Zitate von Emil Gött

Alle Seiten jeden Dinges zu verstehen, gilt als so selbstverständlich, daß sich das Gute fast seiner Einseitigkeit schämt.
Alles Steigen besteht im Niederzwingen von Trägheit, im Verlassen der gemächlichen Plattheit, im Untersichschaffen von Tiefe, im Überwinden von Schwere.
Alt werden ohne zu verhärten, weise, ohne zu verarmen – das wäre Lebenskunst.
Am Ende meines Strebens könnte meine göttliche Tat (oder Mittat) gewesen sein: dem Manne das Weib gleichgestellt zu haben.
Am feinsten lügt das Plausible.
An das Gewissen zu appellieren, geniert den, der es tut, beinahe mehr als den, der gemeint ist.
Auch eine schwarze Kuh gibt weiße Milch.
Ausgesprochenen Bösewichtern mißtraut der Teufel, Übertreibung wechselt zu leicht die Partei.
Avantgarde und Reaktion – Gashebel und Bremse der Geschichte.
Barbarei und Zivilisation – Vorgericht und Nachspeise der Kultur.
Bereit zum Untergang ist reif zum Aufgang.
Besser scheel, denn blind.
Beste Welt und bestes Leben? – Beide können nur besser werden, aber nicht besser sein, als sie in jedem Augenblicke sind.
Bleibe jeder mir ferne, der meint, ich sei für seine Langeweile gerade gut.
Damit Kinderland werde, muß Vaterland sein.
Das höchste Vertrauen hat nicht der Freund, dem wir unsere tiefste Schmach, sondern der, dessen Auge wir unbefangen unsere letzte Schönheit zeigen.
Das Höchste, das du einmal von dir gedacht, ist die Höhe, zu der du immer wieder hinauf mußt.
Das Leben ist nichts als ein Weg, um etwas zu werden.
Das Leben ist schwer – ein Grund mehr, es auf die leichte Schulter zu nehmen.
Das Mittel kann den Zweck entheiligen.
Das Plappern macht Schwielen nicht einmal im Maule!
Das Säen will eine offene Hand.
Das Sieb der Zeit ist weitmaschig, man muss sich recken, wenn man drinnen bleiben will.
Das sind die wahren Stunden, die meine Seele lebt, zu denen durchempfunden die Welt an mir vorüberschwebt.
Dem Glücke feind, sein Leben nur als Frucht der Arbeit, erfüllter Pflichten nehmen.
Der Arbeitsscheue ist ein Zechpreller am Bankette des Lebens.
Der Beruf ist der Weg, das Individuum auf eine Weise, die der Gesamtheit dient, vom Leben zum Tod zu bringen.
Der eine hält sich nur an das Beste, der andere an jedes Schlechte des andern – wer verrechnet sich mehr?
Der fromme Betrug gibt eine breite Basis für den verruchten.
Der Teufel des einen ist anständiger als der Gott des andern.
Der Teufel hat uns nie näher am Kragen, als wenn wir uns gottähnlich dünken.
Der Teufel ist ein unbestechlicher Betrüger. Er arbeitet nicht in die eigene Tasche, sondern für die böse Sache.
Des Glückes größter Feind ist die Begierde.
Die Achselstücke der Bourgeoisie bezeichnen die Gehaltsgruppe des Trägers.
Die Ansprüche, die ein Mensch an andre stellt, stehen gewöhnlich in umgekehrtem Verhältnis zu seinen Leistungen.
Die Ehre hat gesetzlichen Anspruch auf Feierabend und Pension.
Die Gefahr will keine Wechsel, sie will in barem Mut bezahlt werden.
Die Heimat des Abenteuers ist die Fremde.
Die leisen Mahner in uns sind die besten Führer, sie finden den Weg, auch in Nacht und Nebel.
Die Natur neigt zum Tode, die Kunst kaum zum Leben.
Die recht Frommen haben sogar ihren Gott, um den Nächsten damit zu schikanieren.
Die schlechte Absicht ist immer auf den Beinen.
Die Sünden des einen sind Gott lieber als die Gebete des andern.
Du mußt die Erfahrungen deines langen Lebens nicht als Imperativ auf die Jugend legen.
Du sollst deine Kinder ehren, denn sie überleben dich!
Ein Gran Gewalt in der Güte ist die Voraussetzung, daß sie nicht nur blasser Gedanke bleibt.
Ein großer Schmerz desinfiziert unser Leben von vielen kleinen.
Ein Mann – kein Wort!
Ein Ungewöhnlicher braucht nur einmal gewöhnlich zu sein, gleich berufen sich alle Gewöhnlichen auf ihn.
Eine ganze Liebe wiegt viele geteilte auf – aber nicht umgekehrt.
Eine Sünde, die mich weckt, ist besser  als eine Tugend, an der ich einschlafe.
Einsamkeit ist ein köstlicher Balsam auf die wunde Haut der Seele; aber im Übermaß aufgetragen reizt er vielleicht mehr als er lindert.
Einsamkeit kann seelische Schmerzen herabsetzen, aber allzuviel davon bedeutet vielleicht eine neue Reizung.
Entsagung ist erst etwas, wenn kein Feuer dabei erlischt.
Entscheidender Energieunterschied: Die Barbarei will siegen, die Zivilisation möchte nicht verlieren.
Ergreifend, wie wenig diejenigen um ihr Leben zittern, deren Tod eine Welt ärmer macht.
Erkennen ist ein Grab – für alte Irrtümer, und eine Wiege für – junge.
Es gibt Augenblicke, wo wir vergeblich auch vor das höchste Kunstwerk treten – es zeigt uns nichts und sagt uns nichts – wir sind erloschen.
Es gibt in der Welt mehr Bienenväter, Katzenmütter und Hühnergeneräle als Menschenväter, Menschenmütter und Menschengeneräle.
Es gibt leise, feine, ungeschlossene Ehen, deren Bruch unmöglich ist, oder sich furchtbar rächt.
Es gibt so recht Fromme, die, weil ihre Linke von der Rechten weiß, lieber nichts Gutes tun – um Gott nicht zu erzürnen.
Es ist leicht, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, das man mit anderen treibt.
Es ist nicht schlecht, seinem Nachbarn Gefälligkeiten zu erweisen, aber töricht, selber solche zu erheischen.
Es kommt mancher um zu beißen, und scheidet mit einem Kusse.
Es peitscht mancher seinen Gott, wo er sich peitschen sollte!
Es zieht die Lüge nach unten, wie die Wahrheit nach oben reißt mit tausend Schwingen, die ihr wachsen.
Etwas glaube ich schon – Aberglauben; etwas wissen heißt, auf der Grenze zwischen Erkenntnis und Zweifel angekommen zu sein.
Geben ist mindestens ungefährlicher als Nehmen; jedes Geschenk, das wir annehmen, schlägt eine Bresche in unsere Freiheit.
Gedanken sind zollfrei; notgedrungen lassen wir sie also passieren; aber oh wie gerne möchten wir sie kontrollieren.
Gefühl von Grenze darf nicht heißen: hier bist du zu Ende, sondern: hier hast du noch zu wachsen.
Gefühle bei den Ohren zu nehmen, ist eine im Zeitalter des Verstandes fast vergessene Kunst.
Gelegenheit macht – Räusche.
Gern hält der Teufel sich bei Frommen auf. Niemand vermutet ihn in ihrer Nähe – am wenigsten die Frommen selbst.
Glaub mir: Vor das Glück setzten die Götter die Träne.
Gott prüft Herz und Nieren, der Mensch den Geldbeutel.
Gut auseinandersetzen hilft zum guten Zusammensitzen.
Gut ist nur, dem Bösen widerstreben!
Hab ich ein Ding erkannt, so hat es seinen Stachel verloren.
Historische Anrechte sind gewöhnlich historische Unrechte.
Höhenflug und Tiefsinn, per Flügel oder Flosse – Germanengeist ging nie zu Fuß.
Ich frage mich wieder einmal ernstlich, ob es mir am Ende, um mich im Leben doch noch heimisch zu fühlen und mich zu bewähren, nur an der Bosheit fehlt?
Im Verkehrsgewühl der tausend Argumente ist die Ehre unsicher geworden wie der Fußgänger zur Hauptverkehrszeit.
Im Zeitalter der Spezialisten ersetzt die Gefahrenzulage den Orden.
In der Spezialisierung betäubt die Wissenschaft ihr Gewissen. Parzellierte Verantwortung.
In Deutschland ist man charakterlos, wenn man von den Ereignissen lernt und sich nach ihnen wandelt.
In einem Größern aufgehen ist kein Untergang, sondern, was das Wort sagt, Aufgang.
In tausend Sklaven stecken 999 Sklavenhalter.
Ist es nicht rührend, wie unsere kleinen Laster die Nachbarn anheimeln?
Je rücksichtsloser einer ist, um so empfindlicher pflegt er zu sein.
Kann der Mann weise sein, der seine Weisheit mir zuschnauzt?
Keiner will gesund leben, keiner gut sein –, jener nur durch ein Wunder kuriert, dieser entsündigt werden.
Kleine Töpfe sind leicht zu füllen – Geheimnis der Nichtverzweiflung kleiner Leute.
Kolumbus mußte von Indien träumen, um Amerika zu finden.
Leben, ist das nicht: die Kunst zu sterben? Oder ist dieses lange Sterben nicht der Boden für die Kunst, zu leben?
Man glaubt zu glauben, aber auch zu unglauben.
Man kann erst steuern, wenn man Fahrt hat.
Man kann nicht besser sein, ohne auch schlechter zu sein.
Man merkt leider immer zu spät, daß die Menschen nicht belehrt, sondern unterhalten sein wollen.
Man muß einen Menschen oder einen Gedanken oder einen Glauben, den man besiegen kann, nicht ermorden; das Gemordete steht wieder auf.
Manche Leute sind so dumm, daß sie alles begreifen.
Mancher Umweg ist keiner.
Mancher, der zu feig oder faul ist, uns ein Feind zu sein, wird unser Freund. Es ist die bequemste Art, uns zu drücken.
Mein Schicksal ist ein dicht gestricktes Netz; zerreiß ich eine Masche, zerstör ich hundert.
Menschlichkeit nimmt zum Wägen der Fehler des andern die eigenen als Gewichte, das Zünglein der Verachtung steht dann still.
Mit dem Leben ist’s wie mit dem Gelde: man muß beides ausgeben, um etwas davon zu haben.
Nicht die Vernunft – der Verstand ist der Feind der Unschuld an den Dingen.
Nicht Glück haben, Glückes Wert sein!
Nicht in Büchern – Bücher sind Meinungen –, in den ewigen sprechenden Zügen des Lebens, da studiere Philosophie!
Nur immer geradeaus, und führt es nicht zum Glück, so führt es sicher doch zu dir zurück.
Nur in Erkenntnis ertrinkt ein Unrecht tödlich.
Predige nicht Wasser Dem, der nur Bier will.
Rede weder von dir noch von anderen, lieber von was anderem.
Religion ist schließlich nicht, was den Menschen an Gott, sondern an das Leben knüpft.
Schenke und laß dir schenken. Es wird ein seliges Nehmen sein.
Schläft der Haß, bleibt ihm immer noch der böse Traum.
Schwester Ruhe schöpft mehr klares Wasser aus dem Quell mit einem Löffel, als Bruder Sturm mit einem Kruge.
Seine besten Opfer sucht der Teufel unter denen, die enttäuscht sind, weil sie meinten, der Himmel habe zu halten, was sie sich von ihm versprechen.
Selbsterkenntnis ist unser Maß für unser Weltverständnis.
Setze den Gott, mit dem du unzufrieden bist, immerhin ab, sorg aber für einen würdigeren Thronfolger.
Tu etwas Verrücktes!
Unsere furchtbarste Schuld ist das Gute, das ein Mensch von uns denkt und das wir nicht erfüllen.
Unterscheidung: Handwerker, Kopfwerker, Bauchwerker.
Vaterlandslos, das ist doch wie vaterlos: Das Kind ist da, aber der Vater fehlt.
Verborgen bleibt nur das Beste an uns; das Schlechte und Dumme hat überall Mitwisser.
Vernichte ein Atom und es reißt die Welt nach sich.
Von zwei Narren hält der größere den kleineren für den größeren.
Wäre seine Milch danach oder die Trangewinnung – der Mensch würde auch den Walfisch melken; denn der Mensch ist danach.
Warum wird der Mensch nur im Tode schön? Warum legt er das Kleinliche und Furchtsame nicht schon im Leben ab?
Was du hast, hat auch dich, was du willst, fängt an zu befehlen.
Was du verlieren kannst, hat keinen Wert.
Was hilft ein güldener Galgen, wenn man hängen soll.
Was ihr greift, greift fest – mit leichter Hand, willig zum Loslassen in der Stunde des Abschieds.
Was ist das Höchste? – Ein Glücksgefühl, so stark, um uns zu zersprengen, und eine Brust, die es aushält.
Was jemals kommen wird in Ewigkeit, das ist schon da, seit aller Zeit.
Welch Unglück, daß das gute Gewissen ein sanftes Ruhekissen ist. Solch Komfort lockt die Tugend, reichlich oft zu schlafen.
Wenn du Götzen zerschlägst einem anderen, vergiß nicht, daß es ihm Götter sind.
Wenn eine Liebe nicht täglich neu erweckt wird, schläft sie bald ganz ein.
Wenn Heiligkeiten sich in einem Menschen bekriegen, das setzt die fürchterlichsten Schlachten.
Wer der Stütze nicht bedarf, geht leichtsinnig mit dem Stab um.
Wer ein volles Gefäß trägt, muß das Gedränge vermeiden, und wessen Seele am Überlaufen ist, einsame Wege gehn.
Wer sich nicht von dieser Welt fühlt, aber doch nicht aus ihr heraus kann, für den gibt es immer noch eine Gasse: Hindurch!
Wer zu uns kommt, droht uns zu nehmen; wer uns verläßt, gibt uns etwas oder viel zurück: uns selbst.
Wie die Lunge des Neugeborenen rosig, die des Alten grau ist, so die Seelen – und gar die Hirne!
Wie oft mag Krankheit nur die Mühe sein, die sich das Leben gibt, um gesund zu werden oder zu bleiben.
Wie oft und schwer wirst du dich verlieben, bis du weißt, wo du liebst.
Wie vieles erklären wir für Unsinn, wovon und wofür nur uns der Sinn abgeht!
Wir alle haben zu leiden auf Erden, und jeder kann’s dem andern erleichtern.
Wir gestehen lieber Laster ein als Läuse.
Wir können einander deshalb so häufig mit dem besten Willen nicht helfen, weil es am guten fehlt.
Wir lieben nicht, was uns liebt, sondern was uns reizt.
Wir sind das Leben, das die Sonne von sich fortschleudert.
Wo die Nächstenliebe nur darin besteht, nichts Böses zu tun, ist sie von der Faulheit kaum zu unterscheiden.
Wo die Narrheit Norm, ist die Vernunft Verrücktheit.
Wo du nicht zündest, trage deinen Brand nicht hin.
Wohltaten: Tropfen auf den heißen Stein – aber lassen wir sie tropfen.
Zertrümmern kannst du mich noch, o mein Leben, aber das Erlebte nicht rauben noch entwerten.