Zitate von Baruch de Spinoza

Aber jede Mißgestalt des Geistes ist häßlicher als die des Leibes, weil sie einer höheren Gattung von Schönheit widerstreitet.
Alles hat heutzutage seinen Gipfel erreicht, aber die Kunst sich geltend zu machen, den höchsten.
Alles Vortreffliche ist ebenso schwierig wie selten.
Alles, was da ist oder gedacht wird, ist im Vergleich mit dem wahren Gut nichts anderes als das Elend selbst.
Alles, was ist, ist in Gott, und nichts kann ohne Gott sein noch begriffen werden.
Alles, was wir deshalb begehren, weil wir mit Haß erfüllt sind, ist schmachvoll und ungerecht.
Ängstlichkeit wird dem beigelegt, dessen Begierde eingeschränkt wird durch die Furcht vor einer Gefahr, der sich andere zu unterziehen wagen.
Auch fehlt es Menschen, die Zeit genug haben, nie an Finten, Gesetze zu umgehen.
Begierde ist des Menschen Wesen selbst.
Besser mit allen ein Narr, als allein gescheit, sagen politische Köpfe.
Das abermals und immer wieder auf einen Verdruß Zurückkommen ist eine Art Verrücktheit.
Das höchste Gut des Geistes ist die Erkenntnis Gottes, und die höchste Tugend des Geistes ist, Gott zu erkennen.
Das meiste und Beste, was wir haben, hängt von andern ab.
Das mühsam erlangte Glück wird doppelt genossen.
Das Nein des Einen wird höher geschätzt als das Ja mancher andern: denn ein vergoldetes Nein befriedigt mehr, als ein trockenes Ja.
Das praktischeste Wissen besteht in der Verstellungskunst.
Das Unvermögen eines Menschen, seine Affekte zu zügeln und einzuschränken, nenne ich Knechtschaft. Denn jeder lenkt alles gemäß seinem Affekt.
Das Vertrackte am Klarmachen des eigenen Standpunktes ist, daß man dadurch zu einem nicht zu verfehlenden Ziel wird.
Das wahre Gut des Menschen ist das eifrige Bestreben der Vervollkommnung seiner Natur.
Das was Paul über den Peter sagt, sagt mehr über den Paul aus als über den Peter.
Das Ziel der Philosophie ist einzig und allein die Wahrheit, das Ziel des Glaubens einzig und allein Gehorsam und Frömmigkeit.
Dem Klugen nützen seine Feinde mehr, als dem Dummen seine Freunde.
Demut ist keine Tugend, das heißt, sie entspricht nicht der Vernunft.
Demut ist, wenn jemand ohne Verlangen, hochgeachtet zu werden, seine Unvollkommenheit erkennt.
Den toten Löwen zupfen sogar die Hasen an der Mähne.
Denn die Bescheidenheit ist eine Art des Ehrgeizes.
Der Aufbau des menschlichen Körpers ist kunstvoller als alles, was je von menschlicher Hand erbaut wurde.
Der freie Mensch denkt über nichts weniger nach als über den Tod: seine Weisheit ist nicht ein Nachsinnen über den Tod, sondern über das Leben.
Der freie Mensch handelt niemals arglistig, sondern stets aufrichtig.
Der geistige Mut übertrifft die körperliche Kraft: er sei ein Schwert, das stets in der Scheide der Klugheit ruht, für die Gelegenheit bereit.
Der große Haufen hat viele Köpfe, und folglich viele Augen zur Mißgunst und viele Zungen zur Verunglimpfung.
Der größte Hochmut oder der größte Kleinmut ist die größte Unkenntnis seiner selbst.
Der Handelnde wirkt durch das, was er hat, der Leidende leidet durch das, was er nicht hat.
Der Hochmütige liebt die Gegenwart von Schmarotzern oder Schmeichlern und haßt die der Edelsinnigen.
Der höchste Stolz und der höchste Kleinmut ist die höchste Unkenntnis seiner selbst.
Der Leib will atmen, und der Geist streben.
Der Mann von Verstand kann genötigt werden, ein Widersacher, aber nicht, ein nichtswürdiger Widersacher zu sein.
Der Mensch reagiert nicht schwerer als seine Zunge, und seine Begierden vermag er eher zu mäßigen als seine Worte.
Der menschliche Geist hat eine adäquate Erkenntnis des ewigen und unendlichen Wesen Gottes.
Der menschliche Geist kann mit dem Körper nicht absolut zerstört werden, sondern es bleibt von ihm etwas übrig, das ewig ist.
Der Pöbel ist furchtbar, wenn er nicht fürchtet.
Der Verstand ist eben die königliche Eigenschaft und deshalb jeder Angriff auf ihn ein Majestätsverbrechen.
Der von seinen Affekten abhängige Mensch ist nicht Herr über sich selbst, sondern ein Sklave des Schicksals.
Der Zeit nachgeben, heißt sie überflügeln.
Der Zweifel entsteht immer daraus, daß man die Dinge nicht der Ordnung nach erforscht.
Die Begierde ist ein Trieb mit dem Bewußtsein desselben.
Die Dummheit fällt allemal mit der Türe ins Haus: denn alle Dummen sind verwegen.
Die Existenz Gottes und sein Wesen sind ein und dasselbe.
Die freien Menschen allein sind gegeneinander höchst dankbar.
Die Freude kann niemals schlecht sein, sofern sie durch das Gesetz unseres wahren Nutzens geregelt ist.
Die Freundschaft vermehrt das Gute und verteilt das Schlimme: sie ist das einzige Mittel gegen das Unglück und ist das Freiatmen der Seele.
Die Gerechtigkeit ist der standhafte und fortdauernde Wille, jedem sein Recht zu geben.
Die Glücklichen und Unglücklichen kennen, um sich zu jenen zu halten und diese zu fliehen.
Die Herzen werden nicht durch Waffen, sondern durch Liebe und Edelmut gewonnen.
Die Idee des Meeres ist in einem Wassertropfen vereint.
Die Kunst, die Verleumdung zu beschwichtigen, ist, sie unbeachtet zu lassen.
Die Leidenschaft färbt alles, was sie berührt, mit ihren Farben, bald günstig, bald ungünstig.
Die Leidenschaft hört auf, Leidenschaft zu sein, sobald wir uns von derselben eine klare und deutliche Idee bilden.
Die Menschen müssen zu Handlungen getrieben und zum Nachdenken nur veranlaßt werden.
Die Menschen sind viel eher zur Rache, als zur Vergeltung der Wohltaten bereit.
Die Menschen werden nicht als Staatsbürger geboren, sondern erst dazu gemacht.
Die menschliche Freiheit besteht lediglich darin, daß sich die Menschen ihres Wollens bewußt, und der Ursachen, von denen sie bestimmt werden, unbewußt sind.
Die Offenherzigen werden geliebt, aber betrogen.
Die Tugend des Menschen, der nach den Geboten der Vernunft lebt, zeigt sich gleich groß in Vermeidung wie in Überwindung der Gefahren.
Die Ursache, die den Aberglauben hervorbringt, erhält und ernährt, ist die Furcht.
Die Verachtung ist ferner auch die klügste Rache.
Die Wahrheit wird meistens gesehn, nur ausnahmsweise gehört.
Diejenige Regierung wird die gewaltsamste sein, wo einem jeden die Freiheit, zu sagen und zu lehren, was er denkt, verweigert wird.
Ehrgeiz ist unmäßige Begierde nach Ehre.
Ein freier Mensch denkt mehr an das Leben als an den Tod.
Ein Freund muß Freiheit haben, ohne Zurückhaltung zu raten, ja zu tadeln.
Ein gutes Ende übergoldet alles, wie sehr auch immer das Unpassende der Mittel dagegen sprechen mag.
Ein Krieg ist das Leben des Menschen gegen die Bosheit des Menschen.
Ein schöner Rückzug ist ebensoviel wert, als ein kühner Angriff.
Ein Wort nachzuschicken, ist immer Zeit, nie eins zurückzurufen.
Eine Schöne zerbreche schlau bei Zeiten ihren Spiegel, um es nicht später aus Ungeduld zu tun, wenn er sie aus ihrer Täuschung gerissen hat.
Entweder man lobt sich, welches Eitelkeit, oder man tadelt sich, welches Kleinheit ist.
Ersehnt komme man an; da wird man wohl empfangen werden.
Es geben sich besonders diejenigen jeder Art von Aberglauben hin, die maßlos nach Unsicherem streben.
Es gibt Gelegenheiten, wo das beste Wissen darin besteht, daß man nicht zu wissen scheine.
Es gibt nur Eine, alle Determination und Negation von sich ausschließende, unendliche Substanz, welche Gott genannt wird und das Ein Sein in allem Dasein ist.
Es gibt Regeln für das Glück: denn für den Klugen ist nicht alles Zufall. Die Bemühung kann dem Glücke nachhelfen.
Es ist eine Regel der Klugen, die Dinge zu verlassen, ehe sie uns verlassen.
Es ist nicht erst seit heute, daß die Wahrheit teuer zu stehen kommt; üble Nachrede aber soll mich nicht dazu bringen, sie im Stiche zu lassen.
Es ist richtig, daß wir im Leben vieles auf Grund bloßer Vermutungen tun, aber es ist falsch, daß unsere Ideen bloß auf Vermutungen beruhen.
Es liegt in der Natur der Vernunft, die Dinge unter einem Gesichtspunkt der Ewigkeit zu erfassen.
Friede ist nicht Abwesenheit von Krieg. Friede ist eine Tugend, eine Geisteshaltung, eine Neigung zu Güte, Vertrauen und Gerechtigkeit.
Für große Bissen des Glücks einen Magen haben.
Geduld ist die Tugend der Glücklichen.
Gegen die List ist die beste Vormauer die Aufmerksamkeit. Für feine Schliche eine feine Nase.
Geschichte darf man weder beweinen noch belachen –
Geschichte muß man verstehen.
Großer Vorsicht bedarf es bei denen, die zu ertrinken im Begriff sind, um ihnen, ohne eigene Gefahr, Hilfe zu leisten.
Haß wird durch Gegenhaß gesteigert, durch Liebe dagegen kann er getilgt werden.
Hat man einmal die Meinung gewonnen, so ist es leicht, auch die Zuneigung zu gewinnen.
Heiterkeit kann kein Übermaß haben, sondern ist immer gut; Melancholie dagegen ist immer schlecht.
Hochmut ist, wenn ein Mensch sich eine Vollkommenheit beimißt, die bei ihm nicht zu finden ist.
Ich habe mich eifrig bemüht, des Menschen Tun weder zu belachen noch zu beweinen, noch zu verabscheuen, sondern es zu begreifen.
Ich weiß nicht, wie ich Philosophie lehren soll, um nicht zum Störer herbeigebrachter Religion zu werden.
In der Natur der Vernunft liegt es nicht, die Dinge als zufällige, sondern als notwendige zu betrachten
Ist man zweifelhaft, so ist das Gescheiteste, sich zu den Klugen und Vorsichtigen zu halten, da diese früh oder spät das Glück einholen.
Je mehr wir die einzelnen Dinge erkennen, desto mehr erkennen wir Gott.
Je verständlicher etwas ist, desto leichter haftet es im Gedächtnis.
Jede Entscheidung ist Verneinung.
Jede Erscheinung beweist ihre Notwendigkeit durch ihr Dasein.
Jede Leutseligkeit bahnt den Weg zur Geringschätzung.
Jeder Dumme ist fest überzeugt; und jeder fest Überzeugte ist dumm: je irriger sein Urtheil, desto größer sein Starrsinn.
Jeder hat soviel Recht, wie er Macht hat.
Jeder ist so viel, als er weiß, und der Weise vermag alles.
Jedes Ding kann nur von einer äußern Ursache zerstört werden.
Jedoch ist der größte Narr, wer es nicht zu sein glaubt und alle andern dafür erklärt.
Keine größre Verkehrtheit, als sich alles zu Herzen nehmen.
Keinem werden wir und keiner uns ganz angehören.
Kleinmut ist, aus Unlust eine geringere Meinung von sich zu haben, als recht ist.
Lange leben und angenehm leben, heißt für zwei leben, und ist die Frucht des Friedens.
Liebe ist Freude, gebunden an die Vorstellung einer äußerlichen Ursache.
Man soll die Welt nicht belachen, nicht beweinen, sondern begreifen.
Man soll einen Fall wohl überlegen, zumal einen Unfall.
Mancher wäre ein Phönix in seinem Beruf gewesen; hätte er keine Vorgänger gehabt.
Neuheit ist nicht die Sache des Weisen.
Nicht auf immer lieben, noch hassen.
Nicht aus Besorgnis, trivial zu sein, paradox werden.
Nicht derjenige hat den besten Glauben, wer die besten Vernunftsgründe, sondern der allein, wer die besten Werke der Liebe und Gerechtigkeit zeigt.
Nicht spotten, nicht klagen, nicht verfluchen, sondern begreifen.
Nicht weinen, nicht zürnen, sondern begreifen!
Nie konnte das Wirkliche das Eingebildete erreichen: denn sich Vollkommenheiten denken, ist leicht; sie verwirklichen sehr schwer.
Nie sein Ansehn von der Probe eines einzigen Versuchs abhängig machen: denn mißglückt er, so ist der Schaden unersetzlich.
Nie wird der die Statue auf dem Altar gehörig verehren, der sie als einen Stamm im Garten gekannt hat.
Niemand kann begehren glücklich zu sein, gut zu handeln und gut zu leben, ohne dass er zugleich begehrt, zu sein, zu handeln und zu leben, das heißt wirklich zu existieren.
Niemand kann wünschen, glücklich zu sein, gut zu handeln und gut zu leben, wenn er nicht zugleich wünscht, zu sein, zu handeln und zu leben.
Nur die Vollkommenheit gilt, und nur das Gelungene hat Dauer.
Nur freie Menschen sind einander wahrhaft dankbar.
O unglückseliges Jahrhundert, wo die Tugend fremd, die Schlechtigkeit an der Tagesordnung ist!
Oft bringt die Arznei die Krankheit hervor. Und nicht die schlechteste Lebensregel ist: ruhen lassen.
Oft war ein guter Rat besser angebracht in der Form eines Witzwortes, als in der der ernstesten Belehrung.
Sehr großer Stolz und tiefe Selbstverachtung deuten auf eine Schwäche der Seele hin.
Sein, was wir sind, und werden, was wir werden können, das ist das Ziel unseres Lebens.
Seinen heutigen Freunden traue man so, als ob sie morgen Feinde sein würden und zwar die schlimmsten.
Sie [die Wahrheit] ist ein gefährlich Ding: jedoch kann der rechtliche Mann nicht unterlassen sie zu sagen.
So leicht es ist, den Menschen jede Art des Aberglaubens einzuflößen, so schwer läßt sich dagegen erreichen, daß sie in ein und derselben Art verharren.
Solange sich ein Mensch einbildet, etwas nicht tun zu können, solange ist es ihm unmöglich, es zu tun.
Tue nie soviel, wie du glaubst, tun zu können.
Von daher rühren auch die meisten Streitigkeiten, indem die Menschen ihre Gedanken nicht richtig darstellen oder die Gedanken des andern falsch deuten.
Von der Dummheit Gebrauch zu machen verstehn. Der größte Weise spielt bisweilen diese Karte aus.
Was viel wert ist, kostet viel.
Was wir Zufall nennen, ist der Zufluchtsort der Unwissenheit.
Weder die Vernunft, noch die Schrift lehrt, daß man jedes gegebene Versprechen halten müsse.
Weine nicht; sei nicht unwillig. Verstehe.
Wer alles verspricht, verspricht nichts: aber Versprechungen sind die Falle für die Dummen.
Wer von der Furcht geleitet wird und das Gute tut, um ein Übel zu vermeiden, der wird nicht von der Vernunft geleitet.
Wer wirklich Gott liebt, den wird es nicht danach verlangen, daß Gott ihn lieb habe.
Wissenschaft ohne Verstand ist doppelte Narrheit.
Worte kann man nicht essen, sie sind Wind; und von Artigkeiten kann man nicht leben, sie sind ein höflicher Betrug.