Zitate von Epikur von Samos

Alles geschieht nach Naturnotwendigkeit, nach Vorsatz, nach Zufall.
Allgemeines Mitleid verdient, wer viele triftige Gründe hat, aus dem Leben zu scheiden.
Am Ziel der Natur gemessen ist Armut ein großer Reichtum, Reichtum dagegen, der keine Grenze kennt, große Armut.
An alle Begierden sollte man die Frage stellen: was wird mir, wenn ihr Wunsch befriedigt wird, und was, wenn nicht?
Auch die Einfachheit hat ihre Grenzen; wer sie nicht beachtet, dem geht es ähnlich wie dem, der in die Grenzenlosigkeit (des Genusses) verfällt.
Aus nichts wird nichts.
Begriffliches Denken stützt sich auf das Wort-Erkennen und ist sachleer.
Bei den meisten Menschen wird Ruhe zur Starrheit, Beweglichkeit zur Ausgelassenheit.
Bei einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung hat der Unterliegende den größeren Vorteil, insofern er etwas hinzulernt.
Bezeugen wir unsern Freunden unsere Teilnahme nicht durch Mitklagen, sondern durch Mitsorgen!
Dank der glücklichen Natur, daß sie das Notwendige leicht zu beschaffen, das schwer zu Beschaffende nicht notwendig macht!
Das Leben der Toren ist unerfreulich und angsterfüllt; es wird durchgängig nur von der Rücksicht auf die Zukunft bestimmt.
Das übermäßige Leiden verbindet uns mit dem Tod.
Das Wort ‚Sieh auf das Ende eines langen Lebens‘, ist unerfreulich, wenn es sich auf vergangenes Glück bezieht.
Den Träumen kommt keine göttliche Natur noch prophetische Bedeutung zu, sondern sie entstehen durch das Eindringen von Bildern.
Den Weisen macht die Natur selbst reich.
Der Anfang und die Wurzel alles Guten ist die Lust des Magens; auch Weisheit und Überlegenheit läßt sich darauf zurückführen.
Der Bauch ist nicht unersättlich, wie die Menge sagt, aber falsch ist die Vorstellung, dass man den Bauch unbegrenzt füllen müsse.
Der edle Mann kümmert sich am meisten um Weisheit und Freundschaft: davon ist diese ein vergängliches, jene ein unvergängliches Gut.
Der erste Schritt zum Heil ist die Reinhaltung der Jugend und die Vorsicht vor Leuten, die alles mit ihren ruhelosen Begierden beflecken.
Der Gerechte ist auch am friedvollsten, der Ungerechte aber ist voll von Unfrieden.
Der größte Reichtum ist die Selbstgenügsamkeit.
Der menschlichen Natur allein kommt die Eigenschaft zu, nicht umsonst zu lieben und nicht ohne Nutzen Freundschaft zu schließen.
Der natürlliche Reichtum ist begrenzt und leicht zu beschaffen; aber derjenige, der dem leeren Wahn vorschwebt, verfällt ins Uferlose.
Der Tod geht uns nichts an; denn ein aufgelöster Organismus empfindet nicht; was aber nicht empfindet, geht uns nichts an.
Der Weise empfindet nicht größeren Schmerz, wenn er selber gefoltert wird, als wenn er sieht, wie sein Freund gefoltert wird.
Der Weise hat immer mehr Dinge, die er will, als solche die er nicht will.
Der Weise ist glücklich, selbst wenn er gefoltert wird und dabei stöhnt und klagt.
Der Weise wählt von den Speisen jedenfalls nicht die ausgiebigste, sondern diejenige, zu der er nach seinem Geschmack am meisten Lust hat.
Der Zufall spielt bei dem Weisen eine unbedeutende Rolle; das Größte und Wichtigste ordnet er seine ganze Lebenszeit hindurch mit seinem Verstande.
Derselbe Augenblick erzeugt das höchste Gut und seinen Genuß.
Die Anerkennung der Welt muß von selbst kommen; wir haben uns nur mit unserer eigenen Heilung zu befassen.
Die Entstehung mancher körperlicher Schmerzen nützt zur Vorsicht bei ähnlichen Fällen.
Die Erkenntnis der Sünde ist der Anfang des Heiles.
Die Gemeinschaft der Menschen besteht nicht von Natur, sondern um des Zuträglichen und des Bedürfnisses willen.
Die größte Frucht der Gerechtigkeit ist der Seelenfriede.
Die größte Frucht der Selbstgenügsamkeit ist die Unabhängigkeit.
Die Krone des Seelenfriedens ist unvergleichbar wertvoller als leitende Stellungen im Staate.
Die Natur ist schwach gegenüber dem Übel, nicht gegenüber dem Guten: durch Lust erhält sie sich, durch Schmerz reibt sie sich auf.
Die Seele eines guten Menschen ist eine uneinnehmbare Festung.
Die Undankbarkeit der Seele macht das Lebewesen begehrlich nach unbegrenzten Raffinements der Nahrung.
Die Verehrung des Weisen ist ein großes Gut für seinen Verehrer.
Diese schönen, sanften und wohltuenden Erregungen des Fleisches laden von selbst, ohne Lehrer, ein.
Durch die Liebe zu echter Philosophie wird jede störende und lästige Begierde entkräftet.
Ehrenvoll ist fröhliche Armut.
Ein großer Reichtum ist eine nach dem Naturgesetz sich richtende Armut.
Eine kleine Seele wird durch Glück übermütig, durch Unglück niedergeschlagen.
Eine unendliche Zeit schließt in sich das gleiche Maß an Lust wie eine begrenzte Zeit, wenn man die Grenzen der Lust durch Überlegung abmißt.
Es gibt – glaubt es mir! – für die Denkenden keine natürliche gegenseitige Gemeinschaft.
Es ist besser, getrosten Mutes auf Stroh zu liegen, als auf goldenem Pfühl an reichbesetzter Tafel seine Ruhe zu verlieren.
Es ist etwas Edles um eine fröhliche Armut.
Es ist ratsam, über den Tod nachzudenken.
Es ist sinnlos, von den Göttern zu fordern, was man selber zu leisten vermag.
Für den ist kein Übel im Leben, der sich wahrhaft überzeugt hat, dass nicht zu leben kein Übel sei.
Für die Seele ist die Grenze der Leiden der Untergang, die Vernichtung, das Nichtmehrsein.
Genuß ist der Beginn und das Ende eines gesegneten Lebens.
Gewinne nie Habsüchtige zu Freunden.
Jede Erregung körperlichen Vergnügens läßt eine Lust und Freude der Seele aus sich hervorgehen.
Jede Freundschaft ist um ihrer selbst willen zu wählen; den Beweggrund dazu aber bildet der Nutzen.
Jedermann geht aus dem Leben, wie wenn er eben erst geboren wäre.
Kann wohl den Wert des Menschen jemand kennen, der nicht in der Welt Kälte und Hitze erlitten hat?
Keine Lust ist an sich ein Übel, aber die Wirkungen mancher Lüste bringen vielfache Störungen der Lust.
Keiner der Toren begnügt sich mit dem, was er hat, sondern jeder jammert immer über das, was er nicht hat.
Lebe heute, vergiß die Sorgen der Vergangenheit.
Lebe in der Verborgenheit!
Liebesgenuss hat noch nie genutzt, man darf zufrieden sein, wenn er nicht schadete.
Mach dir deine eigenen Götter und unterlasse es, dich mit einer schnöden Religion zu beflecken.
Man hat eher darauf zu achten, mit wem man esse und trinke, als was man esse und trinke.
Man kann mit Zeus an Glückseligkeit wetteifern, wenn man Gerstenbrot und Wasser hat.
Man kann nicht ohne Furcht sein, wenn man furchterregend auftritt.
Man muß der Philosophie dienen, um die wahre Freiheit zu erlangen.
Man muß eher prüfen, mit wem man ißt und trinkt, als was man ißt und trinkt. Denn ohne einen Freund ist das Leben wie das Fressen von Löwe und Wolf.
Man muß sich im Unglück trösten durch die Freude an dem Verlorenen und durch die Erkenntnis, daß sich Geschehenes nicht ungeschehen machen läßt.
Man soll das, was man hat, nicht beeinträchtigen durch die Begierde nach ihm, was man nicht hat, sondern bedenken, daß auch dies zu dem Wünschenswerten gehörte.
Man soll nicht den Philosophen spielen, sondern wirklich Philosoph sein; denn wir brauchen nicht den Schein der Gesundheit, sondern wirkliche Gesundheit.
Man soll sich vor keinem Gott fürchten, sondern sich frei machen vom Wahnglauben.
Manche rüsten sich ein Leben lang für das Leben und bemerken dabei nicht, daß uns allen das Gift des Werdens als ein todbringendes eingegeben ist.
Mit tierischer Geschäftigkeit häuft man einen Berg von Reichtum an, das Leben aber bleibt dabei arm.
Mühselig ist es, das Leben immer zu beginnen.
Niemand wählt mit sehenden Augen das Übel, sondern angelockt, wie wenn ein größeres Gut dabei wäre, wird man von dem Übel eingefangen.
Nur der Weise kann eine unwiderlegbare Überzeugung haben.
Philosophie ist Tätigkeit in Gedanken und Reden, die ein glückliches Leben schafft.
Reich ist man nicht durch das, was man besitzt, sondern mehr noch durch das, was man mit Würde zu entbehren weiß.
Schlechte Gewohnheiten wollen wir wie böse Menschen, die uns lange Zeit geschadet haben, gründlich vertreiben.
Schwierig ist es, verborgen zu bleiben, wenn man Unrecht tut; sicher zu sein, daß man verborgen bleiben werde, ist unmöglich.
Selten tritt dem Weisen das Schicksal in den Weg.
Solange wir leben, freuen wir uns gleich den Göttern.
Sonnige Heiterkeit umtanzt die Welt und ruft uns alle wach zur Glückseligkeit.
Tiere und kleine Kinder sind ein Spiegel der Natur.
Tue nichts im Leben, was dir Angst machen muß, wenn es dein Nächster bemerkt.
Um der Lust willen befreunde man sich auch mit der Tugend, nicht um ihrer selbst willen.
Um seine Bestattung wird er [der Weise] sich keine Sorge machen.
Unter allem, was die Weisheit zum glücklichen Leben beiträgt, gibt es kein größeres Gut als die Freundschaft, keinen größeren Reichtum, keine größere Freude.
Unter den Gütern, welche die Weisheit sich für dauerndes Lebensglück zu verschaffen versteht, ist der Besitz der Freundschaft bei weitem das größte.
Viele Menschen, die Reichtümer erwarben, haben von ihren Leiden keine Befreiung erlangt, sondern nur größere Leiden dafür eingetauscht.
Vor allem ziehe dich in dich selbst zurück, wenn du genötigt bist, unter der Menge zu leben.
Weder wer vorschnell, noch wer zaudernd Freundschaft schließt, ist zu loben. Man muß auch etwas wagen für die Freundschaft.
Wem das Seinige nicht als der größte Reichtum erscheint, der ist unglücklich und wäre er der Herr der Welt.
Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug.
Wenn du einen Menschen reich machen willst, dann gib ihm nicht mehr Geld, sondern vermindere seine Begierde.
Wenn man nach der Natur lebt, wird man niemals arm, wenn nach der allgemeinen Meinung, niemals reich sein.
Wer den Frieden der Seele hat, beunruhigt weder sich selbst noch einen andern.
Wer des Guten, das ihm geworden, nicht mehr gedenkt, ist in seinem Herzen ein Greis geworden.
Wer einmal weise geworden ist, kann nicht in die entgegengesetzte Seelenstimmung verfallen und kann sie sich auch nicht willkürlich einbilden.
Wer gescheit ist, treibt keine Politik.
Wer sich um das Morgen am wenigsten kümmert, geht ihm mit der größten Lust entgegen.
Wir bedürfen dann der Lust, wenn wir wegen ihrer Abwesenheit Schmerz empfinden.
Wir bieten, einer dem andern, ein genügend interessantes Schauspiel.
Wir brauchen die Freunde nicht, um sie zu brauchen, sondern um des Glaubens zu leben, daß wir sie brauchen dürfen.
Wir müssen erkennen: die lange Rede hat wie die kurze dasselbe Ziel.
Wohltun bringt mehr Lust als sich wohltun zu lassen.
Zwang ist ein Übel, aber es besteht kein Zwang, unter Zwang zu leben.