Zitate von Emanuel Wertheimer

Alle hoffen auf ein Jenseits und niemand freut sich darauf.
Alle Laster sind bereit, der Not zu Hilfe zu eilen.
Alles bettelt, jeder in andern Kleidern, um andre Summen.
Alles hält man für Luxus an säumigen Schuldnern.
Alles ist menschlicher geworden, nur nicht der Mensch.
Alles lächelt, wo der Humor hinblickt; in allem ist Poesie, wenn nur der richtige Strahl darauf fällt.
Alles, selbst der Gang des Menschen wechselt mit seinen Vermögensverhältnissen.
Also die Anzahl der Vorfahren ist der Wertmesser des Adels! Wie verächtlich muß dann der erste Ahne seinem letzten Sprößling sein!
Alt sein wäre nicht so beängstigend – aber fortwährend älter werden…!
Am anhänglichsten sind die Sorgen: sie verlassen uns nicht, auch wenn es uns noch so schlecht geht.
Am aufopferndsten pflegen wir jene Tiere, die uns schmecken.
Am berauschendsten ist doch nur eine halberwiderte Liebe.
Am gewissenhaftesten erfüllt man eine Pflicht, die Gewissenlosigkeit erfordert.
Am kenntlichsten ist ein Ehepaar an der Unähnlichkeit mit einem Brautpaar.
Am meisten erbarmt sich des Unglücklichen noch die Hoffnung.
Am mitleidigsten ist immer, wer nicht helfen kann.
Am schnellsten finden wir Ratschläge, die unsere Hilfe ausschließen.
Am schnellsten verstehen sich zwei Egoisten; um einander zu täuschen, spielen sie gegenseitig die Aufopfernden.
Am unerträglichsten sind jene, die für Minuten Geist haben und stundenlang damit glänzen wollen.
Am zufriedensten sind die Menschen noch, wenn sie ein Unglück leichter trifft, als sie erwarteten.
An den Tod denke man erst, wenn er uns dazu keine Zeit mehr läßt.
An den Tugenden andrer schätzen wir den Vorsprung, den sie unsern eignen Lastern gewähren.
Andere verhindern wir selten, unbescheiden für uns zu sein.
Anfang und Ende einer Liebe stehen einander wie Rätsel gegenüber.
Angebotene Gefälligkeiten sind oft Bittschriften.
Auch civilisirte Völker tättowiren sich – mit ehrlichen Mienen.
Auch das Gewissen richtet sich nach dem Erfolg.
Auch der Aufmerksamste überhört sein Selbstlob.
Auch der Greis lächelt – wenn von Idealen gesprochen wird.
Auch der Idealist malt die Venus nackt, aber der Naturalist entkleidet sie selbst ihrer Schönheit.
Auch die reizvollste Unterhaltung langweilt denjenigen, der eben von einer Leidenschaft beherrscht wird.
Auch von Freunden sollte man nur das verlangen, was ihnen nützt.
Auf den obersten Stufen des Glücks begegnet man noch mehr Wünschen und Bedürfnissen als auf den untersten.
Auf der Straße trauert man mehr als in seinen vier Wänden.
Auf die poetische Wirkung allein hat sich die Natur bei der Liebe nicht verlassen, um so mehr auf die Brutalität.
Auf dieser Welt ist ein halbes Glück schon ein seltenes Glück.
Aufrichtige Reue folgt meist entgangenen Vorteilen.
Bedauernswertes Volk, dessen Jugend dem Rückschritt huldigt!
Beginnt der Reiche zu sparen, fängt er damit beim Armen an.
Bei den Menschen fördert selbst Bildung die Barbarei.
Bei Leichenfeierlichkeiten folgen die meisten den Lebenden, nicht den Toten.
Bei Schicksalsschlägen fürchte vor allem deine ehemaligen Neider.
Besser machen ist leichter als gut machen.
Blindes Vertrauen schenkt man nur noch sorgfältigst getroffenen Vorsichtsmaßregeln.
Bücher vermehren sich jetzt fast rascher als Menschen – aus Unfruchtbarkeit?
Da verspricht man ein Jenseits – dort versagt man selbst eine Krume Brot.
Daran glauben, das ist das Wunder!
Das Alter setzt uns allen Demütigungen aus, wenn wir ihm nicht Eigenschaften verleihen, die der Jugend versagt sind.
Das eigene Gewissen zu beruhigen, mißglückt selten.
Das eigne Unglück würde schon erträglich sein, wenn es das Glück andrer nur immer wäre.
Das eigne Verdienst noch zu erhöhen, überträgt die frömmelnde Bescheidenheit den Ruhm einer gelungenen That auf Gott, auf sich bloß den reellen Erfolg.
Das eigne Wohlbefinden beruhigt so sehr über das aller andern.
Das eine kann man der Heuchelei nicht nehmen: sprechen hat sie von der Aufrichtigkeit gelernt.
Das Elend beginnt erst, wenn es auch an Hoffnungen verarmt.
Das Elend hat Wünsche, die fast alle vor Verbrechen gestellt sind.
Das Elend macht zuweilen anspruchsloser, als die Natur erlaubt.
Das Gebet der Armen ist eine Mahnung, das der Reichen eine Bestätigung.
Das Genie ist so genügsam: es ist schon zufrieden, wenigstens nach seinem Tode leben zu können.
Das Gesetz schützt mehr Unrecht, als es bestraft.
Das Glück besteht, nach der Weisheit vieler, die es im Übermaß besitzen, aus Entbehrungen.
Das größte Mitleid haben immer diejenigen, die nicht helfen können.
Das herannahende Alter erwarte man wie einen vornehmen Gast, an der Schwelle, lange ehe er eintrifft.
Das Leben ist selten das wert, was es kostet.
Das Leben verliert unterwegs an Reiz, daher möchte man so gern schon auf halbem Wege wieder umkehren.
Das Leben wäre nicht so kurz – aber man mißt es gewöhnlich erst, wenn bereits viel davon fehlt.
Das Mitleid ist zuweilen schmerzhafter als das bemitleidete Unglück.
Das Mitleid urteilt oft falsch, handelt aber immer richtig.
Das muß man unsrer Bescheidenheit lassen: keiner hält viel von seinesgleichen.
Das Talent ahmt die Natur nach, das Genie setzt sie fort.
Das Testament ist der uneigennützigste Akt des Lebens: man vergißt dabei ganz sich selbst.
Das Tier, das sich Mensch nennt, erfand den Anstand, um ungestörter Tier bleiben zu können.
Das Volk wird ungeduldig, es will nicht mehr auf die versprochenen Mahlzeiten im Jenseits warten.
Dauerhafte Freundschaft beruht auf dem Verzicht gegenseitiger Hilfe.
Dauernde Liebe braucht mehr Eifersucht als Zuneigung.
Dem Bescheidenen zustimmen heißt, ihm widersprechen.
Dem Glück der Menschen fehlt nur die Genügsamkeit der Tiere.
Dem Melancholiker geht die Sonne schon des Morgens unter.
Dem Reichen ist die Armut andrer Naturgesetz.
Den aufrechtesten Gang haben Kleine und Bucklige.
Den ersten Unterricht erhalten wir im Aberglauben.
Den ganzen Körper verhüllen wir, selbst das Gesicht – durch Mienen.
Den Gutherzigen schätzt man, weil er nicht merkt, daß man ihn mißbraucht.
Den leisesten Schlummer hat der Neid.
Den Pessimisten ist nichts so wertlos wie das Leben – abgesehen vom eignen.
Den Schlaf kann kein Glücklicher schätzen.
Den Tod erwarten wir mit einer Zuversicht, als ob er nie käme.
Den Toten fehlt nichts als das Bewußtsein ihres Glücks.
Denen schenken wir gerne, die mehr schenken können als wir.
Der alte Bibelspruch lautet heute für viele so: Im Schweiße eines andern Angesichts sollst du dein Brot verdienen.
Der Anblick der Armut ist oft so ergreifend, daß man gerührt ein Almosen – für sich beiseite legt.
Der Anblick Toter demütigt.
Der Anstand muß Zuschauer haben.
Der bequemste Patriotismus bleibt – auf seine Nation stolz zu sein.
Der Drang zu nützen kann sich nicht messen mit dem Eifer zu schaden.
Der Egoismus anderer ist so widerwärtig, weil er dem eigenen im Wege steht.
Der Eifersüchtige kennt alle Qualen des Wahnsinns – ohne dessen Wohlthaten.
Der erste Ruhm ist vielleicht noch intensiver als die erste Liebe.
Der Falsche macht sich nur einen Vorwurf: daß er zu aufrichtig ist.
Der Faule plagt sich in einer Stunde mehr als der Fleißige das ganze Jahr.
Der Fortschritt sollte auch darin bestehen, Entbehrungen zu erfinden.
Der Freigebige ist oft ein anspruchsvoller, harter Gläubiger, der zu hohen Prozenten schenkt.
Der Frömmler hält Gott für ein ganz beschränktes Wesen.
Der Frühling ist für den Greis eine wehmütige Erquickung – ein Sonnenstrahl seine letzte Leidenschaft.
Der Geck ärgert uns durch den Mut seiner Lächerlichkeit, vor allem durch die beleidigende Voraussetzung, einen Geschmack mit ihm zu teilen.
Der Geck hat eine köstliche Eigenschaft: er erregt Heiterkeit.
Der gesunde Menschenverstand wäre geschätzter, wenn ihn nicht jeder zu besitzen glaubte.
Der Greis glaubt, alles zittere, die ganze Natur schleiche auf Krücken.
Der große Geist kennt kein eignes Unglück, er wird nur durch die Leiden andrer Pessimist.
Der Grund unserer meisten Leiden sind die Freuden anderer.
Der Hunger besitzt eine drohende Ungeduld: indem er uns der menschlichen Stärke beraubt, verleiht er uns die Kraft des Tieres.
Der Hunger grübelt fortwährend über Revolutionen.
Der Hunger kann nicht so weh thun wie die Bitte, ihn zu stillen.
Der Idealismus ist eine Tugend der Unerfahrenheit.
Der Leichtsinnige verzweifelt, wenn er sich nicht zu Grunde richten kann.
Der letzte Wille verleitet so oft zur ersten Wohlthat.
Der Luxus der Armen rührt zuweilen mehr als die Armut selbst.
Der Mäßige, das ist eigentlich der wahre Feinschmecker und Genußmensch.
Der Mensch braucht immer ein unerreichbares Ziel, eine vergebliche Hoffnung, eine ihn vorwärtstreibende Unzufriedenheit.
Der Mensch vermag vieles auszuhalten: mancher kann jahrelang leben, ohne geistige Nahrung zu sich zu nehmen.
Der Metaphysiker vergißt, daß auch unser Denken den Gesetzen der Schwerkraft unterworfen ist.
Der Misanthrop haßt alle – bis auf einen, den er nicht kennt; der Philanthrop schließt von seiner Liebe nur jene aus, die er kennt.
Der Neid entdeckt jedes Verdienst zuerst.
Der Neid hat merkwürdige Anlagen: zum Kritiker, Satiriker, zum Reformator – sogar zum Moralisten.
Der Neid wetteifert mit der Ungeduld, wenn er die Schadenfreude erwartet.
Der Notleidende ist rücksichtslos, unsre Hilfe anzurufen; er bedenkt nie, wie sehr wir überbürdet sind mit Pflichten gegen uns selbst.
Der originelle Denker löscht alles um sich aus, ehe er sein eignes Licht anzünden will.
Der originelle Kopf bemerkt, was der gewöhnliche nur sieht.
Der Pessimist glaubt, man lüge, wenn man lacht.
Der Pessimist kommt zu abschreckenden, ja schädlichen Wahrheiten, die verbreiteter wären, wollten die Menschen nicht lieber mitlachen als mitweinen.
Der Rangunterschied, den die Menschen unter sich schufen, ist größer als der zwischen Gott und Menschen.
Der Rücksichtslosigkeit allein gehört die Zukunft.
Der Schlaue hat immer die Meinung, die zwischen zwei verschiedenen Meinungen liegt.
Der Schmeichler geht immer links, um später rechts gehen zu können.
Der Schmeichler lügt, auch wie er zuhört.
Der schmerzlichste Verlust ist ein entgangener Gewinn.
Der Stil ist der Mensch? … Gibt es so wenig gute Menschen?
Der Stolze, das ist der Demütige in einer andern Lage.
Der Tod wäre noch abschreckender, wenn wir eine Vorstellung seiner Dauer hätten.
Der Überfluß teilt mit dem Elend: Religion, Gesetz, Jenseits … Alles – nur keine Goldstücke.
Der Umgang mit Menschen ist die Kunst, sich zu verstellen.
Der Undank kommt uns deshalb immer größer vor, als er ist, weil auch die Wohlthat uns immer vergrößert erscheint.
Der Undank schmerzt besonders dann, wenn die Wohltat als Kapitalsanlage galt.
Der Undankbare verdient eigentlich Nachsicht: er verwechselt sich gewöhnlich bloß mit seinem Wohlthäter.
Der Unempfindliche kann selbst das Genie an sich zweifeln machen. Ich glaube, Champagner, von einem Phlegmatiker getrunken, hält sich für Wasser.
Der Verbrecher verteidigt sich so lange vor seinem Gewissen, bis sein Opfer als Angeklagter vor ihm steht.
Der Verleumder erfindet Nichtswürdige, um Gesellschaft zu haben.
Der Weg zu einem Orden ist oft so steil, daß man auf allen Vieren hinkriechen muß.
Des Armen Pelz im Winter ist Schnellergehen oder Laufen.
Die alte Kunst hat sich überlebt, man braucht eine neue: für Ehrgeizige ohne Talent.
Die Armut ließe sich rasch beseitigen, wenn sich die Wohlhabenden dadurch bereichern könnten.
Die Bequemlichkeit täuscht sich immer über ihr Wohlbehagen – sie liegt nie lange bequem.
Die Bosheit hat etwas Aufopferndes: sie verzichtet gern auf einen Vorteil zum Nachteil eines andern.
Die Ehe ist nur zu oft die Scheidung zweier Herzen.
Die Ehe wird sich erhalten, solang ihr die Mitgift treu bleibt.
Die Eifersucht entdeckte die Liebe.
Die Eifersucht hat eine unkeusche Phantasie.
Die eigne Anerkennung allein befriedigt deshalb nicht auf die Dauer, weil sie durch ihre Beständigkeit an Eindruck verliert.
Die ewige Liebe hat eine gar zu kurze Dauer; wir können ewig hoffen, aber nicht ewig lieben.
Die Flitterwochen verprassen die Liebe.
Die Frauen lieben lange, ehe sie’s gestehen, die Männer lange nicht mehr, wenn sie’s noch beteuern.
Die Frauen müßten uns zum Wahnsinn treiben, wenn man Wunder lange anstaunen könnte.
Die Frauen werden schließlich jedem Beruf gewachsen sein, nur nicht dem der Ehe.
Die Frommen geben zu viel Moral und zu wenig Beispiel.
Die Frommen von Beruf behalten doch etwas Religiöses: sie essen wenigstens mit Andacht.
Die Frommen von Beruf möchten uns eigentlich nur so viel Verstand lassen, als dazu gehört, an Wunder zu glauben.
Die gebildete Sprache vergaß beim Dialekt viel Kürze und Ton.
Die Gefahr hebt die Standesunterschiede auf, die Sicherheit stellt sie wieder her.
Die Gelegenheit, Gutes zu thun, stimmt selten so fromm wie Glockengeläute, Weihrauch und bunte Fensterscheiben.
Die Gesellschaft gleicht einem Maskenball, auf dem sich niemand demaskiert.
Die Gesetze haben eine verletzende Ähnlichkeit mit den Menageriekäfigen – man kennt uns!
Die Gesetze haben uns bis zur Unkenntlichkeit gebessert.
Die Gewißheit zu sterben, ist zuweilen der einzige Trost dieses Lebens.
Die Gewohnheit unterdrückt mehr Revolutionen, als alle bewaffneten Mächte zusammen.
Die Gewohnheit, einander zu mißtrauen, erhält die gegenseitige Achtung.
Die Gleichheit unter den Menschen wird ihre Anhänger haben, solange jeder mehr sein will als der andre.
Die Großen sehen Geschöpfe um sich, die stolz darauf sind, sich demütigen zu dürfen.
Die Güte hat sich immer zurückgezogen – sie ist schwach geworden – kaum mehr zu erkennen – ich glaube, sie liegt im Sterben.
Die guten Einfälle des Herzens sind noch seltener als die des Kopfes.
Die Habsucht kommt immer zu spät: wenn der Überfluß schon da ist.
Die Hartherzigkeit versieht uns mit strengen, korrekten Grundsätzen: man schützt Prinzipien vor, um eine Bitte abzuschlagen.
Die Herablassung der Großen ist nur höfliche Verachtung.
Die Heuchelei kann alles, nur nicht Maß halten.
Die Hoffnungen schwätzen nach, was ihnen die Wünsche vorplappern.
Die ihrem Lande verderblichsten Staatsmänner sind die Füchse ohne Schlauheit.
Die Industrie hat sich auf die Kunst geworfen und die Kunst auf die Industrie.
Die Jugend ist ein Darlehen und das einzige, dessen pünktliche Begleichung niemand eingestehen will.
Die Jugend spricht vom Alter wie von einem Unglück, das sie nie treffen kann.
Die Keuschheit wirkt durch zu einfache Mittel, um kopirt zu werden.
Die Kirche wird immer ein Bedürfnis bleiben: man geht als Schuldner hinein und kommt als Gläubiger heraus.
Die Langweile strengt den Geist mehr an als das tiefste Gespräch.
Die letzte Ehre, die man einem Toten erweist, ist manchmal die erste.
Die Liebe braucht Unsicherheit; sie entzweit sich mit jeder Gewißheit und folgt Liebenden nicht viel weiter als bis zur Schwelle der Ehe.
Die Liebe ist gar zu undankbar gegen die Eifersucht.
Die Liebe lehrt uns vieles – vor allem bereuen.
Die Liebe umfaßt alles, nur nicht die Zukunft.
Die Liebe verläßt uns zu früh, die Eifersucht zu spät.
Die Liebe verrät alles, sie plaudert sogar die Geheimnisse des Paradieses aus.
Die Liebe würde ihren Namen verdienen, könnte sie sich die Beständigkeit der Eigenliebe zum Muster nehmen.
Die Logik ist so fortgeschritten, daß sie alles widerlegen kann – sogar sich selbst.
Die Macht zu schaden bringt Nutzen.
Die Männer lieben aus Eifersucht, aber die Frauen sind eifersüchtig aus Liebe.
Die Männer lieben, solange kein Grund zur Dankbarkeit da ist.
Die Meinung andrer überrascht, wenn sie mit der eignen übereinstimmt.
Die meisten glauben zu denken und erinnern sich nur.
Die meisten kommen auf die Welt, um zu sehen, daß die andern leben.
Die meisten Schriftsteller wären mehr gelesen, hätten sie weniger geschrieben.
Die meisten Tugenden verdanken wir der Klugheit.
Die Menge ist selten feig, sie hat keine Angst für den einzelnen, wofür jeder den andern hält.
Die Menge versteht von der Kunst beinahe alle Wirkungen und fast keine einzige Ursache.
Die Menschen arbeiten stets erfolgreicher daran, sich zu immer abhängigeren Sklaven voneinander zu machen, sich gegenseitig in Käfige zu sperren.
Die Menschen erscheinen mir, als liefen sie fortwährend einem rollenden Goldstück nach.
Die Million geht an den nach einem Pfennig flehenden Blicken vorüber, sinnend, wie man noch eine Million erwirbt.
Die Mittelmäßigkeit geht daran vorüber, das Talent bemerkt einen Grashalm, das Genie ein Wunder.
Die Moral vertrug sich nicht lange mit der Religion, weil die Religion sich nicht lange mit der Moral vertrug.
Die Musik hat die literarische Bildung zurückgedrängt, sie ist eine Art geistigen Müßiggangs geworden; ihre Pflege ist daher gesichert.
Die Musik verleiht der Liebe fast so viel Sinnlichkeit wie die Natur.
Die Natur schenkt nichts, sie leiht bloß und hätte nur säumige Schuldner, wäre sie keine so unerbittliche Mahnerin.
Die Natur treibt Wucher mit den Frauen; sie leiht ihrer Jugend lange nicht so viel Schönheit, als sie ihnen im Alter dafür abnimmt.
Die Natur übte erst mit Blumen, ehe sie die Frauen schuf.
Die Natur versteht meisterhaft aufzubauen, aber stümperhaft niederzureißen.
Die Naturalisten nehmen der Rose Farbe und Duft, alles übrige geben sie mit peinlichster Treue wieder.
Die Neugierde allein altert nicht mit uns, sie bleibt kindisch.
Die Oberen sind fromm, damit es die Unteren seien.
Die öffentliche Meinung ist oft das stärkste Band der Ehe.
Die Pflicht hält sich so aufrecht, weil sie von der einen Seite durch die Strafe, von der andern durch die Belohnung gestützt wird.
Die Phantasie macht zu viel Reklame für die Wirklichkeit.
Die Philosophen gewähren uns den einen Trost, daß sie einander alle widerlegen.
Die Philosophie lehrt uns nur andre trösten.
Die Rache droht durch jedes Mittel, selbst durch den eignen Untergang.
Die Rache ist noch unternehmender als die Liebe.
Die Reichen lieben das Gesetz, die Armen fürchten es.
Die Religion droht und verspricht; könnte sie noch schmeicheln, es gäbe auch nicht einen Ungläubigen.
Die Religion scheint den Menschen gegeben, um einander zu hassen.
Die Schulen bilden furchtsame Denker: Unterthanen!
Die Sorgen um die Welt stören kaum das Mittagschläfchen.
Die Sorgen wachsen, je kleiner sie werden sollten.
Die Standesehre kommt oft mit der Ehre nie zusammen.
Die Tapferkeit der Fürsten erfordert oft viel fremden Mut.
Die Teilung der Güter wäre leichter, wenn ihr die Teilung der Ansprüche vorausging.
Die Toilette verjüngt alles, nur nicht, was sie sollte: das Gesicht.
Die Tugend findet fanatische Anhänger unter denen, die sie nutzbringend an andre verpachten.
Die Ungewißheit, wann wir sterben, mildert die Gewißheit, daß wir sterben.
Die Uniform sichert manchem Fähigkeiten, die das bürgerliche Kleid nicht gewährt.
Die Verbrechen andrer entdeckt man fast mit mehr Freude als Entrüstung.
Die Versagung selbst des geringsten Beistandes, das ist Grausamkeit!
Die Vornehmen sind die dauerhaftesten Stützen der Sittenlosigkeit und der Religion
Die Vornehmen tragen so wichtige Mienen zur Schau, als ob großes Glück großer Geistesanstrengung bedürfe.
Die Wissenschaft erweitert unsre Kenntnisse immer mehr von dem, was wir nie wissen können.
Die Zufriedenheit verlangt oft zu viel Phantasie: Es ist nicht leicht, aus leeren Gläsern zu trinken.
Diese Literarhistoriker! Was nicht langweilt, unterhält sie nicht.
Durch einen schmerzhaften Verweis macht uns die Natur noch folgsamer, als sie erwartet.
Durchs Fernrohr entdeckt der Astronom immer unermeßlichere Gebiete seiner Unwissenheit.
Ehrenmann! Diesen Titel verdankt man zuweilen nur Entehrungen.
Eifersucht ist die rachsüchtigste und – versöhnlichste Leidenschaft.
Eifersucht steigert Haß und Liebe zugleich.
Eigentlich gibt es nur eine Kunstrichtung, alle übrigen entstehen aus einseitigen Vorzügen und glänzenden Fehlern.
Ein böses Gewissen ist oft nur die Folge eines guten Gedächtnisses.
Ein Glück, daß die meisten wenigstens an sich denken: sie dächten ja sonst gar nicht.
Ein Glück, daß man sich in seinem Testament nichts vermachen kann.
Ein Greis sagte: Über das gegenwärtige Alter tröstet nur das zukünftige.
Ein guter Gedanke hat fast nichts an.
Ein langweiliges Buch schreiben ist leichter, als eines lesen.
Ein Optimist sagte: Zu den ganz guten Menschen zähle ich schon die nicht ganz schlechten.
Ein Pessimist klagte: Ich entdecke nach jeder neuen Erfahrung, daß ich bisher nur Optimist war.
Ein Reicher seufzte: Welch ein Leben, wenn man die Armen für sich auch sterben lassen könnte!
Eine Erbschaft hat das Beruhigende: man braucht nicht undankbar dafür zu sein.
Eine große Beruhigung, einbalsamirt zu werden! Man verwest länger.
Eine Hölle nach dieser Welt? Welche Phantasie!
Eine Religion – scheint es – kann sich nur erhalten, wenn sie vieles thut, was sie verbietet, vieles unterläßt, was sie befiehlt.
Einer gemeinsamen Gefahr allein zu entrinnen, vergrößert das Glück.
Einer letzten Liebe folgt gewöhnlich immer noch eine vorletzte.
Einträgliche Mißbräuche werden sehr alt.
Erst dann ist man alt, wenn man zu bequem wird, zu genießen.
Erst wenn man alt ist, verstünde man so recht, jung zu sein.
Erst wenn man altert, äußert man so gerne, wie jung man sich fühlt.
Erwarte alles vom Mitleid, nur keine Hilfe.
Es bedürfte zu vieler Verdienste, um das zu sein, was man von sich hält.
Es dauert lange, ehe man zwanzig Jahre alt wird – sechzig ist man im Handumdrehen.
Es gäbe wenig Unglück, sähe jeder das seine mit den Augen des Nächsten.
Es gehört mehr Phantasie dazu, sich unsre Kleinheit, als sich die Größe der Gestirne vorzustellen.
Es gibt allerdings angeborene Tugenden: solche, die uns Vorteile sichern.
Es gibt Beneidenswerte, die sich fortwährend bedauern, Unzufriedene, aus denen man zehn Zufriedene machen könnte.
Es gibt Ehrgeizige, die nur das Ziel reizt, nicht der Weg, die am liebsten beim Ruhm einbrechen würden.
Es gibt ein Alter, in dem man Sorgen hat, versäumte Sünden nachzuholen.
Es gibt ein Laster, das durch seine Uneigennützigkeit um so verwerflicher wird: die Bosheit.
Es gibt ein Übel, ohne das sich die meisten nicht wohl fühlen: den Größenwahn.
Es gibt eine Bescheidenheit, die an Größenwahn grenzt.
Es gibt freigebige Naturen, die mit dem Gelde um sich werfen, wenn es verdoppelt zurückkommen muß: es sind ökonomische Verschwender.
Es gibt Gesetze, die auf die Anklagebank gehören.
Es gibt kein Tier, das so wenig Menschenkenntnis besitzt wie der Hund.
Es gibt keine mächtigere Stütze der Sittlichkeit als den Neid.
Es gibt keinen strengeren Moralisten als den Betrüger, wenn er betrogen wird.
Es gibt Kunstwerke, bei denen man sich noch immer nicht zu langweilen wagt.
Es gibt mehr Masken als Gesichter.
Es gibt Menschen, die nichts bewundern, weil sie alles mit sich vergleichen.
Es gibt Menschen, die ohne Gaumen auf die Welt kommen, und das sind die Zufriedenen.
Es gibt Menschen, die sich alles nehmen lassen, nur nicht, was ihnen fehlt – die Ehre.
Es gibt nie genug Milderungsgründe für die Vergehen der Armen.
Es gibt noch allzuviele, deren Ideal der Fortschritt zum Schlechten ist, um zu retten, was an Vorurteilen noch zu retten ist.
Es gibt noch Wunder: gute Menschen.
Es gibt nur eine Andacht: jene, die uns Güte einflößt.
Es gibt nur eine Liebe, die von Dauer ist: die unglückliche.
Es gibt nur Jugendfreunde, und später erfährt man, daß es auch solche nicht gibt.
Es gibt nur theoretische Pessimisten, in Wirklichkeit sind sie praktische Optimisten.
Es gibt Reiche, die gerne reich zu werden wünschen, nur um Almosen geben zu können.
Es gibt stille Wohltäter, um wenig zu geben – und doch so, dass sie dabei ertappt werden.
Es gibt Tage, die zwei Nächte haben sollten: eine dem Schlaf, eine den Sorgen.
Es gibt Talente, weil es Genies gibt, wie es wetterleuchtet, weil es blitzt.
Es gibt Tugenden, die nur darauf warten, von Lastern abgelöst zu werden.
Es gibt unbeugsame Charaktere, die nichts erschüttert – nichts, als der Verlust ihres Geldes.
Es gibt ungemein zarte Naturen, die alles verletzen, nur nicht den Anstand.
Es gibt Verbrechen der Gesinnung, denen alle begangenen nachstehen.
Es gibt Völker, die sich gegenseitig dulden – sogar lieben! … aber Religionen…?
Es gibt Vorurteile, an die man sich klammern muß, um nicht alle Ideale zu verlieren.
Es gibt wenig Liebesbriefe, die nicht Meineide enthalten; natürlich erst später.
Es hat immer Unsterbliche eines Tages gegeben.
Es ist bekannt, daß sich die Geistreichen dort langweilen, wo sich die Langweiligen unterhalten.
Es ist mit der Liebe wie mit dem Leben: immer muß man auf das Ende gefaßt sein.
Es ist unmöglich, so gut zu sein, wie du dich hältst.
Es ist vielleicht schwieriger, eine Frau immer zu lieben, als zwei zugleich.
Es scheint, daß der Ehrgeiz immer erst dort beginnt, wo er enden wollte.
Es wäre doch zwecklos: daher soll man den Toten nichts Böses nachsagen – nur den Lebenden.
Fast überall ein kaum nachzukommender Fortschritt, nur nicht in den Gesinnungen.
Feiertage sind Trauertage des Armen.
Festliche Kleider, üppige Mahlzeiten, unterhaltender Müßiggang – das sichert den Feiertagen ewigen Bestand.
Fortgesetzte Bescheidenheit ist eine Herkulesarbeit.
Fremde Erfahrungen streifen das Gedächtnis, eigne verleihen Fähigkeiten.
Freundschaft! … Das Wort ist da, wie für so viele metaphysische Begriffe.
Fromm sein ist billiger als gut sein.
Für den Gesetzgeber gibt es nichts Unverläßlicheres als die Religion – er setzt sie gar nicht voraus.
Für eine Ehescheidung haben die Frauen mehr Gründe, die Männer mehr Wünsche.
Furcht ist Feigheit, Schreck – Instinkt.
Gäbe es einen freien Willen, wer würde diese Welt betreten, wer sie verlassen?
Gäbe es keine Nahrungssorgen, ließen sich vielleicht Menschen aus uns machen.
Ganz entledigt man sich der Eigenliebe nur mit Gefahr seines eignen Lebens.
Gegenliebe ist oft nichts andres als dankbare Eitelkeit.
Geist hat keine Ahnen.
Geist ist die Jugend des Alters.
Geld allein bedarf keiner Empfehlung.
Geld schämt sich keines Umgangs.
Geld! Also fast alle Talente drückt dies nüchterne Wort aus?
Gerade bedeutende Geister predigen so oft den Fortschritt der Vergangenheit und warnen vor dem der Zukunft.
Geselligkeit ist die Annehmlichkeit, sich seiner zu entledigen.
Gesetze sind die verläßlichsten Moralisten.
Gewiß, die Frauen sind Rätsel, wenn sie fähig sind, uns Männer zu lieben.
Gewisse Literaten leben vom Kultus mitunter zweifelhafter Größen. Wehe dem, der an diesem Nahrungszweige rüttelt.
Gewisse Philosophen bauen jetzt Labyrinthe, in die man – zum Glück – nicht einmal hineinfindet.
Gewohntes Unglück sieht gewohntem Glück sehr ähnlich.
Gingen all unsre Wünsche in Erfüllung – dann wehe unsern Mitmenschen!
Glaube an Gott! heißt nur zu oft: glaube an gewisse Menschen!
Gleichsam um sich unendlich oft zu sehen, blicken Verliebte wie zwei Spiegel ineinander.
Großmut ist oft auch eine Rache – die effektvollste.
Habe Erfolg, und selbst die Schande gereicht dir zur Ehre.
Harren die Genüsse jederzeit unsers Befehls einzutreten, dann empfängt man sie kalt, ja zuweilen weist man ihnen sofort die Thüre.
Hat die Neugierde unter zwei entgegengesetzten Ereignissen zu wählen, rennt sie zum Unglücksfall.
Hat man nicht mehr nötig zu heucheln, wird man aufrichtig; dann ist die Wahrheit des Heuchlers verderblicher als seine Heuchelei.
Hätten die Männer nur gute Eigenschaften, die Frauen hätten keine schlechten.
Herunter hilft dir jeder – aber hinauf…!
Hochmut nimmt genau soviel Platz ein wie die Dummheit ihm einräumt.
Höflichkeit ist ein notwendiger Schutz gegen die Aufrichtigkeit.
Ich glaube, die Tränen sind den Frauen gegeben, um über die Männer zu lachen.
Ich glaube, mit manchem Herzen könnte man Diamanten schneiden.
Ihr Glück begreifen die wenigsten, unglücklich zu sein verstehen alle.
Ihre letzte Feile erwartet die Natur vom Menschen.
Im Testament gibt selbst der Geizhals so viel, wie er kann.
Im Verhältnis zu unsrer Eitelkeit hat die Natur uns mit allem übrigen stiefmütterlich ausgestattet.
In den Mienen sind oft mehr Tränen verborgen als in den Augen.
In der Grausamkeit standen alle Völker sofort auf der höchsten Stufe der Entwicklung.
In der Liebe ist der Weg alles. Und das Ziel? … entfernt vom Wege.
In der Liebe nimmt der Geschmack zu, wenn die Leidenschaft abnimmt.
In der Ungleichheit geht uns die Natur mit schlechtestem Beispiel voran und mit noch schlechterem folgen wir.
In die Gesellschaft tritt man gewöhnlich als Schmeichler, bleibt als Gelangweilter und geht als Spötter.
In etwas sind wir doch mäßig geblieben: in geistigen Bedürfnissen.
In Liebesangelegenheiten wird man der Enttäuschungen nie müde.
In welches Gelächter müßte die Welt ausbrechen, verliehe nicht die Gewohnheit gewissen Possen einen feierlichen Ernst!
Jede Mode ist zweimal lächerlich: am Anfang und am Ende.
Jeder besitzt hundert Undankbare, keiner einen Wohlthäter.
Jeder möchte die Welt so verbessern, daß vor allem er Platz darin fände.
Jeder möchte helfen – mit den Mitteln des andern.
Jeder Schlüssel vertritt ein Mißtrauen.
Jeder überschätzt seinen Wohltätigkeitssinn.
Jetzt benötigt man nur eine Tugend: Geld – dann hat man die übrigen auch.
Kain und Abel bilden so ziemlich den ganzen Inhalt der Weltgeschichte.
Kehrt der Feinschmecker zur Natur zurück, praßt er bei trockenem Brot.
Kein Genie verkennt sich.
Kein Vater läßt sich seine Verwandtschaft so teuer bezahlen wie der Landesvater.
Keiner ahnt, wieviel von seiner Ehrlichkeit er den Gesetzen zu verdanken hat.
Keiner geht gezwungener aus dem Leben als der Selbstmörder.
Keiner mahnt uns so gewissenhaft, für unser Wohl zu sorgen – wie der Schmerz.
Keiner möchte sterben und jeder will sich die Zeit vertreiben.
Keiner nimmt den Rang ein, den er zu verdienen meint.
Keiner sucht Trost, daß er nicht immer gelebt hat – jeder, daß er nicht immer leben wird.
Keiner zweifelt an seinem Tod, ausgenommen der Sterbende.
Könnte man den physischen Genüssen die Dauer der geistigen verleihen, wir hätten keine geistigen.
Könnten die Schauspieler im Theater so gut Komödie spielen wie jene im Leben, ihr Genie wäre unbezahlbar.
Künstler! Auf alles setzt sich Staub, nur nicht auf Geist und Empfindung.
Lachen lernt man nicht, lachen verlernt man nur.
Ladet man das Glück zu sich, verspricht man ihm die überschwenglichste Aufnahme – und ist es da, versäumt man sogar, es zu empfangen.
Lasset die Kinder so alt sein, wie sie sind!
Legt der Naturforscher den Menschen unter die Lupe, zeigt sich ein Tier.
Ließe sich aus ihr kein Gewerbe machen, gäbe es vielleicht nur eine Religion: die Nächstenliebe.
Loben hört sich auch der Taube.
Man äußert oft übertriebenes Ehrgefühl, um dessen Mangel zu verbergen.
Man bedauert oft mit Vergnügen.
Man besitzt Freunde, so lange man sie hindert, als solche zu handeln.
Man besitzt nicht das Alter, um die Jugend – und nicht die Jugend, um das Alter zu genießen.
Man betet selten, ohne dabei die Hand emporzuhalten, und am inbrünstigsten sind die reichen Bettler.
Man bewahrt allenfalls Geheimnisse, die andern nützlich, nicht aber solche, die andern schädlich sind.
Man bietet gern ein unmögliches Opfer an, um ein mögliches zu versagen.
Man braucht noch mehr Mut als Geist, um richtig zu denken.
Man demütigt sich vor andern, nicht für andre.
Man denkt nie daran, daß man jung ist, man erinnert sich nur, daß man es war.
Man eilt fortwährend an seinem Tod vorbei.
Man erfindet, man kauft, man erbettelt, ja man stiehlt Hoffnungen – nur um Hoffnungen zu haben.
Man erschrickt oft, wenn man seine Gedanken belauscht.
Man fürchtet Kindern ideale Grundsätze beizubringen, aus Angst, sie könnten später ihren Mitmenschen nicht gewachsen sein.
Man gelangt schließlich zu dem Ideal – keines zu haben.
Man hat mehr Scharfsinn darauf verwendet, das Kleid dem Körper, als den Ausdruck dem Gedanken anzupassen.
Man ist allzufromm, damit Gott nur ja seinen Verpflichtungen nachkomme.
Man ist jung, solange das Temperament nicht altert.
Man ist nie ganz verloren, solange man schmeicheln kann.
Man ist von zudringlicher Opferwilligkeit, wenn es sich um nichtssagende Gefälligkeiten handelt.
Man kann alles überschätzen, nur nicht die Eitelkeit und die Selbstsucht der Menschen.
Man kann die Menschen durch Maximen nicht bessern, aber vor einander warnen.
Man kann die Menschen nicht bessern, kann sie aber zwingen, besser zu handeln, als sie wollen.
Man kann die Menschen so schlecht, aber nicht so gut machen, wie man will.
Man kann fast Poesie entfalten in der Art, gegen andre Rücksicht zu üben.
Man kann vielleicht Geist nachahmen, aber nicht Empfindung.
Man kennt die Menschen nicht, seit es Gesetze gibt.
Man könnte jedes Unglück ertragen, wäre man nicht dem Trost, dem Mitleid und den verspäteten Ratschlägen der Glücklichen ausgesetzt.
Man könnte von der Heuchelei leben, wenn es nicht zu viele wollten.
Man macht sich die übertriebensten Vorwürfe über erteilte Wohlthaten, wenn man eine versagen will.
Man muß den Menschen Tugenden einreden, um sie durch Eigenschaften zu bessern, die sie nicht besitzen.
Man muß viele Freunde gehabt haben, um einen im Alter zu behalten.
Man müßte sich oft verachten, würde man andre nicht besser kennen als sich selbst.
Man nehme der Zuneigung den Eigensinn, und es gibt keine Verliebten.
Man nippt am Leben, jeder kostet einen Tropfen Ewigkeit, auch der Unsterbliche nur einen – und der ist oft bitter.
Man opfert sich mit Vorliebe einträglichen Pflichten.
Man predigt die Entsagung nie überzeugender als zwischen zwei guten Mahlzeiten.
Man rühmt von Herrschern immer nur, daß sie mit ihren Ausgaben, nie, daß sie mit ihren Einnahmen geizen.
Man schenkt nichts, ohne sein Interesse um Rat zu fragen.
Man sollte dem Elend mehr glauben als dem eignen Urteil.
Man spielt eine klägliche Rolle in einer Gesellschaft, der man nicht nützen oder schaden kann.
Man tadelt die Schöpfung – mit Recht: für unsre Begriffe ist sie zu unendlich, für unsre Wünsche zu begrenzt.
Man überschätzt das Leben, und das macht dessen Verlust so schmerzlich.
Man verleumdet, um Vertrauen zu erwecken.
Man verliert seinen Ruhm, wenn man sich zu viel mit ihm beschäftigt.
Man versäumt sein Leben, malt man sich diese Welt nicht als erträgliches Bild, indem man dabei bis zur Unkenntlichkeit schmeichelt.
Man verschweigt selten, daß man ungern von seinen Wohlthaten spricht.
Man verwest weder nach seinem Rang noch nach seinem Glaubensbekenntnis; der Natur fehlt noch immer die nötige Ehrfurcht vor unsern Torheiten.
Man wäre menschenfreundlicher, wenn man sich selber kennen würde.
Man wäre schlauer, wenn man auch andre dafür hielte.
Man wäre zu bedauern, hätte man sich nicht lieber als seinen Nächsten.
Man widerspricht oft dem Urteil andrer, nur um ein eignes zu haben, und hat zuweilen über etwas eine originelle Meinung, weil man gar keine darüber hat.
Man wird überflüssig, wenn man aufhört, Hoffnungen zu erregen.
Man zweifelt an Wundern und glaubt noch an Dankbare!
Manche glauben nicht zu altern, weil ihre Thorheiten sich verjüngen.
Manche Grabschrift könnte lauten: Er hat als Schurke gelebt und ist als Ehrenmann gestorben.
Manche Philosophen fordern zu ihrem Verständnis mehr Verstand, als sie selbst besitzen.
Manchem fehlt nur die Zeit, um glücklich zu sein, die Zeit, die ihm die Habgier raubt.
Mancher hält dich für einen Dieb, weil du dich von ihm nicht bestehlen läßt.
Manches Talent geht verloren, weil es aus dem Staunen über sich nicht herauskommen kann.
Mehr und mehr lernen wir durch immer vertrauensvollere Mienen uns gegenseitig zu mißtrauen.
Menschen lästig werden, ist die unerträglichste Last.
Mit dem Alter streift man die Erziehung allmählich wieder ab und kehrt zur Natur zurück – zur eignen aber.
Mit dem Alter werden die Tage immer länger, die Jahre immer kürzer.
Mit den Jahren begnügt man sich mit immer anspruchsloserem Trost.
Mit den Jahren gewöhnt man sich viel Gutes ab – selbst das Gewissen.
Mit den Ursachen der Eifersucht schwinden zuweilen auch die der Liebe.
Mit nichts ist man so zufrieden wie mit sich.
Mit Recht beklagt sich die Moral, daß der Natur die Frauen zu gut gelungen sind.
Mit seinen erfüllten Hoffnungen könnte man so leicht für sich ein Paradies, und für seine Mitmenschen eine Hölle bauen.
Moralische Entrüstung? Nur zu oft Neid!
Moralische Vergehen verdammt man um so strenger, je mehr Genuß dabei zu beneiden ist.
Müßte man statt der Gebete Geld emporsenden, beinahe alle wären Atheisten.
Nach einem Genie ohne Geschmack kommen immer zahlreiche Geschmacklose ohne Genie.
Neid erregen und auf andere mit Geringschätzung herabsehen zu können – diese Beweggründe entflammen unsern Ehrgeiz.
Neid ist unbedingte Anerkennung.
Nicht die schlechten, die guten Handlungen bereut man so oft.
Nicht die Sprache, das Mitleid sollte die Menschen^ von den Tieren unterscheiden.
Nicht weil sie zu leise spricht, überhören wir die Natur, sondern weil unsere Vorurteile zu laut dazwischen schreien.
Nicht Wünsche murmeln… Wohlthaten spenden, das sind Gebete!
Nichts beglückt den Eifersüchtigen mehr, als den Gegenstand seiner Liebe unterschätzt zu sehen.
Nichts fürchte man mehr, als zu viel Neid zu erregen.
Nichts halten die Reichen für so unentbehrlich wie das Elend.
Nichts ist mehr natürlich an uns wie der Schlaf.
Nichts macht einen Philosophen so stolz wie eine gelungene Maxime, die er gegen den Stolz schrieb.
Nichts reichen wir einander so freigebig wie unsere Hände – aber leer.
Niemand besitzt den Mut, sich ganz zu zeigen, wie er ist. Doch! Der Wahnsinnige.
Niemand kann so schlecht sein, als er hinter seinem Rücken gemacht wird.
Noch eher könnte man alle reich, als alle zufrieden machen.
Noch so viele Gesetze – all unsere Laster erreichen sie doch nie!
Nur das Genie hat den Mut, es nicht allen recht machen zu wollen.
Nur das Unglücke weiß, mit wie Wenigem man zufrieden sein kann.
Nur der begangene Fehler lehrt, wie leicht er zu vermeiden war.
Nur der Unglückliche weiß, mit wie wenigem man zufrieden sein kann.
Nur einmal im Leben hält man sich für allwissend: wenn man das ABC zu lernen beginnt.
Nur in die erste Liebe mischt sich keine Eigenliebe.
Nur Prätendenten zeigen, wie sehr man ein Volk lieben kann.
Nur Verliebte haben eine Vorstellung von der Ewigkeit.
Nur zu oft bestraft man ein geringes Verbrechen durch ein größeres.
O ja, es gibt eine platonische Liebe – aber nur unter Eheleuten.
Ob die Menschen durch Verdummung oder Aufklärung zu bessern sind? Eine Enttäuschung durch das letztere Vorurteil wäre vorzuziehen.
Öffentliche Meinung! Ihr opfern wir alles zur Rettung der Ehre – selbst diese.
Öffentliche Moral nennt man jene spanische Wand, hinter der sich unsre Laster verbergen.
Oft genügt der bloße Wille der Mächtigen, Großmut zu üben, aber sie versagen selbst das, was sie nichts kostet.
Oft grüßt der Zufall, ohne daß wir danken, öfter noch grüßen wir, ohne daß er dankt.
Ohne kleine, gegenseitige Heucheleien wäre man einander unerträglich.
Ohne Masken würden sich die Menschen gar nicht mehr erkennen.
Ohne Öffentlichkeit keine Großmut.
Ohne sieben Feiertage in der Woche wird man uns nie ganz zufrieden stellen.
Ohne Temperament besitzt man so viele herzlose Tugenden!
Ohne Vorurteile stößt man überall an.
Opfere dich jahrelang, pausiere dann nur einen Tag, und du bist ein Egoist.
Phantasie sei beflügelte Natur!
Rechne stets auf Undankbare, und du wirst nie getäuscht.
Schon dem Kinde rauben die Vorbereitungen zum Alter die Jugend.
Schon seine Bewunderer machen den Dilettanten unmöglich.
Seiner Dankbarkeit rühmt man sich gewöhnlich wie einer erteilten Wohlthat.
Selbst am Kreise stößt sich der Pedant an Ecken.
Selbstbeobachtung genügt, um Satiriker zu werden.
Selbsterkenntnis predigen ist eine Aufreizung zur Beleidigung.
Selbstmörder! Dies entehrende Wort konnten nur Menschen erfinden ohne Herz – also ohne Leiden.
So ist die Liebe: erst wollen sie für einander sterben, dann nicht einmal mit einander leben.
So viel ist das Leben gar nicht wert, wie dessen Erhaltung den Armen kostet.
So viel unersetzliche Menschen sind schon dahingegangen … und noch immer besteht die Welt?
Solang es Reiche und Arme gibt, wird man Kluge und Dumme verwechseln.
Sorgen brauchen wenig Schlaf.
Sorgen sind gute Gedächtnisübungen.
Sorgen sind Krankheiten, vor denen die zu Hilfe gerufenen Ärzte fliehen.
Spott ist Selbstlob.
Staatsmänner fallen meist so glücklich, daß sie dabei bloß ihren Patriotismus verletzen.
Strebt die Mittelmäßigkeit nach Originalität, entdeckt sie eine neue Natur, gegen welche die alte unnatürlich erscheint.
Tierbändiger, sagt man, werden mit der Zeit weichherzig – Erzieher hartherzig.
Trost ist nicht Hilfe – aber Hilfe Trost.
Übe dein Ohr im Überhören.
Um das Glück zu ersetzen, braucht man zu viel Verstand und zu wenig Moral.
Um eine unedle Handlung zu rechtfertigen, ruft man gern edle Beweggründe zu Hilfe.
Um in Gesellschaft für geistreich zu gelten, muß man über jede Art von Schmeichelei verfügen.
Um Philanthrop zu bleiben, enthalte man sich eines Übels: der Menschenkenntnis.
Um unser Gemüt im Gleichgewicht zu erhalten, lassen wir uns durch eignen Luxus verweichlichen und durch fremdes Elend abhärten.
Umsonst wird nicht einmal die Uneigennützigkeit gepredigt.
Unabhängigkeit schafft Originale.
Unablässig stehen wir Wache vor unsern Mienen.
Unabwendbares Unglück trifft oft einen Gleichgültigen, keinen Verzweifelten.
Uneigennützigkeit erregt Verdacht wie jeder Sonderling, der sich uns unerwartet nähert.
Unerschütterliches Selbstbewußtsein besitzen nur jene, die sich durch die Talente andrer einen Namen machen.
Ungewöhnliche Klugheit ist oft nur ungewöhnliche Gewissenlosigkeit.
Uns nicht überschätzen, heißt uns beleidigen.
Unsere Gewissenhaftigkeit geht so weit, lieber nichts, als an unrechter Stelle zu geben.
Unsere Taten sind meist edler als unsre Absichten, denn im Vergleich zu ihren Gesinnungen handeln die Menschen wie Engel.
Unsere Wünsche nehmen mehr Platz ein als unsere Bedürfnisse.
Unsern Mienen verdanken wir mehr als die Hälfte des guten Namens.
Unsre Erzieher warnen uns erst vor Lügen, dann vor Wahrheiten.
Unsre Feinde sind gewöhnlich die, denen wir, oder die uns Dank schulden.
Unsre Hände vervollkommnen sich immer mehr im Nehmen als im Geben.
Unsre meisten Bedürfnisse, wie unsre bittersten Sorgen sind Folgen desselben Strebens: nicht zu scheinen, was wir sind.
Unsterblichkeit ist der unbescheidenste Trost.
Unter allen Langweiligen sind die schweigsamen noch die unterhaltendsten.
Untreue ist vielleicht das stärkste Mittel gegen eine erlöschende Liebe.
Verglichen mit dem Ausdruck eines drohenden Menschen, ist die Physiognomie des Löwen sentimental.
Verleumdungen langweilen nie.
Verliebte dürfen sich glücklich schätzen, daß man nicht in die Zukunft blicken kann.
Verworrene Ideen allein machen nicht den tiefen Philosophen; die verworrene Sprache gehört mit dazu; dann erst bleibt er unverstanden und bewundert.
Viele dürsten nur nach den Mitteln der Rache.
Viele erinnern nur noch durch ihren Hass, dass sie einer Religion angehören.
Viele Paradoxe sind nur ungewohnte Selbstverständlichkeiten.
Vieler Lügen bedarf es, um gesellschaftlichen Takt zu besitzen.
Vielwissende tragen oft alle möglichen Köpfe, nur nicht den eignen.
Vom Verfall der Sitten spricht man erst, wenn man nichts mehr dazu beitragen kann.
Von der Liebe zur Freundschaft ist nur ein Schritt – aber einer zurück.
Von Genüssen verschont zu bleiben ist oft auch ein Genuß – aber erst im Alter.
Von nichts nimmt man so lange Abschied wie von seiner Jugend; sie ist längst fort – und noch immer nimmt man Abschied von ihr.
Vor sich zieht man den ganzen Tag den Hut ab.
Vorgesetzten gegenüber ist man oft aus Höflichkeit beschränkt.
Vorurteile ablegen heißt vereinsamen.
Während des Denkens darf man weder einer Nation, noch einer Konfession angehören.
Während man im Überfluß schwelgt, sieht man andre darben; dabei besitzt man den Mut – nein die Gotteslästerung, fromm zu sein.
Wäre die Langweile tödlich, es gäbe keine Menschen mehr.
Warum das Elend so wenig rührt? Aus ästhetischen Gründen: es wiederholt sich zu oft.
Was dem Emporkömmling fehlt, ist der Geschmack, sein Glück zu zeigen.
Was den Egoisten verrät, das ist die mangelnde Geduld der Verstellung.
Was der größte Luxus ist? Ein Herz besitzen.
Was die Gesellschaft so anziehend macht, ist die täuschende Aufrichtigkeit, mit der man einander sagt, was man nicht glaubt.
Was man als Kind lernt, vergißt man nie – das Kriechen.
Was man zuweilen Irreligiosität nennt, ist die unterlassene Anbetung gewisser Götzen.
Was uns bei der Vergänglichkeit des Menschen noch trösten könnte, wäre die Dauer seiner Vorurteile.
Welcher Coulissen, welcher Masken bedarf heutzutage der Bettler, um zu wirken!
Welches der einzige Weg zur Zufriedenheit ist? … der zum Spiegel.
Wem Erfahrungen nur Enttäuschungen sind, der sehnt sich nach dem Glück seiner Unerfahrenheit zurück.
Wenige besitzen die Mäßigung, sich mit einem geringen Verlust zu begnügen.
Wenige schreiben mit Talent; gibt es aber gar so viele, die mit Talent lesen?
Wenige sind klug außerhalb ihres Berufs.
Wenn alle Menschen denken könnten – das gäbe eine Revolution!
Wenn alle unsere Wünsche in Erfüllung gingen, würde es für unsere Mitmenschen schlecht aussehen.
Wenn das Leben zur Neige geht, beurteilt man es wie alle entschwundenen Genüsse: mit Undank.
Wenn der Hartherzige eine Bitte abschlägt, erteilt er dafür eine Moral von verletzender Strenge.
Wenn der Idealist in die Tasche greifen soll, wird er unwillkürlich Realist.
Wenn der Staat fromm wird, will er sündigen.
Wenn die Gourmands wüßten, daß Geist nie sättigt!
Wenn die Güte schon auf Erden belohnt würde, gäbe es nur gute Menschen.
Wenn die Kirche abtrünnig macht, führt die Natur zu Gott zurück.
Wenn du verarmst, bist du der Erste, der dich demütigt.
Wenn ein Dummkopf uns lobt, ist er nicht mehr so dumm.
Wenn es keine Versprechungen gäbe, womit sollte die Religion bezahlen?
Wenn es keinen Besitz gäbe, wären fast alle Tugenden entbehrlich.
Wenn es zu hell wird, kommt immer ein Genie ohne Herz: es hat Strahlen, die finster machen.
Wenn ihm bemerkbare Vorzüge fehlen, geht der Eitle so weit, sich durch lächerliche Gebrechen zu entstellen, nur um aufzufallen.
Wenn Liebe zur Freundschaft wird, folgt sie nur einem Rate, den ihr die Natur befiehlt.
Wenn man die Menschen zu bemitleiden anfängt, beurteilt man sie gerechter.
Wenn man sich mit dem Leben verfeindet, versöhnt man sich mit dem Tod.
Wenn sich der Verzweifelte nach Hilfe umsieht, erblickt er lauter Verzweifelte.
Wenn wenigstens ein armseliger Retter auf zehn großmütige Ratgeber käme!
Wenn wir dem Zufall begegnen wollen, geht er uns aus dem Wege.
Wer all seine Fehler kennen lernen will, muß verarmen.
Wer älter aussehen will, als er ist, suche sich zu verjüngen.
Wer den Gesprächen Vorübergehender lauscht, hört zwei Worte am häufigsten: ›Ich‹ und ›Geld‹.
Wer die Dinge ohne den Blick der Gewohnheit betrachtet, ist ein Genie – und oft ein gefährliches.
Wer die Qualen der Eifersucht kennt, für den haben andre Leiden keinen Schmerz.
Wer die Welt kennt, wie sie ist, sollte sich wundern, daß wir nicht alle an Verfolgungswahn leiden.
Wer einen Gewinn mit uns teilen soll, den lernt man rasch kennen.
Wer Geist besitzt, hat den Nachteil, ihn bei anderen nicht entbehren zu können.
Wer Geist besitzt, macht unerfüllbare Ansprüche an die Gesellschaft.
Wer Geist hat, findet an der Einsamkeit einen unentbehrlichen Gesellschafter.
Wer heute Ideale besitzt, fürchte den Spott der Klugen.
Wer Ideale zerstört, mordet!
Wer kein Menschenfeind werden will, gewähre und beanspruche keine Hilfe.
Wer kennt einen noch edlern Menschen, als sich selbst?
Wer mit der Welt fortschreiten will, muß vor allem hartherzig werden.
Wer nicht auf Undank rechnet, hat noch wenig Wohltaten ausgeübt.
Wer nicht für Dummköpfe schreibt, hat der überhaupt ein Publikum?
Wer nur aus Mitleid gut ist, bedarf immer stärkerer Reizmittel, um es zu bleiben.
Wer schmeichelt, bettelt.
Wer schwer zu rühren ist, dem zeige man, wie die Not spart.
Wer sich nicht schämen kann, hat ungeheure Hilfsquellen.
Wer sich tadelt, wartet auf einen Widerspruch.
Wer unfähig ist, sich zu Gunsten seiner Mitmenschen zu täuschen oder zu belügen, lebt in einer zu verächtlichen Welt.
Wer unsere Geduld auf eine außerordentliche Probe stellen will, muß uns loben.
Wer unsere idealen Eigenschaften finden will, braucht mehr als Scharfsinn: Erfindung.
Wer unsre Geduld auf eine außerordentliche Probe stellen will, muß uns loben.
Wer unter schönen Frauen viel Geist zeigt, hat wenig Herz.
Wer viel erfahren hat, staunt nur über das Gute.
Wer von Irrtümern lebt, entdeckt sie nur in den Wahrheiten.
Wer weise bleiben will, thue immer Gutes und erwarte immer Schlechtes dafür.
Wider die Eitelkeit helfen keine Grundsätze; der Weise, der gegen sie predigt, ist ihr nicht minder unterworfen als der Geck.
Wie glücklich fühltest du dich, wüßtest du, wie vielen Gefahren du heute entronnen!
Wie glücklich wäre die Welt, wenn das Wohl aller von dem jedes einzelnen abhinge!
Wie lange müßte eigentlich das Leben dauern, um nicht kurz zu erscheinen? … Einige Ewigkeiten?!…
Wie leicht wäre der Charakter zu verbergen, verrieten ihn nicht unsre Handlungen.
Wie undankbar sind wir gegen den Eigennutz! Ohne ihn würde sich keiner um den andern kümmern.
Wie viele heiraten, weil ihr Blick nur bis ans Ende der Brautschaft reicht!
Will das Unglück sich in seiner ganzen Größe zeigen, stellt es sich erst im Alter ein.
Will die Liebenswürdigkeit weder verweigern noch gewähren, verspricht sie Hoffnungen.
Will man einen Philosophen widerlegen, braucht man nur einen andern zu lesen.
Wir entschuldigen uns durch die Habsucht, da wir unsrer Genußsucht nicht gewachsen sind.
Wir erhielten zu viel Vernunft im Verhältnis zum Gebrauch, den wir von ihr machen.
Wir erinnern uns immer nur unsrer eingetroffenen Prophezeiungen.
Wir freuen uns über das plötzliche Glück andrer, als hätte man uns etwas entwendet.
Wir machen uns fortwährend Sorgen, um keine zu haben.
Wir sind unmäßig in unserm Beileid und fast immer enttäuscht, weniger Schmerz anzutreffen, als wir Trost mitbringen.
Wir trösten oft aus Bequemlichkeit, öfter noch aus Geiz.
Wir verlangen ungeduldiger, als wir gewähren.
Wir werden weder besser noch schlechter: zu ersterem fehlt uns die Fähigkeit, zu letzterem die Möglichkeit.
Wir wollen immer mehr genießen, daher genießen wir immer weniger – aus Mangel an Appetit.
Wir wollen lieber bestohlen sein als betrogen. Der Dieb verletzt unser Eigentum, der Betrüger auch unsre Eitelkeit.
Wollte man die Gesellschaft schildern, wie sie ist, man würde sich dem Tadel der Übertreibung aussetzen.
Würden die Künstler nur geschmackvolle Werke schaffen, ich glaube, sie hätten kein Publikum mehr.
Würdige Bittsteller müssen heutzutage beneidenswerte Vorzüge und vor allem eine im Unglück große Carrière hinter sich haben.
Wüßten die Hochmütigen nur, daß das Dauerhafteste an ihnen ihr – Skelett ist!
Ziel aller Erziehung sollte sein, den Geist in eine Quelle zu verwandeln, nicht in eine Zisterne.
Zu allen Bedingungen des Glücks fehlt meist eine, die man selbst mitbringen muß: die Gabe, glücklich zu sein.
Zuerst schwindet dem Alter die Fähigkeit, sich Leidenschaften vorzustellen.
Zum Ebenbild Gottes muß ein falsches Original gesessen haben.