ist: das feindliche im Fremden zu lähmen.
Der Staat ist eine kluge Veranstaltung zum Schutz der Individuen gegeneinander.
Der tiefe Hass ist auch ein Idealist: ob wir aus unserem Gegner dabei einen Gott oder einen Teufel bilden, jedenfalls tun wir ihm damit zu viel Ehre an.
Der Tod ist nicht der Feind des Lebens überhaupt, sondern das Mittel, durch welches die Bedeutung des Lebens offenbar gemacht wird.
Der unfreiwillige Verführer – Er schoss ein leeres Wort zum Zeitvertreib
Der Unterleib ist der Grund dafür, dass der Mensch sich nicht so leicht für einen Gott hält.
Der Verstand ist wesentlich ein Hemmungsapparat gegen das Sofort-Reagieren auf das Instinkt-Urteil.
Der Vorteil des schlechten Gedächtnisses ist, daß man dieselben guten Dinge mehrere Male zum ersten Mal genießt.
Der Wahrheit dienen wenige in Wahrheit, weil nur wenige den reinen Willen haben gerecht zu sein und selbst von diesen wieder die wenigsten die Kraft, gerecht sein zu können.
Der weiß noch nichts von der Bosheit, der nicht erlebt hat, wie die niederträchtigste Verleumdung und der giftigste Neid sich als Mitleid gebärden.
Der Wille zum System ist, für einen Denker wenigstens, etwas, das kompromittiert, eine Form der Unmoralität…
Der Winter, ein schlimmer Gast, sitzt bei mir zu Hause; blau sind meine Hände von seiner Freundschaft Händedruck.
Der Witz ist das Epigramm auf den Tod eines Gefühls.
Der Wort- und Wendungen-Schatz, der jetzt jedermann zu Gebote steht, ist als verbraucht anzusehen und zu empfinden.
Der Zuwachs an Weisheit läßt sich genau nach der Abnahme an Galle bemessen.
Der, welcher etwas Großes schenkt, findet keine Dankbarkeit; denn der Beschenkte hat schon durch das Annehmen zu viel Last.
Der, welcher keine Bücher schreibt, viel denkt und in unzureichender Gesellschaft lebt, wird gewöhnlich ein guter Briefschreiber sein.
Des einen Einsamkeit ist die Flucht des Kranken; des anderen Einsamkeit die Flucht vor den Kranken.
Deutschland, Deutschland über alles, ich fürchte, das war das Ende der deutschen Philosophie…
Die „Intelligenz“ erscheint als eine besondere Form der Unvernunft, beinahe als ihre boshafteste Karikatur.
Die „moralische Weltordnung“ — eine Art Astrologie.
Die Ähnlichseherei und Gleichmacherei ist das Merkmal schwacher Augen.
Die Anhänger eines großen Mannes pflegen sich zu blenden, um sein Lob besser singen zu können.
Die Antithese ist die enge Pforte, durch welche sich am liebsten der Irrtum zur Wahrheit schleicht.
Die beste Medizin: Ein Sieg!
Die Bestie in uns will belogen werden; Moral ist Notlüge, damit wir von ihr nicht zerrissen werden.
Die Bewunderung einer Eigenschaft oder Kunst kann so stark sein, dass sie uns abhält, nach ihrem Besitz zu streben.
Die Bildung [ist] vornehmlich wahrhaftes Kunstbedürfnis.
Die Bildung wird täglich geringer, weil die Hast größer wird.
Die christliche Kirche ist eine Enzyklopädie von vorzeitlichen Kulten und Anschauungen der verschiedensten Abkunft und deshalb so missionsfähig.
Die Demokratie repräsentiert den Unglauben an große Menschen und an Elite-Gesellschaft.
Die demokratischen Einrichtungen sind Quarantäne-Anstalten gegen die alte Pest tyrannenhafter Gelüste: als solche sehr nützlich und sehr langweilig.
Die Deutschen — man hieß sie einst das Volk der Denker: Denken sie heute überhaupt noch?
Die Deutschen haben das Pulver erfunden — alle Achtung! Aber sie haben es wieder quitt gemacht — sie erfanden die Presse.
Die Dichter sind gegen ihre Erlebnisse schamlos: sie beuten sie aus.
Die drei großen Feinde der Unabhängigkeit in jenem dreifachen Sinne sind die Habenichtse, die Reichen und die Parteien.
Die Dummheit der Guten ist unergründlich klug.
Die Dummheit u(nd) die Schurkerei wachsen: das gehört zum „Fortschritt“.
Die Ehe ist die verlogenste Form des Geschlechtsverkehrs; und eben deshalb hat sie das gute Gewissen auf ihrer Seite.
Die Ehe ist genau so viel wert, als die, welche sie schließen: also ist sie, durchschnittlich, wenig wert.
Die Ehen, welche aus Liebe geschlossen werden (die sogenannten Liebesheiraten), haben den Irrtum zum Vater und die Not (das Bedürfnis) zur Mutter.
Die Ehrfurcht vor Gott ist die Ehrfurcht vor dem Zusammenhang aller Dinge und Überzeugung von höheren Wesen als der Mensch ist.
Die Eifersucht ist die geistreichste Leidenschaft und trotzdem noch die größte Torheit.
Die einen werden durch Lob schamhaft, die anderen frech.
Die Einsamkeit macht uns härter gegen uns und sehnsüchtiger gegen die Menschen: in beidem verbessert sie den Charakter.
Die Eitelkeit andrer geht uns nur dann wider den Geschmack, wenn sie wider unsre Eitelkeit geht.
Die Eitelkeit der Frauen verlangt, dass ein Mann mehr sei, als ein glücklicher Gatte.
Die Eitelkeit ist die Furcht, original zu erscheinen, also ein Mangel an Stolz, aber nicht notwendig ein Mangel an Originalität.
Die Eitelkeit ist die Höflichkeits-Maske des Stolzen.
Die Eitelkeit ist die unwillkürliche Neigung, sich als Individuum zu geben, während man keins ist.
Die Entfernung hemmt nicht der Seelen stete Verbindung.
Die entsetzliche Konsequenz des Darwinismus, den ich übrigens für wahr halte.
Die ewige Sanduhr des Daseins wird immer wieder umgedreht — und du mit ihr, Stäubchen vom Staube!
Die Flamme ist sich selber nicht so hell, als den anderen, denen sie leuchtet: so auch der Weise.
Die Folgen unsrer Handlungen fassen uns am Schopfe, sehr gleichgültig dagegen, dass wir uns inzwischen „gebessert“ haben.
Die Forderung, geliebt zu werden, ist die größte aller Anmaßungen.
Die Frauen sind sinnlicher als die Männer, aber sie wissen weniger um ihre Sinnlichkeit.
Die Frauen wissen das, die köstlichsten: ein Wenig fetter, ein Wenig magerer – oh wie viel Schicksal liegt in so Wenigem!
Die Freude zu gefallen ist weit geringer, als der Schmerz zu mißfallen.
Die ganze Geschichte ist ja die Experimental-Widerlegung vom Satz der sogenannten „sittlichen Weltordnung“.
Die Gebärden der vornehmen Welt drücken aus, dass in ihren Gliedern fortwährend das Bewusstsein der Macht sein reizvolles Spiel spielt.
Die Gebundenheit der Ansichten, durch Gewöhnung zum Instinkt geworden, führt zu dem, was man Charakterstärke nennt.
Die Gefahr im Glücke. – „Nun gereicht mir alles zum Besten, nunmehr liebe ich jedes Schicksal: — wer hat Lust, mein Schicksal zu sein?“
Die Geschäfte manches Reichen und Vornehmen sind seine Art Ausruhens von allzulangem gewohnheitsmäßigem Müßiggang.
Die Geschichte handelt fast nur von diesen schlechten Menschen, welche später gutgesprochen worden sind!
Die Geschichte redet immer neue Wahrheiten.
Die Gewohnheiten unserer Sinne haben uns in Lug und Trug der Empfindung eingesponnen.
Die gewöhnlichste Form des Wissens ist die ohne Bewusstheit. Bewusstheit ist Wissen um ein Wissen.
Die gewöhnlichste Lüge ist die, mit der man sich selbst belügt; das Belügen andrer ist relativ der Ausnahmefall.
Die gleichen Affekte sind bei Mann und Weib doch im Tempo verschieden: deshalb hören Mann und Weib nicht auf, sich misszuverstehen.
Die Glücklichen sind neugierig.
Die Götter sind zur Bequemlichkeit der Menschen erfunden.
Die Grenzen der Vernunft begreifen — das erst ist wahrhaft Philosophie…
Die Griechen, die so gut wussten, was ein Freund sei, … haben die Verwandten mit einem Ausdrucke bezeichnet, welcher der Superlativ des Wortes „Freund“ ist.
Die Größe eines „Fortschritts“ bemisst sich sogar nach der Masse dessen, was ihm alles geopfert werden musste.
Die großen Epochen unsres Lebens liegen dort, wo wir den Mut gewinnen, unser Böses als unser Bestes umzutaufen.
Die größten Ereignisse — das sind nicht unsre lautesten, sondern unsre stillsten Stunden.
Die größten Gedanken sind die größten Ereignisse.
Die größten Irrtümer in der Beurteilung eines Menschen werden von dessen Eltern gemacht.
Die Guten nämlich — die können nicht schaffen: die sind immer der Anfang vom Ende.
Die Humanität der Berühmtheiten des Geistes besteht darin, im Verkehre mit Unberühmten auf eine verbindliche Art Unrecht zu behalten.
Die innere Welt aufräumen! Da gibt es noch viele falsche Wesen!
Die Insekten stechen, nicht aus Bosheit, sondern weil sie auch leben wollen: Ebenso unsere Kritiker; sie wollen unser Blut, nicht unseren Schmerz.
Die jüdische Religion hat einen unsäglichen Schauder vor dem Tod, das Hauptziel ihrer Gebete — um langes Leben.
Die Kehrseite des christlichen Mitleidens am Leiden des Nächsten ist die tiefe Beargwöhnung aller Freude des Nächsten, seiner Freude an allem, was er will und kann.
Die Kirchengeschichte ist die beste Schule, um an dem Dasein eines Gottes als Weltenlenkers zu zweifeln.
Die Kunst ist mächtiger als die Erkenntnis, denn sie will das Leben, und jene erreicht als letztes Ziel nur – die Vernichtung.
Die Länge des Tages. — Wenn man viel hineinzustecken hat, so hat ein Tag hundert Taschen.
Die Langsamen der Erkenntnis meinen, die Langsamkeit gehöre zur Erkenntnis.
Die Lehre von der Freiheit des Willens ist eine Erfindung herrschender Stände.
Die Lehre von der Gleichheit!… Aber es gibt gar kein giftigeres Gift: denn sie scheint von der Gerechtigkeit selbst gepredigt, während sie das Ende der Gerechtigkeit ist…
Die Liebe ist der Zustand, wo der Mensch die Dinge am meisten so sieht, wie sie nicht sind.
Die Liebe ist die Gefahr des Einsamsten, die Liebe zu Allem, wenn es nur lebt! Zum Lachen ist wahrlich meine Narrheit und meine Bescheidenheit in der Liebe!
Die Liebe zu einem ist eine Barbarei: denn sie wird auf Unkosten aller übrigen ausgeübt. Auch die Liebe zu Gott.
Die liebliche Bestie Mensch verliert jedesmal, wie es scheint, die gute Laune, wenn sie gut denkt; sie wird „ernst“!
Die Lust tritt auf, wo Gefühl der Macht .
Die Mediokrität ist die glücklichste Maske, die der überlegene Geist tragen kann.
Die meisten Denker schreiben schlecht, weil sie uns nicht nur ihre Gedanken, sondern auch das Denken der Gedanken mitteilen.
Die meisten Menschen sind offenbar zufällig auf der Welt: es zeigt sich keine Notwendigkeit höherer Art in ihnen.
Die meisten Menschen sind viel zu sehr mit sich beschäftigt, um boshaft zu sein.
Die Menschen … fürchten gerade am meisten die Beschwerden, welche ihnen eine unbedingte Ehrlichkeit und Nacktheit aufbürden würde.
Die Menschen begeistern sich häufig für Gegenstände der Natur oder der Kunst, um später erzählen zu können, wie begeistert sie waren.
Die Menschen drängen sich zum Lichte, nicht um besser zu sehen, sondern um besser zu glänzen.
Die Menschen verkehren zu viel und büßen dabei sich ein.
Die Menschheit hat an der Erkenntnis ein schönes Mittel zum Untergang.
Die moderne Demokratie ist die historische Form vom Verfall des Staates.
Die moderne Theologie ist die Schminke auf den erbleichenden Wangen des Christentums der Gegenwart und darum nur ein Symptom des Alterns.
Die Moralen sind auch nur eine Zeichensprache der Affekte.
Die Moralität der Bescheidenheit ist die schlimmste Verweichlichung für solche Seelen, bei denen es allein Sinn hat, daß sie beizeiten hart werden.
Die Muse des Dichters, der nicht in die Wirklichkeit verliebt ist, wird eben nicht die Wirklichkeit sein und ihm hohläugige und allzuzartknochichte Kinder gebären.
Die Mutter der Ausschweifung ist nicht die Freude, sondern die Freudlosigkeit.
Die mystischen Erklärungen gelten für tief; die Wahrheit ist, dass sie noch nicht einmal oberflächlich sind.
Die Notwendigkeit ist kein Tatbestand, sondern eine Interpretation.
Die Pessimisten sind kluge Leute mit verdorbenem Magen: Sie rächen sich mit dem Kopf für ihre schlechte Verdauung.
Die Phantasie der Angst ist jener böser, äffische Kobold, der dem Menschen gerade dann noch auf den Rücken springt, wenn er schon am schwersten zu tragen hat.
Die Politik so geordnet, daß mäßige Intellekte ihr genügen und nicht jedermann jeden Tag drum zu wissen braucht.
Die Praxis des Christentums ist keine Phantasterei, so wenig die Praxis des Buddhismus sie ist: sie ist ein Mittel, glücklich zu sein…
Die Qualität ist eine perspektivische Wahrheit für uns; keine „an sich“.
Die qualvolle Sehnsucht nach dem Besitz des geliebten Gegenstandes ist ein seliges Gefühl im Vergleich mit dem Gefühl des Ekels, nachdem man besessen hat.
Die regelmäßige Arbeit in einem Amte ist so gut, weil sie eine gewisse Dumpfheit mit sich bringt, man leidet so weniger.
Die Ruhe, die der Geist genießt, wenn er sich selbst gemäß leben darf, ist das einzig wahre, unzerstörbare Glück.
Die Schätzung der Autorität nimmt zu im Verhältnis der Abnahme schaffender Kräfte.
Die Schlange, welche sich nicht häuten kann, geht zugrunde. Ebenso die Geister, welche man verhindert, ihre Meinungen zu wechseln; sie hören auf, Geist zu sein.
Die sogenannten Paradoxien des Autors, an welchen der Leser Anstoß nimmt, stehen häufig gar nicht im Buche des Autors, sondern im Kopfe des Lesers.
Die starke Hoffnung ist ein viel größeres Stimulans des Lebens, als irgendein einzelnes wirklich eintretendes Glück.
Die stillsten Worte sind es, welche den Sturm bringen. Gedanken, die mit Taubenfüßen kommen, lenken die Welt.
Die Stimme der Herde wird auch in dir noch tönen.
Die Sucht nach Gleichheit kann sich so äußern, dass man entweder alle anderen zu sich hinunterziehen möchte, oder sich mit allen hinauf.
Die Tendenz der Herde ist auf Stillstand und Erhaltung gerichtet, es ist nichts Schaffendes in ihr.
Die tiefsten und unerschöpftesten Bücher werden wohl immer etwas von dem aphoristischen und plötzlichen Charakter von Pascals Pensées haben.
Die Verachtung durch andere ist dem Menschen empfindlicher, als die durch sich selbst.
Die Verführer der Philosophen sind die Worte, sie zappeln in den Netzen der Sprache.
Die Vergangnen zu erlösen und alles »Es war« umzuschaffen in ein »So wollte ich es!« – das hieße mir erst Erlösung!
Die Vergeistigung der Sinnlichkeit heißt Liebe.
Die Vertraulichkeit des Überlegenen erbittert, weil sie nicht zurückgegeben werden darf.
Die wahre Freundschaft rät und warnt vorher, nachher liebt sie; die falsche macht es umgekehrt.
Die Wahrheit soll wie die Sonne nicht zu hell sein: sonst flüchten die Menschen in die Nacht und machen es dunkel.
Die Welt ist tief und tiefer als der Tag gedacht!
Die Wissensch stellt auf, worin der Mensch festgeworden ist.
Die witzigsten Autoren erzeugen das kaum bemerkbarste Lächeln.
Die Worte machen ein Versprechen unkräftiger, indem sie eine Kraft entladen und verbrauchen, welche ein Teil jener Kraft ist, die verspricht.
Die Wüste wächst: Weh dem, der Wüsten birgt!
Die Zeit für kleine Politik ist vorbei: schon das nächste Jahrhundert bringt den Kampf um die Erd-Herrschaft, — den Zwang zur großen Politik.
Die zunehmende „Vermenschlichung“ … besteht darin, dass immer feiner empfunden wird, wie schwer der andere wirklich einzuverleiben ist.
Dies nämlich ist das Schwerste, aus Liebe die offene Hand schließen und als Schenkender die Scham bewahren.
Diese heitere Tiefe! Was Stern sonst hieß, zum Flecken wurde es.
Diese Lehrer der Ergebung! Überall hin, wo es klein und krank und grindig ist, kriechen sie, gleich Läusen; und nur mein Ekel hindert mich, sie zu knacken.
Diese übermächtigen Personen, deren eine regnet, die andere donnert, die dritte den Erdball erschüttert, sind menschenähnlich, weil von Menschen gebildet.
Diese verfluchten Antisemiten-Fratzen sollen nicht an mein Ideal greifen!!
Dieselben Dinge werden immer wieder getan, aber die Menschen umspinnen sie mit immer neuen Gedanken (Wertschätzungen).
Diesen Übergang aus momentaner Angst in kurz dauernden Übermut nennt man das Komische.
Dieser unbedingte Wille zur Wahrheit: Was ist er? Ist es der Wille, sich nicht täuschen zu lassen? Ist es der Wille, nicht zu täuschen?
Dieses Leben, welches jedem von uns zuruft: „Sei ein Mann und folge mir nicht nach, — sondern dir! Sondern dir!“
Doch alle Lust will Ewigkeit — will tiefe, tiefe Ewigkeit!
Drei Viertel alles Bösen, das in der Welt getan wird, geschieht aus Furchtsamkeit.
Drücken wir das Abbild der Ewigkeit auf unser Leben!
Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht!
Du hältst es nicht mehr aus, dein herrisches Schicksal? Liebe es, es bleibt dir keine Wahl!
Du kannst dich für deinen Freund nicht schön genug putzen: denn du sollst ihm ein Pfeil und eine Sehnsucht nach dem Übermenschen sein.
Du legtest dein höchstes Ziel diesen Leidenschaften an’s Herz: da wurden sie deine Tugenden und Freudenschaften.
Du mußt jeden Tag auch deinen Feldzug gegen dich selber führen.
Du sollst dein Weib aus einem anderen Volke als dem eigenen nehmen.
Du willst nach deinen Absichten bemessen sein und nicht nach deinen Wirkungen? Aber woher hast du denn deine Absichten? Aus deinen Wirkungen!
Durch Alkohol bringt man sich auf Stufen der Kultur zurück, die man überwunden hat.
Ebenso will man nicht zugeben, dass alles jenes, was die Menschen mit Opfern an Glück und Leben in früheren Jahrhunderten verteidigt haben, nichts als Irrtümer waren.
Egoismus ist kein Prinzip, sondern die eine Tatsache.
Ehe: So heiße ich den Willen zu zweien, das Eine zu schaffen, das mehr ist, als die es schufen.
Eigentum ist zuerst Nahrung und Aufspeicherung von Nahrung.
Ein allgemein beliebter Mensch hat mittelmäßige Tugenden und mittelmäßige Laster.
Ein Amt ist gut: man legt es zwischen sich und die Menschen.
Ein anderes ist Verlassenheit, ein anderes Einsamkeit: Das — lerntest du nun!
Ein Beruf ist das Rückgrat des Lebens.
Ein Bissen guter Nahrung entscheidet oft, ob wir mit hohlem Auge oder hoffnungsreich in die Zukunft schauen.
Ein Deutscher ist großer Dinge fähig, aber es ist unwahrscheinlich, daß er sie tut.
Ein fremder Atem haucht und faucht mich an: Bin ich ein Spiegel, der drob trübe wird?
Ein Gabe ausschlagen zu müssen, weil sie nicht auf die rechte Weise angeboten wurde, erbittert gegen den Geber.
Ein Gärtchen, Feigen, kleine Käse und dazu drei oder vier gute Freunde, — das war die Üppigkeit Epikurs.
Ein Gott, der allwissend und allmächtig ist und der nicht einmal dafür sorgt, daß seine Absicht von seinen Geschöpfen verstanden wird, – sollte das ein Gott der Güte sein?
Ein großer Gelehrter und ein großer Flachkopf – das geht schon leichter miteinander unter einem Hute.
Ein guter Schriftsteller hat nicht nur seinen eigenen Geist, sondern auch noch den Geist seiner Freunde.
Ein labyrinthischer Mensch sucht niemals die Wahrheit, sondern immer nur seine Ariadne.
Ein mächtiges Streben, dem immer wieder ein Einblick in seine Erfolglosigkeit gegeben wird, macht böse.
Ein Mensch, wie er sein soll: das klingt uns so abgeschmackt wie: „ein Baum, wie er sein soll“.
Ein Philosoph: Ach, ein Wesen, das oft von sich davonläuft, oft vor sich Furcht hat, — aber zu neugierig ist, um nicht immer wieder „zu sich zu kommen“…
Ein religiöser Mensch denkt nur an sich.
Ein sicheres Mittel, die Leute aufzubringen und ihnen böse Gedanken in den Kopf zu setzen, ist, sie lange warten zu lassen. Dies macht unmoralisch.
Ein Spielzeug sei das Weib, rein und fein, dem Edelsteine gleich, bestrahlt von den Tugenden einer Welt, welche noch nicht da ist.
Ein Talent haben ist nicht genug: man muss auch eure Erlaubnis dazu haben – wie? meine Freunde?
Ein tiefer Mensch braucht Freunde, es wäre denn, daß er seinen Gott noch hat.
Ein Werkzeug kann nicht seine eigene Tauglichkeit kritisieren: der Intellekt kann nicht selber seine Grenze, auch nicht sein Wohlgeratensein oder sein Missratensein bestimmen.
Ein Wolf selbst zeugte für mich und sprach: „Du heulst besser noch als wir Wölfe!“
Ein Zeitalter der Barbarei beginnt, die Wissenschaften werden ihm dienen!
Ein Zeugnis der Liebe. Jemand sagte: „Über zwei Personen habe ich nie gründlich nachgedacht: es ist das Zeugnis meiner Liebe zu ihnen.“
Eine Begierde nach Liebe ist in mir, die redet selber die Sprache der Liebe.
Eine einfache Lebensweise ist jetzt schwer: dazu tut viel mehr Nachdenken und Erfindungsgabe not, als selbst sehr gescheite Leute haben.
Eine feine Seele bedrückt es, sich jemanden zum Dank verpflichtet zu wissen, eine grobe, sich jemandem.
Eine Fortbildung der Gerechtigkeit ist die Billigkeit.
Eine Frau, die begreift, dass sie den Flug ihres Mannes hemmt, soll sich trennen — warum hört man von diesem Akt der Liebe nicht?
Eine gute Sentenz ist zu hart für den Zahn der Zeit und wird von allen Jahrtausenden nicht aufgezehrt, obwohl sie jeder Zeit zur Nahrung dient.
Eine kleine Rache ist menschlicher, als gar keine Rache.
Eine Maxime …, von der man wollen kann, dass sie Gesetz für Alle würde, soll man zu der seinigen machen.
Eine Sache, die sich aufklärt, hört auf, uns etwas anzugehen.
Eine Verbesserung erfindet nur der, welcher zu fühlen weiß: „Dies ist nicht gut“.
Einige Männer haben über die Entführung ihrer Frauen geseufzt, die meisten darüber, daß niemand sie ihnen entführen wollte.
Einige von ihnen wollen, aber die Meisten werden nur gewollt.
Einsame Menschen leiden fürchterlich an Erinnerungen.
Einsame Tage, ihr wollt auf tapferen Füßen gehn!
Einst war der Geist Gott, dann wurde er zum Menschen, und jetzt wird er gar noch Pöbel.
Einst wart ihr Affen, und auch jetzt noch ist der Mensch mehr Affe, als irgend ein Affe.
Einstmals war das Ich in der Herde versteckt: und jetzt ist im Ich noch die Herde versteckt.
Er ist ein Denker: das heißt, er versteht sich darauf, die Dinge einfacher zu nehmen, als sie sind.
Erbärmliche kleine Verhältnisse machen erbärmlich.
Erfahrene Menschen kehren ungern zu Gegenden, zu Personen zurück, die sie einst sehr geliebt haben.
Erkennen, das heißt: Alle Dinge zu unserem Besten verstehen!
Erklärung: das ist der Ausdruck eines neuen Dinges vermittelst der Zeichen von schon bekannten Dingen.
Erst das Christentum hat den Teufel an die Wand der Welt gemalt; erst das Christentum hat die Sünde in die Welt gebracht.
Erst die Not lehrt das Nötig-sein eines Einzelnen, und das rechte Epitaph ist ein später Seufzer.
Erziehung: wesentlich das Mittel, die Ausnahme, eine Ablenkung, Verführung, Ankränkelung zu ruinieren zu Gunsten der Regel.
Es bestimmt beinahe die Rangordnung, wie tief Menschen leiden können.
Es gehört sehr viel Kraft zum Vergessen dazu, um leben zu können.
Es gibt eine Unschuld der Bewunderung: Der hat sie, dem es noch nicht in den Sinn gekommen ist, auch er könne einmal bewundert werden.
Es gibt einen Grad von eingefleischter Verlogenheit, den nennt man „das gute Gewissen“.
Es gibt einen Übermut der Güte, welcher sich wie Bosheit ausnimmt.
Es gibt etwas in mir, das ich Mut heiße: das schlug bisher mir jeden Unmut tot.
Es gibt gar keine moralischen Phänomene, sondern nur eine moralische Ausdeutung von Phänomenen.
Es gibt Gewissensbisse auch nach guten Werken: ihr Ungewöhnliches, das was aus dem alten Milieu heraushebt.
Es gibt Herren-Moral und Sklaven-Moral.
Es gibt in der Welt einen einzigen Weg, auf welchem niemand gehen kann, außer dir: wohin er führt? Frage nicht, gehe ihn.
Es gibt kein Gesetz: jede Macht zieht in jedem Augenblick ihre letzte Konsequenz.
Es gibt keine schöne Fläche ohne eine schreckliche Tiefe.
Es gibt Menschen, welche man mit erhabenen Gebärden überzeugt, aber mit Gründen misstrauisch macht.
Es gibt Personen, welche jedermann zu einem Ja oder Nein in Bezug auf ihre ganze Person nötigen möchten.
Es gibt Verluste, welche der Seele eine Erhabenheit mitteilen, bei der sie sich des Jammerns enthält und sich wie unter hohen schwarzen Zypressen schweigend ergeht.
Es gibt viele Grausame, die nur zu feige zur Grausamkeit sind.
Es gibt zwei Arten des Genies: eins, welches vor allem zeugt und zeugen will, und ein andres, welches sich gern befruchten lässt und gebiert.
Es ist das Vorrecht der Größe, mit geringen Gaben hoch zu beglücken.
Es ist die höchste Zeit! Wozu ist es denn – höchste Zeit?
Es ist die Sache des freien Mannes, seiner selbst wegen und nicht in Hinsicht auf andre zu leben. Deshalb hielten die Griechen das Handwerk für unanständig.
Es ist ein großes Ding, immer zu Zwei(e)n sein!
Es ist furchtbar, im Meere vor Durst zu sterben. Müsst ihr denn gleich eure Wahrheit so salzen, dass sie nicht einmal mehr — den Durst löscht?
Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe. Es ist aber immer auch etwas Vernunft im Wahnsinn.
Es ist leichter, Gegensätze zu denken, als Grade.
Es ist möglich, die weltliche Gerechtigkeit aus den Angeln zu heben — mit der Lehre von der völligen Unverantwortlichkeit und Unschuld jedermannes.
Es ist nicht genug Liebe und Güte in der Welt, um noch davon an eingebildete Wesen wegschenken zu dürfen.
Es ist nicht mehr als ein moralisches Vorurteil, dass Wahrheit mehr wert ist als Schein; es ist sogar die schlechtest bewiesene Annahme, die es in der Welt gibt.
Es ist noch nicht genug, eine Sache zu beweisen, man muß die Menschen zu ihr auch noch verführen oder zu ihr erheben.
Es ist oft kein geringes Zeichen von Humanität, einen anderen nicht beurteilen zu wollen und sich zu weigern, über ihn zu denken.
Es ist schwer, mit Menschen zu leben, weil Schweigen so schwer ist.
Es ist unnütz, man vergisst nicht, wenn man vergessen will.
Es ist unwahr, die Natur nur formell, nicht auch eine Seele in ihr zu sehen. Sie atmet und spricht wie alles Irdische.
Es ist verräterisch, wenn jemand nach Größe strebt. Die Menschen der besten Qualität streben nach Kleinheit.
Es ist wahr: wir lieben das Leben, nicht, weil wir an’s Leben, sondern weil wir an’s Lieben gewöhnt sind.
Es ist weit angenehmer, zu beleidigen und später um Verzeihung zu bitten, als beleidigt zu werden und Verzeihung zu gewähren.
Es ist zu bezweifeln, ob ein Vielgereister irgendwo in der Welt hässlichere Gegenden gefunden hat, als im menschlichen Gesichte.
Es kennzeichnet die Deutschen, dass bei ihnen die Frage „Was ist deutsch?“ niemals ausstirbt.
Es kommt in der Wirklichkeit nichts vor, was der Logik streng entspräche.
Es kommt mir alles tot vor, wo ich nicht Musik höre.
Es kommt wohl für jeden eine Stunde, wo er mit Verwunderung vor sich selbst fragt: Wie lebt man nur! Und man lebt doch!
Es scheint mir, daß allein der Zustand der Schwangerschaft uns immer wieder an’s Leben anbindet.
Es steht niemandem frei, Christ zu werden: man wird nicht zum Christentum „bekehrt“, — man muss krank genug dazu sein…
Es wird Wenige geben, welche, wenn sie um Stoff zur Unterhaltung verlegen sind, nicht die geheimeren Angelegenheiten ihrer Freunde preisgeben.
Etwas Kurz Gesagtes kann die Frucht und Ernte von vielem Lang-Gedachten sein.
Etwas von seinem Eigentume fahren lassen, sein Recht aufgeben — macht Freude, wenn es großen Reichtum anzeigt. Dahin gehört die Großmut.
Euch rate ich nicht zur Arbeit, sondern zum Kampfe. Euch rate ich nicht zum Frieden, sondern zum Siege. Eure Arbeit sei ein Kampf, euer Friede sei ein Sieg!
Euer Geschäft — das ist euer größtes Vorurteil, es bindet euch an euren Ort, an eure Gesellschaft, an eure Neigungen.
Eure falsche Liebe zur Vergangenheit ist ein Raub an der Zukunft.
Eure Liebe zum Leben sei Liebe zu eurer höchsten Hoffnung: und eure höchste Hoffnung sei der höchste Gedanke des Lebens!
Eure schenkende Liebe und eure Erkenntnis diene dem Sinn der Erde!
Eure schlechte Liebe zu euch selber macht euch aus der Einsamkeit ein Gefängnis.
Feineren Geistern wird von solchen ein Zwang angetan, welche immer Geschichten erzählen, über die man lachen soll: wo es nicht genügt zu lächeln.
Feuer der Liebe glüht in aller Tugenden Namen und Feuer des Zorns.
Formel meines Glücks: Ein Ja, ein Nein, eine gerade Linie, ein Ziel..
Frauen können recht gut mit einem Manne Freundschaft schließen; aber um diese aufrechtzuerhalten – dazu muß wohl eine kleine physische Antipathie mithelfen.
Frei nennst du dich? Deinen herrschenden Gedanken will ich hören und nicht, dass du einem Joche entronnen bist.
Freigebigkeit ist bei Reichen oft nur eine Art Schüchternheit.
Freiheit der individuellen Überzeugungen und ein Leben diesen gemäß – ist das erste der Rechte und die erste der Pflichten eines Menschen.
Freundschaft und Ehe. – Der beste Freund wird wahrscheinlich die beste Gattin bekommen, weil die gute Ehe auf dem Talent zur Freundschaft beruht.
Für das, was einer ist, haben seine Vorfahren die Kosten bezahlt.
Für den sehr Einsamen ist schon Lärm ein Trost.
Für den tragischen Helden ist es notwendig, an dem zugrunde zu gehen, womit er siegen soll.
Für jedes Individuum ist Bildung, dass es ein Kontinuum von Erkenntnissen und eigensten Gedanken hat und in ihm weiter lebt.
Für Tänzer – Glattes Eis Ein Paradeis Für Den, der gut zu tanzen weiß.
Gar keine Gesellschaft nämlich verdirbt auch die guten Sitten.
Gar nicht von sich reden, ist eine sehr vornehme Heuchelei.
Gedanken sind die Schatten unserer Empfindungen, — immer dunkler, leerer, einfacher, als diese.
Gedanken sind Handlungen.
Gegen die Befreier des Geistes sind die Menschen am unversöhnlichsten im Haß, am ungerechtesten in Liebe.
Gegen die Hoffahrt –  Blas dich nicht auf: sonst bringet dich Zum Platzen schon ein kleiner Stich.
Gegen die Männerkrankheit der Selbstverachtung hilft es am sichersten, von einem klugen Weibe geliebt zu werden.
Gegen einen Feind gibt es kein besseres Gegenmittel als einen zweiten Feind.
Geist ist das Leben, das selber in’s Leben schneidet: an der eignen Qual mehrt es sich das eigne Wissen, – wusstet ihr das schon?
Geist macht Frauen alt.
Gelehrten, welche Politiker werden, wird gewöhnlich die komische Rolle zugeteilt, das gute Gewissen einer Politik sein zu müssen.
Gelobt sei, was hart macht! Ich lobe das Land nicht, wo Butter und Honig — fließt!
Genie: Ein hohes Ziel und die Mittel dazu wollen.
Gerechtigkeit ist schwerer als Hingebung und Liebe.
Gesetze verraten nicht das, was ein Volk ist, sondern das, was ihm fremd, seltsam, ungeheuerlich, ausländisch erscheint.
Gesetzgeber sein ist eine sublimierte Form des Tyrannentums.
Gesetzt, der Trieb der Anhänglichkeit und Fürsorge für andere wäre doppelt so stark, als er ist, so wäre es gar nicht auf der Erde auszuhalten.
Gesund ist, wer vergaß.
Gewissensbisse erziehn zum Beißen.
Gib Liebe mir – wer wärmt mich noch? Wer liebt mich noch? – gib heiße Hände.
Gipfel und Abgrund — das ist jetzt in eins beschlossen!
Glaube nennt man die Angewöhnung geistiger Grundsätze ohne Gründe.
Glaubt es mir, meine Brüder! Er [Jesus] starb zu früh; er selber hätte seine Lehre widerrufen, wäre er bis zu meinem Alter gekommen!
Glück aber, welches es auch sei, gibt Luft, Licht und freie Bewegung.
Glück liegt in der Geschwindigkeit des Fühlens und Denkens: alle übrige Welt ist langsam, allmählich und dumm.
Goethe ist der letzte Deutsche, vor dem ich Ehrfurcht habe.
Goldne Zeit, da man den Übermut für die Quelle des Bösen hielt!
Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet!
Gott ist tot; an seinem Mitleiden mit den Menschen ist Gott gestorben.
Gott ist widerlegt, der Teufel nicht.
Grad und Art der Geschlechtlichkeit eines Menschen reicht bis in den letzten Gipfel seines Geistes hinauf.
Grausamkeit ist das Heilmittel des verletzten Stolzes.
Grausamkeit ist eine versetzte und geistiger gewordene Sinnlichkeit.
Große Dinge verlangen, dass man von ihnen schweigt oder groß redet: groß, das heißt zynisch und mit Unschuld.
Größe heißt: Richtung geben.
Große Verbindlichkeiten machen nicht dankbar, sondern rachsüchtig; und wenn die kleine Wohltat nicht vergessen wird, so wird noch ein Nage-Wurm daraus.
Gut Buch will Weile haben.
Gut deutsch sein heißt sich entdeutschen.
Gute Leser machen ein Buch immer besser und gute Gegner klären es ab.
Gute Lieder wollen gut wiederhallen; nach guten Liedern soll man lange schweigen.
Gute Menschen sind nicht nothwendig glücklich, und schlechte Menschen nicht nothwendig unglücklich.
Haben die wirklichen Dinge oder die eingebildeten Dinge mehr zum menschlichen Glück beigetragen?
Hält sich einer mit entsagendem Sinne, absichtlich in der Einsamkeit, so kann er sich dadurch den Verkehr der Menschen, selten genossen, zum Leckerbissen machen.
Handeln – das hat keinen Sinn, Handeln hält im Dasein fest: alles Dasein aber hat keinen Sinn.
Handlungen und Gesinnungen, welche das gemeinsame Merkmal haben, Andern verderblich zu sein, stellen sich, überschüttet mit Tadel, uns von Kindheit an dar.
Hast du aber einen leidenden Freund, so sei seinem Leiden eine Ruhestätte, doch gleichsam ein hartes Bett, ein Feldbett: so wirst du ihm am besten nützen.
Hast du eine große Freude an etwas gehabt? So nimm Abschied, nie kommt es zum zweiten Male.
Hat ein Gott die Welt geschaffen, so schuf er den Menschen zum Affen Gottes, als fortwährenden Anlaß zur Erheiterung in seinen allzulangen Ewigkeiten.
Hat man bemerkt, dass im Himmel alle interessanten Menschen fehlen?
Hat man Charakter, so hat man auch sein typisches Erlebnis, das immer wiederkommt.
Hell aber soll mir dein Auge künden: Frei wozu?
Herrschen — und nicht mehr Knecht eines Gottes sein — dies Mittel blieb zurück den Menschen zu veredeln.
Herrschen ist: das Gegengewicht der schwächeren Kraft ertragen, also eine Art Fortsetzung des Kampfs.
Heute, wo alles wackelt, wo alle Erde bebt…
Hier rollte Gold, hier spielte ich mit Golde – in Wahrheit spielte Gold mit mir – ich rollte!
Hilf dir selber: Dann hilft dir noch jedermann. Prinzip der Nächstenliebe.
Höher als die Liebe zum Nächsten ist die Liebe zum Fernsten und Künftigen; höher noch als die Liebe zu Menschen ist die Liebe zu Sachen und Gespenstern.
Ich begreife nicht, wozu man nötig hat zu verleumden. Will man jemandem schaden, so braucht man ja nur über ihn irgendeine Wahrheit zu sagen.
Ich bin der Antiesel (Anti-Esel) par excellence und damit ein welthistorisches Untier.
Ich bin ein Gesetz nur für die Meinen.
Ich bin ein Verhängnis.
Ich bin höflich gegen sie wie gegen alles kleine Ärgernis; gegen das Kleine stachlicht zu sein dünkt mich eine Weisheit für Igel.
Ich bin peinlich gerecht, weil es die Distanz aufrecht erhält.
Ich bin Zarathustra, der Gottlose: Wo finde ich Meines-Gleichen? Und alle die sind Meines-Gleichen, die sich selber ihren Willen geben und alle Ergebung von sich abtun.
Ich glaube, dass die Vegetarianer mit ihrer Vorschrift, weniger und einfacher zu essen, mehr genützt haben als alle neueren Moralsysteme zusammengenommen.
Ich habe fliegen gelernt, seitdem will ich nicht erst gestoßen sein, um von der Stelle zu kommen.
Ich hatte nur gewähnt, jenseits von gut und böse zu sein.
Ich lehre das Ja zu allem, was stärkt, was Kraft aufspeichert.
Ich liebe den, dessen Seele sich verschwendet, der nicht Dank haben will und nicht zurückgibt: denn er schenkt immer und will sich nicht bewahren.
Ich liebe den, welcher seine Tugend liebt: denn Tugend ist Wille zum Untergang und ein Pfeil der Sehnsucht.
Ich liebe den, welcher sich schämt, wenn der Würfel zu seinem Glücke fällt und der dann fragt: Bin ich denn ein falscher Spieler?
Ich liebe die Welt, die Sonne, die Erde, die Blumen, die Vergnügungen, die Jugend, die Schönheit; ich habe Durst nach Glück!
Ich liebe die, welche nicht zu leben wissen, es sei denn als Untergehende, denn es sind die Hinübergehenden.
Ich liebe die, welche sich nicht bewahren wollen.
Ich liebe diese Art Feigheit gegen die eigene Tat nicht; man soll sich selbst nicht im Stich lassen, unter dem Ansturz unerwarteter Schande und Bedrängnis.
Ich sage euch: man muß noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch.
Ich sah manche Wahrheit siegen, aber stets durch die wohlwollende Unterstützung von hundert Irrtümern.
Ich sehe ungeheure Konglomerate an Stelle der vereinzelten Kapitalisten treten. Ich sehe die Börse dem Fluche verfallen, dem jetzt die Spielbanken gefallen sind.
Ich suchte, wo der Wind am schärfsten weht?
Ich und Mich sind immer zwei verschiedene Personen.
Ich vermute, dass wir nur sehen, was wir kennen.
Ich will, ein für alle Mal, Vieles nicht wissen. – Die Weisheit zieht auch der Erkenntnis Grenzen.
Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde.
Ihr alle, denen die wilde Arbeit lieb ist und das Schnelle, Neue, Fremde, — ihr ertragt euch schlecht, euer Fleiß ist Flucht und Wille, sich selber zu vergessen.
Ihr führt Krieg? Ihr fürchtet euch vor einem Nachbarn? So nehmt doch die Grenzsteine weg — so habt ihr keinen Nachbarn mehr.
Ihr haltet es mit euch selber nicht aus und liebt euch nicht genug: nun wollt ihr den Nächsten zur Liebe verführen und euch mit seinem Irrtum vergolden.
Ihr Käfige und enge Herzen, wie wolltet ihr freien Geistes sein!
Ihr liebt eure Tugend, wie die Mutter ihr Kind; aber wann hörte man, daß eine Mutter bezahlt sein wollte für ihre Liebe?
Im Beifall ist immer eine Art Lärm: selbst in dem Beifall, den wir uns selber zollen.
Im echten Manne ist ein Kind versteckt: das will spielen. Auf, ihr Frauen, so entdeckt mir doch das Kind im Manne!
Im Erraten und Stillschweigen soll der Freund Meister sein: nicht alles mußt du sehen wollen.
Im Felde der praktischen Urteile und Werte gibt es kein reines Urteil, keine reine Erkenntnis.
Im Gebirge der Wahrheit kletterst du nie umsonst: entweder du kommst schon heute weiter hinauf oder du übst deine Kräfte, um morgen höher steigen zu können.
Im Grunde sind die Emanzipierten die Anarchisten in der Welt des „Ewig-Weiblichen“, die Schlechtweggekommenen, deren unterster Instinkt Rache ist.
Im kleinen Elend steckt unser gefährlichster Feind, das große Leid vergrößert.
Im Lobe ist mehr Zudringlichkeit, als im Tadel.
Im Namen der Frauen das Wort zu führen ist mir versagt.
Im Übrigen bin ich entschlossen alt zu werden; denn sonst kann man es zu nichts bringen. Aber nicht aus Vergnügen am Leben will ich alt werden.
Im Zustand des Hasses sind Frauen gefährlicher als Männer.
In allen Augenblicken, wo wir unser Bestes tun, arbeiten wir nicht. Arbeit ist nur ein Mittel zu diesen Augenblicken.
In dein Auge schaute ich jüngst, oh Leben! Und in’s Unergründliche schien ich mir da zu sinken.
In der Art, wie und was man ehrt, zieht man immer eine Distanz um sich.
In der Einsamkeit frisst sich der Einsame selbst auf, in der Vielsamkeit fressen ihn die Vielen. Nun wähle.
In der Einsamkeit wächst, was einer in sie bringt, auch das innere Vieh.
In der Freundschaft und der Liebe ist es wohl wie in der Kunst. Es muß Geheimnis da sein.
In der Leutseligkeit ist nichts von Menschenhass, aber eben darum allzuviel von Menschenverachtung.
In der Reife des Lebens und des Verstandes überkommt den Menschen das Gefühl, dass sein Vater Unrecht hatte, ihn zu zeugen.
In der Welt taugen die besten Dinge noch nichts, ohne einen, der sie erst aufführt.
In der Wissenschaft haben die Überzeugungen kein Bürgerrecht.
In Deutschland fehlt dem höheren Menschen ein großes Erziehungsmittel: Das Gelächter höherer Menschen; diese lachen nicht in Deutschland.
In Frankreich möchte sich der esprit gern Genie geben. In Deutschland möchte das Genie sich gern esprit geben.
In jeder Art der weiblichen Liebe kommt auch etwas von der mütterlichen Liebe zum Vorschein.
In jeder Religion ist der religiöse Mensch eine Ausnahme.
In seinem Freunde soll man seinen besten Feind haben. Du sollst ihm am nächsten mit dem Herzen sein, wenn du ihm widerstrebst.
In unserer Macht steht die Zurechtlegung des Leides zu einem Segen, des Giftes zu einer Nahrung.
In Wahrheit heißt etwas wollen ein Experiment machen, um zu erfahren, was wir können.
In zwei Zuständen nämlich erreicht der Mensch das Wonnegefühl des Daseins, im Traum und im Rausch.
In’s Blaue — und doch fiel darob ein Weib.
Irrtum – der Glaube ans Ideal – ist nicht Blindheit, Irrtum ist Feigheit…
Ist das Leben nicht hundert Mal zu kurz, sich in ihm — zu langweilen?
Ist es nicht besser, in die Hände eines Mörders zu geraten, als in die Träume eines brünstigen Weibes?
Ist nicht verletzte Eitelkeit die Mutter aller Trauerspiele? Wo aber Stolz verletzt wird, da wächst wohl etwas Besseres noch, als Stolz ist.
Ja man kann sagen, fast überall wo es Glück gibt, gibt es Freude am Unsinn.
Je besser der Staat eingerichtet ist, desto matter die Menschheit.
Je höher wir uns erheben, um so kleiner erscheinen wir denen, welche nicht fliegen können.
Je mehr Erkenntnisse und Vernunft ich habe, umso mehr nimmt der Glaube an die Freiheit ab, es steht uns nicht viel zu wählen offen.
Je mehr sich einer gehen lässt, um so weniger lassen ihn die anderen gehen.
Je mehr sie sich geliebt wissen, desto rücksichtsloser werden sie meistens, bis sie endlich der Liebe nicht mehr würdig sind, und wirklich ein Riss entsteht.
Jede Gemeinschaft macht, irgendwie, irgendwo, irgendwann — „gemein“.
Jede Gesellschaft hat die Tendenz, ihre Gegner bis zur Karikatur herunterzubringen und gleichsam auszuhungern, — zum Mindesten in ihrer Vorstellung.
Jede Handlung, deren ein Mensch nicht fähig ist, wird von ihm missverstanden.
Jede Neuschaffung einer Kultur somit durch starke vorbildliche Naturen, in denen sich die Wahnvorstellungen neu erzeugen.
Jede Philosophie verbirgt auch eine Philosophie; jede Meinung ist auch ein Versteck, jedes Wort auch eine Maske.
Jede uns fördernde Erkenntnis ist ein Identifizieren des Nichtgleichen, des Ähnlichen, d.h. ist wesentlich unlogisch.
Jedem das Seine geben: das wäre die Gerechtigkeit wollen und das Chaos erreichen.
Jeder Glaube ist ein Für-wahr-halten.
Jeder hat nur dann ein Recht, seine inneren Erfahrungen auszusprechen, wenn er auch seine Sprache dafür zu finden weiß.
Jeder Held und jede Heldin schleppt einen Vertrauten mit sich, wie einen diensthabenden Kammerherrn.
Jeder ist sich selbst der Fernste.
Jeder Umgang ist gut, bei dem die Wehr und Waffen, die man in den Instinkten hat, geübt werden.
Jeder Umgang ist schlechter Umgang außer dem mit Seines-Gleichen.
Jeder weiß jetzt, dass Widerspruch-vertragen-können ein hohes Zeichen von Kultur ist.
Jeder, der geheimnisvoll von seinem Vorhaben spricht, oder der merken lässt, dass er gar nicht davon spreche, stimmt seine Mitmenschen ironisch.
Jeder, der seinen Geist zeigen will, lässt merken, dass er auch reichlich vom Gegenteil hat.
Jedes Ding hat zwei Gesichter, eins des Vergehens, eins des Werdens.
Jedes menschliche Wesen hat Anspruch auf eine Erziehung, die es fähig macht, auf sich selbst zu ruhen.
Jedes Verschwinden und Untergehen sehen wir mit Unzufriedenheit, oft mit der Verwunderung, als ob wir darin etwas im Grunde Unmögliches erlebten.
Jedes Wort ist ein Vorurteil.
Jetzt liebe ich Gott: die Menschen liebe ich nicht. Der Mensch ist mir eine zu unvollkommene Sache. Liebe zum Menschen würde mich umbringen.
Kann ein Esel tragisch sein? – Dass man unter einer Last zugrunde geht, die man weder tragen, noch abwerfen kann?… Der Fall des Philosophen.
Kann man nicht alle Werte umdrehn? Und ist Gut vielleicht Böse? Und Gott nur eine Erfindung und Feinheit des Teufels?
Kein Sieger glaubt an den Zufall.
Keine größere Macht fand Zarathustra auf Erden, als gut und böse.
Keiner liebt das Leben aus Vernunft.
Kennst du, mein Bruder, schon das Wort »Verachtung«? Und die Qual deiner Gerechtigkeit, solchen gerecht zu sein, die dich verachten?
Korruption ist nur ein Schimpfwort für die Herbstzeiten eines Volkes.
Kultur ist vor allem Einheit des künstlerischen Stiles in allen Lebensäußerungen eines Volkes.
Kurz, man kann nicht mild genug gegen die Frauen sein!
Lachen heißt: schadenfroh sein, aber mit gutem Gewissen.
Langsam ist das Erleben allen tiefen Brunnen.
Lasterhaft ist jede Art Widernatur.
Leben überhaupt heißt in Gefahr sein.
Leiden war’s und Unvermögen — das schuf alle Hinterwelten; und jener kurze Wahnsinn des Glücks, den nur der Leidendste erfährt.
Leute, welche uns ihr volles Vertrauen schenken, glauben dadurch ein Recht auf das unsrige zu haben. Dies ist ein Fehlschluss; durch Geschenke erwirbt man keine Rechte.
Liebe und Haß sind nicht blind, aber sie sind geblendet von dem Feuer, das sie selber mit sich tragen.
Lieben und Untergehn: das reimt sich seit Ewigkeiten. Wille zur Liebe: das ist, willig auch sein zum Tode.
Lieber Freund, was für ein Sommer! Ich denke Sie mir im Zimmer sitzen[d], mehr Omelette als Mensch.
Lieber nichts wissen, als vieles halb wissen! Lieber ein Narr sein auf eigne Faust, als ein Weiser nach fremdem Gutdünken!
Lieber noch ein wenig zähneklappern als Götzen anbeten! – so will’s meine Art.
Logik ist der Versuch, nach einem von uns gesetzten Seins-Schema die wirkliche Welt zu begreifen, richtiger, uns formulierbar, berechenbar zu machen.
Logik selber aber eine konsequente Zeichenschrift auf Grund der durchgeführten Voraussetzung, daß es identische Fälle gibt.
Macht auszuüben kostet Mühe.
Macht wollen sie und zuerst das Brecheisen der Macht, viel Geld, — diese Unvermögenden!
Mag mich fragen, wer da will: einem Tölpel aber werde ich schwerlich antworten.
Man bleibt nur gut, wenn man vergisst.
Man darf über seine Freunde nicht reden: sonst verredet man sich das Gefühl der Freundschaft.
Man darf wohl eine Bitte abweisen, aber nimmermehr darf man einen Dank abweisen (oder, was das Selbe ist, ihn kalt und konventionell annehmen).
Man erholt sich in seiner wilden Natur am besten von seiner Unnatur, von seiner Geistigkeit…
Man erwäge! — Der gestraft wird, ist nicht mehr der, welcher die Tat getan hat. Er ist immer der Sündenbock.
Man glaubt mit einem Moralismus ohne religiösen Hintergrund auszukommen: Aber damit ist der Weg zum Nihilismus notwendig.
Man greift nicht nur an, um jemandem wehe zu tun, ihn zu besiegen, sondern vielleicht auch nur, um sich seiner Kraft bewußt zu werden.
Man hasst nicht, so lange man noch gering schätzt, sondern erst, wenn man gleich oder höher schätzt.
Man hat gut reden von aller Art Immoralität! Aber sie aushalten können! Zum Beispiel würde ich ein gebrochenes Wort oder gar einen Mord nicht aushalten.
Man hat immer etwas Nötigeres zu tun, als sich zu verheiraten: Himmel, so ist mirs immer gegangen!
Man hat kein Recht, weder auf Dasein, noch auf Arbeit, noch gar auf „Glück“: es steht mit dem einzelnen Menschen nicht anders als mit dem niedersten Wurm.
Man hört nur die Fragen, auf welche man im Stande ist, eine Antwort zu finden.
Man ist Mann seines Fachs um den Preis, auch das Opfer seines Fachs zu sein.
Man ist vielmehr das Kind seiner vier Großeltern als seiner zwei Eltern.
Man kann im Meere vor Durst verschmachten, und ebenso inmitten allzu gesalzener Wahrheiten.
Man kann nicht hoch genug von den Frauen denken: aber deshalb braucht man noch nicht falsch von ihnen zu denken.
Man lacht über seine Ungeschicklichkeit, damit die Anderen nicht darüber lachen.
Man liebt zuletzt seine Begierde, und nicht das Begehrte.
Man lobt oder tadelt, je nachdem das eine oder das andere mehr Gelegenheit gibt, unsere Urteilskraft leuchten zu lassen.
Man lügt wohl mit dem Munde; aber mit dem Maule, das man dabei macht, sagt man doch noch die Wahrheit.
Man muß aufhören, sich essen zu lassen, wenn man am besten schmeckt.
Man muß den Fleiß seines Vaters nicht überbieten wollen – das macht krank.
Man muss den schlechten Geschmack von sich abtun, mit Vielen übereinstimmen zu wollen.
Man muß die Erleichterung der Arbeit nicht zu teuer kaufen.
Man muß die Gerüste wegnehmen, wenn das Haus gebaut ist.
Man muss die Probe machen, wer von den Freunden und denen, welchen „unser Wohl am Herzen liegt“, Stand hält: behandelt sie einmal grob.
Man muss ein gutes Gedächtnis haben, um gegebene Versprechen halten zu können.
Man muss es in aller Tiefe nachempfinden, welche Wohltat das Weib ist.
Man muss es nötig haben, stark zu sein: sonst wird man’s nie.
Man muss Flügel haben, wenn man den Abgrund liebt.
Man muß für seinen Arzt geboren sein, sonst geht man an seinem Arzt zugrunde.
Man muss nur etwas Gutes und Neues vollbringen: dann erlebt man an seinen Freunden, was es heißt: zum guten Spiele eine böse Miene machen.
Man muss sowohl mitleidig als grausam sein, um eins von beiden sein zu können.
Man muß wissen, was man will und daß man will.
Man nehme sich vor allen Personen in acht, welche das bittere Gefühl des Fischers haben, der nach mühevollem Tagewerk am Abend mit leeren Netzen heimfährt.
Man nimmt die unerklärte dunkle Sache wichtiger, als die erklärte helle.
Man sagt nicht „Nichts“: man sagt dafür „Jenseits“; oder „Gott“; oder „das wahre Leben“; oder Nirvana, Erlösung, Seligkeit…
Man sieht sich selber immer einige Schritte zu nah; und den Nächsten immer einige Schritte zu fern.
Man soll nicht falsche Personen erfinden z. B. nicht sagen „die Natur ist grausam“. Gerade einzusehen, dass es kein solches Zentralwesen der Verantwortlichkeit gibt, erleichtert!
Man soll nicht genießen wollen, wo man nicht zu genießen gibt.
Man soll nicht in Kirchen gehen, wenn man reine Luft atmen will.
Man soll nur reden, wo man nicht schweigen darf; und nur von dem reden, was man überwunden hat, — alles andere ist Geschwätz, „Literatur“, Mangel an Zucht.
Man soll sein Herz festhalten; denn lässt man es gehn, wie bald geht einem da der Kopf durch!
Man soll vom Leben scheiden wie Odysseus von Nausikaa schied, — mehr segnend als verliebt.
Man soll von sich nichts wollen, was man nicht kann.
Man täuscht sich jedes Mal, wenn man einen „Fortschritt“ von einem Ideal erwartet: Der Sieg des Ideals war jedes Mal bisher eine retrograde Bewegung.
Man verdirbt einen Jüngling am sichersten, wenn man ihn anleitet, den Gleichdenkenden höher zu achten, als den Andersdenkenden.
Man vergisst seine Schuld, wenn man sie einem andern gebeichtet hat, aber gewöhnlich vergisst der andere sie nicht.
Man verlernt die Menschen, wenn man unter Menschen lebt.
Man widerspricht oft einer Meinung, während uns eigentlich nur der Ton, mit dem sie vorgetragen wurde, unsympathisch ist.
Man will die viel Begehrte, um der Vielen Vorgezogene zu sein.
Man wird am besten für seine Tugenden bestraft.
Man wird die Menge nicht eher zum Hosiannarufen bringen, bis man auf einem Esel in die Stadt einreitet.
Man wird mit seinem schlechten Gewissen leichter fertig, als mit seinem schlechten Rufe.
Man wird selten irren, wenn man extreme Handlungen auf Eitelkeit, mittelmäßige auf Gewöhnung und kleinliche auf Furcht zurückführt.
Mancher erreicht seinen Gipfel als Charakter, aber sein Geist ist gerade dieser Höhe nicht angemessen – und mancher umgekehrt.
Mancher findet sein Herz nicht eher, als bis er — seinen Kopf verliert.
Mancher kann seine eignen Ketten nicht lösen und doch ist er dem Freunde ein Erlöser.
Mancher wird auch für seine Wahrheiten und Siege zu alt; ein zahnloser Mund hat nicht mehr das Recht zu jeder Wahrheit.
Mancher wird nur deshalb kein Denker, weil sein Gedächtnis zu gut ist.
Mein Glück wird sein, das zu tun, wozu mich eine innere Stimme treibt; sonst will ich nichts.
Meine Brüder, die Natur ist dumm; und so weit wir Natur sind, sind wir alle dumm. Auch die Dummheit hat einen schönen Namen: sie nennt sich Notwendigkeit.
Meine Brüder, zur Nächstenliebe rate ich euch nicht: ich rate euch zur Fernsten-Liebe.
Meine Gerechtigkeit ist Liebe mit sehenden Augen.
Meine Humanität besteht nicht darin, mitzufühlen, wie der Mensch ist, sondern es auszuhalten, dass ich ihn mitfühle…
Meine Lehre sagt: So leben, dass du wünschen musst, wieder zu leben ist die Aufgabe — du wirst es jedenfalls!
Menschen wie Rousseau verstehen es, ihre Schwächen, Lücken, Laster gleichsam als Dünger ihres Talents zu benutzen.
Menschen, die nach Größe streben, sind gewöhnlich böse Menschen: es ist ihre einzige Art, sich zu ertragen.
Menschen, welche man nicht leiden kann, sucht man sich zu verdächtigen.
Menschenlos. — Wer tiefer denkt, weiß, daß er immer unrecht hat, er mag handeln und urteilen, wie er will.
Mir ist mitunter als ob ich als Längst-Gestorbener mir die Dinge und Menschen anschaute – sie bewegen, erschrecken und entzücken mich, ich bin ihnen aber ganz ferne.
Misslingt etwas, so soll man seinem Mithelfer die Hilfe doppelt bezahlen.
Mit Behagen aber verträgt sich nur die bescheidene Tugend.
Mit deiner Liebe gehe in deine Vereinsamung und mit deinem Schaffen, mein Bruder; und spät erst wird die Gerechtigkeit dir nachhinken.
Mit Donnern und himmlischen Feuerwerken muss man zu schlaffen und schlafenden Sinnen reden.
Mit dreißig Jahren ist man im Sinne hoher Kultur ein Anfänger, ein Kind.
Mit einem Talent ist man auch das Opfer eines Talents: man lebt unter dem Vampirismus seines Talents.
Mit einer sehr lauten Stimme im Halse ist man fast außerstande, feine Sachen zu denken.
Mit Menschen, denen die Scheu vor dem Persönlichen fehlt, muss man nicht umgehen oder unerbittlich ihnen vorher die Handschellen der Konvenienz anlegen.
Mit Tönen tanzt unsre Liebe auf bunten Regenbögen.
Mitfreude, nicht Mitleiden, macht den Freund.
Mitleid. – In der vergoldeten Scheide des Mitleidens steckt mitunter der Dolch des Neides.
Mitunter genügt schon eine stärkere Brille, um den Verliebten zu heilen.
Moral ist die Wichtigtuerei des Menschen vor der Natur.
Moral predigen [ist] eben so leicht als Moral [zu] begründen schwer ist.
Müßiggang ist aller Psychologie Anfang. Wie? Wäre Psychologie ein — Laster?
Mutige Leute überredet man dadurch zu einer Handlung, dass man dieselbe gefährlicher darstellt, als sie ist.
Mütter sind leicht eifersüchtig auf die Freunde ihrer Söhne, wenn diese besondere Erfolge haben. Gewöhnlich liebt eine Mutter sich mehr in ihrem Sohn, als den Sohn selber.
Nach Liebe suchend — und immer die Larve‚ die verfluchte Larve finden und zerbrechen müssen!
Naivität, als ob Moral übrig bliebe, wenn der sanktionierende Gott fehlt. Das „Jenseits“ absolut notwendig, wenn der Glaube an Moral aufrechterhalten werden soll.
Nehmt eure Sprache ernst!
Neid und Eifersucht sind die Schamteile der menschlichen Seele.
Nein allem, was schwach macht, – was erschöpft.
Nein, gerade Tatsachen gibt es nicht, nur Interpretationen.
Neues will der Edle schaffen und eine neue Tugend. Altes will der Gute, und daß Altes erhalten bleibe.
Nicht dass du den Götzen umwarfst: Dass du den Götzendiener in dir umwarfst, das war dein Mut.
Nicht daß du mich belogst, sondern daß ich dir nicht mehr glaube, hat mich erschüttert.
Nicht der Zweifel, die Gewissheit ist das, was wahnsinnig macht…
Nicht die Abwesenheit der Liebe, sondern die Abwesenheit der Freundschaft macht die unglücklichen Ehen.
Nicht die Erkenntnis gehört zum Wesen der Dinge, sondern der Irrtum.
Nicht die Höhe: der Abhang ist das Furchtbare!
Nicht die Menschen — aber der Mensch ist es, den der Einsame liebt.
Nicht die Menschheitsherde soll vermehrt werden, sondern die Zahl der Auserwählten, welche den höheren Zielen der Menschheit dienen.
Nicht die Stärke, sondern die Dauer der hohen Empfindung macht die hohen Menschen.
Nicht durch Zorn, sondern durch Lachen tötet man.
Nicht gegen den, der uns zuwider ist, sind wir am unbilligsten, sondern gegen den, welcher uns gar nichts angeht.
Nicht ihre Menschenliebe, sondern die Ohnmacht ihrer Menschenliebe hindert die Christen von heute, uns — zu verbrennen.
Nicht nur fort euch zu pflanzen, sondern hinauf — dazu, oh meine Brüder, helfe euch der Garten der Ehe!
Nicht selten begegnet man Kopien bedeutender Menschen; und den meisten gefallen, wie bei Gemälden, so auch hier, die Kopien besser als die Originale.
Nicht wenn es gefährlich ist, die Wahrheit zu sagen, findet sie am seltensten Vertreter, sondern wenn es langweilig ist.
Nichts ist kostspieliger als ein falscher Wahn über Gut und Böse!
Nichts ist mehr euer eigen, als eure Träume! Nichts mehr euer Werk! Stoff, Form, Dauer, Schauspieler, Zuschauer, — in diesen Komödien seid ihr alles ihr selber!
Nichts ist teurer erkauft, als das Wenige von menschlicher Vernunft und vom Gefühle der Freiheit, welches jetzt unseren Stolz ausmacht.
Nichts teilen wir so gern an andere mit, als das Siegel der Verschwiegenheit — samt dem, was darunter ist.
Nichts wächst Erfreulicheres auf Erden als ein starker hoher Wille.
Niemals kroch ich im Leben vor Mächtigen; und log ich je, so log ich aus Liebe.
Niemand dankt dem geistreichen Menschen die Höflichkeit, wenn er sich einer Gesellschaft gleichstellt, in der es nicht höflich ist, Geist zu zeigen.
Niemand kann dir die Brücke bauen, auf der gerade du über den Fluss des Lebens schreiten musst, niemand außer dir allein.
Niemand klagt an ohne den Hintergedanken an Strafe und Rache zu haben – selbst wenn man sein Schicksal, ja sich selber anklagt.
Niemand lügt so viel als der Entrüstete.
Niemand stirbt jetzt an tödlichen Wahrheiten: es gibt zu viele Gegengifte.
Niemanden kränken, niemanden beeinträchtigen wollen kann ebensowohl das Kennzeichen einer gerechten als einer ängstlichen Sinnesart sein.
Noch ein Jahrhundert Zeitungen — und alle Worte stinken.
Notwendige Widersprüche im Denken, um leben zu können.
Nur ästhetisch gibt es eine Rechtfertigung der Welt.
Nur aus Liebe entstehen die tiefsten Einsichten.
Nur der Täter lernt.
Nur eine Sünde: Feigheit.
Nur im Tanze weiß ich der höchsten Dinge Gleichnis zu reden.
Nur Schritt für Schritt — das ist kein Leben, Stets Bein vor Bein macht deutsch und schwer.
Nur wer sich wandelt, bleibt mit mir verwandt.
Oberfläche ist des Weibes Gemüt, eine bewegliche stürmische Haut auf einem seichten Gewässer.
Oder ist es das: Die lieben, die uns verachten, und dem Gespenste die Hand reichen, wenn es uns fürchten machen will?
Oder ist es das: sich von Eicheln und Gras der Erkenntnis nähren und um der Wahrheit willen an der Seele Hunger leiden?
Öffentliche Meinungen – private Faulheiten.
Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.
Ohne rechtschaffenen Fleiß wächst nur Unkraut aus der schönsten Anlage.
Pfui! Ihr wollt in ein System hinein, wo man entweder Rad sein muß, voll und ganz, oder unter die Räder gerät!
Pfui, unter dem Gesindel leben, — Pfui, unter dem Gesindel die Ersten zu bedeuten!
Phlegmatische Naturen sind nur so zu begeistern, daß man sie fanatisiert.
Pläne machen und Vorsätze fassen bringt viel gute Empfindungen mit sich.
Positiv und negativ. – Dieser Denker braucht niemanden, der ihn widerlegt: er genügt sich dazu selber.
Prüft euch nur, ob ihr gerecht sein könntet, wenn ihr es wolltet!
Rate ich euch, eure Sinne zu töten? Ich rate euch zur Unschuld der Sinne.
Redner und Schriftsteller überzeugen meistentheils nur die, welche schon vorher überzeugt waren.
Reife des Mannes: das heißt den Ernst wiedergefunden haben, den man als Kind hatte, beim Spiel.
Schaffen — das ist die große Erlösung vom Leiden, und des Lebens Leichtwerden.
Schicksal, ich folge dir! Und wollt’ ich nicht, ich müsst’ es doch und unter Seufzen tun!
Schlamm ist auf dem Grunde ihrer Seele; und wehe, wenn ihr Schlamm gar noch Geist hat!
Schön ist es miteinander schweigen, schöner – miteinander zu lachen.
Schon wird er unwirsch, zackicht reckt er den Ellenbogen; seine Stimme versauert sich, sein Auge blickt Grünspan.
Schweine-Deutsch! Verzeihung! Zeitungs-deutsch!
Sehr klugen Personen fängt man an zu misstrauen, wenn sie verlegen werden.
Sei eine Platte von Gold — so werden sich die Dinge auf dir in goldner Schrift einzeichnen.
Seine Frau kauft auch der Listigste noch im Sack.
Seines Todes ist man gewiss: warum wollte man nicht heiter sein?
Selig sind die Vergesslichen: denn sie werden auch mit ihren Dummheiten „fertig“.
Seltsam ist’s, Zarathustra kennt wenig die Weiber, und doch hat er über sie Recht! Geschieht dies deshalb, weil beim Weibe kein Ding unmöglich ist?
Sich mitten unter die Feinde werfen kann das Merkmal der Feigheit sein.
Sie haben alle keinen Charakter: was half’s! Sie mussten sich einen stehlen.
Sie steigen wie Tiere den Berg hinauf, dumm und schwitzend; man hatte ihnen zu sagen vergessen, daß es unterwegs schöne Aussichten gebe.
Sie wissen auch, daß ich kein „Mensch der Tat“ bin und in bedauerlicher Weise hinter meinen besten Absichten zurückbleibe.
Sieh hinaus! Sieh nicht zurück! Man geht zugrunde, wenn man immer zu den Gründen geht.
Singe mir ein neues Lied: die Welt ist verklärt und alle Himmel freuen sich.
Skepsis an der Moral ist das Entscheidende.
So elend ist der Mensch, daß er durch nichts einem Fremden so schnell nahe kommt, als wenn dieser eine Schwäche, einen Defekt merken läßt.
So erleichtern die Griechen dem modernen Menschen das Mitteilen von mancherlei schwer Mitteilbarem und Bedenklichem.
So heißt die Welt in ihrer Tiefe verstehen den Widerspruch verstehen.
So ihr aber einen Feind habt, so vergeltet ihm nicht Böses mit Gutem: denn das würde beschämen. Sondern beweist, dass er euch etwas Gutes angetan hat.
So lange man dich lobt, glaube nur immer, daß du noch nicht auf deiner eignen Bahn, sondern auf der eines anderen bist.
So lange man nicht die Moral des Christentums als Kapital-Verbrechen am Leben empfindet, haben dessen Verteidiger gutes Spiel.
So sehe man die „Leitmotive“ der ganzen Entwicklung der Philosophie an. Eine Art Rache an der Wirklichkeit.
So wie jeder Sieger spricht, Sprichst du: „Zufall gibt es nicht.“
Sobald ein Zustand meisterlich gekonnt wird, muss ein neuer erstrebt werden.
Sobald eine Religion herrscht, hat sie alle die zu ihren Gegnern, welche ihre ersten Jünger gewesen wären.
Sobald ihr handeln wollt, müßt ihr die Tür zum Zweifel verschließen.
Sodann die Tradition, das ist die Behauptung, daß das Gesetz bereits seit uralten Zeiten bestanden habe, daß es pietätlos, ein Verbrechen an den Vorfahren sei, es in Zweifel zu ziehn.
Somit ist Toleranz, historischer Sinn, sogenannte Gerechtigkeit ein Beweis des Mißtrauens gegen ein eigenes Ideal, oder das Fehlen desselben.
Spruch des Gewaltmenschen – Bitte nie! Lass dies Gewimmer! Nimm, ich bitte dich, nimm immer!
Staat heißt das kälteste aller kalten Ungeheuer. Kalt lügt es auch; und diese Lüge kriecht aus seinem Munde: „Ich, der Staat, bin das Volk.“
Starke Wasser reißen viel Gestein und Gestrüpp mit sich fort, starke Geister viele dumme und verworrene Köpfe.
Stellt kleine gute vollkommne Dinge um euch, ihr höheren Menschen! Deren goldene Reife heilt das Herz. Vollkommnes lehrt hoffen.
Timon spricht: „Nicht zu freigebig: nur Hunde scheißen zu jeder Stunde!“
Über das Weib soll man nur zu Männern reden.
Über den Rang entscheidet das Quantum Macht, das du bist; der Rest ist Feigheit.
Über euch hinaus sollt ihr einst lieben! So lernt erst lieben! Und darum mußtet ihr den bitteren Kelch eurer Liebe trinken. Bitternis ist im Kelch auch der besten Liebe.
Über uns glänzt Stern bei Sterne, Um uns braust die Ewigkeit.
Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit, als Lügen.
Überzeugungen sind Gefängnisse.
Um allein zu leben, muss man ein Tier oder ein Gott sein — sagt Aristoteles. Fehlt der dritte Fall: Man muss beides sein — Philosoph…
Um weise zu werden, muss man gewisse Erlebnisse erleben wollen, also ihnen in den Rachen laufen. Sehr gefährlich ist dies freilich; mancher „Weise“ wurde dabei aufgefressen.
Unbeliebten Personen rechnen wir die Artigkeiten, welche sie uns erweisen, zum Vergehen an.
Und allen aus dem Wege gehen, die schlecht schlafen und nachts wachen!
Und aller großer Ernst — ist er nicht selbst schon Krankheit? Und eine erste Verhässlichung?
Und alles überhaupt, was Würde heißt: Das ist die Verstellungsform derer, welche im Grunde furchtsam sind, — sie wollen damit fürchten machen.
Und diese Heuchelei fand ich unter ihnen am schlimmsten: daß auch die, welche befehlen, die Tugenden derer heucheln, welche dienen.
Und erst, wenn er sich von sich selber abwendet, wird er über seinen eignen Schatten springen — und, wahrlich! hinein in seine Sonne.
Und ganz Europa hat bereits einen Begriff davon — die große Politik täuscht niemanden… Deutschland gilt immer mehr als Europas Flachland.
Und hüte dich auch vor den Anfällen deiner Liebe! Zu schnell streckt der Einsame dem die Hand entgegen, der ihm begegnet.
Und hüte dich vor den Guten und Gerechten! Sie kreuzigen gerne die, welche sich ihre eigne Tugend erfinden, — sie hassen den Einsamen.
Und ihr sagt mir, Freunde, dass nicht zu streiten sei über Geschmack und Schmecken?
Und in dieser Mitte, zwischen Tugend und Fehler, liegen alle Eigenschaften des Philisters.
Und lernen wir besser uns freuen, so verlernen wir am besten, andern wehe zu tun und Wehes auszudenken.
Und mancher, der sich vom Leben abkehrte, kehrte sich nur vom Gesindel ab: er wollte nicht Brunnen und Flamme und Frucht mit dem Gesindel teilen.
Und nur wo Gräber sind, gibt es Auferstehungen.
Und oft will man mit der Liebe nur den Neid überspringen.
Und seht mir doch diese Männer an: ihr Auge sagt es — sie wissen nichts Besseres auf Erden, als bei einem Weibe zu liegen.
Und tut dir ein Freund Übles, so sprich: „Ich vergebe dir, was du mir tatest; dass du es aber dir tatest, — wie könnte ich das vergeben!“
Und überhaupt — auch das geringste Schaffen steht höher als das Reden über Geschaffnes.
Und wahrlich, mancher Zufall kam herrisch zu mir: aber herrischer noch sprach zu ihm mein Wille.
Und wen ihr nicht fliegen lehrt, den lehrt mir – schneller fallen!
Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.
Und wohin ich auch steige, überallhin folgt mir mein Hund, der heißt „Ich“.
Und, alles in allem und Großen: ich will irgendwann einmal nur noch ein Ja-sagender sein!
Unser Charakter wird noch mehr durch den Mangel gewisser Erlebnisse, als durch das, was man erlebt, bestimmt.
Unser Glaube an andere verrät, worin wir gern an uns selber glauben möchten.
Unser letztes Ereignis ist immer noch Luther, unser einziges Buch immer noch die Bibel.
Unser Verbrechen gegen Verbrecher besteht darin, dass wir sie wie Schufte behandeln.
Unsere Mängel sind die Augen, mit denen wir das Ideal sehen.
Unsere Mängel sind unsere besten Lehrer: aber gegen die besten Lehrer ist man immer undankbar.
Unsere Meinungen: die Haut, die wir uns umlegen, in der wir gesehen werden wollen, oder in der wir uns sehen wollen; das Äußerlichste.
Unsere Nächstenliebe — ist sie nicht ein Drang nach neuem Eigentum?
Unsere Neigungen bemänteln wir gern mit dem Pflichtbegriff.
Unsere Pflichten, das sind die Rechte anderer auf uns.
Unserem stärksten Triebe, dem Tyrannen in uns, unterwirft sich nicht nur unsere Vernunft, sondern auch unser Gewissen.
Unter friedlichen Umständen fällt der kriegerische Mensch über sich selber her.
Väter haben viel zu tun, um es wieder gut zu machen, daß sie Söhne haben.
Vergib uns unsere Tugenden – so soll man zu Menschen beten.
Verlass mich nie! Mein Glück, du bunter Traum!
Verwandlung durch hundert Seelen — das sei dein Leben, dein Schicksal: Und dann zuletzt: diese ganze Reihe noch einmal wollen!
Viel Geist haben erhält jung: aber man muss es ertragen, damit gerade für älter zu gelten, als man ist.
Viel von sich reden kann auch ein Mittel sein, sich zu verbergen.
Viele erscheinen gereizt, wenn man ihnen eine Neuigkeit erzählt, sie empfinden das Übergewicht, welches die Neuigkeit dem gibt, der sie früher weiß.
Viele kurze Torheiten – das heißt bei euch Liebe. Und eure Ehe macht vielen kurzen Torheiten ein Ende, als eine lange Dummheit.
Viele Menschen warten ihr Leben lang auf die Gelegenheit, auf ihre Art gut zu sein.
Viele Schwachen machen noch nichts Furchtbares: wohl aber viele Dummen, die geben den Esel in concreto, ein furchtbares Tier.
Viele sind hartnäckig in Bezug auf den einmal eingeschlagenen Weg, Wenige in Bezug auf das Ziel.
Vielleicht ist die Wahrheit ein Weib, das Gründe hat, ihre Gründe nicht sehen zu lassen?
Vom Tiere und von der Pflanze müssen wir lernen, was Blühen ist.
Von allem Geschriebenen liebe ich nur das, was einer mit seinem Blute schreibt. Schreibe mit Blut: und du wirst erfahren, dass Blut Geist ist.
Von Grund aus liebe ich nur das Leben — und, wahrlich, am meisten dann, wenn ich es hasse!
Von Natur spricht und schreibt jetzt jeder Mensch so schlecht und gemein seine deutsche Sprache als es eben in einem Zeitalter des Zeitungsdeutsches möglich ist.
Vor wem man glänzt, den läßt man gerne als Licht gelten.
Vornehmer ist’s, sich Unrecht zu geben als Recht zu behalten, sonderlich wenn man Recht hat. Nur muss man reich genug dazu sein.
Vorsicht vor den Gutmütigen! Der Umgang mit ihnen erschlafft.
Wahrheit ist die Art von Irrtum, ohne welche eine bestimmte Art von lebendigen Wesen nicht leben könnte.
Wahrheit will keine Götter neben sich. – Der Glaube an die Wahrheit beginnt mit dem Zweifel an allen bis dahin geglaubten Wahrheiten.
Wahrlich, ich mag sie nicht, die Barmherzigen, die selig sind in ihrem Mitleiden: Zu sehr gebricht es ihnen an Scham.
Wahrlich, wer wenig besitzt, wird um so weniger besessen: gelobt sei die kleine Armut!
Wann wäre je aus einem Gelehrten ein wirklicher Mensch geworden?
Was am tiefsten zwei Menschen trennt, das ist ein verschiedener Sinn und Grad der Reinlichkeit.
Was aus Liebe getan wird, geschieht immer jenseits von Gut und Böse.
Was der Vater schwieg, das kommt im Sohne zum Reden; und oft fand ich den Sohn als des Vaters entblößtes Geheimnis.
Was einzig die Geschicke unterscheidet, ist, ob die Seele heldenmütig ist oder nicht.
Was geht mich meine Gesundheit an!
Was groß ist am Menschen, das ist, daß er eine Brücke und kein Zweck ist: was geliebt werden kann am Menschen, das ist, daß er ein Übergang und ein Untergang ist.
Was ich auch schaffe und wie ich’s auch liebe, – bald muß ich Gegner ihm sein und meiner Liebe: so will es mein Wille.
Was ich von den Deutschen halte: sie sind von Vorgestern und von Übermorgen, — sie haben noch kein Heute.
Was ist an einem Buche gelegen, das uns nicht einmal über alle Bücher hinweg trägt?
Was ist da zum Verwundern! Mit Bucklichten darf man schon bucklicht reden!
Was ist das Siegel der erreichten Freiheit? — Sich nicht mehr vor sich selber schämen.
Was ist der Affe für den Menschen? Ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham.
Was ist gut? fragt ihr. Tapfer sein ist gut.
Was ist mir Erkenntnis! Ich schätze nichts als Antriebe.
Was lernt man in einer harten Schule? Gehorchen und befehlen.
Was man nicht hat, aber nötig hat, das soll man sich nehmen: so nahm ich mir das gute Gewissen.
Was mich nicht umbringt, macht mich stärker.
Was sagt dein Gewissen? — „Du sollst der werden, der du bist.“
Was sind denn zuletzt die Wahrheiten des Menschen? — Es sind die unwiderlegbaren Irrtümer des Menschen.
Was uns das Leben verspricht, das wollen wir — dem Leben halten!
Was vollkommen ward, alles Reife – will sterben!
Was weiß der von Liebe, der nicht gerade verachten musste, was er liebte!
Was wir am besten tun, von dem möchte unsre Eitelkeit, dass es gerade als das gelte, was uns am schwersten werde. Zum Ursprung mancher Moral.
Was wissen wir, wozu uns die Umstände treiben könnten!
Wehe allen Liebenden, die nicht noch eine Höhe haben, welche über ihrem Mitleiden ist!
Weib und Genie arbeiten nicht. Das Weib war bisher der höchste Luxus der Menschheit.
Welch schönes Kopfkissen ist der Zweifel für einen wohlgeformten Kopf!
Welches Kind hätte nicht Grund, über seine Eltern zu weinen?
Wem die Natur versagt, Genius oder Künstler zu sein, der kann und soll danach streben, zu den Heiligen zu gehören.
Wen nennst du schlecht? — Den, der immer beschämen will.
Wenn 100 beieinander stehen, verliert ein Jeder seinen Verstand und bekommt einen anderen.
Wenn alle Almosen nur aus Mitleiden gegeben würden, so wären die Bettler allesamt verhungert.
Wenn das Weib männliche Tugenden hat, so ist es zum Davonlaufen; und wenn es keine männlichen Tugenden hat, so läuft es selbst davon.
Wenn Denken dein Schicksal ist, so verehre dies Schicksal mit göttlichen Ehren und opfere ihm das Beste, das Liebste.
Wenn der Entschluss einmal gefasst ist, das Ohr auch für den besten Gegengrund zuzuschließen: Zeichen des starken Charakters. Also ein gelegentlicher Wille zur Dummheit.
Wenn der Mensch eben sehr geehrt worden ist und ein wenig gegessen hat, so ist er am mildtätigsten.
Wenn der Mensch vor Lachen wiehert, übertrifft er alle Tiere durch seine Gemeinheit.
Wenn die – Brot umsonst hätten, wehe! Wonach würden die schrein!
Wenn die Dankbarkeit vieler gegen einen alle Scham wegwirft, so entsteht Ruhm.
Wenn die Ehegatten nicht beisammen lebten, würden die guten Ehen häufiger sein.
Wenn die Tugend geschlafen hat, wird sie frischer aufstehen.
Wenn dir deine Weisheit einmal davonliefe, ach! Da liefe dir schnell auch meine Liebe noch davon.
Wenn du nicht zuerst und unter allen Umständen Furcht einflößest, so wird dich niemand so ernst nehmen, um dich endlich zu lieben.
Wenn einer sehr lange und hartnäckig etwas scheinen will, so wird es ihm zuletzt schwer, etwas anderes zu sein.
Wenn ihr das Angenehme verachtet und das weiche Bett, und von den Weichlichen euch nicht weit genug betten könnt: da ist der Ursprung eurer Tugend.
Wenn ihr mehr an das Leben glaubtet, würdet ihr weniger euch dem Augenblicke hinwerfen.
Wenn jetzt jemand zu sagen wagte: „Wer nicht für mich ist, der ist wider mich“, so hätte er sofort alle wider sich. — Diese Empfindung macht unserm Zeitalter Ehre.
Wenn man ein Jahr lang schweigt, so verlernt man das Schwätzen und lernt das Reden.
Wenn man kein Glück hat, soll man sich Glück anschaffen.
Wenn man keinen guten Vater hat, so soll man sich einen anschaffen.
Wenn man klug ist, ist einem allein darum zu tun, daß man Freude im Herzen habe. – Ach, setzte jemand hinzu, wenn man klug ist, tut man am besten, weise zu sein.
Wenn sich jemand vor uns entschuldigt, so muss er es sehr gut machen: sonst kommen wir uns selber leicht als die Schuldigen vor und haben eine unangenehme Empfindung.
Wenn wir über jemanden umlernen müssen, so rechnen wir ihm die Unbequemlichkeit hart an, die er uns damit macht.
Wer befehlen kann, findet die, welche gehorchen müssen.
Wer das Hohe eines Menschen nicht sehen will, blickt um so schärfer nach dem, was niedrig und Vordergrund an ihm ist – und verrät sich selbst damit.
Wer davon lebt, einen Feind zu bekämpfen, hat ein Interesse daran, daß er am Leben bleibt.
Wer den Leser kennt, der tut nichts mehr für den Leser. Noch ein Jahrhundert Leser — und der Geist selber wird stinken.
Wer des Vertrauens sicher ist, legt auf Vertraulichkeit wenig Wert.
Wer die Eitelkeit bei sich leugnet, besitzt sie gewöhnlich in so brutaler Form, daß er instinktiv vor ihr das Auge schließt, um sich nicht verachten zu müssen.
Wer ein Erstling ist, der wird immer geopfert.
Wer eine Dummheit gesagt hat und das fühlt, hat einen unwiderstehlichen Drang, noch mehrere zu sagen.
Wer eine Empfindung verbergen will, trägt die entgegengesetzte stets in unnatürlich hohem Maaße zur Schau.
Wer einen eigenen Willen in die Dinge zu legen hat, über den werden die Dinge nicht Herr.
Wer gewohnt ist, sich im Spiegel zu schauen, vergisst immer seine Hässlichkeit.
Wer hat nicht für seinen guten Ruf schon einmal — sich selbst geopfert?
Wer in Blut und Sprüchen schreibt, der will nicht gelesen, sondern auswendig gelernt werden.
Wer jemandes Ideal geschaut hat, ist dessen unerbittlicher Richter und gleichsam sein böses Gewissen.
Wer kein Vogel ist, soll sich nicht über Abgründen lagern.
Wer keine Hoffnung hat, in einem Kampfe zu siegen, oder ersichtlich unterlegen ist, will umso mehr, daß die Art seines Kämpfens bewundert werde.
Wer keinen eignen Willen hat, will wenigstens alles besser wissen.
Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehen, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird.
Wer nicht lügen kann, weiß nicht, was Wahrheit ist.
Wer nichts zu schaffen hat, dem macht ein Nichts zu schaffen.
Wer seine Gedanken nicht auf Eis zu legen versteht, der soll sich nicht in die Hitze des Streites begeben.
Wer seinen Gegner töten will, mag erwägen, ob er ihn nicht gerade dadurch bei sich verewigt.
Wer Sentenzen schreibt, will nicht gelesen, sondern auswendig gelernt werden.
Wer sich mit reingewaschenen Lumpen kleidet, kleidet sich zwar reinlich, aber doch lumpenhaft.
Wer sich nicht befehlen kann, der soll gehorchen. Und mancher kann sich befehlen, aber da fehlt noch viel, daß er sich auch gehorche!
Wer sich nicht schrecklich ist, macht niemand Schrecken.
Wer sich selber nicht glaubt, lügt immer.
Wer sich selbst erniedrigt, will erhöhet werden.
Wer sich selbst verachtet, achtet sich doch immer noch dabei als Verächter.
Wer sich stets viel geschont hat, der kränkelt zuletzt an seiner vielen Schonung.
Wer sich tief weiß, bemüht sich um Klarheit; wer der Menge tief scheinen möchte, bemüht sich um Dunkelheit.
Wer sucht, der geht leicht selber verloren.
Wer uns das Wesen der Welt enthüllte, würde uns allen die unangenehmste Enttäuschung machen.
Wer unter Menschen rein bleiben will, muß verstehn, sich auch mit schmutzigem Wasser zu waschen.
Wer viel denkt, eignet sich nicht zum Parteimann: er denkt sich zu bald durch die Partei hindurch.
Wer viel denkt, und zwar sachlich denkt, vergisst leicht seine eigenen Erlebnisse, aber nicht so die Gedanken, welche durch jene hervorgerufen wurden.
Wer viel einst zu verkünden hat, schweigt viel in sich hinein. Wer einst den Blitz zu zünden hat, muß lange — Wolke sein.
Wer viel Freude hat, muss ein guter Mensch sein: aber vielleicht ist er nicht der klügste, obwohl er gerade das erreicht, was der Klügste mit aller seiner Klugheit erstrebt.
Wer vom Pöbel ist, der will umsonst leben; wir anderen aber, denen das Leben sich gab – wir sinnen immer darüber, was wir am besten dagegen geben!
Wer von Grund aus Lehrer ist, nimmt alle Dinge nur in Bezug auf seine Schüler ernst, — sogar sich selbst.
Wer zu Papier bringt was er leidet, wird ein trauriger Autor: aber ein ernster, wenn er uns sagt, was er litt und weshalb er jetzt in der Freude ausruht.
Werde der, der du bist!
Werde fort und fort, der, der du bist — der Lehrer und Bildner deiner selbst!
Wichtig nehmen alle das Sterben: Aber noch ist der Tod kein Fest. Noch erlernten die Menschen nicht, wie man die schönsten Feste weiht.
Wie arm wäre der menschliche Geist ohne die Eitelkeit!
Wie das Leben einmal eingerichtet ist, bezahlt man alles etwas zu teuer.
Wie du auch bist, so diene dir selber als Quelle der Erfahrung!
Wie gut klingen schlechte Musik und schlechte Gründe, wenn man auf einen Feind losmarschiert!
Wie kam Gold zum höchsten Werte? Darum, dass es ungemein ist und unnützlich und leuchtend und mild im Glanze; es schenkt sich immer.
Wie niedrig steht, an ihr gemessen, schon die Großmut auf der Stufenleiter der Tugenden, die Großmut, welche die Eigenschaft einiger und seltener Historiker ist!
Wie oft wir selbst auch zu lieben heucheln mögen, wir glauben stets aufrichtig geliebt zu werden.
Wie reich ist diese Erde an kleinen guten vollkommenen Dingen, an Wohlgeratenem!
Wie viel verdrießliche Schwere, Lahmheit, Feuchtigkeit, Schlafrock, wie viel Bier ist in der deutschen Intelligenz!
Wie wenig Anhänger zu bedeuten haben, begreift man erst, wenn man aufgehört hat, der Anhänger seiner Anhänger zu sein.
Wie wenig Lust genügt den meisten, um das Leben gut zu finden, wie bescheiden ist der Mensch!
Wie? Das „Wunder“ nur ein Fehler der Interpretation? Ein Mangel an Philologie? —
Wie? Ein großer Mann? Ich sehe immer nur den Schauspieler seines eignen Ideals.
Wie? Ist der Mensch nur ein Fehlgriff Gottes? Oder Gott nur ein Fehlgriff der Menschen?
Will man einen Freund haben, so muss man auch für ihn Krieg führen wollen: und um Krieg zu führen, muss man Feind sein können.
Willst du das Leben leicht haben? So bleibe immer bei der Herde und vergiss dich über der Herde.
Willst du mitgehn? oder vorangehn? oder für dich gehn.
Wir finden es unerträglich, daß uns Andere von ihren Angelegenheiten unterhalten, weil wir sie von den unsrigen unterhalten wollen.
Wir gehören einer Zeit an, deren Kultur in Gefahr ist, an den Mitteln der Kultur zugrunde zu gehen.
Wir haben also als Missverständnis … eine kirchliche Ordnung, mit Priesterschaft, Theologie, Kultus, Sakramenten; kurz, alles das, was Jesus von Nazareth bekämpft hatte.
Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zu Grunde gehen.
Wir halten die Tiere nicht für moralische Wesen. Aber meint ihr denn, dass die Tiere uns für moralische Wesen halten?
Wir legen nicht eher besonderen Wert auf den Besitz einer Tugend, bis wir deren völlige Abwesenheit an unserem Gegner wahrnehmen.
Wir lieben uns: Lasst uns zusehen, dass wir uns lieb behalten! Oder soll unser Versprechen ein Versehen sein?
Wir meinen, das Märchen und das Spiel gehöre zur Kindheit: wir Kurzsichtigen! Als ob wir in irgendeinem Lebensalter ohne Märchen und Spiel leben möchten!
Wir müssen die Dinge lustiger nehmen, als sie es verdienen, zumal wir sie lange Zeit ernster genommen haben, als sie es verdienen.
Wir müssen so gut grausam als mitleidig sein: hüten wir uns, ärmer zu werden als die Natur es ist!
Wir sind so gern in der freien Natur, weil diese keine Meinung über uns hat.
Wirf den Helden in deiner Seele nicht weg!
Wo Gefahr ist, da bin ich dabei, da wachse ich aus der Erde.
Wo geherrscht wird, da gibt es Massen: wo Massen sind, da gibt es ein Bedürfnis nach Sklaverei.
Wo ich Lebendiges fand, da fand ich Willen zur Macht; und noch im Willen des Dienenden fand ich den Willen, Herr zu sein.
Wo liegen deine größten Gefahren? Im Mitleiden.
Wo man nicht mehr lieben kann, da soll man — vorübergehn!
Wo meine Redlichkeit aufhört, bin ich blind und will auch blind sein.
Wo nicht Liebe oder Hass mitspielt, spielt das Weib mittelmäßig.
Wohl bin ich ein Wald und eine Nacht dunkler Bäume: doch wer sich vor meinem Dunkel nicht scheut, der findet auch Rosenhänge unter meine Zypressen.
Worte sind Tonzeichen für Begriffe: Begriffe aber sind mehr oder weniger sichere Gruppen wiederkehrender zusammen kommender Empfindungen.
Wozu ist man nun noch aufgespart?
Wünsche will ich, nichts als Wünsche: und immer an Stelle der Erfüllung einen neuen Wunsch.
Wünschen ist ein Anzeichen von Genesung oder Besserung.
Zu allem Handeln gehört Vergessen: wie zum Leben alles Organischen nicht nur Licht, sondern auch Dunkel gehört.
Zu jeder Seele gehört eine andre Welt; für jede Seele ist jede andre Seele eine Hinterwelt.
Zufriedenheit schützt selbst vor Erkältung.
Zuletzt kann niemand aus den Dingen, die Bücher eingerechnet, mehr heraushören, als er bereits weiß.
Zum Eigennutz sind die meisten zu dumm.
Zur Erwägung – Zwiefacher Schmerz ist leichter zu tragen, Als Ein Schmerz: willst du darauf es wagen?
Zur Größe gehört die Furchtbarkeit: man lasse sich nichts vormachen.
Zur Meisterschaft eines Meisters gehört es, seine Schüler vor sich zu warnen.
Zweierlei will der echte Mann: Gefahr und Spiel. Deshalb will er das Weib, als das gefährlichste Spielzeug.
Zwischen dem Ähnlichsten gerade lügt der Schein am schönsten; denn die kleinste Kluft ist am schwersten zu überbrücken.
Zynismus ist die einzige Form, in welcher gemeine Seelen an das streifen, was Redlichkeit ist.