Zitate von Berthold Auerbach

Alle Religionen sind schön, die uns zu guten Menschen machen.
Alles Leben draußen ist nur wie ein Schlafen in Kleidern.
Arbeit und Liebe, das ist Leib und Seele des Menschendaseins. Glückselig, wo sie eins ist.
Aus Fügsamkeit gegen die Welt und aus dem Bestreben, nicht unfreundlich und undankbar zu sein, läßt man sich oft sein eigen Selbst entwenden.
Bei allem schweren Denken in die Ferne fordern die Gegenwart und der Tag ihr Recht.
Bei einem echten Menschen heißt kennenlernen: lieben lernen.
Daheim erst liegt man im Bett.
Das beste, was man in der Welt haben kann, ist daheim zu sein.
Das Gefahrvolle des Reichtums liegt nicht nur darin, daß er den Besitzer, sondern auch darin, daß er den Besitzlosen verderben kann.
Das Leben mit andern ist gut, aber das Leben mit sich selber ist besser.
Das Naturwalten dauert fort in aller Menschenwirrnis, und wohl dem Auge, das im Anschauen desselben sein Selbst vergessen kann.
Das selig stille Glück stirbt nicht aus, es siedelt sich hart neben den unbeugsam eisernen Gleisen der neuen Zeit an.
Das Vielbesuchen macht öde wie das Speisen an der Gasthofstafel; man ißt von allen Schüsseln und hat doch zuletzt keine gesunde Sättigung.
Den Regen hört man fallen, den Schnee nicht. Der herbe Schmerz ist noch laut, der gefaßte ist still.
Der Ackerbau ist die Wurzel aller Bildung in der Welt.
Der Empfindsame ist der Waffenlose unter lauter Bewaffneten.
Der Gebildete hat ein bewaffnetes geistiges Auge.
Der Mensch lebt nicht voll, wenn er nur für sich lebt und sein Dasein bewahrt.
Der Tag ist verloren, ausgebrochen aus der Kette deines Lebens, den du in Trübsinn und tatenloser Verzweiflung hinstarrtest.
Der Trauernde ist ein Kranker. Man wird leicht gegen einen Trauernden wie gegen einen Kranken unwillig und ungerecht.
Der untrüglichste Gradmesser für die Herzensbildung eines Volkes und eines Menschen ist, wie sie die Tiere betrachten und behandeln.
Der wirkliche Kenner kennt die Giftpflanze bevor sie in der Blüte steht. So sollte es auch beim wirklichen Menschenkenner sein.
Die äußere Würde ist ein feingeschliffener, behutsam anzufassender Schmuck.
Die bitterste Frucht des Grames ist: Gleichgültigkeit gegen die Welt.
Die Edeltanne behält in hohes Alter hinein eine weiche Rinde. Es gibt auch Menschen so.
Die Ehre verpflichtet zur Sittlichkeit, der Ruhm noch mehr, die Macht am höchsten.
Die Einsamkeit hat eine heilende Trösterin, Freundin, Gespielin: es ist die Arbeit.
Die Geduld, das ist erst die rechte Liebe.
Die höchste Aufgabe der Bildung ist aber die Erziehung zur Pflicht, zur Erfüllung des Gesetzes, das wir in der Erkenntnis finden.
Die immer nur das Vergangene loben, sitzen eben rückwärts auf dem rollenden Wagen der Zeit, sie sehen nur, was bereits vorüber ist.
Die in die Hauskultur gebrachte Henne gackert lange, wenn sie ein Ei legt, der Vogel im Walde macht keinen Lärm davon.
Die Liebe ist die Krone des Lebens, sie krönt auch das niedrigste Haupt.
Die Liebe schließt die Strenge nicht aus, sie stellt die höchsten Forderungen.
Die Natur für sich ist öde, schauerlich. Menschen erst machen sie zur Heimath, zur Welt.
Die Natur tut immer das Gleiche, und wir müssen ihr dienen, es ihr nachtun. Die Natur wiederholt sich im Gesetz, der Mensch in der Pflicht.
Die Pfahlwurzel der Freundschaft ist die gemeinsame Liebe zur Wahrheit.
Die Phantasie ist der mächtigste Despot.
Die selbstbereitete Freude ist die ganze Freude.
Die tiefste Kränkung, die ein Mensch erfahren kann, ist die von seinem Kinde.
Die Unabhängigkeit vieler Menschen besteht eigentlich in Unanhänglichkeit.
Die Wahrhaftigkeit ist jene Mutter Erde, auf der feststehend der ringende Geist nicht zu besiegen und niederzuwerfen ist.
Dieselbe Sonne, die die lebendige Frucht zeitigt, dörrt das abgemähte Gras.
Ein bis zum Stolz gehendes Selbstbewußtsein, wenn es richtig gelenkt ist, kann ein sicheres Moralprinzip werden.
Ein Schelm gibt mehr als er hat. Das sind in der Literatur und Kunst die falschen Idealisten.
Eine Idee muß Wirklichkeit werden können, oder sie ist eine eitle Seifenblase.
Eine Mietswohnung suchen macht verstimmt und mißmutig. Warum? Wohl weil du dir deines Fremdsein auf der Welt neu bewußt wirst.
Eine Sache ist siegreich, wenn großgesinnte Frauen für sie begeistert sind.
Es fallen mehr Äpfel unreif vom Baum als reife eingeheimst werden.
Es gibt ein Abbrechen des Gesprächs, bei dem man das Gefühl hat, als ob man sich nicht ordentlich abgetrocknet hat nach dem Waschen.
Es gibt eine alte Erfahrung: Wer zu freigiebig ist im Vertrauen, ist auch zu freigiebig im Mißtrauen.
Es gibt Gefahren, denen zu entfliehen nicht Feigheit ist, sondern höchster Mut, die Kraft, sich selbst zu besiegen.
Es gibt keinen reinen Frühling. Man wandelt immer auf dem welken Lauf vergangenen Daseins.
Es gibt Leute, die sich auch innerlich so kleiden, wie es die Mode heischt.
Es gibt Menschen, denen die Ehre wie ein Faß Wein erscheint; jeder Schoppen, den ein anderer trinkt, ist ihnen weggetrunken.
Es gibt Menschen, die so wachsfiguren aussehen, daß man glaubt, jede Minute kann es schnurren und die Automaten fangen zu spielen an.
Es giebt doch keine größere Freude auf der Welt, als wenn ein Kind eben bei allem Verstand das rechte Kinderherz behalten hat.
Es heißt schon Gutes tun, wenn man andern gestattet, gut gegen uns zu sein.
Es ist aber auch bekannt, wie oft die Menschen, wenn sie gesättigt sind, eine ganz andere Sinnesart haben, als da sie noch hungrig waren.
Es ist doch nur Ein Gott, der die Sonne scheinen und die Bäume wachsen läßt, und er weiß doch wie es gemeint ist, ob man so oder so zu ihm betet.
Es ist ein tiefer Zug der Menschennatur, daß wir die lieben, denen wir Wohltaten erzeigen können; ihr Leben wird eins mit uns.
Es ist keine Blume so einsam im stillen Thal, es kommt eine Biene, ihren Honig zu kosten.
Es ist leicht, energisch zu sein, wenn man einseitig wird.
Es läßt sich niemand etwas ganz geben; jeder versetzt Speise und Trank mit seinem eigenen Speichel.
Es rächt sich früher oder später, was man mit halber Wahrheit oder mit Widerspruch in der Seele unternimmt.
Freiheit und Arbeit, das sind die schönsten Vorzüge des Menschen. In ihnen ist alles.
Für einen Vater, dessen Kind stirbt, stirbt die Zukunft. Für ein Kind, dessen Eltern sterben, stirbt die Vergangenheit.
Geh mit Gottes Gnade durch Schatten und Licht an ferne Gestade zu uns bitte nicht.
Geist und Vernunft sind Vater und Mutter des bewußten Menschen. Was man erkennt, muß man auch bekennen.
Geld erwerben erfordert Klugheit; Geld bewahren erfordert eine gewisse Weisheit. Und Geld schön auszugeben ist eine Kunst.
Gewährte Freiheit ist nicht die ganze Freiheit.
Goethe fühlte sich im eigentlichen Sinne des Wortes als Zeitgenosse aller Zeiten.
Heimisch in der Welt wird man nur durch Arbeit. Wer nicht arbeitet, ist heimatlos.
Hilfeleistung für andere hilft auch uns selber von uns selber.
Ich glaube nicht, daß je ein Mensch in voller Aufrichtigkeit »Meine Wenigkeit« gesagt hat.
Ich habe noch nie gefunden, daß ein allzeit fertiger Citirmichel eigene Gedanken aus produktiver Seele habe.
Im ersten Aussprechen eines Gatten über den andern zu einem Dritten liegt eine folgenreiche Verfremdung und Preisgebung.
In der Rosenknospe ist alles vorbereitet, aber Duft und Farbe entstehen erst im Licht.
In großen Zeiten verschwindet alles kleine Leid und alle Einzelklage um eigenes Schicksal.
In hilfloser Verlorenheit wird man leicht abergläubisch und läßt sich vom Zufälligen bestimmen.
Jeder Mensch liebt sich selber. Der Eitle aber ist in sich verliebt
Kein Schmerz gleicht dem um ein im Leben verlorenes Kind.
Lebe in einer großen Stadt, sie giebt Dir täglich die Lehre: Du bist entbehrlich!
Leiste jeglichem und erwarte von niemandem.
Magere wissen immer, daß sie mager sind, fette Menschen selten, daß sie fett sind.
Man bedarf oft das Unnötigste am meisten.
Man kann an derselben Flamme verschiedenartige Lichter anzünden; es kommt nur darauf an, daß jedes aus seinem eigenen Stoffe weiter brennt.
Man kann einen Menschen schneller und leichter verderben als verbessern.
Man kann, solange die Seele arbeitet, sich nicht an längst Vollbrachtem vergnügen.
Man merkt erst, wenn die Ehre gestürzt ist, wie weit und in welchem Grunde ihre Wurzel gehen.
Man muß auch in der großen Geschichte nicht verzweifeln. Es gibt trotz schlechten Wetters doch stets eine Ernte.
Man muß freie, einfache Gedanken des Lichtes täglich wiederholen, wie die Sonne täglich aufgeht und die Nacht verscheucht.
Man wünscht viel, was einem nicht recht wär’, wenn’s nachher in Erfüllung ginge.
Musik allein ist die Weltsprache und braucht nicht übersetzt zu werden.
Musik wäscht die Seele vom Staub des Alltags rein.
Nicht alle Blumen duften uns, vielleicht haben aber Schmetterlinge und Bienen feinere Nasen als wir Menschen.
Nicht das Geistreiche, nur das Weise erbt sich fort von Mund zu Mund als heilige Tradition.
Nicht die Freude, nicht die Ruhe ist Lebenszweck, Arbeit ist es, oder es gibt überhaupt keinen Zweck.
Nicht die Sittlichkeit regiert die Welt, sondern eine verhärtete Form derselben: die Sitte.
Nicht im Auszeichnenden liegt die Würde eines Berufs, sondern in der Bewährung des rein Menschlichen, die in jedem Beruf möglich ist.
Nur die Völker, die Entdeckungen machen, haben eine Zukunft der Kultur.
Nur ein in sich versöhntes und befriedigtes Herz kann versöhnend und befriedigend wirken.
Nur was du in dir bist, bestimmt deinen Wert, nicht was du hast.
O Heimat! Du heiliger, trauter Ort! Da klopfen die Pulse, da zittert das Herz.
Saget nicht: die Natur tröstet. Gegen einen positiven Schmerz, einen Verlust auf immer vermag sie nichts.
Seliges Los der Kindheit, deren Wehe noch die stille Nacht des Schlummers in Vergessenheit einwiegt!
Solange der Baum in Blüthen steht, braucht er keine Stütze, wohl aber wenn er Früchte trägt.
Um einen Toten verwest auch der Schmerz, wenn das Tote zu Erde geworden; um ein lebendes Verlorenes lebt der Schmerz ständig fort.
Unbefriedigtheit ist die Quelle vieler Leiden, aber auch die alles Fortschritts im Leben des Einzelnen und der Völker.
Unruhe ist der ärgste Dämon im Leben.
Viele Charaktere sind nichts als ein Mosaik von Stimmungen; mit der Zeit bröckeln sie leicht ab.
Vieler Menschen Tugend besteht nur darin, daß sie nichts vertragen können.
Von allen Dingen der Welt rächt sich die Unwahrheit am meisten.
Von Mensch zu Mensch gibt es keinen andern Besitz als die Liebe.
Vorwürfe und Lehren werden einem Unglücklichen gegenüber oft zu ungerechten Härten.
Warmherzige Hingebung erwirbt Freunde, maßvolle Haltung bewahrt sie.
Was das Beste auf der Welt sei? – Gesundes Blut, gestählte Sehnen und starke Nerven.
Was ein Mensch in der Welt auch thue, und sei es noch so weitwirkend – hat er nicht seine Pflicht gegen seine Eltern erfüllt, so ist alles andere hinfällig.
Was wäre die Erfüllung der Pflicht, wenn sie kein Opfer kostete?
Wehe, wer die göttliche Sendung der Liebe entweiht!
Weiche Menschen sind leichter verstimmt. Öl gefriert leichter als Wasser.
Wenn der Tod die Lippen geschlossen, die dich Kind nennen mussten, ist dir ein Lebensatem verschwunden, der nimmer wiederkehrt.
Wenn in einer Seele eine sittlich nötige Eigenschaft fehlt, oder ihr durch Umstände entzogen ist, entwickelt sich nichts Ganzes und Gerechtes.
Wenn man fort ist, da fühlt man’s, wie lieb man sich haben soll, während man bei einander ist.
Wenn man verheiratet ist, ist’s aus und vorbei mit dem Eigenwillen.
Wer das Vaterland verläßt, steht in der Luft, hat keinen Boden unter sich, der ihn trägt.
Wer keine Freude an der Welt hat, an dem hat die Welt auch keine Freude.
Wer mag ermessen, welches lautlose Naturleben die Brust eines […] Kindes bewegt?
Wer nicht mit dem zufrieden ist was er hat, wäre auch nicht mit dem zufrieden, was er haben möchte.
Wer nichts nach der ganzen Welt fragt, nach dem fragt die Welt am meisten.
Wer Rache übt, verdirbt mit dem andern auch sich.
Wer viel in der Phantasie lebt, ist der Wirklichkeit gegenüber leicht zaghaft.
Wir fassen überhaupt alles Überirdische nicht durch den Begriff, sondern durch den Glauben.