Zitate von Christian Friedrich Hebbel

Aber je größer der Mann, um so geringer der Stolz.
Abstrahieren heißt die Luft melken.
Adam und Eva konnten das Paradies nur verlieren, weil es Ihnen geschenkt war.
Ahnenstolz und Völker. Törichter Stolz auf Ahnen! Du bist mir verhaßt an Geschlechtern, aber an Völkern noch mehr.
Alle Belehrung geht vom Herzen aus, alle Bildung vom Leben.
Alle edlen Menschen gehen durch die Hölle des Lebens, die anderen stehen davor und wärmen sich die Hände.
Alle irdische Liebe ist nur der Durchgang zur himmlischen.
Alle Kunst ruht auf dem tiefsten Ernste.
Alle Mittelmäßigkeit der Poesie führt zu Heuchelei in Charakter und Leben.
Alle Regierungen fordern blinden Glauben, sogar die göttliche.
Alle Teilnahme an der Kunst beruht auf der Teilnahme an fremden Existenzen.
Allegorie entsteht, wenn der Verstand sich vorlügt, er habe Phantasie.
Aller Irrtum ist maskierte Wahrheit.
Alles auf Erden gibt sich die Hand nur für kurze Zeit.
Alles für nichts! ist der irdische Imperativ.
Alles geht rasch in unserer Zeit, ausgenommen das Wachsen, was noch immer das alte tempus einhält.
Alles kann man sich denken, Gott, den Tod, nur nicht das Nichts.
Alles Leben ist Kampf des Individuellen mit dem Universum.
Alles Leben ist Raub.
Alles Schreiben läuft auf Mischen hinaus, die Ingredienzien bleiben ewig dieselben. Aber jede neue Zeit ruft ein neues Rezept hervor und jedes neue Rezept eine neue Medizin.
Alles Sprechen und Schreiben heißt Würfeln um den Gedanken. Wie oft fällt nur ein Auge, wenn alle sechs fallen sollten.
Alles Vortreffliche bereichert die Zukunft, ist aber auch ein Raub an ihr, denn nie ist ein gleiches möglich.
Alles wird uns Genuß, so schön ist das Leben gerundet, Selbst der Tod, denn der Schlaf ist der genossene Tod.
Als Gott wegen der Masse Menschen, die aus sich selbst nichts machen können, in Verlegenheit war, da schuf er das Glück.
Als ob alle gotischen Dome von Europa sich ein Stelldichein gegeben auf einer ungeheuer weiten Ebene – so ragten die Gestalten der Nibelungen empor.
Am Regenbogen muß man nicht Wäsche aufhängen wollen.
An kleinen Dingen muß man sich nicht stoßen, wenn man zu großen auf dem Weg ist.
Andre schaffen, damit sie das Leben sich sichern; dem Dichter muß es gesichert sein, eh’ er zu schaffen vermag.
And’re wirken, damit sie ein Dasein sich gründen; der Dichter braucht sein Dasein, bevor er zu wirken vermag.
Anzuschauen ist freilich in Kunst und Leben das Höchste.
Auch das Weltgericht hat Pausen.
Auch eine Krankheit hat ihren Lohn. Die reine Freude am Dasein selbst, nicht an einer Einzelheit desselben.
Auf Anerkennung des vorhandenen Trefflichen basiert sich eigentlich das ganze Gefühl der Menschheit.
Auf einen Menschenfeind – Wie? Die Menschheit willst du, der Wichte wegen, verachten? Bist du denn selbst auch ein Wicht? Oder nicht selbst auch ein Mensch?
Auf Manchen – Freilich tut es dir not, zu schaffen, ich glaub’ es, doch, leider! Tut es der Welt nicht not, daß sie besitzt, was du schaffst.
Auf mein Gesicht glaub’ ich allein ein Recht zu haben.
Auf Selbstgenuß ist die Natur gerichtet, und alle ihre Geschöpfe sind nur Zungen, womit sie sich schmeckt.
Aus aller Befriedigung entsteht Ekel, weil eben in der Spannung der Kräfte allein die Wollust liegt.
Bei dem großen Schriftsteller hat jeder Satz ein Menschengesicht.
Bei einem großen Dichter hat man das Gefühl, daß Dinge emportauchen, die im Chaos steckengeblieben sind.
Beim Beten und Rasieren macht der Mensch ein gleich andächtiges Gesicht.
Beleidigungen sollst du nicht rächen, sondern verhüten.
Beschäftigung, nur Beschäftigung, und man ist geborgen, man weiß so lange nichts von sich, als man etwas tut.
Besser, unter der kahlsten Rebe geboren werden, als im Weinfaß.
Bildung ist ein durchaus relativer Begriff. Gebildet ist jeder, der das hat, was er für seinen Lebenskreis braucht. Was darüber, das ist von Übel.
Bis an den Tod kann jeder ohne Speis und Trank leben; man nennt das aber verhungern.
Blumenkränze entführt dem Menschen der leiseste Westwind. Dornenkronen jedoch nicht der gewaltigste Orkan.
Casanovas Memoiren: Wer noch im 88. Jahre so schreiben konnte, der durfte so leben.
Da, wo die Ehrfurcht fehlt, fehlt alles.
Das Aufbrausen ist die Lebensäußerung des Zorns und zugleich sein Tod.
Das Auge ist der Punkt, in welchem Seele und Körper sich vermischen.
Das Auge: ein Verkleinerungsglas nach innen.
Das böse Gewissen des Menschen hat die Tragödie erfunden.
Das Christentum schlägt den Menschen tot, damit er nicht sündigen kann, wie jener verrückte Bauer sein Pferd, damit es ihm die Saat nicht zertrete.
Das Drama schildert den Gedanken, der Tat werden will durch Handeln und Dulden.
Das Drama soll keine neuen Geschichten bringen, sondern neue Verhältnisse.
Das ganze Leben ist ein verdaulicher Widerspruch.
Das Gefühl kann erheuchelt werden, der Gedanke nicht.
Das Genie ist der Fühlfaden seiner Zeit.
Das Gewissen ist die Wunde; die nie heilt und an der keiner stirbt.
Das Gewissen ist mir statt eines Weibes: es redet mir in alles hinein.
Das Glück ist die Ausnahme von Regel und Gesetz und widerlegt darum keine und keins.
Das Haar in der Suppe – Mancher findet nur darum ein Haar in jeglicher Suppe, Weil er das eigene Haupt schüttelt, so lange er ißt.
Das Herz ist der Magnet aller Leiden.
Das Herz ist zuweilen ebensogut wahnsinnig wie der Geist.
Das Herz macht des Menschen Glück oder Unglück; nicht sein Verdienst.
Das Ideal. Es gibt keins, als die verschwundene Realität der Vergangenheit.
Das ist die Kunst, sich nicht auslernen lassen, ewig ein Geheimnis bleiben!
Das ist Menschenlos, – bald fehlt uns der Wein, bald fehlt uns der Becher.
Das Komma zieht den Frack an und lächelt stolz und selbstgefällig auf den Satz herab, dem es doch allein seine Existenz verdankt.
Das Leben borgt seinen höchsten Reiz vom Tode; es ist nur schön, weil es vergänglich ist.
Das Leben der meisten ist ein Fliehen aus sich selbst heraus.
Das Leben ist die Kategorie der Möglichkeit. Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.
Das Leben ist ein beschneites Feuerwerk.
Das Leben ist ein ewiges Werden. Sich für geworden halten, heißt sich töten.
Das Leben ist ein Traum, der sich selbst bezweifelt.
Das Leben ist eine in siebenfaches Goldpapier eingewickelte Bittermandel.
Das Leben ist eine Plünderung des inneren Menschen.
Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.
Das Leben ist nur ein anderer Tod. Des Lebens Geburt, nicht Ende, ist der Tod.
Das Leben ist nur ein Augen-Öffnen und Wieder-Schließen. Darauf kommts an, was man in der kleinen Mittelpause sieht.
Das nächste Ziel mit Lust und Freude und aller Kraft zu verfolgen, ist der einzige Weg, das Fernste zu erreichen.
Das Publikum beklatscht ein Feuerwerk, aber keinen Sonnenaufgang.
Das Publikum muß hingenommen werden wie jedes andere Element.
Das Schicksal ist die Idee der Welt.
Das Schlimmste, was von einem einzelnen ausgeht, scheint oft notwendig fürs allgemeine.
Das Sein ist eine aus lauter Knoten bestehende Linie.
Das Steckenpferd ist das einzige Pferd, das über jeden Abgrund trägt.
Das Steigen hat seine Grenzen, aber nicht das Fallen.
Das Tunkönnen ist oft die Strafe für das Tunwollen.
Das Unglück gebiert nur Zwillinge.
Das Unglück macht den längsten Weg mit einem Schritt.
Das Unsichtbare, das mich leitet und schult, fragt nicht, ob und wann ich mag.
Das Urteilen der Menschen ist ein vergleichendes Anatomieren.
Das Volk ist verächtlich, wenn es auszieht mit Waffen und Schwertern. Furchtbar ist das Volk, wenn es sich demütigt von Gott.
Das Volk wird im Fluchen und Schimpfen poetisch.
Das Volk wird nicht bloß geschunden; es ist dahin gebracht, daß es sich selbst schinden muß.
Das Weib im Mann zieht ihn zum Weibe; der Mann im Weibe trotzt dem Mann.
Das Weib ist wie ein Weinstock, soll er Trauben bringen, so darf er nicht bluten.
Das Weib, sobald es ein Kind hat, liebt den Mann nur noch so, wie er selbst das Kind liebt.
Das Wort ‘Wenn’ ist das deutscheste aller deutschen Worte.
Daß Böses aus Gutem entstehen kann, ist begreiflich, wie aber Gutes aus Bösem?
Daß der Mensch, der doch die Wahrheit so flieht, den Spiegel erfunden hat, ist die größte historische Merkwürdigkeit.
Daß die Schmerzen miteinander abwechseln, macht das Leben erträglich.
Daß ein Bösewicht nie bei kleinen Verbrechen stehenbleibt, sondern immer zu größeren vorschreitet – spricht dies gegen den Bösewicht?
Daß ihr euch selbst nicht erkennt, das scheint euch so sehr zu bekümmern; Menschen, ihr lebt nur dadurch, daß ihr nicht wißt, was ihr seid!
Dein Charakter ist das Wort, das du der ganzen Welt gibst. Wirst du also deinem Charakter ungetreu, so brichst du der ganzen Welt dein Wort.
Deine Tugenden halte für allgemeine der Menschen, deine Fehler jedoch für dein besonderes Teil!
Dem Egoismus muß der Egoismus an anderen am scheußlichsten vorkommen, denn an jedem findet der Egoistische etwas, was ihm dienen könnte, und was jener festhält.
Den Augenblick immer als den höchsten Brennpunkt der Existenz, auf den die ganze Vergangenheit nur vorbereitete, ansehen und genießen, das würde Leben heißen!
Den Ort, wo sich die geliebten Toten befinden, weiß ich nicht; den, wo sie sich nicht befinden, weiß ich: das Grab.
Den Schlechtesten selbst sollte man womöglich vor der Überzeugung schützen, daß er schlecht sei. Schon mancher ist schlecht geworden, weil er sich zu früh für schlecht hielt.
Den Schmerz wie einen Mantel um sich schlagen.
Den Stoff des Dramas bilden Fabel und Charaktere.
Der Astronom studiert im Himmel die Wunder der Schöpfung; der Bauer schaut hinauf, ob’s wohl Regen gibt.
Der Baum muß seine Früchte nicht bezahlt haben wollen. Mit denen bezahlt er selbst.
Der Deutsche hat den Mund zuerst zum Trinken, der Franzose zum Schwatzen und der Spanier zum Gähnen gebraucht.
Der Deutsche ist der geborene Infinitiv, er läßt sich deklinieren.
Der Dichter, der den Weltzustand, wie er ist, aufdeckt, muß nicht Liebe von seinen Zeitgenossen fordern. Wann hätten die Leute denn ihren Henker geküßt!
Der echte Mann hat, wenn ihm eine Hoffnung fehlschlägt, nur eine Freude weniger, keinen Schmerz mehr.
Der einzelne kann sich der Welt gar nicht gegenüberstellen, ohne sein kleines Recht in ein großes Unrecht zu verwandeln.
Der Fleiß bringt heimlichen Segen, wenn du arbeitest mit Lust.
Der Gedanke ist Allgemeingut und, im Gegensatz zum Gefühl, um so weniger wert, je mehr er an den Boden erinnert, auf dem er gewachsen ist.
Der Gedanke ist das Produkt der Individualität.
Der Geist wird wohl die Materie los, aber nie die Materie den Geist.
Der Genuß des Humors setzt höchste geistige Freiheit voraus.
Der Geschmack einer Nation geht dem Genius nie voraus, sondern hinkt ihm beständig nach.
Der Greis wird wieder Kind, aber ein Kind für jene Welt.
Der Humor ist nie humoristischer, als wenn er sich selbst erklären will.
Der Hund ist der sechste Sinn des Menschen.
Der ich bin grüßt trauernd Den, der ich könnte sein!
Der Jugend vergebe ich lieber tausend Sünden als gar keine.
Der Krieg ist die Freiheit gewisser Barbaren, darum ist es kein Wunder, daß sie ihn lieben.
Der Künstler hat lauter Kugelgestalten im Kopf, der gewöhnliche Mensch lauter Dreiecke.
Der Kuß ist der Vulkan des Herzens.
Der Mann traf die Frau im Ehebruch. “Freund”, rief sie ihm entgegen, “ich wollte mich bloß überzeugen, daß du in allen Dingen einzig bist.”
Der Mensch dachte sich sein eignes Gegenteil; da hatte er seinen Gott.
Der Mensch gerät in große Gefahr, wenn er seine einseitig gewonnene Erfahrung zum allgemeinen Maßstab seines Urteils und zum Prinzip seines Handelns macht.
Der Mensch hält sein Seufzen gern für das Echo der Welt.
Der Mensch hat freien Willen – das heißt, er kann einwilligen ins Notwendige.
Der Mensch hat mehr Trieb als Fähigkeit, gerecht zu sein.
Der Mensch ist der beste, der nur die Fehler hat, die die Zeit von selbst wegnimmt.
Der Mensch ist ein Blinder, der vom Sehen träumt.
Der Mensch ist eine Bestie, und er hat seine Kultur vollendet, sobald er sich nur nichts mehr darauf einbildet, daß er es ist.
Der Mensch ist eine vollständige Menagerie.
Der Mensch ist in der Welt, was Belladonna oder Eisenhut Im Pflanzenbeet.
Der Mensch ist was er denkt, was er denkt, strahlt er aus. Was er ausstrahlt, zieht er an.
Der Mensch ist weniger er selbst, als der Begriff von sich.
Der Mensch kann die Natur nicht erreichen, nur übertreffen; er ist entweder über ihr oder unter ihr.
Der Mensch kann nichts Gemeines tun, er kann nur gemein denken und empfinden. Seine Handlungen selbst sind nur Stoff, an welchem sein Innres sich bewährt.
Der Mensch liebt es, an sich zu experimentieren, anstatt sich ruhig zu entwickeln. Es kann zu etwas führen, ist aber sehr riskant.
Der Mensch muß sich durchs Leben drängen, wie die sich entwickelnde Blume durch den Kot.
Der Mensch soll seine Atmosphäre immer mitbringen.
Der Mensch sollte sich selbst immer als ein Experiment der Natur betrachten.
Der Mensch verwandelt ein kleines Recht dadurch, daß er es zu eifrig verfolgt, sehr oft in ein großes Unrecht.
Der Mensch will brutto geliebt werden, nicht netto.
Der Name ist heutzutage das einzige, welches die Menschen am Teufel nicht mögen.
Der Neidische wird ärmer, wenn er andere reicher werden sieht.
Der Pedantismus wurzelt im Herzen, nicht im Geist.
Der Philister hat oft in der Sache recht, nie in den Gründen.
Der Schlaf ist die Nabelschnur, durch die das Individuum mit dem Weltall zusammenhängt.
Der Schmerz ist der geheime Gruß, Durch den die Seelen sich verstehn.
Der Schmerz ist ein Eigentum wie das Glück und die Freude.
Der Schmerz liegt in der Dauer, die Freude im Augenblick.
Der Schmerz zwingt den Menschen zur Aufmerksamkeit auf die verwundete Stelle.
Der singt! Wie seltsam, daß in dieser Welt noch einer singt!
Der sogenannte Ernst des Lebens läuft bei den meisten darauf hinaus, sich die Genuß- und Luxusmittel zu verschaffen.
Der Staat beruht so wenig auf einem bloßen Vertrag als der Mensch.
Der Tag ernährt seinen Mann immer, das Jahrhundert den seinigen selten.
Der Teufel ist allenthalben, nur da nicht, wo man ihn sucht.
Der Teufel ist für die Erwachsenen, was der Schornsteinfeger für die Kinder.
Der tiefe Mensch arbeitet in Gesellschaft, genießt in Einsamkeit.
Der Tod begeht keine Fehler, wenigstens macht er keinen wieder gut.
Der Tod ist der beste Bleicher, die Scham der beste Maler.
Der Tod zeigt dem Menschen, was er ist.
Der Traum als Prophet – Was dir begegnen wird, wie sollte der Traum es dir sagen? Was du tun wirst, das zeigt er schon eher dir an.
Der Traum ist der beste Beweis dafür, daß wir nicht so fest in unserer Haut eingeschlossen sind, wie es scheint.
Der Utopist sieht das Paradies, der Realist das Paradies plus Schlange.
Der Verstand macht so wenig die Poesie wie das Salz die Speise, aber er gehört zur Poesie wie das Salz zur Speise.
Der wahre Schmerz ist schamhaft.
Der Weg zu dir führt durch das Ganze.
Der Witz ist das einzige Ding, was umso weniger gefunden wird, je eifriger man es sucht.
Der Zufall ist ein Rätsel, welches das Schicksal dem Menschen aufgibt.
Des Lebens schlimmste Krankheit ist’s, daß wir noch wissen, was wir waren, wenn wir längst es nicht mehr sind. Da wollen wir zurück in uns’re Wurzeln kriechen, doch umsonst.
Des Menschen Glück ist nicht an seine Kraft, sondern an seine Laune geknüpft.
Dichten heißt, sich ermorden.
Die allgemeinen Schmerzen als persönliche fühlen: großes Unglück!
Die Alten kannten nur Tag und Nacht; wir kennen nur Dämmerung.
Die Ausübung der Gerechtigkeit in ihrer jetzt schon seit Jahrtausenden bestehenden Gestalt ist die stete Anhäufung von Blutschuld auf unserem Geschlecht.
Die Begriffe der Menschen von den Dingen sind meistens nur ihre Urteile über die Dinge.
Die Bestialität hat jetzt Handschuhe über die Tatzen gezogen! Das ist das Resultat der ganzen Weltgeschichte.
Die Dankbarkeit soll eine der schwersten Tugenden sein. Eine noch schwerere möchte sein, die Ansprüche auf Dank nicht zu übertreiben!
Die dümmsten Schafe sind immer zugleich die reißendsten Wölfe.
Die Edelsten leiden den meisten Schmerz. Auch der Schmerz wählt den besten Boden.
Die Ehe gibt dem Einzelnen Begrenzung und dadurch dem Ganzen Sicherheit.
Die Ehre, einmal erkrankt und dann nicht rasch geheilt, steht niemals wieder von den Toten auf.
Die Eifersucht nimmt zu, wie die Schönheit abnimmt.
Die Eitelkeit ist im höheren Menschen das erhaltende, im niederen das zerstörende Prinzip.
Die Eitelkeit verläßt selbst der Selbstmörder nicht. Keiner wird sich erhängen, der sich noch erschießen kann.
Die Entfernung verkleinert alles Physische und vergrößert alles Moralische.
Die Erde treibt ihre Blumen, wenn das Erbeben auch schon vor der Tür ist.
Die Freude macht den Menschen gesellig, der Schmerz entfremdet ihn von den andern.
Die Freude verallgemeinert, der Schmerz individualisiert den Menschen.
Die Freundschaft der meisten Menschen ist nur eine Vorbereitung auf die Feindschaft.
Die Frucht des Baums ist nicht für den Baum.
Die Gemeinschaft Gottes mit den Menschen ist eine Wirklichkeit, die sich nicht beweisen, aber erfahren läßt.
Die Geschichte der Menschheit macht zuweilen den Eindruck auf mich, als ob sie der Traum eines Raubtiers wäre.
Die Geschichte ist das Bett, das der Strom des Lebens sich selbst gräbt.
Die Geschichte ist die Kritik des Weltgeistes.
Die Geschichte ist für den Dichter ein Vehikel zur Verkörperung seiner Anschauungen und Ideen, nicht aber ist umgekehrt der Dichter der Auferstehungsengel der Geschichte.
Die größte Torheit ist’s, gebeugt ins Leben einzutreten. Das Leben ist dem Widerstreben geweiht. Wir sollen uns aufrichten, so hoch wir können, und so lange, bis wir anstoßen.
Die Höhe der Kultur ist die einzige, zu der viele Schritte hinaufführen und nur ein einziger herunter.
Die im Leben glücklich Gestellten sollten wissen oder bedenken, daß die Not die Fühlfäden des inneren Menschen nicht abstumpft, sondern verfeinert.
Die Individualität ist nicht sowohl Ziel als Weg und nicht sowohl bester als einziger. Augen und Stimme sind verwandt.
Die Jugend ist freier vom Neide wie jedes andere Alter! Warum? Weil sie nicht weiß, wie schwer man die Güter auf Erden erwirbt.
Die Jungen glauben, mit ihnen beginnt die Welt; die Alten denken, mit ihnen hört sie auf – ich weiß nicht, was schlimmer ist.
Die Kette des Kolumbus klirrt durch die ganze Weltgeschichte.
Die Klauen sind dem Adler nie zur Last.
Die Kraft zum Leben fängt immer an, wo die Kraft zum Leben aufhört.
Die Krone drückt nur den nicht, dem’s an Verstand gebricht, um sie zu fühlen und am Gewissen, ihr genug zu tun.
Die Krone macht die Teufel, die den Menschen zu allem Bösen reizen, doppelt stark und doppelt schwach die Engel, die ihn warnen.
Die Kunst hat es mit dem Leben, dem innern und äußern, zu tun, und man kann wohl sagen, dass sie beides zugleich darstellt, seine reinste Form und seinen höchsten Gehalt.
Die Kunst ist das Gewissen der Menschheit.
Die Kunst ist es, die das Leben erweitert, die es dem beschränkten Individuum vergönnt, sich in das Fremde und Unerreichbare zu verlieren; dies ist ihre herrlichste Wirkung.
Die Kunst zu leben besteht in dem Vermögen, die Reste der Vergangenheit zu jeder Zeit durchstreichen zu können.
Die Leute machen aus der Feuerkohle, an der sie sich verbrannten, gern einen Vesuv.
Die Liebe ist der Kern des Menschen.
Die Liebe ist ein Gut, was allen anderen den Schein abstreift.
Die lyrische Poesie hat etwas Kindliches, die dramatische etwas Männliches, die epische etwas Greisenhaftes.
Die Masse macht keine Fortschritte.
Die meisten Erfahrungen über mich selbst habe ich in Augenblicken gemacht, wo ich die Eigentümlichkeiten anderer Menschen erkannte.
Die meisten Menschen sind nur so lange gut, als sie andere für gut halten; sie wollen nicht geben, sie wollen nur eine Schuldigkeit abtragen.
Die meisten sind der Schönheit gegenüber Feuer, die wenigsten Verehrer.
Die meisten unserer Kritiker sind nur deshalb Scharfrichter geworden, weil sie keine Könige werden konnten.
Die Menschen helfen lieber dem, der ihrer Hilfe nicht bedarf, als dem, welcher sie nötig hat.
Die Menschheit hat immer ein höchstes Haupt, aber wie selten kennt sie ihren König!
Die Menschheit läßt sich keinen Irrtum nehmen, der ihr nützt. Sie würde an Unsterblichkeit glauben, und wenn sie das Gegenteil wüßte.
Die menschliche Seele ist doch ein wunderbares Wesen, und der Zentralpunkt aller ihrer Geheimnisse ist der Traum.
Die Mutter an die Tochter Fehlt dir auch nur ein Laub an deinem Myrthenkranz, So ist dein Zauber hin, du bindest keinen ganz.
Die Natur ist dem Menschen dafür eine Entschädigung schuldig, daß sie ihn mit dem Gedanken des Todes belastet hat.
Die negative Tugend: der Gefrierpunkt des Ich.
Die Oper ist der entschiedenste Bruch mit der gemeinen Illusion und wirkt doch.
Die Pinselstriche sehen statt des Gemäldes.
Die Poesie gehört dem Leben an und ist aufs Leben verwiesen.
Die Rache hat keine Grenzen, denn die Sünde hat keine.
Die reiche, große Welt ging in das bißchen ausgespannte Haut, worin wir stecken, nicht hinein; wir erhielten Augen, damit wir stückweise einschlucken können.
Die schwarzen Schatten unserer bösen Taten werden länger, wenn der Abend kommt.
Die sogenannte Freiheit des Menschen läuft darauf hinaus, daß er seine Abhängigkeit von den allgemeinen Gesetzen nicht kennt.
Die Strafe des Individualisierungsaktes ist, dass sich jetzt alles hasst und verfolgt, was sich lieben sollte.
Die Sucht, ein großer Mann zu werden, macht manchen zum kleinsten Mann auf Erden!
Die Trennung zwischen Drama und Theater ist unnatürlich, sie sollte nicht sein.
Die Veilchen will ich zum Strauße gereiht, aber die Rose allein.
Die Weiber haben den Zweck, jung zu sein!
Die Weiber kennen keinen Gott, als den Gott der Liebe, und kein Sakrament, als das Sakrament der Ehe.
Die Weiber wollen keine Verhältnisse, als ewige.
Die Welt ist Gottes Sündenfall.
Die Welt ist schon rund, aber jeder muss sie von neuem umsegeln, und wenige kommen herum.
Die Welt soll aus Nichts gemacht sein. Sie ist vielmehr aus Dreck gemacht.
Die Welt verliert (im Toten) nur einen Menschen; aber der Mensch verliert die Welt.
Die Zeiten ändern sich. Und noch viel mehr die Menschen.
Diejenigen Berge, über die man im Leben am schwersten hinwegkommt, häufen sich immer aus Sandkörnchen auf.
Doch sind die Pausen, wo der Geist ruht, wohl nicht ganz zu verachten.
Du mußt bedenken, daß eine Lüge dich nicht bloß eine Wahrheit kostet, sondern die Wahrheit überhaupt.
Du siehst die leuchtende Sternschnuppe nur dann, wenn sie vergeht.
Du trägst ja selbst die Chronik im Gesicht.
Durchbohrt mir erst mein Herz, dann sprecht: Er hat ja keins.
Egoisten sind alle. Der schlimmste aber ist jener, Welcher nicht glaubt, es zu sein, weil es an Maß ihm gebricht.
Eigensinn ist das wohlfeilste Surrogat für Charakter.
Ein Arzt hat eine Aufgabe, als ob ein Mensch in einem dunklen Zimmer in einem Buche lesen sollte.
Ein Dichter, der keinen Gedanken fallen lassen kann, ist wie ein Bildhauer, der aus Liebe zum Marmor-Block nicht zum Wegmeißeln des überflüssigen Materials käme.
Ein Dieb, der nicht gleich gehenkt wird, macht auf Würde Anspruch.
Ein einziger Tropfen genügt, eine Seele, die in Schmerz erstarrte, in Wonne zu lösen.
Ein Gefangener ist ein Prediger der Freiheit.
Ein Geizhals gönnt sich einen Genuß und liest in einem Kochbuch.
Ein genesender Greis: es wird dir vergönnt, dich auf dem Wege aus der Welt noch einmal umzusehen.
Ein Gott, dessen der Mensch, den er geschaffen, noch bedürfte, müßte doch ein recht trauriger Gott sein.
Ein halber Sieg der Idee ist schlimmer als eine völlige Niederlage.
Ein Kind ist für die Eltern die natürliche Ablenkung von der Eigenliebe.
Ein König versichert seinen Untertanen so lange, er sei liberal, bis sie sich erfrechen, es ihm zu glauben.
Ein Mädchen vor dem Spiegel ist die Frucht, die sich selber ißt.
Ein Maitag ist ein kategorischer Imperativ der Freude.
Ein Mann fühlt nie so sehr, wie viel er wert ist, als an Weibesbrust.
Ein Mann mag dem andern seine Feigheit vergeben, nimmer ein Weib. Verzeihst du’s der Stütze, daß sie bricht?
Ein Mann mit einer neue Idee gilt solange als verschroben, bis er Erfolg hat.
Ein Mann muß scheiden, eh’ ins Auge ihm die Tränen treten.
Ein Mensch spiegelt sich im anderen: Liebe.
Ein Mittel, das unter allen Umständen wirken soll, muß aus dem erkrankten Individuum selbst gewonnen werden.
Ein schönes Mädchen loben ist so viel als eine Blume begießen.
Ein toter Körper wiegt ebensoviel wie ein lebendiger, die Seele fügt dem Gewicht keine Unze zu.
Ein vollkommener Nihilist, der in sich alle Unterschiede zwischen Gut und Bös aufgehoben hat, kann alles werden, auch – Polizeispion!
Ein Wohltäter hat immer etwas von einem Gläubiger.
Eine Frau wird älter, aber nicht alt.
Eine Reise ist ein Trunk aus der Quelle des Lebens.
Eine Welt, worin ein Hund auch nur ein einziges Mal Prügel bekommen hat, ohne sie verdient zu haben, kann keine vollkommene Welt sein.
Einem warf ich im Schiffbruch ein Brett zu. Vom Tode gerettet, Sprach er: Was kostet das Brett? Dankbar bezahl’ ich das Holz!
Einen Menschen zum bloßen Mittel herabzuwürdigen: ärgste Sünde!
Einer, der sich selbst nicht wahr ist, wird sich nie einreden lassen, ein anderer sei wahr.
Einfälle sind die Läuse der Vernunft.
Einige Menschen sind die Barbiere ihres Jahrhunderts; einige Jahrhunderte die Barbiere der Zeit.
Er übertrifft sich selbst! Was freilich in den meisten Fällen sehr leicht ist.
Erkenntnis und Empfindung gehen immer Hand in Hand.
Erst wenn der Mensch erwacht, räumt er dir ein, daß er geschlafen hat.
Erwerben ist unendlich mehr als erben.
Es gebe sich nur jemand her zum Ideal des Philisters, er wird schnell Anerkennung finden.
Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.
Es gibt auch Spiegel, in denen man sehen kann, was einem fehlt.
Es gibt Bühnenstücke, denen gegenüber nur das Publikum durchfallen kann.
Es gibt Dinge, die man bereut, bevor man sie tut, und doch tut.
Es gibt ein Leid, für das der Trost zu klein.
Es gibt ein sicheres Zeichen der Selbsterkenntnis: wenn man an sich selbst mehr Fehler bemerkt als an anderen.
Es gibt keine reine Wahrheit, aber ebensowenig einen reinen Irrtum.
Es gibt keinen ärgeren Tyrannen als der gemeine Mann im häuslichen Kreise.
Es gibt keinen Weg zum Z, der nicht am A vorbeiführt.
Es gibt Leute, denen man, wenn sie den einen Stiefel schon anhaben, nicht unbedingt zutrauen darf, daß sie auch den zweiten anziehen werden.
Es gibt Leute, die heute Sozialisten und Rebellen sind und morgen Verwaltungsräte. Die sind Personifikationen der Seelenwanderung.
Es gibt Leute, die sich ganz gemütlich vom Turm herunterstürzen, weil sie erwarten, daß ihnen während des Falls Flügel wachsen.
Es gibt Leute, die sich über den Weltuntergang trösten würden, wenn sie ihn nur vorhergesagt hätten.
Es gibt Lichter, die alles bescheinen, nur nicht den eigenen Leuchter.
Es gibt Menschen, die nicht mit sich, sondern mit ihren Bekannten renommieren.
Es gibt Menschen, die nichts haben als die Kraft, sich zu entschließen, und die doch dadurch schon viel haben.
Es gibt Menschen, die sind Lieder.
Es gibt nichts, das der Geist völlig ausdenken kann, und so sind wir Lichter, die eigentlich nur sich selbst erleuchten.
Es gibt nur eine Sünde, die gegen die ganze Menschheit mit all ihren Geschlechtern begangen werden kann, und dies ist die Verfälschung der Geschichte.
Es gibt so viele Dinge von denen ich wünschen muß, sie als Kind gesehen, gehört, erlebt zu haben. Gewiß wäre ich dann etwas ganz anderes geworden.
Es gibt Sprachen, in denen die poetischen Gedanken erfrieren. (4821)
Es gibt Verbrechen, die von selbst straflos werden, wenn Tausende sie begehen.
Es gibt Verse in unserer neuen deutschen Literatur, die selbst dann noch nicht entschuldigt wären, wenn es in den Zehn Geboten hieße: Du sollst Verse machen!
Es gibt Zeiten, in denen der Mensch durchaus nur seiner eigenen Bildung nachgehen kann; je höher er diese aber steigert, je unfähiger wird er für den Verkehr mit der Welt.
Es gleicht, wer jedem zu raten, statt einem zu helfen, wählt, einer tüchtig sausenden Mühle, der es an Steinen fehlt.
Es ist am Ende der Religion das beste, daß sie Ketzer hervorruft.
Es ist der Fluch der Vornehmen, daß sich ihnen die höchsten irdischen Genüsse in kahle, schale Bedürfnisse, die sie nimmer befriedigen können, umsetzen.
Es ist der größte Übelstand, daß es in unseren Zeiten keinen Dummkopf mehr gibt, der nicht etwas gelernt hätte.
Es ist der Vorzug aller höheren Naturen, daß sie die Welt mit allen ihren Einzelheiten immer symbolisch sehen.
Es ist die Strafe unserer eignen Jugendsünden, daß wir gegen die unserer Kinder nachsichtig sein müssen.
Es ist ein anderes, ob der Weltapfel dein Apfel ist oder der Apfel des Apfelbaums.
Es ist ein bedeutender tragischer Zug des Lebens, daß derjenige, der ein Verbrechen straft, dadurch meistens selbst zum Verbrecher wird.
Es ist ein Unterschied zwischen einem Mann von Bedeutung und einem Mann, der etwas bedeutet.
Es ist eine Hauptsache das zu Hause zu haben, was man außer dem Hause selten findet: Freude.
Es ist eine Torheit, sich nicht zu betrinken, weil die Nüchternheit auf die Trunkenheit folgt.
Es ist eine Wahrheit, von der sich jeder möglichst früh zu überzeugen suche, daß sich im Leben nichts nachholen läßt.
Es ist immer noch besser, nichts zu tun, als sich mit nichtigen Dingen zu beschäftigen.
Es ist leicht zu sagen: Ich bin nicht Kaiser von Österreich; wenn man hinzusetzen darf: Ich bin Kaiser von Russland.
Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Aber es glänzt auch nicht alles, was Gold ist.
Es ist öde, nichts ehren zu können als sich selbst.
Es ist schlimm, das Ideal hinter sich zu haben.
Es ist unglaublich, wieviel Geist in der Welt aufgeboten wird, um Dummheit zu beweisen.
Es läßt sich im Leben nichts, gar nichts nachholen, keine Arbeit, keine Freude, ja sogar das Leid kann zu spät kommen.
Es wäre doch so unmöglich nicht, daß von der Läuterung des Einzelnen auch für das Ganze etwas abhinge, und mehr, als man sich im ersten Augenblick bei diesen Worten denkt.
Festhalten kannst du den Frühling nicht, aber ihn plündern.
Flechtet keinen Lorbeerkranz zu groß!
Fordert das Leben von mir das Unmögliche, so erdrückt es mich entweder, oder – es ist nicht das Unmögliche gewesen. In jedem Falle soll ich alles aufbieten, was an Kraft in mich gelegt ist.
Frag dich selbst, ob du die Krone möchtest, wenn du sie nur im Dunkeln tragen solltest.
Freuden, die er nicht begreift, haben etwas Gespenstisches für den Menschen.
Freund, der himmlische Richter wird nimmer schon darum dich krönen, weil dich der ird’sche nicht hing.
Freunde hast du so viel wie Tage im Jahr, nur leider schließt hier der Plural immer den Singular aus.
Freundschaft und Liebe erzeugen das Glück des menschlichen Lebens wie zwei Lippen den Kuß, welcher die Seele entzückt.
Für den großen Ehrgeiz ist die Erde zu klein.
Für einen vorzüglichen Witz soll man eine Million gewöhnlicher Jamben hergeben.
Für meinen Nächsten würde oft dabei wenig herauskommen, wenn ich ihn liebte, wie mich selbst.
Für uns Menschen muß überall der Punkt, bis zu dem wir vordringen können, anstatt der Wahrheit gelten.
Geduld ist bitter
Gefahr versteinert Hasen und erzeugt Löwen.
Gefühl ist das unmittelbar von innen heraus wirkende Leben. Die Kraft, es zu begrenzen und darzustellen, macht den lyrischen Dichter.
Gemüt ist der Brei, den anständige Leute jetzt allein essen.
Genie ist Bewußtseyn der Welt.
Genie ist das Bewußtsein in der Welt.
Genie ist Intelligenz der Begeisterung.
Geschminkte Asche das Leben und stäubende Asche der Tod und ein Wirbelwind hinterdrein, der die Asche in jeglicher Gestalt ins Leere treibt.
Gewisse moderne Autoren machen Toilette vor dem Publikum und bilden sich ein, die große Unverschämtheit sei eine große Tat.
Glaube ist nicht dunkle, sondern vielmehr hellste Wirksamkeit des Geistes, er umklammert mit Sicherheit das außer dem Kreis der Sinne liegende Verwandte.
Glaube, Liebe, Hoffnung: glaube! liebe Hoffnung!
Glaubt ihr, es ist mir verhaßt, wenn alle Winde ihn zausen? Nein, mir gebührt nur das Blatt, was sie ihm lassen, mit Recht.
Glück, GenMan hat nur dann ein Herz,
Glück, sie nennen dich blind und werden nicht müde zu schelten. Frage doch endlich zurück: Könnt ihr denn selber auch sehn?
Gott ist alles, weil er nichts ist, nichts Bestimmtes.
Gott schickt ein Unglück dir ins Haus: Mach du dir selbst ein Glück daraus.
Gott versteckt sich hinter dem, was wir lieben.
Gott war sich vor der Schöpfung selbst ein Geheimnis, er mußte schaffen, um sich selbst kennen zu lernen.
Götter ich ford’re nicht viel! Ich will die Muschel bewohnen, Aber ich kann es nur dann, wenn sie der Ocean rollt.
Groß ist, den man fürchtet, auch wenn er nicht droht.
Große Menschen fühlen die Weltgesetze stärker als andere; daher kommt ihre Kraft und ihr Mut.
Große Menschen sind Inhaltsverzeichnisse der Menschheit.
Große Talente kommen von Gott, geringe vom Teufel.
Große Talente sind Gaben, sittliche Kraft aber ist Erwerb.
Halt nicht zu fest, was du gewannst, Und schlag’s dir aus dem Sinn, Denn eh’ du’s recht beweinen kannst, Bist du schon selbst dahin!
Halte das Glück wie einen Vogel, so leise und lose wie möglich. Dünkt er sich selber nur frei, bleibt er dir gern in der Hand.
Hat dir der Tag was gebracht? fragt sich am Abend der Jüngling; Hat dir der Tag was geraubt? fragt sich der Mann und der Greis.
Hüben und Drüben – Wer langes Leben wünscht im irdischen Gewimmel, Der weiß nicht, was er tut: er kürzt sich ja den Himmel.
Humor ist Erkenntnis der Anomalien.
Ich betrachte den Frühling, als ob er zu mir käme, um dankbarer zu sein.
Ich bin fremd in eurer Welt, und wie die meine euch erschrecken würde, wenn ihr sie beträtet, so ängstigt mich die eure.
Ich bin überzeugt, aufs Innigste überzeugt, das Leben ist auf Dauer gegen niemanden ungerecht.
Ich halte es für schwerer, das Vaterunser zu beten, als alle Schlachten Napoleons zu gewinnen.
Ich hörte stets, daß Liebe kurze Lust Und langes Leid zu bringen pflegt.
Ich kann alles, nur das nicht, was ich muß.
Ich kann den Umgang aller Menschen entbehren, aber ich kann mich gegen keinen einzigen, mit dem ich umgehe, verschließen.
Ich kann mir eine humoristische Weltgeschichte denken, aber nur das größte Genie kann und wird sie schreiben. Es ist die letzte Aufgabe der Poesie.
Ich kann nichts tun, wozu mich nicht die Begeisterung oder ein volles und bewegtes Herz treibt.
Ich sage oft zum Leben: gieb’ mir nicht so viel, damit du mir nicht so viel nehmen kannst.
Ich treib’ die Sünde bis zum Äußersten, nur um zu sehen, ob’s auch Sünde war.
Ich verstehe die Welt nicht mehr!
Ich werde nie zum Frühling sagen: Verzeihen Sie, Sie haben dort ein welkes Blatt! Oder zum Herbst: Nehmen Sie es ja nicht übel, aber dieser Apfel ist nur zur Hälfte rot.
Ich will aufhören, an Gott zu glauben, wenn ich sehe, daß ein Baum ein Gedicht macht und ein Hund eine Madonna malt.
Ich will meiner Not nichts verdanken als meinem Charakter.
Ihr verhindert keinen Frevel, aber jeden rächt ihr.
Im Dichter wird der Schmerz der Menschheit Musik.
Im größten Schmerz ist es noch Wonne, seiner fähig zu sein.
Im Grunde trägt jeder die ganze Welt.
Im religiösen Menschen wird der Schmerz der Menschheit Musik.
Im Tropfen wohnt das Leben, doch in der Welle wohnt der bittre Tod.
In deine Augen hineingeblickt, und abgespült ist aller Schlamm der Welt.
In dem Augenblick, in dem die Liebe ihr Alles gibt, macht sie zugleich bankrott.
In dem Sinn, worin die Verbeugung ein verhüllter Stoß ist, ist der Kuß auch ein verhüllter Biß.
In den Dichtern träumt die Menschheit.
In der bittersten Not war noch jeder allein.
In der Kirche weiß jeder die 10 Gebote, aber auf der Straße weiß er immer nur 9, dasjenige, an das er sich gerade erinnern sollte, ist vergessen.
In der Sprache, die man am schlechtesten spricht, kann man am wenigsten lügen.
In der Welt ist ein Gott begraben, der auferstehen will und allenthalben durchzubrechen sucht, in der Liebe, in jeder edlen Tat.
In Deutschland kann nur gehorchen, der zum Befehlen geboren ist.
In jedem Verhältnis darf ich nur so viel verlangen, als ich selbst geben will und kann. Goldene Regel.
Ist der Tod nur ein Schlaf, wie kann dich das Sterben erschrecken? Hast du es je noch gespürt, wenn du des Abends entschliefst?
Ist meine Tat nicht so viel wert, als sie mich kostet?
Jauchze, Vogel, sonst verdienst deine Kehle nicht.
Jede andere Kunst verstehst du, sobald sie dir leicht wird; die des Schreibens, wenn sie dir schwer wurde.
Jede Form ist ein Kerker.
Jede Nation findet einen Genius, der in ihrem Kostüm die ganze Menschheit repräsentiert, die deutsche Goethen.
Jede Nichtswürdigkeit wird verziehen, nur kein Charakter. Wer die Welt verstehen will, der merke sich das.
Jede Regierungsform sollte im Sinne der ihr gerade entgegengesetzten gehandhabt werden: die republikanische aristokratisch und die monarchische republikanisch.
Jedem Gebet an die Gottheit sollte man hinzufügen: schenke mir die Sache, aber nicht erst dann, wenn sie mir nicht mehr ist, als die von dem Kinde heiß ersehnte Klapper für den Mann.
Jedem Heroen stellt sich ein winziger Affe zur Seite, der sich die Kränze erschnappt, welche der andre verdient.
Jeden bedeutenden Schriftsteller muß man einmal lesen, um so weit zu kommen, daß man ihn lesen kann.
Jedenfalls ist es besser, ein eckiges Etwas zu sein, als ein rundes Nichts.
Jeder große Mensch fällt durch sein eigenes Schwert.
Jeder Mensch trägt einen Zauber im Gesicht; irgendeinem gefällt er.
Jeder Moment hat seine eigentümlichen, unabweisbaren Forderungen.
Jeder Verbrecher sträubt sich, seine Verbrechen einzugestehen. So auch die Gesellschaft.
Jeder verdient sein Schicksal, es fragt sich nur, ob vorher oder nachher.
Jedwedem Sünder fühl’ ich mich verwandt.
Jemanden oft prügeln heißt, ihm aus seiner eigenen Haut einen Panzer zu schmieden.
Jetziger Standpunct der Geschichte. Was die Geschichte bis jetzt errang? Die ew’gen Ideen! Sie zu verwirklichen, ist nun denn ihr großes Geschäft.
Jüngling wirst du nicht wieder, noch Mann, wenn das Haar sich dir erbleichte, aber, sobald du nur willst, wirst du von neuem ein Kind.
Kannst du nicht stehn auf dich selbst und bedarfst der Hilfe von außen, wahrlich, so bist du ein Mann wie ein Arm ohne Hand.
Keimen und verfaulen sind nicht weit auseinander und meistens identisch.
Kein Mensch hat mehr Selbstgefühl als Lebensgefühl.
Kinder sind nicht nur freundliche Lichtstrahlen des Himmels und Gottesgrüße, sondern auch ernste Fragen aus der Ewigkeit und schwere Aufgabe für die Zukunft.
Kinder sind Rätsel von Gott und schwerer als alle zu lösen, aber der Liebe gelingt’s, wenn sie sich selber bezwingt.
Kinder sind Scharaden, die den Eltern aufgegeben werden.
Klage nicht so sehr über einen kleinen Schmerz; das Schicksal könnte ihn durch einen größeren heilen.
Klein und keck, Stößt den Großen in Dreck.
Könnte der Marmor fühlen, so würde er sich gewiß über die Meißelschläge beklagen, die ihn — zum Gott machten.
Künstler, nie mit Worten, mit Taten begegne dem Feinde! Schleudert er Steine nach dir, mache du Statuen draus.
Langes Fasten schadet der Liebe.
Lassen wir die Toten ruhen, die uns nimmer ruhen lassen.
Leben heißt parteiisch sein.
Leben heißt tief einsam sein.
Leben ist für die meisten ein Geschäft.
Leicht ist ein Sumpf zu verhüten, doch ist er einmal entstanden, So verhütet kein Gott Schlangen und Molche in ihm.
Leidenschaft begeht keine Sünde, nur die Kälte.
Liebe gleicht die natürliche Feindschaft aus zwischen Mann und Weib.
Liebe ist darum so schön, weil sie vor Selbstliebe schützt.
Liebe ist die Kraft des Herzens.
Liebe und Freundschaft der meisten Menschen ist ein Füllen der eigenen Leere mit fremden Inhalt.
Man altert nur von fünfundzwanzig bis dreißig, was sich bis dahin erhält, wird sich wohl auf immer erhalten.
Man entwickelt sich durchs Leben fürs Leben.
Man entwickelt sich durchs Leben fürs Leben: die Momente fallen zusammen.
Man hofft immer; die Hoffnung ist ja die wunderbare Erfindung, wodurch die Lücken des Weltalls verstopft werden.
Man kann ein Drama durch Kürzen verlängern.
Man kann so wenig einen Brief für jemanden schreiben, als man für ihn in den Spiegel sehen kann.
Man kann vom Menschen gar so schlecht nicht denken, daß man nicht eines Tags sich fragen müßte: du dachtest noch zu gut.
Man liest manches Buch mit einem Gefühl, als ob man dem Verfasser ein Almosen erteilte.
Man muß dem Weib keine Rechte, nur Privilegien, einräumen. Sie wollen diese auch lieber als jene.
Man nennt das irdische Leben die Vorschule des Himmels. Es ist merkwürdig, daß sie so gute Teufel zieht.
Man sieht den Vogel meistens erst, wenn er davonfliegt.
Man sollte immer denken: Gestern war es nichts und morgen ist’s vorbei; dann würde man sich den Augenblick nie verkümmern lassen.
Man sollte zu anderen nie über das Verhältnis, das man zu ihnen hat, sprechen.
Man straft keinen Menschen dafür, daß er häßlich ist; warum dafür, daß er nicht gut ist?
Man ward und wird im Dichterstand durchs Anerkennen anerkannt.
Man weiß so lange nichts von sich, als man etwas tut.
Man wird Egoist im Unglück.
Manche Dinge sollte man recht in Mode bringen, damit sie endlich aus der Mode kommen.
Manche Menschen sind die Zifferblätter der Zeit. Aber es ändert die Zeit nicht, wenn man ihr Zifferblatt zerschlägt.
Mancher glaubt schon darum höflich zu sein, weil er sich überhaupt noch der Worte und nicht der Fäuste bedient.
Mancher Herbsttag ist wie ein Frühlingstag.
Mancher Mensch sieht aus, also ob er seiner Amme vom Arm gesprungen wäre und sie wieder suchte.
Manches, was man ohne Grund verwirft, muß man studieren, um es mit Grund verwerfen zu können.
Mein eignes Gesicht vergeß’ ich eher, als das des Mannes, der mir treu gedient.
Menschen, worin Gottes Odem sitzt wie in einem aufgeblasenen Darm.
Mir geht die Fähigkeit ab, Ideenkörner zu zersetzen, mein Korn zu mahlen und zu verbacken.
Mit einem Menschen, der nur Trümpfe hat, kann man nicht Karten spielen.
Mit Geistesblitzen kann man die Welt erleuchten, aber keinen Ofen heizen.
Mit reiner Hand des Lebens pflegen.
Mit wem das Pferd nie durchgeht, der reitet einen hölzernen Gaul.
Mitleid ist das billigste aller menschlichen Gefühle.
Monologe: laute Atemzüge der Seele.
Mutterliebe, man nennt dich des Lebens Höchstes! So wird denn jedem, wie schnell er auch stirbt, dennoch sein Höchstes zuteil!
Nach dem Utilitätsprinzip mancher Leute müsste die Kornblume vor Gericht gezogen werden, weil sie die Ähre bestiehlt.
Nach der Seelenwanderung ist es möglich, daß Plato jetzt wieder auf einer Schulbank Prügel bekommt, weil er den Plato nicht versteht.
Natur wiederholt ewig in weiterer Ausdehnung denselben Gedanken. Darum ist der Tropfen ein Bild des Meeres.
Natur, du kannst mich nicht vernichten, weil es dich selbst vernichten hieß.
Nebukadnezar, fraß Gras. Symbolisch zu verstehen: er war ein Liebhaber von Salat und wurde deshalb für verrückt ausgeschrieen.
Neues Irren; neues Leben.
Nicht die jungen Glieder sind’s, in denen sich ein Witterungswechsel meldet. Die alten Knochen spüren ihn zuerst.
Nicht durch Stimmenmehrheit sind Himmel und Erde entstanden.
Nicht jeden muß man seine Früchte pflücken lassen.
Nicht nach der Länge seines Arms: nach der Länge seines Auges muß der Mensch sein Glück messen.
Nicht Stillstehen, nicht Fortgehen, nur Bewegung ist der Zweck des Lebens.
Nicht was der Mensch ist, nur was er tut, ist sein unverlierbares Eigentum.
Nichts ist gefährlicher, als Mittelmäßigkeit, die auf Einiges trotzen kann.
Nichts kann bewiesen werden, als – was zu beweisen sich nicht verlohnt.
Nie verbinde dich einem, der das als Mittel behandelt, Was dir Zweck ist, du selbst bist nur ein Mittel für ihn!
Niemand bilde sich ein, daß er im Einzelnen und Kleinen pfuschen kann, ohne sich nach und nach zu gewöhnen, auch im Ganzen und Großen zu pfuschen.
Niemand ist so sehr Atheist, daß er nicht die christlichen Festtage mitfeiern hülfe.
Niemand spricht eine Wahrheit aus, die er nicht mit einem Irrtum verzollen müßte.
Nur derjenige Witz ist gut, der den Witz der Natur aufdeckt.
Nur durch die Liebe kann der Mensch von sich selbst befreit werden.
Nur in der Träne des Schmerzes spiegelt sich der Regenbogen einer besseren Welt.
Nur schärfstes Trennen führt weiter zur Erkenntnis und die zur Bewältigung.
Nur weil es Edelsteine gibt und Gold, gibt’s Räuber.
Nur weiß es niemand.
Nur wer Gott liebt, liebt sich selbst.
O Gott, ich achte so gerne, mir ist, als schnitt ich in mein eigen Fleisch hinein, wenn ich jemanden verachten muß.
O, wie liebt der Mensch, wenn sich zwischen ihn und das Geliebte die Unmöglichkeit stellt.
O, wie oft fleh’ ich aus tiefster Seele: O Gott, warum bin ich, wie ich bin! Das Entsetzlichste!
Ob du dich selber erkennst? Du tust es sicher, sobald du mehr Gebrechen an dir als an den anderen entdeckst.
Oben brennt es im Dach und unten rauchen die Minen, Aber mitten im Haus schlägt man sich um den Besitz.
Oft noch berühre du mich, Tod, wenn ich in mir zerrinne, Bis ich mich wieder gewinne Durch den Gedanken an dich!
Oh, Au und Ach ist keine Musik.
Ohrfeigen mögen aus Mißverständnis gegeben werden, fallen aber Köpfe, so wollen wir wissen, wofür.
Originalität muß man haben, nicht danach streben.
Österreich ist eine kleine Welt, in der die große ihre Probe hält.
Phantasie ist nur in Gesellschaft des Verstandes erträglich.
Religion ist die höchste Eitelkeit.
Republik: alle Tiere sind Untergebene, der Mensch ist Präsident, aber jeder Untertan darf nach ihm schnappen und es handelt sich darum, ob ihn mehr angreifen oder verteidigen.
Revolutionen sind die Krankheiten, die das Wachstum der Menschheit bezeichnen.
Revolutionsfieber – Freilich, ein Fieber des Volks, das revolutionäre, aber, wie seltsam, es stirbt immer der König daran!
Romane schreiben ist ein gutes Geschäft, wenn man mit der Kritik verheiratet ist.
Scham bezeichnet im Menschen die innere Grenze der Sünde; Wo er errötet, beginnt eben sein edleres Selbst.
Schäme Dich! Das ist die billigste Manier um an Rouge zu kommen.
Schlaf ist ein Hineinkriechen des Menschen in sich selbst.
Schmerzen, die von Geliebten ausgehen, sind verklärt.
Schönheit ist Tiefe der Fläche.
Schönheit: das Genie der Materie.
Schüttle alles ab, was dich in deiner Entwicklung hemmt, und wenn’s auch ein Mensch wäre, der dich liebt. Denn was dich vernichtet, kann keinen anderen fördern.
Seele, vergiß sie nicht, Seele, vergiß nicht die Toten!
Seelenwanderung – ein Dieb könnte ehemals Herr der Sachen gewesen sein, die er jetzt stiehlt.
Sei etwas! Wolle etwas! Sei mein Feind, wolle mich ermorden, gut, du existierst für mich, du bist mir etwas, aber was soll ich mit dem Nichts machen!
Selbst die Liebe ist so gierig nicht nach Kuß und Umarmung, Wie grimm’ger Haß nach Mord und Blut und Tod.
Selbst im Falle einer Revolution würden die Deutschen sich nur Steuerfreiheit, nie Gedankenfreiheit zu erkämpfen suchen.
Selbst wenn das Sterben vom Willen des Menschen abhinge, würde keiner am Leben bleiben.
Setze ein Ding in den direktesten Widerspruch mit seinem Zweck: Du zerstörst es, und wäre das Ding eine Armee.
Sich schöne Träume zu bilden, mögen diese nun Realität haben oder nicht, ist doch immer ein herrliches Vermögen der Menschheit.
Sich selbst etwas versprechen und es nicht halten ist der nächste Weg zur Nullität und Charakterlosigkeit.
Sich weiter entwickeln heißt für die meisten, von sich abfallen.
Sieh einen Menschen genau an, und du siehst ihn nicht mehr; er wird vor deinen Augen etwas anderes, als er eigentlich ist.
Sitzenbleiben schützt allerdings gegen die Gefahr zu fallen.
So mancher geht aus, sein Mütchen zu kühlen – und kehrt verkühlt nach Hause.
Sobald ein Schriftsteller sich wiederholt, darf die Kritik ein definitives Urteil über ihn fällen, denn dann hat er sich erschöpft.
Spei ihn an und reich ihm dann ein Taschentuch zum Abtrocknen, so bedankt er sich noch.
Spielende Kinder sind lebendig gewordene Freuden.
Trage deine Mutter auf Armen, wenn ihr die Beine versagen, sie trug dich im Schoß, als du noch keine hattest.
Tränen des Danks, nimm sie Ewiger! Nur die Kraft, nur die Liebe – dann laß kommen, was da will!
Über alles hat der Mensch Gewalt, nur nicht über sein Herz.
Über Jean Paul ins Klare zu kommen, heißt über den Nebel ins Klare zu kommen. Man sieht entweder nichts vor Nebel oder nichts vom Nebel.
Übrigens ist der Mensch aus Notwendigkeit Egoist, denn er ist ein Punkt, und der Punkt vertieft sich in sich selbst.
Um ein Mann zu sein, muß man vieles mit verbundenen Augen tun.
Um jemanden leichter vergeben zu können, muß man eine kleine Sünde gegen ihn begehen, damit er auch etwas zu vergeben habe.
Und wer Sterne entdecken will, lerne Brillen schleifen.
Unparteiisch ist ein Freund wohl noch nie gewesen, aber ungerecht wird er nicht selten aus Furcht.
Unser Glaube, unsere Furcht und unsere Hoffnung ist das Band, wodurch wir mit der unsichtbaren Welt zusammenhängen.
Unser Leben ist der aufzuckende Schmerz einer Wunde.
Unsere Tugenden sind meist die Bastarde unserer Sünden.
Unsere Zeit ist eine Parodie aller vorhergehenden.
Unter allen entsetzlichen Dingen ist das entsetzlichste die Musik, wenn sie erst erlernt wird.
Unverwelklicher Lorbeer in schnell erbleichender Locke! Welch ein gewaltiges Bild menschlicher Größe und Kraft!
Vertrauen ist die größte Selbstaufopferung.
Viel besser, nie besitzen, als verlieren.
Viele Deutsche glauben, sich jetzt dadurch patriotisch zu zeigen, daß sie Deutschland als Spucknapf gebrauchen, wenn sie in der Fremde sind!
Viele glauben nichts, aber fürchten alles.
Viele Leute betrachten die poetische Literatur als eine Art Irrenhaus, worin sie alles sagen dürfen, was ihnen anderwärts die Zwangsjacke zuziehen würde.
Viele Menschen sind beständige Schemata, die der nächste, beste Zufall ausfüllt.
Viele Menschen verfluchen nicht das Leben, sondern ihr Leben.
Viele Menschen zeichnen sich dadurch aus, daß sie, wo es irgend an einem Scharfrichter fehlt, gern gleich den Dienst versehen.
Viele würden sehen können, trügen sie nur keine Brillen.
Vielleicht erfüllt nur derjenige den Zweck des Lebens, der mit der vollen Überzeugung, daß er nichts daran verliert, davon scheidet!
Vielleicht sind die Träume nur Erinnerungen.
Vogel und Käfig sind füreinander. Aber der Mensch will keinen kleineren Käfig als die Welt.
Vor dem Schicksal schützt uns nur eins: die Nichtigkeit.
Vorsicht ist der Ball, womit das Schicksal spielt.
Wahrlich ein köstliches Gut ist tief eingehendes Wissen, aber zuletzt doch nur, weil es ein Können gebiert.
Wandle geradeste Wege! sie sind die kürzesten immer, Pfade der Wahrheit und Kraft führen Dich sicher zum Ziel.
Wäre die Sprache ein Produkt des logischen Geistes anstatt des poetischen, so würden wir nur eine haben.
Warum ficht mich so manches Übel an? Weil Gott dich vor dir selbst nicht schützen kann!
Warum nur kann der Mensch nur töten, nicht die Toten wieder wecken; er sollte beides können oder keins!
Was der Mensch auch gewinne, er muss es zu teuer bezahlen, Wär’ es auch nur mit der Furcht, ob er’s nicht wieder verliert.
Was die Philosophie dem Menschen verschaffen will, das verliert er am leichtesten, wenn er sich mit ihr beschäftigt.
Was du meine Krankheit nennst, ist zugleich die Quelle meines wie jedes höheren Lebens.
Was du teurer bezahlst, die Lüge oder die Wahrheit? Jene kostet dein Ich, diese doch höchstens dein Glück.
Was einer werden kann, Das ist er schon, zum wenigsten vor Gott.
Was gegen die Natur ist, das ist gegen Gott.
Was hat man nach einem Fall zu tun? Was die Kinder auch tun, wieder aufstehen!
Was im Genius die Intuition, das ist bei der Masse der Instinkt.
Was im Mai nicht blüht, wirds im September nicht nachholen.
Was lebst du denn, wenn du nicht lieben kannst.
Was man zum letzten Mal sieht, das sieht man wieder, als sähe man es zum ersten Mal.
Was will man mit dem alten Rom. Selbst seine Gesetze waren Verbrechen.
Weil die Deutschen wissen, daß die wilden Tiere frei sind, fürchten sie, durch die Freiheit zu wilden Tieren zu werden.
Welch ein Narr ist der Mensch! In allem muß er sich spiegeln! Selbst in Sonne und Mond hat er sein Antlitz entdeckt.
Wen ein großes Schicksal zugrunde richtet, ist klein, wen ein kleines Schicksal zugrunde richtet, der kann groß sein.
Wenn alle Menschen sich bei der Hand fassen, ist Gott fertig.
Wenn das Böse sich nicht zu irgendeiner Zeit ins Gute verwandeln müßte, so hätte es ebensoviel Anspruch auf Existenz als das Gute.
Wenn der Adel an der Kanaille etwas Schätzenswertes findet, so hebt er sie in seinen eigenen Kreis hinein durch das Adeln. Die Kanaille sollte sich das nicht gefallen lassen.
Wenn der Mensch nicht beizeiten Abschied von der Erde nimmt, so nimmt sie Abschied von ihm.
Wenn du wahrhaft liebst, mußt du wiedergeliebt werden, denn die Natur berechnet immer eine Kraft auf die andere.
Wenn ein begangener Fehler einen neuen, bisher verschlossenen Pflichtkreis öffnet, so ist er gerechtfertigt.
Wenn ein Mensch ganz Wunde ist, so heißt ihn heilen – ihn töten!
Wenn ein paar Liebende sich versprechen, daß sie aneinander denken wollen, so Versprechen sie sich eigentlich, daß sie atmen wollen.
Wenn ein Talent sich nach der Breite geltend macht, so kann es dies selten auch nach der Tiefe. Dies ist nur dem größten Genie, und selbst diesem nicht immer möglich.
Wenn einem Philosophen ein Licht aufgeht, ist’s für den andern immer ein Schatten.
Wenn man aus Italien nach Deutschland zurück kommt, hat man ein Gefühl, als ob man plötzlich alt würde.
Wenn man die Menschen am Abend ihr Butterbrot essen sieht, so kann die Bemühung, das Leben zu erklären, sehr lächerlich erscheinen. Butter und Brot erklären alles…
Wenn man die sämtlichen Journalisten, wie sie da sind, ins Zuchthaus sperrte, würde man gewiß nicht so viele Unschuldige hineinsperren, als jetzt schon im Zuchthaus sitzen.
Wenn man es hat für andre.uß und Freude am Dasein ist das Blut des Daseins.
Wenn man etwas recht gründlich haßt, ohne zu wissen, warum, so kann man überzeugt sein, daß man davon einen Zug in seiner eigenen Natur hat.
Wenn man in ein Zimmer eintritt, worin Reseda steht, so spürt man den Duft; ist man fünf Minuten darin, so ist’s vorbei. So ist’s mit allem in der Welt.
Wenn mancher etwas wegwirft und sieht, daß einer es aufhebt, so verlangt er’s wieder, denn dann ist er belehrt, daß es noch etwas taugt.
Wenn Schnee fällt, ist das die bequemste Weise, alle Teufel weiß zu machen.
Wenn Seele und Leib keinen gemeinsamen Punkt hätten, wovon sie ausgehen, wie könnten sie zusammen ausdauern? Anziehungskraft ist doch die allgemeinste Kraft auf der Welt.
Wenn sich zwei Menschen küssen, geht man kopfschüttelnd vorüber, wenn sich zwei prügeln, bleibt alles stehen.
Wenn wir einschlafen, erwacht in uns der Gott.
Wer Böses fürchtet, dem trifft Böses ein. Die Dämonen züchtigen ihn für seinen Verdacht.
Wer damit anfängt, daß er allen traut, wird damit enden, daß er jeden für einen Schurken hält.
Wer die Menschen kennen lernen will, der studiere ihre Entschuldigungsgründe.
Wer die Menschheit auf ihre Grenzen zurückweist, der erwirbt sich ein größeres Verdienst, als wer sie bei ihrem Streben gegen das Unermeßliche unterstützt.
Wer die Schlange sieht, der sieht das Paradies nicht mehr.
Wer Gespenster verscheuchen will, der braucht bloß Licht zu bringen.
Wer leben will, muß das Fieber riskieren.
Wer möchte nicht ein Weib, das blind für alles ist, so lang man lebt, und wenn man stirbt, noch mit der Erde hadert, weil sie nicht strahlt und leuchtet, wo man liegt?
Wer nach den Sternen reisen will, der sehe sich nicht nach Gesellschaft um.
Wer nicht lächelnd opfert, der opfert nicht.
Wer nie liebte, kann sich leicht einbilden, er liebte stets.
Wer seine Schweißtropfen zählt, wird nie sein Geld zählen.
Wer sich aus der Welt wegdenken und seinen Ersatzmann nennen kann, der gehört nicht mehr hinein.
Wer sich für überflüssig in der Welt hält, der kann nicht überflüssig sein.
Wer stark ist, haßt sogar das Pferd, das seinen Wagen vorwärts führt.
Wer Vergebung annimmt, ohne sie zu verdienen, frevelt gegen das Herz.
Wie die Männer sind! Die schämen sich ihrer Tränen mehr, als ihrer Sünden! Eine geballte Faust, warum die nicht zeigen, aber ein weinendes Auge?!
Wie groß die Macht der Worte ist, wird selten recht bedacht.
Wie groß ist der Unterschied zwischen der Barbarei vor der Kultur und der Barbarei nach der Kultur!
Wie kann ein Gut des Lebens soviel sein als das Leben selbst, welches alle Güter einschließt.
Wie kommt nur, daß alles, was auf der Welt bedeutend war, in dieser Sache so denkt wie ich?
Wie lange darf ein junges Mädchen in den Spiegel sehen? So lange als sie sich wie eine Fremde vorkommt.
Wie oft verwechselt man Einfälle mit Ideen!
Wie viele Lichter verdanken nur ihrem Leuchter, daß man sie sieht!
Wie von den einzelnen Mühen und Lasten im Schlummer, Ruht man vom Leben selbst endlich im Tode sich aus.
Wie wunderbar ist doch der Mensch gemacht; in seinem Glück erträgt er nichts; und alles in der Not.
Wiederholen alter Lektüre ist der sicherste Probierstein gewonnener weiterer Bildung.
Willst du menschlich mit Menschen in Städten der Menschen verkehren, stelle dir Uhr nach dem Turm, nicht nach der Sonne, mein Freund.
Willst du wissen: Was ist das Leben, so frage dich: Was ist der Tod?
Wir besitzen etwas, auch in geistiger Hinsicht, immer nur auf einige Zeit. Dies gilt von Einsicht wie von Kraft.
Wir leben in den Zeiten des Weltgerichts, aber des stummen, wo die Dinge von selbst zusammenbrechen.
Wir Menschen sind diejenigen Punkte der Natur, worin sie sich zusammenfaßt.
Wir Menschen sind wie Schwämme, wir trinken uns voll Leben, dann wird’s wieder ausgedrückt.
Wir müssen nicht klagen, daß alles vergänglich sei. Das Vergänglichste, wenn es uns wahrhaft berührt, weckt in uns ein Unvergänglichstes.
Wir sind eigentlich Bergleute, die sich bei der Einfahrt in den dunklen Schacht flüchtig begrüßen und oft erst dann wieder etwas von einander erfahren, wenn sie verschüttet worden sind.
Wir sind immer so klein als unser Glück, aber auch so groß als unser Schmerz.
Wir sollten handeln; nicht, um dem Schicksal zu widerstreben, das können wir nicht, aber um ihm entgegenzukommen.
Wir werden nur dadurch höhere Wesen, daß wir die Natur höherer Wesen kennen.
Wir wollen von heute an immer eine Stunde früher anfangen! Niemand weiß, ob er nicht Feierabend machen muß, ehe er müde ist.
Wir zehren immer auf Rechnung der Zukunft. Kein Wunder, daß sie Konkurs macht.
Wird dir das Leben schwer, so wird der Tod dir leicht.
Wirf weg, damit du nicht verlierst! ist die beste Lebensregel.
Wirf weg, um zu besitzen!
Wißt ihr, woran die Moral in euren Stücken erinnert? An die Zitrone im Maul eines gebratenen Schweins.
Wo alle Grenzen sich durchschneiden, alle Widersprüche sich berühren, da ist der Punkt, wo das Leben entspringt.
Wo Mann und Weib sich fest umschlingen, da ist der Kreis, der feste Kreis geschlossen, in dem die höchsten Menschenfreuden wohnen.
Wohl bringt die Liebe uns zuletzt auch Leid, denn eines muß ja vor dem andern sterben.
Wörter sind Laternen: Steck ein Licht hinein und sie geben einen guten Schein.
Wundern muß ich mich sehr, daß Hunde die Menschen so lieben; denn ein erbärmlicher Schuft gegen den Hund ist der Mensch.
Würdige keinen des Hasses, den du nicht auch der Liebe würdigen kannst. Sache nur sei er für dich, aber mitnichten Person!
Zeitungen sind die einzige dem Schießpulver analoge Erfindung, und eine noch gefährlichere als diese, denn sie dienen nur einer Partei.
Zum Dank dafür, daß sie das Licht bescheint, werfen die Dinge Schatten. Die Menschen auch, besonders die Schüler großer Männer.
Zum Mitleiden gab die Natur vielen ein Talent, zur Mitfreude nur wenigen.
Zuweilen mein’ ich, eine rein weibliche Natur könne mich retten.
Zwei Hände können sich wohl fassen, aber doch nicht ineinander verwachsen. So Individualität zu Individualität.
Zwei Menschen sind immer zwei Extreme.
Zwölf Apostel und doch nur ein einziger Judas darunter? Würbe der Göttliche heut, zählte er mindestens elf!
Zwölf der Monde bedarf’s, so heißt es, die Welt zu umsegeln: Zwölf der Jahre jedoch, eh’ du den Menschen umgehst.