Zitate von Carmen Sylva

Angst entwürdigt dich so sehr, daß sie dich sogar zum allerelendesten Menschen, zum Lügner machen kann.
Angst ist unerträglicher als der Schmerz; die Angst schärft die Empfindungen, während der Schmerz sie abstumpft.
Arbeit und Pflichterfüllung sind das Fundament jedes wahren inneren Glückes.
Christus ist freiwillig in den Tod gegangen, weil er wohl wußte, daß, wenn er seine Lehre nicht mit seinem Blute besiegelte, sie keinen Glauben finden würde.
Christus schlug man ans Kreuz, Sokrates wurde vergiftet, Phidias des Diebstahls angeklagt – es ist nachgerade eine Ehre, von Zeitgenossen misshandelt zu werden.
Das Glück ist nicht in einem ewig lachenden Himmel zu suchen, sondern in ganz feinen Kleinigkeiten, aus denen wir unser Leben zurechtzimmern.
Das größte Glück und das größte Unglück ist: wunschlos zu sein.
Das Leben ist eine Kunst, in der man zu oft Dilettant bleibt. Um Meisterschaft zu erringen, muß man sein Herzblut vergießen.
Das politische Wörterbuch ist sehr beschränkt: Das Wort Mitleid kommt u.a. nicht darin vor.
Das schlechte Gewissen kommt überhaupt meistens durch andere Leute und deren Vorwürfe.
Daß man heiraten soll, um im Alter nicht allein zu sein, das ist eine Torheit.
Deine große Müdigkeit, Seele, das ist es, was mir nicht gefällt.
Denn die Liebe ist selten so groß und so stark, wie sie in den Büchern steht, oder wie die Menschen sich selbst einbilden möchten, daß sie es ist.
Der Aphorismus ist wie eine Biene mit Gold beladen und mit einem Stachel versehen.
Der Aphorismus ist wie eine Biene: mit Beute beladen und mit einem Stachel versehen.
Der einsame Felsen wird immer kantiger, der Kiesel immer runder.
Der Krieg zwischen zwei gebildeten Völkern ist ein Hochverrat an der Zivilisation.
Der Mann ist eifersüchtig auf seiner Gattin Geist, Talente, kurz auf alles, womit sie glänzen kann, wodurch er fürchtet, in den Schatten gestellt zu werden.
Die Angst vor dem Tode ist wiederum rein körperlich, denn die Seele wünscht sich oftmals die Befreiung, wenn der Körper sich oftmals vor dem Sterben graust.
Die Männer sind in der Stunde der Müdigkeit große Kinder und wollen von dem, was sie am liebsten haben, gepflegt sein, und erquickt und gehütet.
Die Menschheit geht nicht mit Riesenschritten und Siebenmeilenstiefeln, sondern mit Schneckenschritten und oftmals denselben Weg hin und wieder, bis sie sich entschließt, voranzuschreiten.
Du bist viel weniger verlassen und vergessen als du es wähnst, du bist von vielen umgeben, die deiner warten, aber du glaubst es nicht in der Stunde, welche du Verzweiflung nennst.
Du hörst auf, ein Kind zu sein, an dem Tage, da du das Wort Pflicht verstanden hast.
Du kannst die Leute nicht lehren, deine Sprache zu sprechen, sprichst du nicht zuvor die ihre.
Du musst die Menschen sehr genau kennen, bevor du den Mut gewinnst, nur du selbst zu sein.
Du und dein Schmerz, ihr seid ganz allein, in einem einzigen gewaltigen Ringen, in welchem du immer unterliegst.
Dummheit stellt sich in die erste Reihe, um gesehen zu werden; der Verstand stellt sich zurück, um zu sehen.
Ein Geheimnis ist wie ein Loch im Gewande. Je mehr man es zu verbergen sucht, desto mehr zeigt man es.
Ein Gethsemane wartet auf jeden, nur erzählt er es nicht, wenn er es durchlitten hat.
Eine Frau von Welt bleibt selten die Frau ihres Ehemannes.
Entweder sei Prometheus oder Psyche, entweder schaffe oder liebe; in beiden Fällen besiegelst du das Schicksal.
Es gibt abstoßende Güte und anziehende Bosheit.
Es gibt eine Bescheidenheit, die nur der Mantel des Hochmuts ist.
Es gibt nur ein Glück: die Pflicht; nur einen Trost: die Arbeit; nur eine Freude: das Schöne.
Es ist eine üble Gewohnheit der Menschen, einander ihre verschiedenen Erfahrungen und Erlebnisse nicht zu glauben.
Es ist sonderbar, daß wir das Licht so anbeten, als wüßten wir, daß es Leben ist.
Freude ist das Leben durch einen Sonnenstrahl gesehen.
Geduld ist eine Tat. Geduld ist eine Kette von Taten, Geduld ist gipfelnde Willensstärke.
Gleichgültigkeit ist eine einsame, duftlose Blume, die auf dem Sumpf erblüht.
Glück ist das einzige, was wir anderen geben können, ohne es selbst zu haben.
Gott gab seiner Schöpfung nur einen einzigen Pfeiler: Liebe.
Je mehr man lebt, desto mehr gelangt man dazu, den Himmel als die letzte und grausamste Enttäuschung zu fürchten.
Man ist nicht des Lebens müde, sondern seiner selbst.
Man sagt: Rache ist süß. Den Bienen kostet sie das Leben.
Man vergißt nie eine versäumte Wohltat.
Man verneigt sich vor der Intelligenz, man kniet vor der Güte.
Mißtraue einem Mann, der an das häusliche Glück nicht glauben will.
Mutterliebe ist eine Leidenschaft, die ihre eigene Gewalt und Größe hat, ihre Übertreibungen und sogar ihre Sinnlichkeit. Kinder verlieren ist schlimmer, als selbst sterben.
Nein, liebe Seele, so lange du auf der Erde bist, hat die Natur Gewalt über dich, du bist ihr anvertraut, sie ist deine Mutter, sie ist dein Leben und deine Kraft.
Nur ein Meer von Güte kann der Erfahrung Felsenkanten glätten.
Opfer ist das Leben immer, wenn es recht gelebt wird.
Pflichttreue ist eines der schönsten Wörter der lieben deutschen Sprache; sie kann stolz sein, es zu besitzen.
So roh war ja kein Volk, daß es nicht versucht hätte, mit Muscheln und Steinen und Schnitzen und Farben das Schöne nach dem Maße seines Könnens darzustellen.
Sobald in der Ehe der Gedanke an Geduld auftaucht, ist sie eigentlich schon keine Ehe mehr, denn die Liebe ist fort, auf der dieses Verhältnis sich allein aufbauen und erhalten kann.
Wahrheit muß es doch wohl geben. Wir hätten sie nicht erfunden.
Was wir Freiheit nennen, ist Gottes Gedanke in uns.
Wenn die Hoffnung uns verläßt, geht sie, unser Grab zu graben.
Wenn es eine Hölle geben kann, so ist sie ganz gewiß nur eine Zeit namenloser Angst.
Wenn man älter wird, nimmt der Verstand ab und man bleibt allein übrig. Wenn der schlecht ist, dann wird man gemieden.
Wissen wir, was die Seele tut, während wir schlafen?
Wollen wäre Können, wenn alle Mittel erlaubt wären.