Zitate von Baltasar Gracián y Morales

Am Klange kennt man die Metalle, und an der Rede die Menschen.
Auch wünsche man seinen Freunden nicht zu großes Glück, wenn man sie behalten will.
Aus der Geduld geht der unschätzbare Frieden hervor, welcher das Glück der Welt ist.
Behutsames Schweigen ist das Heiligtum der Klugheit.
Bei allen Dingen stets etwas in Reserve haben. Dadurch sichert man seine Bedeutsamkeit.
Beobachtung seiner selbst ist eine Schule der Weisheit.
Besser man werde im Preise, als in der Waare betrogen.
Bücher sind die Nahrung der Seele.
Das einzige Mittel, beliebt zu sein, ist, daß man sich mit der Haut des einfältigsten der Tiere bekleide.
Das einzige, was uns wirklich gehört, ist die Zeit. Sogar derjenige, der nichts besitzt, hat sie.
Das Gedächtnis ist nicht allein widerspenstig, indem es uns verläßt, wann wir es am meisten brauchen,
sondern auch töricht, indem es herangelaufen kommt, wann es sich gar nicht paßt.
Das Geheimnisvolle hat einen gewissen göttlichen Anstrich.
Das Gute ist noch einmal so gut, wenn es gut ist.
Das Gute ist zweimal so gut, wenn es kurz ist.
Das Klagen schadet stets unserm Ansehn.
Das letzte Glück ist, zu philosophieren.
Das Meiste wird nicht erlangt, weil es nicht unternommen wird.
Das Unglück ist meistenteils Strafe der Torheit, und für die Teilnahme ist keine Krankheit ansteckender.
Dem Gerechten keine Gesetze, und dem Weisen keine Ratschläge.
Dem Unglücklichen scheint es, daß das Glück und der Tod sich verschworen haben, ihn zu vergessen.
Den Beleidigungen zuvorkommen und sie in Artigkeiten verwandeln: es ist schlauer sie zu vermeiden, als sie zu rächen.
Denken wie die Wenigsten und reden wie die Meisten.
Der Anfang der Selbstbesserung ist die Selbsterkenntnis.
Der Arzt braucht gleich viel Wissenschaft zum Nichtverschreiben wie zum Verschreiben, und oft besteht die Kunst grade in Nichtanwendung der Mittel.
Der Aufmerksame begreife, daß keiner ihn sucht; sondern jeder seinen Vorteil in ihm, oder durch ihn.
Der Geschmack läßt sich ebenso kultivieren wie der Geist.
Der Mensch ist soviel wert, wie ihm seine Mitmenschen gönnen, und damit sie es ihm gönnen, muß man ihren Mund auf dem Weg über das Herz gewinnen.
Der Verstand eines Mannes zeigt sich im Ernsthaften, welches daher mehr Ehre bringt, als das Witzige.
Der Weise schätzt alle, weil er in jedem das Gute erkennt und weiß, wie viel dazu gehört, eine Sache gut zu machen.
Der Weise weiß, daß der Leitstern der Klugheit darin besteht, daß man sich nach der Gelegenheit richte.
Die Anwandlungen der Leidenschaft sind das Glatteis der Klugheit, und hier liegt die Gefahr, sich ins Verderben zu stürzen.
Die eine Hälfte der Welt lacht über die andre, und Narren sind alle.
Die Freiheit ist viel köstlicher, als das Geschenk, wofür man sie hingibt.
Die größte Vollkommenheit der Handlungen stützt sich auf die sichere Meisterschaft, mit der man sie ausführt.
Die Handlungen sind die Frucht der Gedanken: waren diese weise; so sind jene erfolgreich.
Die Hoffnung ist eine große Verfälscherin der Wahrheit: die Klugheit weise sie zurecht und sorge dafür, daß der Genuß die Erwartung übertreffe.
Die Höhe der Gunst des Glücks wird oft durch die Kürze ihrer Dauer aufgewogen: denn das Glück wird es müde, einen so lange auf den Schultern zu tragen.
Die Kunst des Ausdrucks besitzen: sie besteht nicht nur in der Deutlichkeit, sondern auch in der Lebendigkeit des Vortrags.
Die Liebe führt die Vertraulichkeit ein, und mit jedem Schritt, den diese vorwärts macht, macht die Hochachtung einen zurück.
Die Liebe ist verwegner als der Haß.
Die Meisten schätzen nicht, was sie verstehn; aber was sie nicht fassen können, verehren sie.
Doppelten Verstand hat man nötig bei denen, die keinen haben.
Dumm ist nicht, wer eine Dummheit begeht; sondern wer sie nachher nicht zu bedecken versteht.
Ein anspruchsloser Mensch ist wie ein offener Brief, den ein jeder lesen kann.
Ein guter Witz hilft oft schneller als ein guter Rat, der durch langweilige Belehrung hervorgebracht wird.
Ein Kluger weiß Verdrießlichkeiten zu vermeiden; aber ein dummer Freund schleppt sie ihm zu.
Ein lange anhaltendes Glück ist allemal verdächtig: das unterbrochene ist sicherer und das Süßsaure desselben sogar dem Geschmack angenehmer.
Ein schönes Benehmen ist der Schmuck des Lebens, und jeder angenehme Ausdruck hilft wundervoll von der Stelle.
Ein Weiser nutzt seine Feinde besser aus als ein Narr seine Freunde.
Einige schätzen die Bücher nach ihrer Dicke; als ob sie geschrieben wären, die Arme, nicht die Köpfe daran zu üben.
Es dahin bringen, daß man zurückgewünscht wird.
Es gibt keinen Tropf, der nicht bösartig wäre.
Es gibt keinen, der nicht in irgendetwas der Lehrer des andern sein könnte: und jeder, der andre übertrifft, wird selbst noch von jemandem übertroffen werden.
Es gibt Leute, welche mehr zum Hindernis als zur Zierde der Welt da sind, unnütze Möbeln, die jeder aus dem Wege rückt.
Es ist eine große Kunst zu wissen, wie man Wind verkauft.
Es ist sehr verkehrt, wenn man sich das zu Herzen nimmt, was man in den Wind schlagen sollte.
Es zeugt nicht von Klugheit, daß man den Übeln entgegengeht; es sei denn um sie zu überwinden.
Falsch angelegte Dinge sind nie von Bestand: schon daß sie so viel verheißen, muß sie verdächtig machen; wie das, was zu viel beweist, selbst nicht richtig sein kann.
Fremde Sachen genießt man doppelt, nämlich ohne die Sorge wegen der Beschädigung, und dann mit dem Reiz der Neuheit.
Freunde haben. Es ist ein zweites Dasein. Jeder Freund ist gut und weise für den Freund, und unter ihnen geht alles gut ab.
Friedfertig leben, lange leben. Um zu leben, leben lassen.
Grade die Wahrheiten, an welchen uns am meisten gelegen, werden stets nur halb ausgesprochen; allein der Aufmerksame fasse sie im vollen Verstande auf.
Hab in deinem Leben immer zwei Eisen im Feuer. Alles muß zweifach sein und besonders die Quellen des Vorteils, der Gunst und des Genusses.
Im Reden ist Diskretion viel wichtiger, als Beredsamkeit.
In allem liegt Günstiges und Ungünstiges; die Geschicklichkeit besteht im Herausfinden des Vorteilhaften.
Ist man noch im Werden, so halte man sich zu den Ausgezeichneten; aber als gemachter Mann zu den Mittelmäßigen.
Jeder faßt seine Ansichten nach seinem Interesse und glaubt einen Überfluß an Gründen für dieselben zu haben.
Keiner ist zu arm dafür, es kostet nichts, bewirkt doch viel und erhält seinen Wert erst, wenn man es weitergibt: ein böses Wort.
Leidenschaftslos sein: eine Eigenschaft der höchsten Geistesgröße, deren Überlegenheit selbst sie loskauft vom Joche gemeiner äußerer Eindrücke.
Man darf nie dem kleineren Übel die Tür öffnen: denn hinter ihm werden sich stets viele andere und größere einschleichen.
Man lege nicht immer alles zur Schau: sonst wird es morgen keiner mehr bewundern.
Man sei eher im Besitz einer verehrenden als einer hingebenden Liebe: so ist sie ganzen Leuten angemessen.
Man überlege mit der Vernunft, damit man nicht widerlegt werde vom unglücklichen Ausgang.
Man wende die menschlichen Mittel an, als ob es keine göttlichen, und die göttlichen, als ob es keine menschlichen gäbe.
Mit dem Fleiße bringt ein mittelmäßiger Kopf es weiter, als ein überlegener ohne denselben. Die Arbeit ist der Preis, für den man den Ruhm erkauft.
Mit Zurückhaltung muß man vorschreiten, wo tiefer Grund zu fürchten ist.
Narren sind alle, die es scheinen, und die Hälfte derer, die es nicht scheinen.
Nicht alle seine Fähigkeiten und Kräfte soll man sogleich und bei jeder Gelegenheit anwenden.
Nicht hastig leben. Die Sachen zu verteilen wissen, heißt sie zu genießen verstehn.
Nicht leicht wird man andern Schmerz verursachen, ohne, entweder durch Mitleid, oder durch Vergeltung, selbst wieder Schmerz zu erdulden.
Nie aus Eigensinn handeln, sondern aus Einsicht. Jeder Eigensinn ist ein Auswuchs des Geistes, ein Erzeugnis der Leidenschaft, welche noch nie die Dinge richtig geleitet hat.
Nie sich zu dem gesellen, durch den man in den Schatten gestellt wird.
Ohne Mut ist das Wissen unfruchtbar.
Ohne Mut trägt die Weisheit keine Früchte.
Schlimme Nachrichten soll man nicht überbringen, noch weniger empfangen.
Sein Beginnen vorher beschlafen, ist besser, als nachmals darüber schlaflos liegen.
Seinem Herzen glauben, zumal wenn es erprobt ist: dann versage man ihm nicht das Gehör, da es oft das vorherverkündet, woran am meisten gelegen.
Sich andrer Schande angelegen sein lassen, ist ein Zeichen, daß man selbst schon einen befleckten Ruf hat.
Sich ehe Anlaß da ist entschuldigen, heißt sich anklagen; und sich bei voller Gesundheit zu Ader lassen, heißt dem Übel, oder der Bosheit, zuwinken.
Sich vor dem Siege über Vorgesetzte hüten. Alles Übertreffen ist verhaßt, aber seinen Herrn zu übertreffen ist entweder ein dummer oder ein Schicksalsstreich.
Sich zu entspannen ist besser, als beschäftigt zu sein.
Sogar das Vortrefflichste hängt von Umständen ab und hat nicht immer seinen Tag.
Sogar das Wissen muß nach der Mode sein, und da, wo es nicht Mode ist, besteht es grade darin, daß man den Unwissenden spielt.
Um liebenswürdig zu sein, ist das Hauptmittel, friedfertig zu sein.
Unnachgiebigkeit muß im Willen liegen, nicht im Urteil.
Vergessen können: es ist mehr ein Glück, als eine Kunst.
Vertrauen ist die Mutter der Sorglosigkeit.
Viele haben den Beinamen der Großen, der dem Cäsar und Alexander gehört, angenommen, aber vergeblich, da ohne die Taten das Wort ein bloßer Hauch ist.
Viele verlieren den Verstand deshalb nicht, weil sie keinen haben.
Wenige können uns Gutes antun, aber fast jeder kann uns Schaden zufügen.
Wenige taugen zu guten Freunden, und daß man sie nicht zu wählen versteht, macht ihre Zahl noch kleiner. Sie sich erhalten ist mehr, als sie zu erwerben wissen.
Wenn du weise bist, so lebe wie du kannst, kannst du nicht leben wie du willst.
Wer aber ein öffentliches Amt hat, muß der öffentliche Sklave sein; oder lege die Würde mit der Bürde nieder, würde die Alte des Hadrian sagen.
Wer nichts auf Morgen ließ, hat viel getan.
Wer sein Vorhaben durchsetzt, wird nie sein Ansehen verlieren.
Wir haben mehr Tage als Freuden zu erleben. Man sei langsam im Genießen, schnell im Wirken: denn die Geschäfte sieht man gern, die Genüsse ungern beendigt.
Wir leben, um zu erkennen und um uns selbst zu erkennen.