Zitate von Denis Diderot

… weil die Abwesenden immer Unrecht haben, und weil es keinen Abwesenden gibt, der abwesender ist als ein Toter …
Aber wenn die Personen nicht lächerlich von selbst wären, so gäb es keine hübschen Märchen.
Armut geloben heißt sich durch Eid zu Faulheit und Dieberei verpflichten…
Auf jeden Fall gibt es nichts Besseres, sich vor Täuschung und Irrtum zu bewahren, als immer wahr zu sein gegen sich selbst.
Aufgeklärtheit und Aufrichtigkeit sind also der wahre Maßstab für Autorität in der Rede.
Aus Verzweiflung stürzt ich mich in das abscheulichste Schlaraffenleben.
Dabei ist es mit den heftigen Freuden ebenso wie mit dem tiefen Schmerz: sie sind stumm.
Das Bedürfnis ist immer beschwerlich.
Das Böse ist das, was mehr Nachteile als Vorteile, und das Gute, was mehr Vorteile als Nachteile hat.
Das einzige Geschöpf, das einen Mann um seiner selbst willen mit vollkommener Uneigennützigkeit liebt, ist die Frau.
Das Hohngelächter erstickt nur die Unfähigkeit.
Daß Jesus Christus, der Gott ist, vom Teufel versucht worden sei, ist ein Märchen, das aus ›Tausendundeiner Nacht‹ stammen könnte.
Dasselbe Übel kommt bald von Gott, der uns prüft, bald vom Teufel, der uns anficht.
Dem Volk sollte die Satire und die Kritik erlaubt sein: Der verborgene Haß ist gefährlicher als der ersichtliche.
Der Abend ist niemals schöner für mich, als wenn ich mit meinem Morgen zufrieden bin.
Der Aberglaube ist überall eine notwendige Folge außergewöhnlicher Naturerscheinungen, deren Gründe unbekannt sind.
Der Ackerbau ist ein Unternehmen, das große Vorschüsse verlangt; sonst ist es fruchtlos und verderbenbringend.
Der Baum der Enthaltsamkeit hat die Genügsamkeit zur Wurzel und die Zufriedenheit zur Frucht.
Der Besitz von Gütern ist wohl die Grundlage für unser Glück, aber nicht das Glück selbst…
Der Böse verdammet sich, mit den Bösen zu leben.
Der Ehebruch im Herzen ist doch wohl ebenso große Sünde wie ein Ehebruch mit besseren Voraussetzungen.
Der einzelne kann sich vervollkommnen. Aber die Menschheit als ganzes wird weder besser noch schlechter.
Der erste Schritt zur Philosophie ist der Unglaube.
Der erste Schritt zur Wahrheit ist der Zweifel.
Der Gott der Christen ist ein Vater, der ein riesiges Aufhebens um seine Äpfel macht, aber keine großen Versuche unternimmt, seinem Sohn zu helfen.
Der Gott, der Gott sterben läßt, um Gott zu besänftigen.
Der Luxus und die Leidenschaften, die zum Luxus führen, müssen dem Geist der Gemeinschaft und dem Wohl der Gemeinschaft untergeordnet sein.
Der Mensch gelangt an den Rand seines Grabes wie der Zerstreute an die Tür seines Hauses.
Der Mensch ist kein lehrendes, er ist ein lebendes, handelndes und wirkendes Wesen. Nur in Wirkung und Gegenwirkung erfreuen wir uns!
Der Priester, ob gut oder schlecht, ist immer ein zweideutiges Geschöpf, ein zwischen Himmel und Erde schwebendes Wesen.
Der Quietismus ist die Heuchelei des perversen Mannes und die wahre Religion der liebevollen Frau.
Der Tote hört kein Glockengeläut.
Der Zynismus, so verabscheuungswürdig, so unangebracht er auch in der Gesellschaft sein mag, ist für die Bühne hervorragend geeignet.
Die Armut hat ihre Freiheit, der Reichtum seine Zwänge.
Die Armut hat ihre Freiheiten, der Reichtum seinen Zwang.
Die Dankbarkeit ist eine Last, und jede Last will abgeschüttelt sein.
Die Einbildungskraft der Menschen wirkt niemals stärker und eigenwilliger als im Traum.
Die Eindrücke der ersten Kindheit erlöschen doch nie.
Die Entfernung fördert meistens die Bewunderung.
Die Favoriten der alten Herrschaft sind nie die der neuen.
Die großen Komplimentemacher sind gewöhnlich voll Affektiertheit, besonders wenn ihre Komplimente sich an mittelmäßige Menschen richten…
Die im Zaum gehaltenen Leidenschaften machen den Menschen alltäglich.
Die Kunst des Briefeschreibens ist nichts anderes als die Kunst, die Arme zu verlängern.
Die meisten Menschen fühlen nicht, sie glauben zu fühlen; sie glauben nicht, sie glauben zu glauben.
Die Menschen hören auf zu denken, wenn sie aufhören zu lesen.
Die Menschen sind so gut und glücklich, wenn das Gute sie eint, verbindet und zusammenschließt!
Die Philosophie schweigt, wo die Gerechtigkeit den Verstand verliert.
Die Redegewandtheit ist nichts anderes als die Kunst, die Logik erblühen zu lassen.
Die reine Liebe, von der man so viel spricht, ist nirgends zu finden. Die Zartheit der Empfindungen ist ein bloßes Hirngespinst.
Die Religion hat so viele Menschen böse gemacht, tut es noch und wird es immer tun.
Die schwachen Menschen sind die Hunde der Menschen von starkem Geist.
Die Stimme des Gewissens und der Ehre ist sehr schwach, wenn die Eingeweide schreien.
Die Stimme ist ein Musikinstrument, dessen sich alle Menschen ohne die Hilfe von Lehrern, Prinzipien oder Regeln bedienen können.
Die Symphonie des Lebens baut sich auf Motiven aus der Jugend auf.
Die Tugend erfordert Ehrfurcht, und Ehrfurcht ist unbequem; die Tugend fordert Bewunderung, und Bewunderung ist nicht unterhaltend.
Die Unannehmlichkeiten der Ehe nützen dem, der sie auf sich nimmt, aber die Schwierigkeiten des Zölibats nützen niemandem.
Die Unwissenheit ist weniger weit von der Wahrheit entfernt als das Vorurteil.
Die Weltweisen haben gut schwatzen.
Die Zeichnung gibt den Dingen die Gestalt, die Farbe das Leben.
Durch Vernunft, nicht aber durch Gewalt soll man die Menschen zur Wahrheit führen.
Ein Geschichtsschreiber, der seinen Helden Reden unterschiebt, die sie nie gehalten haben, kann ihnen auch Handlungen andichten, die sie nie taten.
Ein Moralgebot ohne jede Unbequemlichkeit gibt es nicht.
Ein Tor ist öfter ein Bösewicht als ein Mann von Geist.
Eine große Lehre, die man oft geben kann, ist das Geständnis der eigenen Unzulänglichkeit.
Eine häßliche Frau ist der beste Zaun um den Garten.
Eine Tugend, die nicht vom Vergnügen begleitet wäre, könnte wohl unsere Achtung finden, nicht aber unsere Zuneigung.
Eine Zeitung muß das Werk einer Gesellschaft von Gelehrten sein; sonst wird man ihn ihr auf jedem Gebiet die gröbsten Schnitzer feststellen.
Einfühlsam zu sein und zu fühlen sind zwei verschiedene Dinge. Das eine ist eine Frage des Herzens, das andere ist eine Frage des Urteilsvermögens.
Es gibt ein geheimes Band zwischen den Frauen; sie hassen einander, aber sie nehmen einander in Schutz.
Es gibt keinen Rat für einen Dummkopf.
Es gibt keinen wahren Reichtum außer dem Menschen und der Erde. Der Mensch ist wertlos ohne die Erde und die Erde wertlos ohne den Menschen.
Es gibt Menschen, von denen man nicht sagen kann, daß sie Gott fürchten, sondern sagen muß, daß sie Angst vor ihm haben.
Es gibt nur eine Leidenschaft, nämlich glücklich zu sein. Sie heißt je nach den Objekten anders: Untugend oder Tugend, gemäß der Heftigkeit, den Mitteln und Effekten.
Es gibt wohl keinen guten Vater, der unserem himmlischen Vater gleichen möchte.
Es ist das Los fast aller Genies: Sie sind nicht auf dem Stand ihres Jahrhunderts, sie schreiben für die kommende Generation.
Es ist hart, ein Bettler zu sein, indessen es so viel reiche Toren gibt, auf deren Unkosten man leben kann, und dann sich selbst verachten zu müssen ist doch auch unerträglich.
Es ist ja so leicht, Geschichten zu erfinden.
Es ist mit der Religion wie mit der Ehe: die Ehe wird so vielen zum Verderben.
Es muß doch eine gewisse Würde mit der menschlichen Natur innig verknüpft sein, die niemand ersticken kann.
Es wäre viel wichtiger, darauf hinzuarbeiten, das Elend zu verhüten, als die Zufluchtsstätten für die Elenden zu vermehren.
Es wird der Welt deshalb nicht schlechter gehen, auch ohne meine Einmischung, und sie wird weder glücklicher, noch unglücklicher sein ohne mich…
Gebt, aber wenn ihr könnt, erspart dem Armen die Scham, seine Hand ausstrecken zu müssen.
Gegen unvernünftige Gesetze werden wir Reden halten, bis man sie bessert, und unterdessen werden wir uns ihnen blindlings unterwerfen.
Gehorsam geloben heißt, dem unveräußerlichen Menschenrecht entsagen, der Freiheit.
Gewöhnlich entsteht die Größe des Charakters aus einem natürlichen Gleichgewicht mehrerer entgengesetzter Eigenschaften.
Gibt es denn Christen? Ich habe noch nie welche gesehen!
Große Namen taugen nur dazu, die Menge zu blenden, die kleinen Geister zu täuschen und den Scharlatanen Stoff für ihr Geschwätz zu liefern.
Halte dir stets vor Augen, daß die Natur nicht Gott, daß ein Mensch keine Maschine und daß eine Vermutung keine Tatsache ist.
Hüten Sie sich in jedem Fall vor der unterstützten und lancierten Mittelmäßigkeit.
Ich mag mich zu einer Wohlthätigkeit nicht hergeben, die so zweideutig aussieht.
Im stillen schreibt sich das Genie wohl ein jeder zu; aber ich glaube doch nicht, daß sie sich unterstünden, es zu bekennen.
Im übrigen haben es diejenigen, die befähigt sind, sich von Vorurteilen zu befreien, nicht nötig, sich belehren zu lassen.
In der Natur fressen sich alle Gattungen, alle Stände fressen dich in der Gesellschaft, wir strafen einer den andern, ohne daß das Gesetz sich dreinmische.
In der Regel bricht der Liebhaber seine Verschwiegenheit, weil er mißvergnügt ist, und dann gerät er leicht in Versuchung, aus Rache zu übertreiben.
In fast allen Ländern hat sich die Grausamkeit des bürgerlichen Gesetzes mit der Grausamkeit der Natur gegen die Frau verbündet.
In vollen Zügen trinken wir die schmeichelnde Lüge, aber nur tropfenweise schlucken wir die bittere Wahrheit hinunter.
Ist der Tagelöhner unglücklich, so ist die Nation unglücklich.
Ist man einmal bis zum Knie gekommen, so hat man nicht mehr weit.
Je älter die Einrichtungen der Dinge, je mehr gibt’s Idiotismen.
Je seltener sie [die Tugend] unter den Menschen ist, desto höher muß sie geschätzt werden. Man lobt sie, doch man tut nichts für sie.
Je unglücklicher die Zeiten sind, um so mehr vermehren sich die Idiotismen.
Jede Tugend, jedes Laster hat seine Zeit und kommt einmal aus der Mode.
Jugend und Schönheit sind gern von sich selbst eingenommen.
Kein Mensch hat von Natur aus das Recht, über andere zu herrschen.
Klosterleben macht Fanatiker oder Heuchler.
Lassen Sie mich lieber jezt ihren Schuzengel, als nachher ihre Trösterin seyn
Leidenschaft zerstört mehr Vorurteile als Philosophie.
Mag nur der Haushalt groß oder klein sein, mindestens eins von dem Paar muß gesunden Menschenverstand besitzen.
Malerei ist die Kunst, die Seele zu bewegen durch Vermittlung der Augen. Wenn der Maler nur bis zu den Augen kommt, hat er nur den halben Weg zurückgelegt
Man eifert endlos gegen die Leidenschaften; man legt ihnen alle Leiden des Menschen zur Last und vergißt dabei, daß sie auch Quelle aller seiner Freuden sind.
Man fragte einmal jemanden, ob es wahre Atheisten gäbe. Glauben Sie, erwiderte er, daß es wahre Christen gibt?
Man kann nicht dramatischer Dichter sein, ohne Herr über die Sprache zu sein.
Man lobt die Tugend, aber man haßt sie, man flieht sie, man läßt sie frieren, und in dieser Welt muß man die Füße warm halten.
Man ruft den Himmel immer nur um eine Entscheidung an, wenn man nicht weiß, wozu man sich entschließen soll, und selten empfiehlt er etwas anderes, als zu gehorchen.
Man sagt, die Liebe raubt denen den Verstand, die welchen haben, und gibt ihn jenen, die keinen haben.
Man weiß, ein Mensch ist ein Schurke, aber das hindert doch nicht, daß man ihn empfängt.
Meine Gedanken sind meine Dirnen.
Mit Schmerzen sollst du Kinder gebären, sagte Gott zu dem pflichtvergessenen Weibe. Aber was haben ihm die Weibchen der Tiere getan, die auch mit Schmerzen gebären?
Nehmt einem Christen die Furcht vor der Hölle, und ihr nehmt ihm seinen Glauben.
Nicht der erregte Mensch, der außer sich ist, kann uns mitreißen; das ist das Vorrecht des Menschen, der sich in der Gewalt hat.
Nichts ist so schwer zu ertragen als eines anderen Verdienst.
Nie werden so viel Kinder gemacht wie in schlechten Zeiten … man tröstet sich bei Nacht gratis für die Nöte des Tages.
Nie zu bereuen und nie anderen Vorwürfe zu machen, das sind die ersten Schritte zur Weisheit.
Noth bricht Eisen
Nur der Böse ist allein.
Ohne einen wohlorganisierten Körper keine Liebe.
Prägnante Sätze sind wie scharfe Nägel, welche die Wahrheit in unser Gedächtnis hineinzwingen.
Sei ein Heuchler, wenn du willst; aber sprich nicht wie ein Heuchler.
Selten wird ein Handwerk rechtlich betrieben, oder wenig rechtliche Leute sind bei ihrem Handwerk.
Sie haben noch schöne zwanzig Jahre ganz allerliebst wegzusündigen.
Sie, die Frauen finden oft das Glück in den Armen eines Mannes, den sie anbeten. Wir dagegen finden es selbst an der Seite einer willigen Frau, die uns mißfällt.
Sokrates oder das Gericht, das ihm den Schierling reichte, wer von beiden ist nun der Entehrte?
Sollten Sie nicht mehr wissen, daß es die erste Bedingniß unsrer Vertraulichkeit war, einander nichts zu verschweigen?
Über die Fehler meines Freundes rede ich nur mit ihm selbst.
Überdruß. Das ist etwas Schreckliches. Der Überdruß in der Liebe und gegen eine Frau!
Überhaupt ist das Symbol der Frauen das der Apokalypse, und auf ihrer Stirn steht geschrieben: Mysterium.
Und wenn eine Frau Genie hat, so prägt es sich bei ihr, wie ich glaube, ursprünglicher aus als bei uns.
Unsere Gegenwart – du lieber Gott, das ist so etwas wie die Bundeslade: wehe dem, der daran rührt.
Unsere Tugenden sind ebenso eigennützig wie unsere Laster.
Vielleicht ist keine Freude auf Erden mit der einer Mutter zu vergleichen, die ihr Erstgeborenes erblickt; aber dieser Augenblick des Glücks wird teuer erkauft.
Von allen Arten Mut gibt’s eine, die die Frauen vor den Männern voraus haben, den gegen Schmerz.
Von der Philosophie zur Gottlosigkeit ist es eben so weit als von der Religion zum Fanatismus, aber vom Fanatismus zur Barbarei ist es nur ein Schritt.
Vorliebe für das Außergewöhnliche ist ein Merkmal von Mittelmäßigkeit.
Während wir in den Büchern lesen, lesen die Frauen im großen Buch der Welt. So befähigt sie gerade ihre Unwissenheit, die Wahrheit ohne Zögern aufzunehmen.
Wahrlich, lieber Leser, du bist eben so streng in deinem Tadel, als du oft in deinem Lobe flüchtig bist.
Was aber wird Gott mit denjenigen machen, die nichts von seinem Sohn gehört haben? Wird er Taube bestrafen, weil sie nichts hören konnten?
Was für eine Komödie wäre diese Welt, wenn man nicht selber eine Rolle darin spielen müßte.
Wenn alles in dieser Welt vortrefflich wäre, so gäbe es gar nichts Vortreffliches.
Wenn die Lüge einen Augenblick nützen kann, so schadet sie notwendig auf die Länge. Im Gegenteil nutzt die Wahrheit notwendig auf die Länge, wenn sie auch im Augenblick schadet.
Wenn ein Räuber den anderen beraubt, so lacht der Teufel dazu.
Wenn es keine Tugend ist, Geist zu haben, so ist es kein Laster, ihn zu entbehren.
Wenn Frauen Genie haben, dann, glaube ich, ist es bei ihnen origineller als bei uns.
Wenn ich weine, finde ich oft, daß ich ein Narr bin.
Wenn man einen falschen Weg einschlägt, verirrt man sich um so mehr, je schneller man geht.
Wenn man leidet, macht man andere leiden.
Wenn wir mehr Verstand haben als die Frauen, so haben sie bestimmt mehr Instinkt als wir.
Wer sie durchschaut, der hat in ihnen einen unerbittlichen Feind.
Weshalb einen Schuldigen bestrafen, wenn man aus seiner Züchtigung keinen moralischen Gewinn ziehen kann?
Wir Weltkinder verstehen uns auf die wunderliche Bedenklichkeiten der Heiligen nicht.
Zahle niemals im voraus, wenn du nicht schlecht bedient sein willst.