Zitate von Emanuel Geibel

…die eigenste Natur Verleugnet straflos keiner.
… jeder Lustpokal hat seine Hef‘ am Grunde, Es folgt dem Nachtbankett die trübe Zwielichtstunde.
… Und nur der Schmerz steigt ewig neugeboren, Ein dunkler Phönix, wieder aus der Asche.
Aber fürchte die Schuld und mehr noch den Hochmut, der wie berauschender Wein rasch dir die Sinne verwirrt.
Ahnend sagt dir ein weibliches Gemüt, was gut und was schön sei, doch mißtraue der Frau, wenn sie mit Gründen dir kommt.
Alles Heil liegt mitten inne, und das Höchste bleibt das Maß.
Als aus Eden verbannt, untröstlich Eva sich härmte, Schenkte der Herr ihr das Kind, daß sie der Tränen vergaß.
Altern ist einsam werden und die du liebtest begraben; Wohl dir, wenn dir ein Kind hold die Verlornen ersetzt!
An jedem Werk denselben Fehler machen Heißt heutzutag‘ Originalität.
Auch die Kränze des Ruhms sind Gunst und Gnade der Götter, die sie dem Glücklichen nur unter den Würdigen leih’n.
Bruder, sprachen die Gänse zum Schwan, wir lassen dich gelten, aber bemüh‘ dich nun auch, daß du das Schnattern erlernst.
Darin gleichet der Dichter dem Kind. Es erscheint das Bekannte ihm wie ein Wunder, bekannt das Geheimnis ihn an.
Das Herz hat auch seine Ostern, wo der Stein vom Grabe springt, den wir dem Staub nur weihten. Und was du ewig liebst, ist ewig dein.
Das ist das Maß des Weibes, welchen Mann sie liebt.
Das Leben behauptet ewig vor dem Tod sein Recht.
Das Leben wird der Tod verschlingen Und ein Gesetz der Liebe sein.
Das Lied hat Flügel.
Das Reden von allem magst du gönnen Denen, die selbst nichts machen können.
Das Schwerste klar und allen faßlich sagen, Heißt aus gedieg’nem Golde Münzen schlagen.
Dem grauen Scheitel fällt das Lernen schwer.
Denn in sich ganz und einfach ist das Große.
Denn nur von innen kommt der Segen, und die Liebe bringet Rast.
Denn zwischen uns ist eine Kluft gezogen, die sich verbinden läßt durch keine Brücke.
Der Kummer hat schleichenden Gang.
Der Mann fragt Bücher, Freunde, Welterfahrung, Das Weib vernimmt des Herzens Offenbarung.
Der Pfad, auf dem der Held zur Größe wallt, ist steil und schmal, die meisten schreiten ihn in Einsamkeit.
Der schnellste Reiter ist der Tod.
Des Schülers Kraft entzündet sich am Meister – doch schürt sein jugendlicher Hauch zum Dank des Meisters Feuer auch.
Dichter begehrst du zu sein? Du verwechselst Talent und Bedürfnis. Bist du Prometheus, weil dich das Feuer erwärmt?
Die Herrschaft ist ein Zauber eigner Art und stark genug, den Stärksten zu betören.
Die Pferde rennen nach dem Lohn, und die Esel erhalten ihn.
Die Zeit hat kein Gestade: Sie flieht und wir mit ihr.
Drum sei nicht stolz, o Menschenkind! Du bist dem Tod wie Spreu im Wind.
Du kaufst nur um des Lebens Preis die Kunst, das Leben zu gebrauchen.
Eifersucht macht scharfsichtig und blind, Sieht wie ein Schütz und trifft wie ein Kind.
Eifersucht macht scharfsinnig und blind.
Ein ewig Rätsel ist das Leben, und ein Geheimnis bleibt der Tod.
Ein guter Witz darf nie zu sehr ins Breite gehen, soll nicht die Poesie selbst in die Weite gehen.
Eine Freiheit, die ich begehre: Daß man im Menschen Gottes Bildnis ehre.
Eine sel’ge Stunde wiegt ein Jahr von Schmerzen auf.
Eines ist schlimmer noch als sündigen: Sünd‘ als Tugend zu verkündigen.
Einig im Künstler erscheint die Begabung beider Geschlechter: Männlich zeugender Geist, weiblich empfangend Gemüth.
Entflammte Leidenschaft verzeiht sich viel.
Freude macht uns Unsterblichen gleich. Das Siegel der Menschheit drückt uns der Schmerz auf die Stirn, wenn er uns beugt und erhebt.
Frühling ist die schöne Jahreszeit, in der der Winterschlaf aufhört und die Frühjahrsmüdigkeit beginnt.
Fülle die Jugend mit würdigem Stoff und in froher Begeisterung lehre sie glühn! Die Kritik kommt mit den Jahren von selbst.
Furchtlos und treu ist der Wahlspruch der Liebe.
Gefahr hat Löwenart: ein unerschrocknes Auge bändigt sie.
Geist wird nie den Mund ersetzen, Der sich feurig küssen läßt.
Genießt die Minute, solange sie glüht! Der Frühling verwelkt, und die Liebe verblüht.
Glaube, dem die Tür versagt, steigt als Aberglaub‘ ins Fenster.
Großer Sinn kennt nicht beschränkten Haß.
Hinweg! Sonst tu‘ ich, was mich reut, Und deine Götter sollen dich nicht retten!
Immer behalte getreu vor Augen das Höchste, doch heute strebe nach dem, was heute du zu erreichen vermagst.
Immer noch besser schwärmen und trinken als sich ärgern und nichts tun.
In der Not erst magst du zeigen, wer du bist und was du kannst.
Irre die Mutigen nicht. Oft glückt leichtblütiger Jugend, Was bei gediegnerer Kraft zweifelnd das Alter nicht wagt.
Ist denn die Blume nur da zum Zergliedern? Weh dem Geschlechte, das, anstatt sich zu freun, jegliche Freude zerdenkt!
Kein Mensch glaubt an Wunder, aber alle warten darauf.
Keinem wird des Lebens bittrer Zoll geschenkt.
Klug ist, wer stets zur rechten Stunde kommt, doch klüger, wer zu gehen weiß, wenn es frommt.
Kommen Grillen, die dich plagen – wiege sie mit Liedern ein.
Kurz Begegnen, lang Gedenken Macht die Seele reich und froh.
Leicht ist’s törichtes Lob zu verschmähen. Erst wer den gesunden Tadel zu ehren versteht, wird als bescheiden gerühmt.
Liebe bleibt die goldne Leiter, drauf das Herz zum Himmel steigt.
Mag denn der Aar vom Fluge lassen, eh die Schwing‘ ihm brach?
Man muß den Irrtum selbst erfahren, nicht jeden Fehler kann man sich ersparen.
Mut, Mut! Dem Leid der Lust die Stirn entgegen, die Welt ist immer noch des Schönen voll.
Nennt Epigonen uns immer! Ein Tor nur schämt sich des Namens, Der an die Pflicht ihn mahnt, würdig der Väter zu sein.
Nicht das Bild, das die Seele dir füllt, schon macht dich zum Dichter, sondern die Gabe des Worts, die es in Andern erweckt.
Nicht wer Staatstheorie doziert, ein Politiker ist nur, wer im gegebenen Fall richtig das Mögliche schafft.
Nimmer begreift der Gesunde die Krankheit, nimmer die Jugend, daß ihr reiches Gemüt je zu verarmen vermag.
Nur das heißt leben, Wenn dein Heut‘ ein Morgen hat.
Nur dem Befreundeten gilt, was du bist. Die entferntere Menge mißt dich, o Künstler, mit Fug einzig nach dem, was du kannst.
Nur der begreift das Alphabet, der es recht zu verbinden versteht.
Nur ein großes Geschick hat Raum im Rahmen des Dramas.
Nur wer nichts mehr hofft, nichts – mag gelassen sein.
Nur wer verzagend Das Steuer losläßt, ist im Sturm verloren.
O, welche Zauber liegen In diesem kleinen Wort: Daheim.
Oft wie der Goldfrucht Ball, frühzeitig gebrochen, im Schiff erst ausreift, wird dir das Glück erst als Erinnerung süß.
Riefe dich nicht das Leid nach Hause, du kehrtest nimmer bei dir selber ein.
Schnell reitet der Tod.
Schöner als der vollste Besitz ist die Erwartung des Glücks.
Schönes läßt sich nicht erzwingen; Gutes kannst du heut‘ auch tun.
Seltsam gibt es die Muse den Dichtern. Rosige Jugend singt schwermütig vom Tod, aber von Rosen der Greis.
So ist der Tod auch ein Bad nur. Aber drüben am anderen Ufer liegt uns bereitet ein neu Gewand.
Strecke deine Hand nur empor zum Gebet! Gott faßt sie oben und die Berührung durchströmt dich mit geheiligter Kraft.
Tadle mir einzelnes nicht an großen Naturen! Der Fittich, Der im Schreiten sie hemmt, trägt sie zu himmlischem Flug.
Tief zu denken und schön zu empfinden ist vielen gegeben; Dichter ist nur, wer schön sagt, was er dacht‘ und empfand.
Über das irdische Leid, wenn die Sonne der göttlichen Freiheit Durchbricht, spannt der Humor farbig als Bogen sich aus.
Um den vermodernden Sumpf schwebt bunt in der Sonne der Falter; arglos über dem Tod gaukelt die Freude dahin.
Und die Liebe lohnt mit Leid Immerdar am Ende.
Und es mag am deutschen Wesen Einmal noch die Welt genesen.
Vergiß, oh Menschenseele, nicht, daß du Flügel hast!
Viel vermag, wer überraschend wagt.
Viel Weisheit wohnt beim weiblichen Geschlechte: Es trifft beim ersten Blick die Frau das Rechte.
Vollendetes steht über der Laune des Tags.
Vor Leiden kann nur Gott dich wahren, Unmut magst du dir selber sparen.
Wage, dem Wagenden wird einzig das Höchste zuteil.
Wandlung ist das Geheimnis der Welt. In steter Entfaltung unabsehlich gestuft bildet das Leben sich aus.
Wann der Verfall anhebt? Wenn die Zeit die geschwollene Phrase von des empfundenen Wortes Fülle zu scheiden verlernt.
Was die Epoche besitzt, das verkündigen hundert Talente, Aber der Genius bringt ahnend hervor, was ihr fehlt.
Was einmal tief lebendig lebt und war, das hat auch Kraft zu sein für immerdar.
Was ich bin und weiß, dem verständigen Norden verdank ich’s; doch das Geheimnis der Form hat mich der Süden gelehrt.
Was ich vom Kunstwerk will? Daß es schön und sich selber genug sei. In dem Einen Gesetz wohnen die andern all.
Was rühmst du deinen schnellen Ritt? Dein Pferd ging durch und nahm dich mit.
Weh‘ mir, sie haben mein Weib und all‘ mein Glück begraben.
Weine dich aus im Schmerz! Dann greif entschlossen zur Arbeit! Was die Träne nicht löst, löst dich erquickend, der Schweiß.
Wen sehnsüchtiger Drang nach den Wundern der Fremde hinaustrieb, Lernt in der Fremde – wie bald! – innigstes Heimatsgefühl.
Wenn die Götter ihr verjagt, Kommen die Gespenster.
Wenn die Not nicht Eisen bricht, Das Eisen bricht die Not.
Wenn du dich selbst zu vollenden begehrst, leb‘, als müßtest du morgen sterben, streb‘, als ob du unsterblich wärst.
Wenn’s etwas gibt, gewalt’ger als das Schicksal, So ist’s der Mut, der’s unerschüttert trägt.
Wer dem Genuß nachjagt, der schmiedet sich selber die Fessel. Freiheit findest du nur, wenn du entsagen gelernt.
Wer den Himmel will gewinnen, Muß ein rechter Kämpfer sein.
Wer nicht hören will, muß fühlen.
Wer recht in Freuden wandern will, der geh‘ der Sonn‘ entgegen.
Wer singen lernt in Niederlagen, wird auch das Glück des Sieg’s ertragen.
Wer zum Leben nicht ja sagen kann, sollte wenigstens sagen: na ja….
Wider den Schmerz dich zu vermauern, ist so verkehrt wie maßlos trauern.
Wie er gestürmt und geliebt, erzählt am Herde der Ahnherr; Aber dem Enkelgeschlecht deucht es ein Märchen zu sein.
Wohl mit jedem Bekenntnis verträgt sich ein frommes Gemüt, aber das fromme Gemüt hängt nicht vom Bekenntnis ab.
Zankt, wenn ihr sitzt beim Weine, Nicht um des Kaisers Bart!