Zitate von Friedrich Hölderlin

… es kann der Mensch nichts ändern und das Licht des Lebens kommt und scheidet, wie es will.
Aber die Zahl der Menschen, denen man sein Schwächstes und sein Stärkstes offenbart, die mag man nicht so leicht verdoppeln.
Aber es ist ein Zeichen der Zeit, daß die alte Heroennatur um Ehre betteln geht, und das lebendige Menschenherz, wie eine Waise, um einen Tropfen Liebe sich kümmert.
Aber man hat sich selbst, und wenige Einzelne, und es ist auch schön, in sich selbst und wenigen Einzelnen eine Welt zu finden.
Aber schön ist auch die Zeit des Erwachens, wenn man nur zur Unzeit uns nicht weckt.
Allein zu sein, Und ohne Götter, ist der Tod.
Alles altert und verjüngt sich wieder. Warum sind wir ausgenommen vom schönen Kreislauf der Natur? Oder gilt er auch für uns Menschen?
Alt zu werden unter jugendlichen Völkern, scheint mir eine Lust, doch alt zu werden da, wo alles alt ist, scheint mir schlimmer denn alles.
Am Ende söhnet der Geist mit allem uns aus.
Am Höchsten übt sich die Kraft am besten.
An das Göttliche glauben die allein, die es selber sind.
Aus bloßem Verstande kommt keine Philosophie, denn Philosophie ist mehr denn nur die beschränkte Erkenntnis des Vorhandnen.
Aus dem bloßen Verstand ist nie Verständiges, aus bloßer Vernunft ist nie Vernünftiges gekommen.
Da flogen wir, da wanderten wir, wie Schwalben, von einem Frühling der Welt zum anderen.
Da, wo die Nüchternheit dich verläßt, da ist die Grenze deiner Begeisterung.
Dadurch haben sich die Menschen die Ehe zur Hölle gemacht, daß sie sie zu ihrem Himmel machen wollten.
Das Briefeschreiben ist zwar immer nur ein Notbehelf, aber doch etwas. Deswegen sollten wir es doch nicht ganz unterlassen.
Das erst gibt dem Gold die Farbe der Sonne, daß man ins Feuer es wirft!
Das Gesetz der Freiheit aber gebietet, ohne alle Rücksicht auf die Hilfe der Natur. Die Natur mag zur Ausübung desselben förderlich sein oder nicht, es gebietet.
Das Glück ist hinter dem Pfluge.
Das ist ewige Jugend, daß immer Kräfte genug im Spiele sind, und wir uns ganz erhalten in Lust und Arbeit.
Das ist herrlich, daß wir erst im Leiden der Seele Freiheit fühlen.
Das macht uns arm bei allem Reichtum, daß wir nicht allein sein können, daß die Liebe in uns, solange wir leben, nicht erstirbt.
Das Schönste ist auch das Heiligste.
Das, das gibt erst dem Menschen seine ganze Jugend, daß er Fesseln zerreißt.
Daß der Mensch in seiner Jugend das Ziel so nahe glaubt! Es ist die schönste aller Täuschungen, womit die Natur der Schwachheit unseres Wesens aufhilft.
Daß dir dein Schicksal oft schwer aufliegt, das glaub ich dir gerne, liebes Herz! Sei ein Mann und siege.
Dem Einflusse des Meers und der Luft widerstrebt der finstere Sinn umsonst.
Den deutschen Frauen danket, sie haben uns der Götterbilder freundlichen Geist bewahrt, und täglich sühnt der holde, klare Friede das böse Gewirre wieder.
Den Hunger nennt ihr Liebe, und wo ihr nichts mehr seht, da wohnen eure Götter.
Denkst du, ich fürchte den Ausgang? Manchmal wills mich überfallen, aber meine größten Gedanken halten, wie Flammen, den Frost ab.
Denn der hat viel gewonnen, der das Leben verstehen kann, ohne zu trauern.
Denn ihr Deutschen, auch Ihr seid tatenarm und gedankenvoll.
Denn im Anfang war der Mensch und seine Götter Eins, da, sich selber unbekannt, die ewige Schönheit war.
Denn jede Zucht und Kunst beginnt zu früh, wo die Natur des Menschen noch nicht reif geworden ist.
Der Apfel fällt, wenn er nicht krank ist, erst vom Stamm, wenn er reif ist.
Der echte Schmerz begeistert.
Der große Dichter ist niemals von sich selbst verlassen, er mag sich so weit über sich erheben, als er will.
Der Menge gefällt, was auf den Marktplatz taugt.
Der Mensch soll immer so handeln, daß die Gesinnung, aus der er handelt, zum Gesetz für alle gelten könnte.
Der Schmerz kann mich zu Boden werfen, aber überwältigen kann er mich nicht!
Der Segen eines großen Mannes ist für die, die ihn erkennen oder ahnen, die beste Hilfe.
Der Sonne Strahlen, sind sie edler nicht denn all ihr Klugen?
Der Staat darf nicht fordern, was er nicht erzwingen kann. Was aber die Liebe gibt und der Geist, das läßt sich nicht erzwingen.
Der Trieb, aus unserem Wesen etwas hervorzubringen, das zurückbleibt, wenn wir scheiden, hält uns eigentlich am Leben fest.
Der Verstand, der bloß aus Not kommt, ist immer einseitig schief.
Der zürnende Dichter – Fürchtet den Dichter nicht, wenn er edel zürnet, sein Buchstab tötet, aber es macht Geister lebendig der Geist.
Der Zwang des Gesetzes und des Schicksals betastet es nicht; im Kind ist Freiheit allein.
Des Herzens Woge schäumte nicht so schön empor und würde Geist, wenn nicht der alte, stumme Fels, das Schicksal, ihm entgegenstände.
Die Armut der Endlichkeit ist unzertrennlich in uns vereinigt mit dem Überflusse der Göttlichkeit.
Die Gewohnheit ist eine so mächtige Göttin, daß wohl keiner ungestraft ihr abtrünnig wird.
Die Güter des Lebens scheinen oft ungenießbar, bloß darum, weil sie oft eine rauhe Hülse tragen und tragen müssen, aber der Kern ist darum denn doch auch gewährt.
Die heimatliche Natur ergreift mich auch umso mächtiger, je mehr ich sie studiere.
Die Kenntnis des deutschen Volks ist besonders jedem, der ein deutscher Schriftsteller werden will, so notwendig, wie dem Gärtner die Kenntnis des Bodens.
Die Kinder führen alles zum Munde hinein, wir alles zum Verstande, und ich fange an zu glauben, daß eines so naiv ist als das andere.
Die Kunst ist der Übergang aus der Natur zur Bildung und aus der Bildung zur Natur.
Die Kunst ist die Blüte, die Vollendung der Natur, Natur wird erst göttlich durch die Verbindung mit der verschiedenartigen, aber harmonischen Kunst.
Die Liebe gebar die Welt, die Freundschaft wird sie wieder gebären.
Die Natur war Priesterin und der Mensch ihr Gott, und alles Leben in ihr und jede Gestalt und jeder Ton von ihr nur ein begeistertes Echo des Herrlichen, dem sie gehörte.
Die Priesterin darf aus dem Tempel nicht gehen. Du bewahrst die heilige Flamme, du bewahrst im Stillen das Schöne, daß ich es wieder finde bei dir.
Die raue Hülse um den Kern des Lebens und nichts weiter ist der Staat. Er ist die Mauer um den Garten menschlicher Früchte und Blumen.
Die üppige Kraft sucht eine Arbeit. Die jungen Lämmer stoßen sich die Stirnen aneinander, wenn sie von der Mutter Milch gesättiget sind.
Doch – ich liebe Dich ja unter jeder Laune fort – mein Zustand ist also nicht der schlechteste. Denke recht oft an mich. Du weißts – ich bleibe unzertrennlich.
Doch einer, der ein Mensch ist, kann er nicht mehr denn Hunderte, die nur Teile sind des Menschen?
Doch wie du auch ein Ende nimmst, du kehrest zu den Göttern, kehrst ins heilige, freie, jugendliche Leben der Natur, wovon du ausgingst.
Du führtest sie zur Freiheit, und sie dachten an Raub.
Du musst dir selbst leben können, ehe du für andere lebst.
Ein Bruder des Frühlings war uns der Herbst, voll milden Feuers, eine Festzeit für die Erinnerung an Leiden und vergangne Freuden der Liebe.
Ein jeder treibt das Seine … Nur muß er es mit ganzer Seele treiben, … mit Ernst, mit Liebe muß er das sein, was er ist. …
Ein Sohn der Erde Bin ich; zu lieben gemacht, zu leiden.
Ein Weib hofft so lange, als ein zweites nicht mithofft.
Einmal – Lebt ich, wie Götter, und mehr bedarfs nicht.
Eins zu sein mit allem, das ist Leben der Gottheit, das ist der Himmel des Menschen.
Erst wenn die Jugend hin ist, lieben wir sie, und dann erst, wenn die verlorene wiederkehrt, beglückt sie alle Tiefen der Seele.
Es bleibt uns überall noch eine Freude. Der echte Schmerz begeistert. Wer auf sein Elend tritt, steht höher. Und das ist herrlich, daß wir erst im Leiden recht der Seele Freiheit fühlen.
Es gibt ein Vergessen alles Daseins, ein Verstummen unseres Wesens, wo uns ist, als hätten wir alles gefunden.
Es ist besser, sagte ich mir, zur Biene zu werden und sein Haus zu bauen in Unschuld, als zu herrschen mit den Herren der Welt.
Es ist doch ewig gewiß und zeigt sich überall: Je unschuldiger, schöner eine Seele, desto vertrauter mit den andern glücklichen Leben, die man seelenlos nennt.
Es ist ein altes, festes Schicksalswort, daß eine neue Seligkeit dem Herzen aufgeht, wenn es aushält und die Mitternacht des Grams durchduldet.
Es ist ein köstlich Wohlgefühl in uns, wenn so das Innere an seinem Stoffe sich stärkt und unser Geist allmählich waffenfähig wird.
Es ist eine Freude, sich dem Leser zu opfern und sich mit ihm in die engen Schranken unserer noch kinderähnlichen Kultur zu begeben.
Es ist erfreulich, wenn Gleiches sich zu Gleichem gesellt, aber es ist göttlich, wenn ein großer Mensch den kleinen zu sich aufzieht.
Es ist fast nicht möglich, unverhüllt die schmutzige Wirklichkeit zu sehen, ohne selbst darüber zu erkranken.
Es ist nicht übel, wenn man in der Jugend oben hinaus will; aber das reifere Leben neigt sich wieder zum Menschlichen und Stillen.
Es ist nichts so klein und wenig, woran man sich nicht begeistern könnte.
Es ist nur ein Streit in der Welt, was nämlich mehr sei, das Ganze oder das Einzelne.
Es ist recht leicht, glücklich, ruhig zu sein mit seichtem Herzen und eingeschränktem Geiste.
Es ist, als müßte man durchaus kein Glück teurer zahlen, als das schriftstellerische, besonders der Dichter!
Es kann nichts wachsen und so tief vergehen, wie der Mensch.
Es kehret umsonst nicht unser Bogen, woher er kommt.
Es kommt und geht die Freude, doch gehört sie Sterblichen nicht eigen, und der Geist eilt ungefragt auf seinem Pfade weiter.
Es läutert sich alles Natürliche, und überall windet die Blüte des Lebens freier und freier vom gröbern Stoffe sich los.
Es lebte nichts, wenn es nicht hoffte.
Es wäre gut, wenn die Hoffnung etwas seltener wäre im Gemüt des Menschen. Er wappnete sich dann zu rechter Zeit gegen die Zukunft.
Es wird nur eine Schönheit sein, und Menschheit und Natur wird sich vereinen in eine allumfassende Gottheit.
Freilich ist das Leben arm und einsam. Wir wohnen hier unten wie der Diamant im Schacht. Wir fragen umsonst, wie wir herabgekommen, um wieder den Weg hinauf zu finden.
Friede der Schönheit! göttlicher Friede! wer einmal an dir das tobende Leben und den zweifelnden Geist besänftigt, wie kann dem anderes helfen?
Für des Menschen wilde Brust ist keine Heimat möglich.
Gefahren zeugen Männerkräfte, Leiden erheben die Brust des Jünglings.
Gibt’s denn Zufriedenheit zwischen dem Entschluß und der Tat, gibt’s eine Ruhe vor dem Siege?
Glaube kann nie geboten werden, so wenig als Liebe. Er muß freiwillig und aus eigenem Triebe sein.
Glücklich sind sie alle, die dich nicht verstehen! Wer dich versteht, muß deine Größe teilen und deine Verzweiflung.
Goethen hab ich gesprochen, Bruder! Es ist der schönste Genuß unsers Lebens, so viel Menschlichkeit zu finden bei so viel Größe.
Großer Schmerz und große Lust bildet den Menschen am besten.
Guter Rat – Hast du Verstand und ein Herz, so zeige nur eines von beiden, Beides verdammen sie dir, zeigest du beides zugleich.
Huldige dem Genius einmal, und er achtet dir kein sterblich Hindernis mehr und reißt dir alle Bande des Lebens entzwei.
Ich baue meinem Herzen ein Grab, damit es ruhen möge, ich spinne mich ein, weil überall Winter ist, in sel’gen Erinnerungen hüll ich vor dem Sturme mich ein.
Ich fühl es endlich, nur in ganzer Kraft ist ganze Liebe.
Ich fühl in mir ein Leben, das kein Gott geschaffen und kein Sterblicher gezeugt. Ich glaube, daß wir durch uns selber sind, und nur aus freier Lust so innig mit dem All verbunden.
Ich fürchte mich nicht vor dem, was zu fürchten ist, ich fürchte mich nur vor der Furcht.
Ich glaube an eine künftige Revolution der Gesinnungen und Vorstellungsarten, die alles bisherige schamrot machen wird.
Ich glaube, daß die Ungeduld womit man seinem Ziel zueilt, die Klippe ist, woran gerade oft die besten Menschen scheitern.
Ich glaube, daß dies das Eigentum der seltnen Menschen ist, daß sie geben können, ohne zu empfangen, daß sie sich auch ›am Eise wärmen‹ können.
Ich liebe die große schöne Anlage auch in verdorbenen Menschen.
Ich liebe dieses Griechenland überall. Es trägt die Farbe meines Herzens.
Ich sehe, was notwendig ist, und weil ich es sehe, so soll es auch werden.
Ich werde dein sein wie deine Seele!
Ich will auch keine Kinder, denn ich gönne sie der Sklavenwelt nicht.
Ich wollte dir manches vorräsonnieren. Aber die Nacht ist wunderschön. Der Himmel und die Luft umgibt mich wie ein Wiegenlied, und da schweigt man lieber.
Ihr habt den Glauben an alles Große verloren; so müßt ihr hin, wenn dieser Glaube nicht wiederkehrt, wie ein Komet aus fremden Himmeln.
Immer eilt den Sterblichen das ungeduld’ge Wort voraus und läßt die Stunde des Gelingens nicht unbetastet reifen.
Immer kommen die großen Wendezeiten der Völker aus dem Abgrund, und gewaltig dämmert’s im Abgrund, im alles merkenden auf.
Immer noch haben jene die Welt zur Hölle gemacht, die vorgeben, sie zum Paradies zu machen.
Immerhin hat das den Staat zur Hölle gemacht, daß ihn der Mensch zu seinem Himmel machen wollte.
In jüngeren Tagen war ich des Morgens froh, des Abends weinte ich; jetzt da ich älter bin, beginne ich zweifelnd meinen Tag, doch heilig und heiter ist mir sein Ende.
In uns ist alles.
Ist nicht göttlich, was ihr höhnt und seellos nennt? Ist besser denn euer Geschwätz die Luft nicht, die ihr trinkt?
Ja! ein göttlich Wesen ist das Kind, solange es nicht in die Chamäleonfarbe der Menschen getaucht ist.
Ja! Eine Sonne ist der Mensch, allsehend, allverklärend, wenn er liebt, und liebt er nicht, so ist er eine dunkle Wohnung, wo ein rauchend Lämpchen brennt.
Je glücklicher du bist, um so weniger kostet es, dich zugrunde zu richten.
Je höher sich die Natur erhebt über das Tierische, desto größer die Gefahr, zu verschmachten im Land der Vergänglichkeit!
Jede Kunst erfordert ein ganzes Menschenleben.
Jeder hat seine Mysterien.
Keinen Gedanken haben wir für uns selbst, sondern er gehöret dem heiligen Bilde, das wir bilden.
Lang ist die Zeit, es ereignet sich aber das Wahre.
Laß allen Tugenden die Sterbeglocke läuten! Ich höre ja dich, dich, deines Herzens Lied, du Liebe!, und finde unsterblich Leben, indessen alles verlischt und welkt.
Laß die Welt ihren Gang gehen, wenn er nicht aufgehalten werden kann, wir gehn den unsern.
Laß uns vergessen, daß es eine Zeit gibt, und zähle die Lebenstage nicht! Was sind Jahrhunderte gegen den Augenblick, wo zwei Wesen so sich ahnen und nahn.
Laßt den Menschen spät erst wissen, daß es Menschen, daß es irgend etwas außer ihm gibt, denn so nur wird er Mensch.
Lebe droben, o Vaterland, Und zähle nicht die Toten. Dir ist, liebes, nicht einer zuviel gefallen.
Lern im Leben die Kunst, im Kunstwerk lerne das Leben. Siehst du das Eine recht, siehst du das andere auch.
Liebend gibt der Sterbliche vom Besten.
Man kennt den stolzhinschiffenden Schwan nicht, wenn er schlummernd am Ufer sitzt.
Mein ganzes Wesen verstummt und lauscht, wenn der leise geheimnisvolle Hauch des Abends mich anweht.
Mit Unerbittlichkeit vollbringt Die Not an einem großen Tage, Was kaum Jahrhunderten gelingt.
Muß denn der Mensch an Gewandtheit der Kraft und des Sinnes verlieren, was er an vielumfassendem Geiste gewinnt? Ist doch keines nichts ohne das andere!
Muß nicht alles leiden? Und je trefflicher es ist, je tiefer! Leidet nicht die heilige Natur?
Nah ist und schwer zu fassen der Gott. Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.
Nicht in einen geheimen Bund sich mit dem Schmerz einlassen!
Nicht sowohl, daß die Menschen so sind, wie sie sind, sondern daß sie das, was sie sind, für das Einzige halten und nichts anderes wollen gelten lassen, das ist das Übel!
Nichts läßt die Erde mit größerer Sicherheit zur Hölle werden als der Versuch des Menschen, sie zu seinem Himmel zu machen.
Nimm mich, wie ich mich gebe, und denke, daß es besser ist zu sterben, weil man lebte, als zu leben, weil man nie gelebt!
Not und Angst und Nacht sind eure Herren. Die sondern euch, die treiben euch mit Schlägen aneinander.
Nun versteh‘ ich den Menschen erst, da ich ferne von ihm und in der Einsamkeit lebe!
Nur das ist die wahrste Wahrheit, in der auch der Irrtum, weil sie ihn im Ganzen ihres Systems, in seine Zeit und seine Sache setzt, zur Wahrheit wird.
O es ist ein seltsames Gemische von Seligkeit und Schwermut, wenn es sich so offenbart, daß wir auf immer heraus sind aus dem gewöhnlichen Dasein.
O es ist süß, so aus der Schale der Vergessenheit zu trinken.
O hätt ich doch nie gehandelt! Um wie mancher Hoffnung wär ich reicher!
O ihr Genossen meiner Zeit! fragt eure Ärzte nicht und nicht die Priester, wenn ihr innerlich vergeht!
O ihr Schatten seliger Zeit!, ihr meine trauten Erinnerungen!
Oft schläft, wie edles Samenkorn, das Herz des Sterblichen in toter Schale, bis ihre Zeit gekommen ist…
Ohne Freude kann die ewige Schönheit nicht recht in uns gedeihen.
Opfere nie dein Gewissen der Klugheit.
Pantheismus?! die Welt wäre ein verkörperter Gott, und ein Gott hätte sich in dieser Welt verkörpert! – den müßte doch wahrhaftig der Teufel geplagt haben.
Rechne die unvollkommenen Tage zusammen. So kommt eine Summe Freude und Leben heraus.
Religion ist Liebe der Schönheit.
Sanft zu sein zur rechten Zeit, das ist wohl schön, doch sanft zu sein zur Unzeit, das ist häßlich, denn es ist feig!
Schwer zu tragen ist das Unglück, aber schwerer das Glück.
Sie sind unendlich, die Verirrungen der Liebe.
Suche dir Gut und Ehre nicht durch Trug und Gewalttätigkeit, sondern durch Arbeitsamkeit und Klugheit zu erwerben.
Und alles Getrennte findet sich wieder.
Und das heilige Grün, der Zeuge des seligen, tiefen Lebens der Welt.
Und so ist’s mein gewisser Glaube, daß am Ende alles gut ist, und alle Trauer nur der Weg zu wahrer heiliger Freude ist.
Und was du tust, tue es nie in der Hitze. Überdenke kalt! und führe mit Feuer aus!
Und wer vermag sein Herz in einer schönen Grenze zu halten, wenn die Welt auf ihn mit Fäusten einschlägt?
Uns ward gegeben, auf keiner Stufe zu ruhen.
Unser Herz hält die Liebe zur Menschheit nicht aus, wenn es nicht auch Menschen hat, die es liebt.
Verschließe keinem Dinge, das schön und gut und groß ist, dein Herz, aber räume ihm auch nur so viel Platz ein, als dazu gehört, daß es neben andern bestehen kann.
Vollbringe, was du denkst!
Vollendete Natur muß in dem Menschenkinde leben, eh es in die Schule geht, damit das Bild der Kindheit ihm die Rückkehr zeige aus der Schule zur vollendeten Natur.
Von Kinderharmonie sind einst die Völker ausgegangen, die Harmonie der Geister wird der Anfang einer neuen Weltgeschichte sein.
Was bleibet aber, stiften die Dichter.
Was der Mund zu sprechen gewöhnt ist, daran gewöhnt sich das Herz zu glauben.
Was einem gebricht, ich bring es vom andern, und binde beseelend, und wandle verjüngend die zögernde Welt, und gleiche keinem und allen.
Was ist alles, was in Jahrtausenden die Menschen taten und dachten, gegen einen Augenblick der Liebe?
Was ist die Weisheit eines Buchs gegen die Weisheit eines Engels?
Was ist Verlust, wenn so der Mensch in seiner eignen Welt sich findet? In uns ist alles!
Was kümmert mich der Schiffbruch der Welt, ich weiß von nichts als meiner seligen Insel.
Was mir nicht Alles, und ewig Alles ist, ist mir Nichts.
Was sich verwandt ist, kann sich nicht ewig fliehen.
Was wäre ein Leben ohne Hoffnung!
Was wir sind, ist nichts, was wir suchen, ist alles.
Wenn auch der Liebe sanftes Mondlicht untergeht, die höhern Sterne ihres Himmels leuchten noch immer.
Wenn der Baum zu welken anfängt, tragen nicht alle seine Blätter die Farbe des Morgenrots?
Wenn ich auf mein Unglück trete, stehe ich höher.
Wer auf sein Elend tritt, steht höher.
Wer Äußerstes leidet, dem ist das Äußerste recht.
Wer leicht sich mit der Welt entzweit, versöhnt sich auch leichter mir ihr.
Wer nicht einmal vollkommenes Kind war, der wird schwerlich ein vollkommener Mann.
Wer nicht zweifelt, wird nicht überzeugt.
Wer nur mit ganzer Seele wirkt, irrt nie. Er bedarf des Klügelns nicht, denn keine Macht ist wider ihn.
Wer sehnt sich nicht nach Freuden der Liebe und großen Taten, wenn im Auge des Himmels und im Busen der Erde der Frühling wiederkehrt?
Wer weiß, was er will, der hat schon die halbe Arbeit getan.
Wie der Arbeiter in den erquickenden Schlaf sinkt oft mein angefochtenes Wesen in die Arme der unschuldigen Vergangenheit.
Wie der Sternenhimmel, bin ich still und bewegt.
Wie ein heulender Nordwind, fährt die Gegenwart über die Blüten unsers Geistes und versengt sie im Entstehen.
Wie unvermögend ist doch der gutwilligste Fleiß der Menschen gegen die Allmacht der ungeteilten Begeisterung!
Wieder ein Glück erlebt. Die gefährliche Dürre geneset, Und die Schärfe des Lichts senget die Blüte nicht mehr.
Willst du dich verschließen in den Himmel deiner Liebe und die Welt, die deiner bedürfte, verdorren und erkalten lassen unter dir?
Wir bedauern die Toten, als fühlten sie den Tod, und die Toten haben doch Frieden.
Wir müssen große Forderungen an uns machen, Bruder meines Herzens! Wollten wir sein, wie die Armseligen, denen es so wohl ist in dem Bewusstsein ihres kleinen Werts?
Wir sind die jungen Adler, die der Vater aus dem Neste jagt, daß sie im hohen Alter nach Beute suchen.
Wir sterben um zu leben.
Wir trennen uns nur, um inniger einig zu sein, göttlicher friedlich mit allem, mit uns. Wir sterben, um zu leben.
Wo du anfingst, wirst du bleiben, so viel auch wirket Not und die Zucht, das Meiste nämlich vermag die Geburt.
Wo finden wir das eine, das uns Ruhe gibt, Ruhe? Wo tönt sie uns einmal wieder, die Melodie unseres Herzens in den seligen Tagen der Kindheit?
Wurzel allen Übels: Einig zu sein, ist göttlich und gut; woher ist die Sucht denn unter den Menschen, daß nur Einer und Eines nur sei?
Zu wem so laut das Schicksal spricht, der darf auch lauter sprechen mit dem Schicksal.
Zu wissen wenig, aber der Freude viel, ist Sterblichen gegeben.
Zuviel begehrt das Herz; doch endlich, Jugend, verglühst du ja, du ruhelose, träumerische! Friedlich und heiter ist dann das Alter.