Zitate von Carl Spitteler

Alles, was immer geschehe, geht die Verantwortlichkeit sämtlicher Gegenwärtiger an.
Auf! Laß uns anders werden als die Vielen, die da wimmeln in dem allgemeinen Haufen!
Besser auseinanderfliehn in Einigkeit, als immerdar beisammen sein mit Zank und Streit.
Dadurch unterscheidet sich der Mensch vom Maultier, daß er einen gescheiten Rat annimmt.
Das Glück kauft man nirgends an, das muß man schon selber mitbringen.
Das Wörtchen “trotzdem” ist ein schlechtes Bindewort.
Denn niemand ist so groß, und reicht er zu den Sternen, Eh daß er etwas kann, muß er’s bescheiden lernen.
Der Haß hat keine Bedenken und die Waffe kein Gewissen.
Der Süden ist immer da, wo man noch nicht hingekommen ist.
Der Witz der Weisheit ist, daß einer, wenn er stolpert und aus den Brombeeren strauchelt, in die Himbeeren holpert.
Die Kraft liegt nicht im Keuchen viel und Schwitzen, sondern daß man etwas treibt zum Ziel.
Die Natur kennt das Zeitwort sollen nicht; das stammt aus der Sozialgrammatik der Menschen.
Die Phantasie ist die schönste Tochter der Wahrheit, nur etwas lebhafter als die Mama.
Eh daß man einen Unzufriedenen zankt, Entfernt ihm lieber erst den Dorn, woran er krankt.
Ein einfacher grüner Rain, dessen Horizont sich gegen den blauen Himmel abzeichnet, bedeutet ein wahres Sprungbrett der Phantasie.
Ein gerechtes Urteil über einen Feind wird als Parteinahme für den Feind empfunden.
Ein Herz muß dann und wann an seinem Glück sich laben, es muß der Liebe viel und etwas Frohsinn haben.
Ererbtes Urteil: Vorurteil.
Erleichtert von den halben Freunden fährt sich’s freier.
Es gibt ein altes bewährtes Mittel gegen den Ärger, welchen einem die angebliche Unzulänglichkeit eines andern verursacht: besser machen.
Es ist nicht die geringste, tatsächliche Macht vonnöten, um einen Terrorismus zu begründen, es genügt, daß jedermann sich ducke.
Für einen fühlenden Menschen bedarf es der Entschuldigung, dass er sich des Wohlbefindens erfreut, während andere leiden.
Gewiß, Wehmut tut wohl, wie jedes erweichte Leid.
Häßlich grinst das Alter und Verderben, der Jugend Lebensdurst und das Gesicht der Erben.
Heilige Herrin meines Lebens, dein Name lautet ›Trost und Erbarmen‹. Wehe mir, wenn ich dich nicht hätte; wohl mir, dass ich dich habe.
Heucheln, das Wort klingt schlecht, drum nennt man’s Takt.
Hohn und Jubel sind die denkbar lautesten Äusserungen der Parteilichkeit, schon darum auf neutralem Gebiet verwerflich.
Ich hatte lange gemeint, der Hohn wäre das Schlimmste. Es gibt aber etwas noch Schlimmeres: die boshaft kichernde Schadenfreude.
In allen Übeln des Lebens ist mein Heilmittel der Mut. Sich um nichts kümmern!
Je genialer ein Staatsmann, desto ruchloser. (Bitte, diesen Satz nicht umkehren.)
Je nun, es ist im Menschenvolk einmal so Brauch,
Jedem Dinge dient seine Entstehungsursache als die beste Erklärung.
Kein Schicksal ist auf Erden noch so graus, die Liebe schöpft ein Körnchen Glück daraus.
Menschen zu finden, die mit uns fühlen und empfinden, ist wohl das schönste Glück auf Erden.
Schwierigkeiten heilt man nicht mit Gewalt und Kalamitäten, nicht mit Beschlüssen, sondern mit Klugheit und Vorsicht.
Selbst zum Genuß des Glücks bedarf man Mut.
Stillschweigend schafft der Meister, der Stümper braucht das Maul.
Unentschlossenheit ist auch eine Feigheit: Willensfeigheit.
Vom Übermut zum Frevel ist der Weg nicht weit.
Vor irgend wem im Staub zu liegen auf dem Bauch.
Was vergangen, sei vergeben, Wer da glaubt und hofft, wird leben. Was faul ist, das muß fallen. Gruß von Gott den Mutigen allen.
Wenn schon die Poesie überhaupt ein Rätsel ist, so ist die Lyrik das Rätsel der Rätsel.
Wer lügt in den Schlachtberichten? Nicht diese oder jene Nation, sondern jeweilen der Geschlagene. Der Sieger hat es leicht, bei der Wahrheit zu bleiben.
Wie das brennt, wenn ein Dritter weiß, was unter vier Augen geschah!
Zu jeder Zeit geht unter, was niedrig ist und faul.